Watt? Böhmische Dörfer im Hosting-Jargon

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Du willst doch bloß eine Website für deine Pizzeria ums Eck aufmachen. Logisch, dass du noch nie von CDN, Varnish-Cache, SSL, Nginx und so weiter gehört hast. Wir erklären dir in aller Kürze ein paar Begriffe, damit du dir nicht ganz so unwissend vorkommst.

Böhmische Dörfer haben auch ihren Reiz. (Foto: Pixabay)

Du musst nicht alles wissen, aber wissen, wo es steht.

Versuch bloß nicht, dir diese Fachbegriffe zu merken. Die meisten braucht man wirklich nicht, zumindest nicht im alltäglichen Zugriff. Speicher dir diesen Beitrag lieber irgendwo sicher ab und greif bei Bedarf darauf zurück.

Übrigens: Sollten dir im Beitrag “böhmische Dörfer” fehlen, dann schreibe uns das bitte in die Kommentare. Wir werden die Liste immer mal ergänzen.

Shared Hosting

Beim “Shared Hosting” ist deine Website auf einem Server, den sie sich mit anderen Kunden teilt. Abhängig davon, über wie viele Kunden wir hier sprechen und wie intensiv diese Kunden den Server belasten, kann es leistungsmäßig schnell eng werden. Meine privaten Blogs laufen indes alle über “Shared Hosting”. Das hat in den letzten 15 Jahren noch immer gereicht.

vServer

Ein vServer ist ein virtueller Server, auf dem deine Webseiten laufen. Virtueller Server bedeutet, dass dein Webserver nur als virtuelle Maschine auf einem physikalischen Server läuft. Du hast zwar den Eindruck, du hättest einen echten Server, und du musst ihn auch vollständig konfigurieren und warten. Tatsächlich befinden sich aber auf einem physikalischen Server mehrere vServer. Du teilst dir also auch hier die Leistung mit mehreren anderen Kunden. Manche Anbieter nennen ihre virtuellen Server nicht mehr vServer, sondern VM. Gemeint ist in beiden Fällen dasselbe.

Im Rechenzentrum spielt die Hosting-Musik. (Foto: Pixabay)

Cloud-Server

Im Kern handelt es sich in der Regel um eine Variante eines vServers. Bei dieser relativ neuen Art von Hosting bist du jedoch nicht auf die einmal gewählte Konfiguration festgelegt. Vielmehr ist es möglich, etwa wenn die Zahl der Zugriffe steigt, einfach mehr Leistung dazuzubuchen. Damit wird deine Website nahezu unbegrenzt skalierbar. Abgerechnet wird nach der in Anspruch genommenen Leistung, wodurch das Angebot nicht ganz so klar vorab kalkulierbar ist.

Dedicated Server

Bei einem “Dedicated Server” hast du einen echten physikalischen Server ganz für dich alleine. Damit bist du für Besucherstürme bestens gerüstet, wobei nur recht wenige Seitenbetreiber wirklich diese Lösung benötigen werden. Der Nachteil an der sache ist auch hier, dass du für deinen Server allein verantwortlich bist. Von daher solltest du technisch schon versiert sein, oder jemanden beschäftigen, der es ist.

Managed Hosting

Sämtlich bereits genannten Server-Varianten gibt es auch in der Geschmacksrichtung “Managed”. So ausgewiesene Hosting-Angebote werden für dich vom Provider betrieben und aktuell gehalten. Du sparst dir also eigene Expertise und setzt dafür auf Personal des Providers. Logisch, dass diese Angebote teurer sind. Sie sind aber nicht so teuer, dass sich der Aufbau eigenen technischen Knowhows dagegen rechnen lassen würde.

Inzwischen gibt es etliche Provider, die sich auf den Betrieb von Websites auf der Basis von WordPress spezialisieren. Für WordPress-Hosting haben wir einen etwas ausführlicheren Beitrag an dieser Stelle für dich.

