Webhosting 2017: Siegeszug der Public Cloud

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Die richtige Wahl des passenden Hosting-Pakets nebst passendem Provider ist eine schwierige Aufgabe. Das gilt umso mehr für Seitenbetreiber, die nicht schon auf ein paar Jahre oder Jahrzehnte Erfahrung zurück blicken können. Die Cloud könnte eine Art Wollmilchsau-Lösung sein.

Die Cloud, was ist das?

Wenn wir heutzutage von der „Cloud” sprechen, dann meinen wir im Allgemeinen eher Dienste wie Dropbox, Google Drive, Box und wie sie alle heißen. Diese Dienste speichern unsere Daten in eigenen Strukturen, die das Softwareprodukt, das dahinter steckt, vorgibt. Auch Kalender, Aufgabenplaner, CRM-Programme und andere Apps nutzen wir heutzutage verstärkt als Cloud-basierte Lösungen, als Software-as-a-Service (SaaS).

Bislang hat sich das Konzept für das eigentlich naheliegendste Thema, dem des Webhosting, noch nicht durchgesetzt. Das wird sich aber recht zügig ändern. Der erste, zumindest der erste mir bekannte deutsche Provider, der Webhosting cloud-basiert anbietet, ist Hostnet mit seiner „Managed Root Cloud”. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Hostnet in dieser Cloud nicht nur das Hosting von Websites, etwa via WordPress oder Typo3 erlaubt. Vielmehr könnt ihr das Angebot auch für das Hosting von Projektmanagementsoftware oder anderen Apps für Business- und private Zwecke nutzen. Die Cloud ist halt die Cloud. Es ist ihr egal, was darin bereit gestellt werden soll.

Cloud heißt Wolke: Was bedeutet das?

Gehen wir zunächst mal an die Begrifflichkeiten. Was bedeutet der Begriff „Cloud” eigentlich?

Sprachlich brauchen wir das Thema nicht zu erörtern, denn damit werden wir nicht weiterkommen. Dass die „Cloud” das englische Wort für den deutschen Begriff „Wolke” ist, trägt nur bedingt zum Verständnis bei. Höchstens können wir daraus interpretieren, dass die Cloud etwas ist, das außerhalb unserer eigenen Sphäre liegt und dessen Größe nicht von vornherein feststeht.

Unter diesem Aspekt sind zum Beispiel „Shared Hosting” und ”Dedicated Server”, auch die klassischen „vServer” keine Cloud-Angebote. Zwar stehen die Geräte, die uns diese Angebote offerieren zumeist außerhalb unserer eigenen Räumlichkeiten, deren Größe ist aber von vornherein begrenzt. Ihr mietet stets ganz konkrete Leistungsmerkmale, Skalierbarkeit ist nicht gegeben. Upgrades erfordern den Wechsel des Angebots oder sogar das physikalische Hochrüsten des Servers.

Moderne Server sind platzsparend. Kombiniert ergeben sie die Cloud. (Foto: Pixabay)

Hingegen ist es gerade der Vorteil der Cloud, dass sie nahtlos und flexibel wachsen kann, ohne dass es zu Komplikationen bei der Leistungsbereitstellung kommt. Ihr braucht mehr Rechenleistung? Ihr bucht mehr Prozessorpower hinzu. Ihr braucht mehr Speicher, mehr Bandbreite, was auch immer? Ihr bucht es hinzu.

Dabei ist besonders interessant, und auch hier grenzen sich die Cloud-Angebote vom klassischen Hosting ab, dass ihr diese Mehrleistung nicht dauerhaft durchzahlen müsst, sondern ganz flexibel auf Lastspitzen reagieren könnt.

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Ihr erwartet einen massiven Besucheransturm an Tag X, weil ihr da mit eurem Startup bei der „Höhle der Löwen” auftretet? Wechselt dafür nicht gleich den Server, sondern nehmt ein Cloud-Hosting mit flexiblen Leistungsdaten. Euer Geschäft ist eigentlich hauptsächlich von November bis Januar stark, weil ihr Spielwaren verkauft? Wozu solltet ihr das ganze Jahr hohe Kapazitäten vorhalten, nur damit der Server in den drei kurzen Wintermonaten nicht zusammenbricht? Cloud-Hosting ist sehr viel besser geeignet. Ihr bucht einfach zeit- oder sogar lastabhängig Kapazitäten hinzu. Beispiele für die Sinnhaftigkeit der Vorgehensweise gibt es zuhauf.

Wie funktioniert die Cloud?

Am Ende ist die Cloud natürlich nichts anderes als ein Computer oder eine Gruppe von Computern, die für euch Daten verarbeiten, speichern oder ausliefern. Die Art und Weise, wie sie das tun, macht den Unterschied zu konventionellen Lösungen.

Am Ende ist die Cloud natürlich doch physikalisch. (Foto: Pixabay)

Wenn ihr euch für ein Cloud-Angebot entscheidet, dann bucht ihr ein virtuelles Produkt. Dieses Produkt bietet gewisse Leistungsmerkmale, die jedoch nicht starr sind. Theoretisch könnte ein Cloud-Angebot frei skalieren und auf diese Weise Großrechnerleistung abrufen.

