Webfonts „mieten“ – Auswahl aktueller Webfont-Dienste

Webfonts müssen auf Webseiten funktionieren, sprich, wenn der Betrachter des Webdokumentes gerade online ist. Der Gedanke liegt deshalb gar nicht so fern, dass man die Fonts gar nicht unbedingt auf dem eigenen Server zur Verfügung stellen muss, sondern sie als Webdienst von einem externen Anbieter einbinden kann. Dazu genügt es in der Regel, einen simplen CSS-Import-Befehl in die eigene Webseite aufzunehmen.

Schriften durch eine fortwährende Bezahlung zu mieten, ohne die Fontdateien selbst zu erhalten, mag auf manchen Anwender zunächst befremdlich wirken, doch es bringt auch einige Vorteile mit sich. Wer kommerzielle Druckschriften lizenziert, muss buchstäblich die Katze im Sack kaufen. Die Schriften können nicht im Voraus getestet werden und selbst wenn die Schriften später gar nicht zum Einsatz kommen – zum Beispiel, weil der Kunde sie ablehnt – kann man sie nicht zurückgeben. Mit Webfont-Diensten hat man diese Sorgen nicht. Man kann die Fonts problemlos im eigenen Layout testen und präsentieren. Zudem bezahlen Sie beziehungsweise Ihr Kunde für die verwendeten Schriften nur für den tatsächlichen Zeitraum der Nutzung.

Verfügbarkeit ist kein Problem

Die am meisten geäußerte Befürchtung gegenüber Webfont-Diensten bezieht sich übrigens auf die Verfügbarkeit. Was passiert, wenn die Server des Webfont-Dienstes einmal versagen? Doch darüber muss man sich keine Gedanken machen. Alle Anbieter setzen auf ein Content Distribution Network, das die Daten überall auf der Welt schnell und verlässlich ausliefert.

Fallback auf Systemschriften definieren

Und natürlich sollte man auch zukünftig die üblichen Fallback-System-Fonts im CSS definieren, denn Anwender oder Systemadministratoren können die Anzeige der Webfonts ja auch deaktivieren und so mancher alter Browser oder mobile Client, der keine Webfonts unterstützt, wird noch einige Jahre eingesetzt werden.

Die Anbieter

Zahlreiche Webfont-Dienste sind seit dem letzten Jahr gestartet und es kommen sicher noch einige hinzu. Nachfolgend eine Auflistung der derzeit aktiven:

Google Font Directory

Der Schriftkatalog von Google wirkt zunächst wenig spektakulär, da er sich auf eine kleine Auswahl von Open-Source-Fonts beschränkt. Der Dienst besticht aber vor allem durch seine Einfachheit. Es genügt eine Zeile Code, um die Webfonts in die eigenen Seite einzubinden. Es ist nicht einmal eine Registrierung notwendig. Beispiel:

<link href='http://fonts.googleapis.com/css?family=Vollkorn:regular,italic' rel='stylesheet' type='text/css'>

Typekit

Dieser Dienst des kalifornischen Unternehmens Small Batch Inc kann sicherlich als der Branchenprimus unter den Diensten für kommerzielle Webfonts angesehen werden. Typekit kann nach nur einem Jahr bereits auf einen beachtlichen Schriftkatalog von mehreren tausend Fonts und eine große Nutzerzahl zurückblicken. Zudem arbeitet das Unternehmen fortwährend an der Optimierung der Font-Auslieferung und setzt hier derzeit die technischen Maßstäbe, an der sich alle anderen Dienste messen lassen müssen.

Bezahlt wir jährlich und die drei Preisstufen (24,99 $/49,99 $/99,99 $) richtet sich in erster Linie nach der Anzahl der Fontabrufe. Dafür muss man sich bei Typekit übrigens nicht auf bestimmte Fonts festlegen, sondern erhält Zugriff auf die gesamte Bibliothek.

Typotheque

Der niederländische Schriftanbieter Typotheque war das erste Schriftenhaus, das selbst einen Webfont-Dienst startete. Bestehende Kunden, die Fonts bereits als Druckschriften lizenziert haben, können die Webfonts kostenlos nutzen, solange der monatliche Traffic 500 MB nicht überschreitet. Ansonsten können die Schriften für 20 Prozent des Druckschriften-Preises auch einzeln für den Einsatz auf Webseiten lizenziert werden.

Fonts.com web fonts

Hinter diesem Dienst steckt der amerikanische Schriftanbieter Monotype, der mit ca. 7000 Schriften derzeit den größten Bestand an Webfonts liefert, darunter viele Schrift-Klassiker der 20. Jahrhundert wie zum Beispiel Helvetica, Frutiger und Univers. Der Dienst hat gerade die Beta-Phase verlassen und steht nun allen Anwendern offen. Die Preise richten sich nach den monatlichen Seitenabrufen und beginnen bei 10 US-Dollar für 250.000 Abrufe.

