Wenn Design gestohlen wird – und was man tun kann

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Cameron Chapman

Cameron Chapman ist eine professionelle Web- und Grafikdesignerin mit über sechs Jahren...

Designer verbringen Stunden damit, Websites perfekt zu gestalten, gleich, ob es ihre eigenen sind oder die ihrer Kunden. Wenn Sie Tage oder gar Monate auf eine Website verwendet haben, dann möchten Sie in keinem Fall, dass jemand anderes Ihnen das Design stiehlt, ohne Sie in angemessener Form als Urheber zu benennen (oder zu bezahlen). Wenn Sie gar Muster- oder Themenvorlagen entwerfen, dann haben Sie eben ein  größeres Problem. Wenn Ihre Vorlagen letztlich kostenlos online verfügbar sind, werden viele sich nicht die Mühe machen, dafür Geld auszugeben.

Was können Sie also unternehmen, wenn Sie feststellen, dass eines Ihrer Designs gestohlen wurde? Was sollten Sie tun? Lesen Sie weiter, um eine umfassende Anleitung hinsichtlich dessen zu erhalten, was Sie zum Schutz Ihres geistigen Eigentums unternehmen können.

Ich bin kein Rechtsanwalt und gebe auch nicht vor, einer zu sein. Die hier erteilten Ratschläge sollten daher nicht als Rechtsberatung aufgefasst werden. Bevor Sie einzelne der nachfolgenden Maßnahmen ergreifen, sollten Sie einen Anwalt oder sonstigen Rechtsexperten zu Rate ziehen, um festzustellen, was erlaubt ist, beziehungsweise welche zusätzlichen Möglichkeiten Sie haben.

1. Warum stiehlt jemand ein Design?

Nicht jeder, der sich ein Design unerlaubt aneignet, will Sie schädigen. Es gibt eine ganze Reihe von Gründen für ein solches Verhalten – einer der häufigsten ist dass viele Menschen einfach nicht begreifen, dass es unrechtmäßig und unmoralisch ist, das Design eines anderen zu entwenden. Wenn Sie natürlich Vorlagen oder Themen verkaufen, dann trifft dies vermutlich nicht zu. Aber, wenn es sich um ein nur für Sie allein entwickeltes Design handelt, dann ist das immer eine Möglichkeit.

copyright

Viele glauben den Mythos, dass online verfügbare Inhalte frei verwendbar sind, andere wiederum glauben, dass ein Urheberrecht nur dann besteht, wenn es ausdrücklich angegeben ist. In jedem Fall ist sich derjenige, der sich Ihres Designs bemächtigt hat, möglicherweise gar nicht bewusst, etwas Falsches getan zu haben.

In anderen Fällen macht sich vielleicht jemand Ihr Design zunutze, weil er der Ansicht ist, es wäre ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie eine Website für sein Nischengeschäft aussehen sollte oder weil das hinter der Website stehende Unternehmen führend in der Branche ist. Es ist nicht immer klar, ob solche Leute sich der Unrechtmäßigkeit ihres Tuns bewusst sind oder nicht; zumindest machen sie sich nicht klar, wie falsch es ist.

Einige stehlen Designs, weil sie nicht die Mittel haben, einen Webdesigner zu beauftragen, wohl aber genug eigenes technisches Knowhow, um selbst einen Internetauftritt zu kopieren. Diese Menschen gehen meist nicht davon aus, erwischt zu werden. Gleiches gilt manchmal für Leute, denen die Gestaltung einer Website in Auftrag gegeben wurde, die aber nicht über die Fähigkeiten zur Ausführung dieses Auftrages verfügen. Folglich kopieren Sie eine andere Website und hoffen, dass ihr Kunde diese nie gesehen hat.

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Manchmal wird jemand den Großteil Ihres Designs verwenden, aber kleine Veränderungen daran vornehmen und anschließend behaupten, er hätte sich lediglich von der Gestaltung inspirieren lassen und es nicht wirklich übernommen. Wenn er die Website nicht komplett von Anfang an neu aufgebaut und wesentliche Änderungen daran vorgenommen hat (und selbst dann), ist das kein guter Einwand und Sie können ihn immer noch so behandeln, als ob er das Design vollständig gestohlen hat.

Ich neige dazu, im Hinblick auf den Diebstahl geistigen Eigentums nach dem Prinzip “im Zweifel für den Angeklagten” vorzugehen. Wenn Ihnen so etwas das erste Mal passiert, ist häufig die Versuchung groß, mit aller Macht gegen den Verursacher vorzugehen, doch in vielen Fällen ist es für Sie besser, den Missetäter zu belehren.

