Michael Dobler 2. Oktober 2018

Mail in Germany: Deutsche E-Mail-Marketing-Lösungen rapidmail, Newsletter2Go und Inxmail

Wenn du am Montag nach einem verlängerten Wochenende in die Agentur kommst, deinen Rechner hochfährst und mit einer dampfenden Tasse Kaffee in der Hand den E-Mail-Client deiner Wahl öffnest, weißt du wieder einmal, dass E-Mails nicht totzukriegen sind. Im Spamordner findest du die üblichen Ich-habe-eine-Millionenerbschaft-und-brauche-ihre-Unterstützung-Mails und auf die untere Gürtellinie bezogenen Angebote. Diese nicht abonnierte Form der E-Mail-Kommunikation wird wohl immer Hochkonjunktur haben. In deinem regulären Posteingang jedoch liegt vielleicht eine neue Mail von deinem favorisierten Projektmanagement-Tool, die dich über die neuesten Funktionen informiert und zu einem Tarifupgrade verführen will.

Sei es der Versand von Newslettern an Bestandskunden zur direkten Umsatzgenerierung, oder die Gewinnung von Neuabonnenten für den Interessenten-Verteiler: E-Mail-Marketing ist für dich und deine Kunden umso wichtiger in Zeiten, in denen Kaufentscheidungen und Käufe zunehmend digital stattfinden. Weil eine deutsche Benutzeroberfläche und ein deutschprachiger Telefon- und E-Mail-Support Zeit und Nerven spart, stelle ich dir heute ein paar deutsche Anbieter von E-Mail-Marketing-Lösungen vor.

rapidmail

Nicht weit vom Firmensitz von Inxmail entfernt arbeitet rapidmail. Bei rapidmail, das lässt der Name schon erahnen, geht das mit dem Testzugang für die Software rapido. Einmal die Email-Adresse hinterlassen, die geschäftstüchtig für Follow-Ups verwendet werden kann und gleich demonstriert, was mit automatisierten Mailserien geht: per Willkommensmail bekam ich die Zugangsdaten zur Demoversion und kann euch auch einen sofortigen Einblick in das Backend geben anhand eines Einführungsvideos, welches mir in einer weiteren Auto-Mail empfohlen wurde.

Als Nutzer von Cloudanwendungen fühlt sich dieser Einstieg schon vertrauter an. Rapidmail startete vor 10 Jahren, betreut mittlerweile 80.000 Kunden, darunter auch Branchengrößen wie VW, Philips und Check24. Dank dieser breiten Kundenbasis verschwindet rapidmail nicht wieder vom Markt, denn Planungssicherheit ist bei der Wahl des Serviceanbieters nicht unwesentlich, sobald Massenmails integrierter Bestandteil der Markenstrategie sind.

Für die Freischaltung des Test-Accounts muss ich keine Zahlungsdaten eingeben, das finde ich gut. Zwecks Tarifeinstufung werde ich gleich nach der Verteilergröße und Versandfrequenz gefragt. Wir sind momentan noch MailChimp-Kunde. Gerade bei komplexeren Sachverhalten habe ich mir schon öfters einen deutschsprachigen Support gewünscht.

Schauen wir doch mal wie es preislich für uns ausschauen würde. Unser Redaktionsnewsletter-Verteiler umfasst 5.200 Abonnenten. Bei vierzehntägigen Ausgaben macht das für uns 43,20 € netto im Flatrate-Tarif. Damit kämen wir monatlich um rund 20 Euronen billiger weg. Doch zur Gesamtrechnung gehören auch die Wechselkosten, die uns z.B. durch das Einbinden neuer Anmeldeformulare und Automails entstehen würden. Keine niedrige Wechselhürde.

Der E-Mail-Markt scheint noch lange nicht gesättigt zu sein. Jedenfalls ist mir bis dato kein Anbieter untergekommen, der einem das Wechseln aktiv schmackhaft macht mit einem Wechselservice oder einem Wechselkostenzuschuss. Immerhin: Ein einmaliger Gratisversand an bis zu 2.000 Empfänger ist drin.