FontsLive

Dieser Dienst wird von dem Microsoft-nahen Schriftunternehmen Ascender angeboten. Dementsprechend finden sich hier auch insbesondere die typischen Systemschriften von Microsoft und Monotype zur Lizenzierung als Webfonts.

Die Preise beginnen bei 10 US-Dollar pro Jahr und Font und richten sich nach dem monatlichen Traffic-Aufkommen.

Fontdeck

Fontdeck ist wie Typekit ein unabhängiger Webfont-Anbieter, der derzeit ca. 100 Fonts von 13 Schriftanbietern zur Verfügung stellt. Die Abrechnung erfolgt pro Jahr und Font, sind jedoch von Schrift zu Schrift unterschiedlich, da sie von den beteiligten Schriftanbietern selbst bestimmt werden können.

WebINK

Hinter diesem Angebot steht der Software-Entwickler Extensis, der für seine Schriftverwaltungsprogramme bekannt ist. Zum angebotenen Schriftkatalog zählen derzeit 13 mittelgroße Schriftanbieter. Die Preise sind auch hier vom monatlichen Datendurchsatz abhängig und liegen zwischen 0,99 $ für 1 GB bis zu 19,99 $ für 80 GB pro Monat.

Webtype

Über Webtype kann man bildschirm- und größenoptimierte Webfonts des Schriftanbieters Font Bureau und anderer Anbieter beziehen. Die Preise liegen abhängig von Zahl der monatlichen Abrufe zwischen 10 $ (30.000 Abrufe) und 100 $ (600.000 Abrufe) pro Jahr.

Just Another Foundry

Bei diesem Schriftanbieter kann man die derzeit 5 erhältlichen Schriftfamilien jeweils komplett für 19 Euro pro Jahr mieten. Der Datendurchsatz ist dabei auf 2 Gigabyte pro Monat beschränkt.

Kernest

Dieser Dienst bietet vor allem kostenlose Webfonts zur einfachen Einbettung in Webseiten an. Wie bei Google reicht ein einfacher CSS-Aufruf, der ohne Registrierung zugänglich ist. Wer sich registriert kann die Schriften auch als Cross-Browser-kompatible Webfont-Pakete zum Hosting auf einem eigenen Server herunterladen. Darüber hinaus gibt es auch einige kommerzielle Schriften im Angebot, die allerdings momentan nicht mit der Qualität der oben genannten Webfont-Dienste mithalten können.

Fazit

Klare Empfehlungen zu den bestehenden Webfont-Diensten können momentan noch nicht gegeben werden. Es handelt sich hier um einen völlig neuen Markt und es ist noch nicht abzusehen, welche Anbieter sich besonders gut etablieren können und welche eventuell auf der Strecke bleiben. So muss die Entscheidung über den zu benutzenden Webfont-Dienst bislang in erster Linie projektabhängig über die Schriftwahl selbst fallen. Denn es sieht eher nicht danach aus, dass die kommerziellen Schriftanbieter ihre Fonts in vielen verschiedenen Webdiensten anbieten werden. Entweder besitzen die Schriftanbieter selbst einen Webfont-Dienst oder sie arbeiten mit einem unabhängigen Dienst ihres Vertrauens zusammen.

So müssen die Webdesigner wohl projektbezogen mit verschiedenen Diensten arbeiten. Eine große Einarbeitungszeit ist dafür allerdings kaum vonnöten. Alle Dienste arbeiten nach dem gleichem Schema: Nach der obligatorischen Registrierung legt man ein neues Projekt an und definiert die zugehörigen Domains. Im Anschluss können diesem Projekt bestimmte Fonts des Anbieters zugewiesen werden. Man erhält daraufhin einen kleinen Code-Schnippsel, den man in die eigene Seite einbindet. Dies ist entweder ein Link auf eine externe CSS-Datei oder aber ein kurzer JavaScript-Code, der den entsprechenden CSS-Aufruf beim Laden der Seite generiert. Mehr ist bei Webfont-Diensten nicht vonnöten, um die gewünschten Schriften zuverlässig und browserübergreifend auszuliefern.

(mm),

Ralf Herrmann hat sich in der Typografie-Szene vor allem als Betreiber der beliebten typografischen Internet-Community Typografie.info einen Namen gemacht. Er ist außerdem Autor typografischer Fachbücher und Herausgeber des Typografie-Magazins TypoJournal. Die neuen Entwicklungen rund um Webfonts dokumentiert er auf der Seite webfonts.info

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Thomas "Thasmo" Deinhamer
Gast
5 Jahre 9 Monate her
adrian
Gast
adrian
5 Jahre 9 Monate her

Ist es Absicht, dass die einzelnen Dienste, die oben vorgestellt wurden, nicht direkt verlinkt sind? Muss ich tatsächlich die URL aus dem Text oder gar aus dem Screenshot ablesen – oder habe ich den Link einfach nicht gefunden?

Manuela Müller
Mitglied
5 Jahre 9 Monate her

Nein natürlich nicht – das war ein Versehen. Die Abbildungen sind nun mit den Diensten verlinkt – bitte einfach klicken :-).