Tatsächlich ist es aber so, dass der jeweilige Anbieter der Cloud-Lösung die äußeren Rahmenbedingungen setzt, denn er muss ja schließlich die Technik bereitstellen. Beim bereits genannten Angebot von Hostnet etwa, „skaliert” die Leistung zwischen 200 GB und 1 TB Speicherplatz, zwischen zwei und 16 CPUs und zwischen zwei und 32 GB Arbeitsspeicher. In der Tat gibt es Szenarien, für die diese äußeren Rahmenbedingungen schon eine Einschränkung wären, für das Webhosting dürfte die Range der Spezifikationen bestens ausreichen.

Im Kern ist die „Cloud”, so wie ihr sie dann geboten bekommt, nichts anderes als eine Software, eine virtuelle Maschine. Möglicherweise setzt ihr sogar selber solche virtuelle Maschinen ein, etwa um einen Webserver lokal auf eurem Rechner zu betreiben oder um auf eurem Windows-Gerät eine aktuelle Linux-Distribution zum Testen zu haben.

Solche virtuelle Maschinen lassen sich auf bestimmte Leistungsdaten beschränken und insgesamt sehr individuell konfigurieren. In der Welt der Datacenter gilt das gleiche Prinzip, wobei die Software hier sogar die Leistung mehrerer Geräte flexibel bündeln kann. So ist es bei guter Planung möglich, die vorhandene Infrastruktur bestmöglich auszunutzen.

MIt oder ohne Wolken, die Cloud funktioniert prinzipiell überall. (Foto: Pixabay)

Im traditionellen „Shared Hosting”, also dem Angebot, bei dem auf einem physikalischen Server eine nicht näher benannte Zahl an Kunden gehostet werden, habe ich es in den letzten zwanzig Jahren sicherlich ein gutes Dutzend Male erlebt, dass Projekte umgezogen werden mussten und dafür – meist nachts – ein bis zwei Stunden offline gegangen sind. Das lag fast immer daran, dass auf dem bisherigen Server zuviel Last erzeugt wurde, die nun durch die Umverteilung einiger Kunden auf andere Geräte wieder abgebaut werden musste. Wenn man darüber nachdenkt, erkennt man relativ leicht, dass es auf diese Weise nie zu einer ökonomisch einwandfreien Ausnutzung der verfügbaren Ressourcen eines Datacenters kommen kann.

Im Ergebnis können wir festhalten, dass ein Cloud-Angebot bis zu seinen festgelegten Außengrenzen die flexibelste und dabei auch kostengünstigste Lösung für das Hosting jedweder Art ist. Nur sehr große Unternehmen, solche, die letztlich eigene Datacenter benötigen würden, müssen über Alternativen nachdenken. Hier kommen die Unterschiede zwischen der „Private Cloud” und der ”Public Cloud” zum Tragen.

Was ist die Public Cloud?

Die „Public Cloud” ist die Cloud, wie ich sie im bisherigen Beitrag beschrieben habe. Es ist die Cloud, die wir gemeinsam mit anderen nutzen und von der wir nur ein Stück mieten, das wir dann skalieren können, bis es zu uns passt oder bis des Cloud-Providers Grenzen erreicht sind.

Was ist die Private Cloud?

Die „Private Cloud” ist identisch zur „Public Cloud”, mit einer wichtigen Ausnahme. Die physikalischen Geräte, die Grundlage der Cloud-Architektur sind, sind in diesem Falle nur für ein Unternehmen verfügbar. Es gibt keine Inanspruchnahmen Dritter. Um ältere Terminologie zu bemühen, ist die „Private Cloud” quasi eine „Dedicated Cloud”.

Die „Private Cloud” ist ein Trend, dem sich immer mehr große Unternehmen anschließen, um ihre Geschäftsprozesse zu optimieren. Meist geschieht das in Form einer Hybrid-Nutzung. Dabei werden Teile in die Cloud ausgelagert, andere Teile aber lokal behalten, um die Vorteile beider Welten optimal nutzen zu können. Je nach Branche kann es auch eine Frage der rechtlichen Compliance sein, die einen daran hindert, in die Cloud auszuweichen.

Ist Cloud-Hosting das Mittel der Wahl für jeden Seitenbetreiber?

Cloud-Hosting wird mit ziemlicher Sicherheit das Standardmodell der Zukunft sein. Aktuell ist es für kleinere Marken und Unternehmen aus Deutschland preislich noch nicht so interessant, wie es sein könnte, wenn man sich ein bisschen im internationalen Wettbewerb umschaut.

Das „Shared Hosting” der alten Schule könnte dem Trend zum Opfer fallen, zumindest in der Fläche. Auch in der Zukunft wird es jedoch Bedarf an billigem Webspace geben, der über die neuen Angebote eher nicht gedeckt werden wird. Der Webentwickler Brad Smith hat sich ganz aktuell mit den internationalen Billighostern in diesem Beitrag beschäftigt.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.