Rapidomail unterteilt sein Leistungsspektrum in drei Teilbereiche:

Marketing Automation

Unter „Marketing Automation“ verstehen sie alles, was zur automatisierten Pflege der Kundenbeziehung nützlich sein kann. Hätten wir von unseren Abonnenten das Geburtsdatum, so könnten wir Ihnen zu ihrem Jubeltag eine Glückwunschmail schicken, nicht nur herzliche Worte, sondern z.B. ein Geschenk, wie einen Einkaufsgutschein oder ein kostenloses E-Book. Ein weiteres Anwendungsgebiet sind E-Mail-Serien. Dieses Feature nutzt rapidomail gerade bei mir. Gestern bekam ich eine Mail, in der mich der Support fragte, ob ich Unterstützung beim Importieren der Empfängerdaten benötige. Das halte ich nach wie vor für einen sinnvollen Einsatz der Automatisierung im Pre-Sales.

Übertreiben solltest du die Versandfrequenz jedoch nicht, denn sonst sind deine Interessenten vielleicht genervt und tragen sich aus. Der Macher des beliebten WordPress SEO-Plugins Yoast, welches ich neulich für einen Kunden kaufte und installierte, übertreibt es für meinem Geschmack mit den Automailings, in diesem Fall im After-Sales. Sicherlich ist SEO ein wichtiges Thema, doch ich möchte nicht alle paar Tage ein kostenpflichtiges Webinar angeboten bekommen. Gerade weil Auto-Mails so verführerisch einfach aufzusetzen sind, solltet ihr Acht geben und es mit der Versandfrequenz nicht übertreiben.

Je mehr Firmen die Segnungen der Marketing Automation nutzen, desto höher wird das Mailaufkommen für den Nutzer und die Gefahr, dass zu häufig versandte Mails zur nächsten Generation von Spam-Mails mutieren, die dann vielleicht noch in der Inbox landen, aber nicht mehr gelesen werden.

Clever genutzt, sind Auto-Mails alternativlos in der Massenkommunikation und gerade im E-Commerce eine große Chance, mit vergleichsweise wenig Initialaufwand, fortlaufend Umsatz zu generieren. Rapidmail Marketing Automation funktioniert mit den beliebtesten Shopsystemen wie Woocommerce, Shopware und Magento, und du hast damit zumindest das Tool, um Kunden langfristig von deiner Marke zu überzeugen.

Newsletter

Mit Newslettern fing im E-Mail-Marketing alles an. Mein damaliger Industriekunde entdeckte für sich die Kommunikation via E-Mail als kostengünstige Alternative zu Papierpostillen an Kunden und Vertriebspartner. Bei rapidmail kannst du dir aus über 200 Vorlagen deinen Newsletter bauen (leider kann ich keine dieser Vorlagen ohne Log-in anschauen).

Du nutzt dazu einen Drag-and-Drop-Editor und musst dich nicht um die Programmierung des Templates kümmern. Die Newsletter sind by Design responsiv. Übliche Kennzahlen wie die Öffnungsrate, Klickraten einzelner Teaser oder die Anzahl der Abmeldungen, findest du nach dem Versand im Backend vor. Damit deine E-Post trotz Opt-in nicht doch im Spam landet, setzt sich rapidmail für das Whitelisting deines Verteilers ein, denn daran hängt ja auch deren Geschäft. TÜV-Zertifikate, eine Zusammenarbeit mit GMX, WEB.DE und Konsorten via der Certified Sender Alliance und der Akkreditierung bei SuretyMail sollen dir eine sehr hohe Inbox-Zustellrate bescheren und Vertrauen schaffen.

Transaktionsmails

Ob Bestellbestätigung mit Rechnungsanhang, eine Dankeschön-Mail für Neukunden, eine Versandnachricht, ein Nachhaken bei Bestellabbrüchen – über die Marketing Automation hinaus bist du gerade als Betreiber oder Verantwortlicher eines Shops in vielfachem Kundenkontakt und nutzt die Vorteile von Automailern. Diese Form des aktionsbasierten E-Mail-Dialogs beherrscht rapidmail natürlich auch.

