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Dieter Petereit 7. Juli 2012

Meilenstein: Twitter verbessert interne Suchfunktion massiv

Kein Beitragsbild

Twitters Suchfunktionalität außerhalb von Hashtags war bislang, freundlich ausgedrückt, weniger als mäßig. Dabei wäre gerade eine zuverlässige Echtzeitsuche ein wettbewerbsrelevantes Feature, mit dem sich Twitter deutliche Vorteile gegenüber Google und Facebook hätte verschaffen können. Während Google wenigstens mit Google+ schon qua Kernkompetenz auf einem guten Weg ist, bietet Facebook nach wie vor keine ordentliche Suchfunktion. Was Twitter am gestrigen Abend vorstellte, bringt das Unternehmen aus San Francisco einen großen Schritt nach vorne.

Twitter mit simplerer Suche, Autosuggest, Spellcheck und vielem mehr

Schon am Donnerstag sandte Twitter-Entwicklerchef Pankaj Gupta einen rätselhaften, aber aufmerksamkeitsstarken Tweet in die Weböffentlichkeit. Danach sollte das Suchen und Finden auf Twitter sich für immer verändern. Er gratulierte dem Team für diese Leistung und prophezeite einen enormen Effekt der Neuerungen, der so groß sei, dass viele ihn derzeit noch gar nicht ermessen könnten:

Spekulationen schossen ins Kraut, wir bei Dr. Web lehnten uns zurück und beschlossen zu warten. Immerhin hatte Gupta ja von tmrw (tomorrow) gesprochen. So viel Zeit sollte eine Redaktion haben…

In der mitteleuropäischen Nacht zu Samstag ging dann der offizielle Blogbeitrag Twitters unter dem reduzierten Titel “Simpler Search” online. In der Tat handelt es sich bei dieser Überschrift um ein beachtliches Understatement, denn das, was Twitter nun implementiert, wird nicht nur die Nutzer des Dienstes begeistern. Die Verwendung der Twitter-Website, sowie der offiziellen Clients für iOS und Android, die ebenfalls bereits Updates erfuhren, dürfte sich in naher Zukunft vermehrfachen.


Twitters Suchfunktion bietet jetzt ein Autosuggest

Entwickler alternativer Clients sollten sich einen Pullover mehr anziehen. Das Unternehmen aus San Francisco macht Ernst mit der Ankündigung, sie würden mit ihrem Dienst tun, was sie damit tun wollen. Vor dem Hintergrund der vorgestellten Veränderungen wird greifbarer, was gemeint gewesen sein könnte, als vor einer guten Woche die Rede von “strikteren Richtlinien zur Nutzung der Twitter APIs” war. Es könnte damit zu rechnen sein, dass Twitter den Suchzugriff auf die leistungsstärksten APIs, im Wesentlichen die sog. Firehose, für externe Entwickler unzugänglich machen wird. So würde die neue interne Suchfunktionalität via Twitter-Website gestärkt. Gleichzeitig würden die offiziellen mobilen Clients einen ganz erheblichen Wettbewerbsvorteil erfahren. Twitters Ziel ist nach eigenen Angaben, eine konsistente Nutzererfahrung im Umgang mit dem eigenen Dienst zu gewährleisten. Wir berichteten vor einigen Tagen darüber.

Twitters Simpler Search im Einzelnen

Um diese Neuerungen geht es:

  • Autosuggest im Suchfeld: Wie wir es aus der Googlesuche kennen, wird künftig auch in der Twittersuche mit der Eingabe der ersten Zeichen nach passenden Vorschlägen gesucht. So kann man den gewünschten Suchbegriff im besten Falle aus einer Liste wählen, ohne genau wissen zu müssen, wie die korrekte Schreibweise ist. Außerdem kann auf diese Weise assoziativ nach weiteren relevanten Zusammenhängen gesucht werden, auf die man ohne Autosuggest eventuell gar nicht gekommen wäre.
  • Rechtschreibkorrektur: Tippt man ein Wort fehlerhaft ein, versucht Twitter mit einem Korrekturvorschlag zu erraten, wonach mutmaßlich tatsächlich gesucht werden sollte.
  • Vorschläge ähnlicher Suchen: Bei der Suche nach Themen, über die auf Twitter unter unterschiedlichen Oberbegriffen kommuniziert wird, versucht die Suche zu ermitteln, welche davon am aktivsten sind. So soll man zu den relevantesten Ergebnissen geführt werden.
  • Suche nach Twitternamen und Echtnamen: Wird, wie in Twitters Blogbeispiel nach ‘Jeremy Lin’ gesucht, werden künftig sowohl Ergebnisse angezeigt, die den Langnamen beinhalten, wie auch solche, die lediglich den Twitter-Benutzernamen verwenden.
  • Ergebnisse aus dem Kreis derer, denen man auf Twitter folgt: Die aus meiner Sicht interessanteste Neuerung ist die Möglichkeit, die Suche zu begrenzen auf den Kreis der Personen, denen man selber auf Twitter folgt. So kann auch nach eher generischen Begriffen, wie etwa Party, gesucht werden, wenn man wissen will, wer am Samstag auf die Piste gehen wird.


Twitters Suche mit Begrenzung auf den Personenkreis derer, denen man folgt

Wer jetzt schnell diesen Beitrag verlassen will, um die Neuerungen auf Twitter zu testen, wird enttäuscht. Denn in Deutschland ist bislang nicht viel davon nutzbar. Die Rechtschreibkorrektur wird vermutlich noch längere Zeit auf die englische Sprache begrenzt bleiben, alle anderen Features sollten sich in der nächsten Zeit in lokalisierter Fassung auch hierzulande nutzen lassen. Die Begrenzung der Suchfunktion auf „People you follow“ ist bereits aktiv.

Da eine leistungsfähige Echtzeitsuche schon seit Jahren als das Killerfeature gehandelt wird, das Dienste im Wettbewerb voneinander abgrenzen kann, ist Guptas Tweet im Nachhinein nicht als übertrieben zu bezeichnen. Sollte sich Twitters neues Featureset tatsächlich als so leistungsfähig darstellen, wie es angekündigt ist, hat der Zwitscherdienst aus Kalifornien die Nase im weltweiten Kommunikations- und Nachrichtengeschäft ganz weit vorne. Jetzt bleibt ihm fast nichts anderes übrig, als die Leitungen zu externen Entwicklern, die auch nur entfernt so etwas wie einen Twitterclient anbieten, zu kappen.

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Tipp. Wird ja auch langsam mal Zeit.

  2. danke dieter,
    sehr informativ und aufschlussreich. ist an mir vollkommen vorbeigegangen.
    grüße!!

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