2. Erste Schritte

Sie haben also entdeckt, dass jemand eines Ihrer Designs gestohlen hat. Gleich, ob Sie dies selbst entdeckt haben oder ein anderer es Ihnen berichtet hat – es kann für Sie eine schmerzhafte Erfahrung sein. Im ersten Moment wollen Sie vielleicht eine wütende Email schreiben, einen Kommentar auf der Website desjenigen hinterlassen oder ihn öffentlich bloßstellen, aber nehmen Sie sich noch für einen Augenblick zurück und überlegen Sie sich, welche Optionen sie haben.

Von der Art und Weise, wie Sie mit dieser Situation umgehen, wird weitgehend Ihre Zufriedenheit mit der Lösung abhängen. Wenn Sie die Person angreifen, wird deren erste Reaktion sein, sich zu wehren oder auf ihrem Standpunkt zu beharren und eine Einigung mit Ihnen abzulehnen. Vielleicht wendet sie sich auch an einen Rechtswanwalt, um Sie loszuwerden, was für Sie teure Rechtskosten und eventuell sogar einen gerichtlichen Streit zur Folge haben könnte – nicht gerade das, worauf die meisten Designer ihr Geld und ihre Energie verwenden möchten.

Den Eigentümer der Website ausfindig machen
Als erstes sollten Sie die Website selbst überprüfen. In den meisten Fällen werden Sie dort in irgendeiner Form Kontaktdaten finden. Falls nicht (oder falls Sie dort lediglich ein Kontaktformular finden), lässt sich der Eigentümer der Website in der Regel über die Abfrage der Whois-Angaben zu der Domäne ermitteln. Ist die Domäne jedoch verdeckt registriert, werden Sie den Webhosting-Anbieter bezüglich der Kontaktdaten ansprechen müssen. Wenn auch das nicht zum Erfolg führt, bleibt Ihnen als letzte Möglichkeit wohl nur der Rechtsweg.

Die erste Kontaktaufnahme
Denken Sie daran, dass die Person, die sich Ihres Designs bemächtigt hat, sich möglicherweise gar nicht bewußt ist, etwas Unrechtes getan zu haben. Mit Ihrer ersten Kontaktaufnahme haben Sie die Gelegenheit, diese Person über die Rechte am geistigen Eigentum aufzuklären. Seien Sie nicht anklagend – lassen Sie sie wissen, dass das momentan von ihr verwendete Design urheberrechtlich geschützt ist und dass Sie auf der sofortigen Stilllegung der Website bestehen müssen, wenn die Person nicht nachweisen kann, dass sie für das Design bezahlt hat.

Senden Sie eine Email: “Mein Website-Design wurde gestohlen!” Und nun?
Möglicherweise ist sich der Eigentümer der Website gar nicht bewusst, dass sein Design kein Original ist. Wenn er einen weniger angesehenen Designer engagiert hat, ist er vielleicht in dem Glauben gelassen worden, sein Design wäre in jeder Hinsicht ursprünglich und Ihre Email ist für ihn erstmal ein Schock. Wenn Sie in Ihrer ersten Email freundlich und höflich bleiben, kann das einen großen Unterschied auf die Art und Weise der Reaktion machen.

Wenn Sie keine Antwort erhalten
Sollten Sie nach ein paar Tagen nichts von dem Eigentümer der Website gehört haben, können Sie immer noch auf seinen Internetanbieter zugehen und die Abschaltung der Seite verlangen. Wenn Sie nachweisen können, dass das Design Ihnen gehört und dass die Websitebetreiber keine Lizenz dafür haben, werden viele Anbieter die Website vorübergehend aus dem Netz nehmen, um eine Verwicklung in einen Rechtsstreit zu vermeiden, falls Sie sich für eine Klage entscheiden.

Sofern Sie sich hundertprozentig sicher sind, dass die Person Ihre Website vorsätzlich kopiert hat und sie auf Ihre Aufforderungen zur Abschaltung nicht reagiert, könnten Sie sie auch in Ihrem Blog, einem Forum oder auf einer anderen Website öffentlich bloßstellen.

Das ist allerdings schon riskant. Zunächst einmal könnte man Sie wegen übler Nachrede verklagen. Ob man damit Erfolg hat oder nicht, spielt keine Rolle: Sich in einem Prozess zur Wehr setzen zu müssen, ist fast immer teuer und zeitaufwändig. Die Person muss nicht im Recht sein, um Sie verklagen zu können. Selbst wenn alles, was Sie sagen, richtig und wahr ist, muss das den Kläger nicht davon abhalten, diesen Weg zu verfolgen.