Newsletter2Go

Der Umwelt zuliebe: Besser Newsletter2Go als ein Coffee-to-Go im Pappbecher. (Quelle: Screenshot Dr. Web, Unterseite Newsletter2Go)

Der Umwelt zuliebe: Besser Newsletter2Go als ein Coffee-to-Go im Pappbecher. (Quelle: Screenshot Dr. Web, Unterseite Newsletter2Go)

Newsletter2Go aus Berlin macht seit 2011 in E-Mail-Marketing und verfügt nach eigenen Angaben über 185.000 Kunden, darunter Facebook und Spiegel Online. Im Vergleich zu rapidmail punkten sie mit monatlich 1.000 kostenlosen Mails. So ganz textsicher sind sie nicht, mal sprechen sie von E-Mails, dann von Newslettern.

Willst du einem Kunden E-Mail-Marketing, für den das Neuland ist, schmackhaft machen, brauchst du zum Einstieg erst einmal nicht über Versandkosten zu sprechen. So leicht verständlich wie bei rapidmail ist deren Tarifstruktur jedoch nicht. Lite, Standard oder Pro lautet die Quizfrage. Am Beispiel unserer Verteilergröße lägen wir in der Verteilergrößenordnung 5.000 – 7.500 Abonnenten bei 50 € monatlich und monatlicher Abrechnung.

In der Lite-Version für 30 € pro Monat kann ich auf 30 einfache Vorlagen zugreifen und damit „Standard“-Kampagnen versenden, während ich im Standard-Mode 30 Design-Vorlagen nutzen darf und bei Bedarf individuelle Gutschein Codes in meine Newsletter einbaue. Außerdem scheint die Anzahl der Bilder, die ich hochlade, ein Tarif bestimmender Faktor zu sein. Bei den Berlinern verirre ich mich fürs Erste im Tarifdschungel, muss ich zu viele Begriffsabklärungen machen. Das ist mir zu anstrengend.

Die Features zeugen jedoch von einer soliden E-Mail-Marketing-Plattform. Ich kann unter anderem…

  • mit Hilfe eines Editors, ohne in den Code eingreifen zu müssen, responsive Newsletter erstellen, die auch über die persönliche Anrede hinaus personalisierbar sind, wie z.B. individuelle Textbestandteile oder Inhaltsblöcke nach Merkmalen wie Geschlecht oder Kaufhistorie. Das geht natürlich nur mit der Anbindung an ein CMS, Shop oder CRM-System, denn bei der reinen Anmeldung über die Website gilt Datensparsamkeit und nur die E-Mail-Adresse darf ein Pflichtfeld sein. Newsletter2Go bietet hier einige Integrationen to To-go.
  • mir vorab ohne Registrierung Newsletter-Beispiele aus verschiedenen Branchen anschauen, etwas, das ich mir auch bei rapidmail gewünscht hätte.
  • darauf vertrauen, dass meine E-Mails ankommen, da Newsletter2Go wie rapidmail das Whitelisting ein Herzensanliegen ist.
  • auch hier die Vorteile der E-Mail-Automation für mich nutzen, meinen Stammkunden ein Geburtagsmailständchen singen, neue Kunden ohne zusätzliches Tun willkommen heissen, sie neugierig fragen, warum sie den Bestellvorgang nicht abgeschlossen haben, sie nach n Tagen anstupsen, dass es doch mal wieder an der Zeit wäre, etwas zu bestellen, mein tiefstes Bedauern äußern, falls sie wider Erwarten den Newsletter abbestellen und ihnen was schenken, falls sie dies rückgängig machen.
  • im Empfängermanagement-Modul mehrere Listen verwalten, z.B. eine Leads- und eine Kundenliste, meine Empfänger weiter segmentieren, z.B nach B2C oder B2B.