Peter
Gast
5 Jahre 9 Monate her

Das Problem bei dieser Art der Schrifteinbindung ist weniger, dass ein Server ausfällt als vielmehr, dass ein Anbieter komplett ausfällt. Sprich, dass er einfach die Geschäfte einstellt. Bei so vielen Anbietern werden m. E. nicht alle die nächsten zwei/drei Jahre überleben. Wer auf den falschen setzt, hat dann wohl Pech gehabt – er muss dann leider nicht nur einen neuen Anbieter suchen, sondern wahrscheinlich auch die Schriften gegen eine andere tauschen.

Daniel S
Gast
5 Jahre 9 Monate her

Warum listet ihr Google mit dem kostenlosen Dienst auf, vergesst aber den umfangreichen @font-face-Bereich von Font Squirrel? http://www.fontsquirrel.com/fontface

Nicht bös gemeint, aber wenn ihr schon einen solchen Überblick erstellt sollte man zumindest die bekannten Services komplett auflisten – und Font Squirrel ist da weit vorn.

Danke für den Tipp Kernest. Den kannte ich bisher nicht. Ich sehe bisher keinen Vorteil, einen kostenpflichtigen Dienst zu wählen, wenn es Google, Kernest und Font Squirrel gibt.

Manuela Müller
Mitglied
5 Jahre 9 Monate her

Hallo Daniel,

es hieß nicht „vollständige Übersicht aller Webfont-Dienste“ sonder schlicht und ergreifend „Übersicht“. Als solche muss sie nicht vollständig sein. Die Überschrift habe ich nun in das unverfängliche „Auflistung aktueller Webfont-Dienste“ geändert. Feel free to add some more ;-).

Norbert
Gast
Norbert
5 Jahre 9 Monate her
Tja, wer so gerne statische Daten mietet dem kann nicht geholfen werden. Also für eine neue und ab einer gewissen Anzahl von Schriften völlig unnötige Sache Geld auszugeben – nix anderes ist das – sollte man besser die Schriften selbst auf einem eigenen Server hosten (notfalls auch einem Vhost) wenn mann so scharf darauf ist. Dann kann die jeweilige Website die eigenen Schriften gleich mitliefern. Ergo weniger Traffic im Netz und schneller können die Schriften wohl auch nicht von diesen Anbietern ausgeliefert werden können. Auch das Problem meines Vorschreibers hat sich dann erledigt. Fazit: Schrift zusammen mit einer Website ausliefern… Read more »
Manuela Müller
Mitglied
5 Jahre 9 Monate her
Warum wirft man einer neuen Geschäftsidee Geld hinterher, wenn man Schriften mietet, die man ohne diesen Dienst entweder gar nicht verwenden könnte oder dafür – so man eine Lizenz erwirbt – wesentlich mehr zahlen müsste? Mich erstaunt etwas dieser negative, nörgelige und entwicklungspessimistische Ton des Kommentars. Was haben die Anbieter von Webfont-Diensten mit dem W3C-Konsortium beziehungsweise den Browser-Herstellern zu tun? Ich denke nicht, dass die flächendeckende Browser-Unterstützung von HTML5 und CSS3 schneller realisiert wird, wenn es die Webfont-Dienste nicht gäbe. Und zum PS: Eine Katze im Sack ist es insofern, als der Kunde und Lizenznehmer zwar weiß, dass er eine… Read more »
Daniel S
Gast
5 Jahre 9 Monate her

@ Norbert

Zitat: Mann die leute sollte solche Tatkraft lieber auf HTML5 und CSS3 verwenden.

Die Einbindung der Webfonts basiert auf einer Technik von CSS3 (@font-face). Streng genommen konnte man aber bereits Webfonts im Internet Explorer einbinden, noch bevor CSS3 zur Debatte stand.

@ Manuela
Nein, natürlich muss eine solche Liste nicht vollständig sein. Aber aufmerksame Leser erwarten es einfach, wenn man schon ein solches Roundup aufstellt. Der Vergleich hinkt vielleicht etwas, aber wenn ich einen Blogartikel zum Thema „Auswahl aktueller Suchmaschinen“ schreibe, dann erwarten Leser ja auch das Google dort auftaucht.

Ralf H.
Gast
5 Jahre 9 Monate her
@Daniel Dieser Artikel der Serie dreht sich um Webfont-Dienste – also die externe Einbindung von Fonts. Fontsquirrel ist kein(!) Webfont-Dienst, sondern eine Sammlung von freien bzw. OpenSource-Fonts zur Einbindung auf dem eigenen Server. Fontsquirrel hat also in diesem Artikel schlicht nichts verloren. Die Seite wird allerdings nicht unterschlagen und wird in der Folge dieser Artikelserie noch seine Erwähnung finden. @Norbert »… völlig unnötige Sache …« Für wen? Die Webfont-Diente schießen wie Pilze aus dem Boden, weil es eine starke Nachfrage danach gibt. Also bitte nicht von Dir auf andere schließen. »sollte man besser die Schriften selbst auf einem eigenen Server hosten… Read more »
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