Aber diese Art des Vorgehens hat auch ihre Vorteile. Wenn Ihr Blog von vielen Leuten gelesen, beziehungsweise das Forum von vielen verfolgt wird, bringen Sie möglicherweise andere dazu, sich Ihrer Sache anzuschließen und für Sie aktiv zu werden, um die rechtswidrige Website offline schalten zu lassen. Der Rechteverletzer könnte nachgeben, weil er die negative Publicity vermeiden möchte. Aber nochmal: Wägen Sie die Vor- und Nachteile sorgfältig ab und unternehmen Sie diesen Schritt mit Bedacht.

Schreiben Sie alles auf
Dokumentieren Sie alle Schritte, die Sie wegen des Diebstahls unternehmen. Notieren Sie sich, wann Sie die rechtsverletzende Website entdeckt haben, wann Sie Kontakt zum Eigentümer aufgenommen haben und ob dieser reagiert hat. Das wird Ihnen nützen, wenn Sie am Ende doch weitere Maßnahmen ergreifen müssen.

3. Besorgen Sie sich einen Rechtsbeistand

Wenn Sie immer noch nicht aus eigener Kraft weiterkommen, ist es möglicherweise Zeit, einen Anwalt zu kontaktieren. Der Anwalt wird vermutlich zunächst eine offizielle Unterlassungsaufforderung an den Schuldigen schicken. Darin wird in aller Regel erklärt, dass das verwendete Design urheberrechtlich geschützt ist und dass derjenige die Website sofort aus dem Netz nehmen muss oder ihm ansonsten rechtliche Schritte drohen.

Vielfach reicht so eine offizielle Unterlassungsaufforderung aus, um nahezu jeden abzuschrecken, und Sie werden sehen, dass das Design schnell geändert oder insgesamt entfernt wird.

Erfolgt jedoch weiterhin keine Reaktion, wird der Anwalt möglicherweise einen ähnlichen Brief an den Anbieter schicken, bei dem die Website gehostet ist, und deren Abschaltung wegen Urheberrechtsverletzungen verlangen. Webhoster reagieren für gewöhnlich auf diese Art von Schreiben, weil Sie nicht verklagt werden möchten.

Führt keine dieser Aktionen zum Ziel, kann der nächste Schritt ein Gerichtsverfahren sein. In vielen Fällen ist dies jedoch nicht den damit verbundenen Zeitaufwand, die Mühen und das Geld wert. An diesem Punkt sollten Sie einmal innehalten und sich bewusst Gedanken darüber machen, wie weit Sie zu gehen bereit sind.

Wenn derjenige, der Ihr Design entwendet hat, dies einfach nur auf seiner eigenen Website benutzt, werden Sie sich möglicherweise nicht mit einer gerichtlichen Auseinandersetzung plagen wollen. Die Auswirkung auf Ihre Einkünfte wird vermutlich nicht groß genug sein, um diese Art des Vorgehens zu rechtfertigen. Wenn jedoch der Rechtsverletzer Ihr Design weitervertreibt oder als sein eigenes ausgibt (beispielsweise als Teil seiner Produktpalette), dann könnte das Gerichtsverfahren durchaus sinnvoll sein. Fragen Sie Ihren Anwalt nach den Erfolgsaussichten aus seiner Sicht und nach den damit verbundenen Kosten.

Je nachdem, in welchem Land Sie Ihren Wohn- beziehungsweise Geschäftssitz haben, können Sie eventuell behördliche Hilfe bei der Abschaltung des Designs erhalten. Erkundigen Sie sich bei dem in Ihrem Land für Urheberrecht und geistige Eigentumsrechte zuständigen Amt nach der richtigen Behörde, die Sie ansprechen müssen.

4. Den möglichen Diebstahl verhindern

Sie können eine Reihe von Dingen unternehmen, um einen Diebstahl Ihrer Designs zu verhindern. Bei einigen handelt es sich um technische Lösungen, andere hingegen beziehen sich mehr auf das Frontend.

Schon das einfache Anbringen eines Urheberrechtvermerks auf Ihrer Website wird viele potenzielle Täter abschrecken, insbesondere solche, die Online-Inhalte nur dann als urheberrechtlich geschützt anerkennen, wenn dies entsprechend vermerkt ist. Auch solche Personen, die um die Illegalität ihres Handelns wissen, aber hoffen, nicht ertappt zu werden, könnten abgeschreckt werden, denn ein solcher Vermerk zeigt, dass Sie vorausschauender als andere Website-Inhaber agieren.