Inxmail

Inxmail: Keine Hybris, sondern langjähriges kontinuierliches Wachstum (Quelle: Screenshot Dr. Web, Ausschnitt Startseite Inxmail)

Inxmail: Keine Hybris, sondern langjähriges kontinuierliches Wachstum (Screenshot Dr. Web: Ausschnitt Startseite)

Inxmail ist der Branchenpionier und hat 19 Jahre Praxiserfahrung. Inxmail Professional kam auf meinen Schirm, als ich in 2002 für meinen damaligen Arbeitgeber E-Mail-Marketing in dessen Tochtergesellschaften einführen durfte. Die Freiburger hosten ihre Server selbstredend in Deutschland.

Als Gründungsmitglied der CSA (Certified Sender Alliance) setzte der E-Mail-Spezialist schon früh auf die Einhaltung rechtlicher und technischer Qualitätsstandards. Und wie früher auch schon scheuen sie sich, ihre Preise offen zu kommunizieren. Dies mutet in Zeiten des Siegeszuges von cloudbasierten SaaS-Geschäftsmodellen etwas anachronistisch an, mag aber vielleicht daran liegen, dass man die als damaliger Platzhirsch etablierte Vertriebsphilosophie mit der Einbindung von Systempartnern als Umsatztreiber nicht antasten will und weiter auf deren kundenindividuelle Preisgestaltung setzt.

Transparente Free-to-Paid-Tarife gelten zumindestens im Geschäft mit kleineren Endanwendern als Industriestandard. In dieses Marktsegment möchte Inxmail wohl nicht einsteigen. Unter den 2.000 Kunden sind einige darunter mit einem mutmaßlich großen Verteiler, wie z.B. die Santander Bank oder die Hardwarespezialisten von gravis. Diese Kunden können z.B.

  • automatisiert transaktionsbezogene Trigger-Mailings versenden, wie z.B. eine nachhakende Mail nach einem abgebrochenen Bestellvorgang.
  • als Agentur oder betriebsintern über einen Freigabe-Workflow das Go für den Versand eines Newsletters einholen.
  • segmentierten Empfängern mittels eines Gutschein-Plug-Ins individualisierte Codes zustellen.
  • Artikeldaten aus Shop- und CMS-Systemen automatisch in das E-Mail-Template ziehen.
  • die Empfängerdaten sicher und DSGVO-konform verwalten.
  • Split-Tests durchführen für Betreffzeilen und Versandzeitpunkte.
  • mehrstufige Kampagnen fahren mit automatisierten E-Mail-Serien.

Wer Lust hat, die Software zu testen, weil er vielleicht Ambitionen hat, in die Riege der Partner aufgenommen zu werden, kann hier eine kostenlose Probeversion anfordern. Mal sehen, vielleicht kann ich ein aktuelles Demovideo auftreiben und hier einbinden. Aus dem Netz waren nur ältere Videos zu fischen.

Welchen Anbieter wählst du denn nun?

Newsletter2Go und rapidmail sind vom Funktionsumfang vergleichbar. Rapidmails Kostenstruktur ist einfacher zu verstehen. Newsletter2Gos dauerkostenloser Versand an 1.000 Empfänger wird z.B. einer Internet-Agentur, die gepflegt Newsletter an ihre Kunden verschicken will, ewig reichen.

Branchenpionier Inxmail ist vielleicht für Agenturen einen Anruf wert, deren Großkunden ganz individuelle Vorstellungen bezüglich der Integration in ihre Softwarelandschaft haben und nicht auf die Idee kommen, einmal selbst nach Out-of-the-Box-Lösungen zu schauen und deren Preise zu recherchieren.

(Beitragsbild: Depositphotos)

Michael Dobler

Michael Dobler

Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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2 Kommentare

  1. Danke für die Übersicht, die Unterschiede finde ich gut ausgewählt und dargestellt. Hätte nur gedacht, dass Ihr den ebenfalls deutschsprachigen Anbieter „Klick-Tipp“ mit in den Vergleich aufnehmt.

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