Technische Lösungen
Eine Sache, die Sie tun können, um das Entwenden Ihrer Designs zu verhindern, ist so genannten “Screenscraper”-Programmen den Zugriff auf Ihren Code zu verwehren. Zwar ist es unmöglich, jeden im Umlauf befindlichen Screenscraper abzublocken, doch der Artikel Design-Diebstahl vermeiden: Einige Tricks der Branche zeigt sowohl PHP- als auch ASP-Code, mit dem den meisten dieser Anwendungen der Weg versperrt werden kann.

Nutzen Sie Ihre .htaccess-Datei, um das Verlinken von Bildern auf Ihrer Website zu verhindern. Einige Diebe gehen so weit, Bilder direkt von Ihrer Website aus zu verlinken anstatt ihre eigene Bandbreite darauf zu verwenden.

Finden Sie heraus, ob Ihre Website abgekupfert wurde
Für gewöhnlich erfahren Sie nichts davon, dass Ihr Design gestohlen wurde, bis Sie auf einer Website darauf stoßen (was ziemlich unwahrscheinlich ist) oder bis es Ihnen von irgendjemand berichtet wird (was nur geringfügig wahrscheinlicher ist). Es gibt im Netz so genannte “Watchdog”-Websites, allerdings wurde die bekannteste dieser Seiten, Pirated-Sites, gehackt und vom Netz genommen.

Wenn Sie in Ihre Fußzeile oder an anderer Stelle in Ihrem Design einen eindeutigen Text einfügen, dann können Sie Diebe eventuell mit einer Suche nach diesen Schlüsselwörtern ausfindig machen. Das funktioniert zwar nicht immer, aber Sie könnten Glück haben.

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz einer Website wie zum Beispiel CopyScape, die Ausschau nach doppelten Websites hält. Geben Sie einfach die URL Ihrer Website ein und das Programm sucht nach anderen Seiten im Netz, die Ihre Inhalte (und gegebenenfalls Ihr Design) kopiert haben.

5. Wenn Sie einen Gegner nicht besiegen können, verbünden Sie sich mit ihm

Wenn Sie mehr Zeit mit der Jagd nach Dieben als mit der eigentlichen Designarbeit verbringen, dann sollten Sie vielleicht in Betracht ziehen, Ihre Designs öffentlich zugänglich zu machen. Eine Freigabe im Rahmen einer “Creative Commons”-Lizenz oder einer anderen Lizenz für Open-Source-Software nimmt vielen Dieben die Versuchung.

Selbst Designer, die mit dem Verkauf von Vorlagen ihren Lebensunterhalt bestreiten, können von offenen Lizenzen zumindest teilweise profitieren. Wenn Sie Ihre Vorlagen im Rahmen einer gemeinnützigen Creative Commons-Lizenz abgeben und denjenigen Kunden, die Ihre Designs unmittelbar von Ihnen käuflich erwerben, zusätzliche Dienstleistungen anbieten (wie zum Beispiel die Einrichtung, Anpassung und den Support), kann das andere davon abhalten, sich Ihre Arbeit zunutze zu machen (und bei vielen die Versuchung, dies zu tun, gänzlich unterbinden). Wenn schließlich jemand Ihre Vorlage umsonst bekommen kann, warum sollte er dann jemand anders Geld dafür zahlen? Das ist etwas anderes, als Sie dafür zu bezahlen, denn Sie bieten dafür zusätzlichen Nutzen und Dienstleistungen an; viele Menschen sind auch daran interessiert, den tatsächlichen Designer beziehungsweise Künstler für seine Arbeit zu entlohnen.

Nicht zuletzt kann eine nicht zur Bearbeitung berechtigende No-Derivatives-Lizenz zumindest dazu beitragen, zu gewährleisten, dass Sie für Ihre Arbeit Anerkennung erhalten. So merkwürdig es auch klingt, eine im Rahmen einer Creative Commons-Lizenz freigegebene Vorlage stellt für viele Piraten keine Motivation mehr dar.

Weitere Quellen

(tm), (sl)

Cameron Chapman

Cameron Chapman ist eine professionelle Web- und Grafikdesignerin mit über sechs Jahren Erfahrung. Sie schreibt für mehrere bekannte Weblogs, darunter ihre eigenes Projekt Cameron Chapman On Writing. Sie ist außerdem Autorin von Internet Famous: A Practical Guide to Becoming an Online Celebrity.