CMS (Content Management System)

Die meisten modernen Websites werden heutzutage auf der Basis einer Software betrieben, die sich CMS nennt. Dabei handelt es sich um einen Oberbegriff, der die Aufgabe der Software beschreibt, Inhalte zu verwalten. Die bekanntesten CMS sind wohl Typo3, Drupal, Joomla und WordPress. Es gibt jedoch eine bunte Vielfalt in diesem Bereich. Die Auswahl sollte man einem Profi überlassen. Zur Kenntnis darf man aber durchaus nehmen, dass WordPress mittlerweile ein Viertel aller Websites weltweit antreibt. An diese Verbreitung kommt kein anderes CMS auch nur ansatzweise dran.

CDN (Content Delivery Network)

In jüngerer Zeit wird diese Lösung auch außerhalb des Konzernumfeldes zunehmend populär. Ein CDN nimmt deine Inhalte entgegen und liefert sie in Abhängigkeit von der Lokation deines Besuchers von einem Server in dessen Nähe aus. Von dieser Vorgehensweise profitieren kannst du besonders bei Mediendateien, wie Bildern und Videos, da diese Dateien zum Teil groß sind und ihre Übertragung über das Netz entsprechend Zeit benötigt. Je näher am Besucher die Auslieferung erfolgt, desto schneller kommen sie bei ihm an.

Ein weiterer Vorteil eines CDN besteht darin, dass die Performance deines Servers oder deines Shared Hosting geschont wird, weil die gewichtigen Daten von Servern des CDN-Betreibers kommen.

Zum Thema “CDN” findest du hier bei Dr. Web so einige Artikel, zum Beispiel diesen hier.

SSL (Secure Socket Layer)

Unter SSL versteht man eine Sicherheitstechnologie, die dazu benutzt wird, verschlüsselte Verbindungen zwischen dem Browser deines Besuchers und deiner Website aufzubauen. Besonders, wenn du sensible Daten, etwa Finanztransaktionen, überträgst, kommst du um SSL nicht herum. Google unterstützt neuerdings aber sogar die Umsetzung von SSL für alle Websites. Es besteht also die Chance, dass du besser in den Suchergebnissen stehst, wenn du eine verschlüsselte Datenverbindung mit SSL und HTTP/2 vorsiehst.

Zu diesem Thema haben wir hier bei Dr. Web diesen und diesen ausführlicheren Beitrag.

Varnish-Cache

Viele Provider werben nicht ganz zu Unrecht mit dem Einsatz des Varnish-Cache. Varnish bezeichnet einen Cache-Server, der unter Open-Source-Lizenz, also völlig frei verwendbar, vertrieben wird. Laut Hersteller soll Varnish deine Webanwendungen um das 300- bis 1000-fache beschleunigen.

Da es sich um einen Cache-Server handelt, kannst du ihn nur dann selber installieren, wenn du einen vServer oder Dedicated Server selber betreibst. In allen anderen Fällen bist du darauf angewiesen, dass dein Provider Varnish einsetzt. Merke dir einfach: Varnish ist immer gut.

Auch zu Varnish findest du bei Dr. Web einen ausführlicheren Artikel.

Brute-Force-Schutz

“Brute Force” bedeutet in deutscher Sprache “rohe Gewalt” und trifft damit den Kern der Sache. Bei einer Brute-Force-Attacke versuchen Angreifer, deinen Webserver zu knacken, indem sie einfach Passwörter in schneller Folge durchprobieren. Zu diesem Zweck gibt es natürlich spezialisierte Software und immer genug Kappesköppe, die diese auch nutzen.

Besonders der Zugang zu WordPress wird gerne attackiert. Durch die hohe Zahl der automatisierten Login-Versuche entsteht bisweilen eine so hohe Last auf dem Server, dass das eigentliche Problem gar nicht mehr der Angriff auf dein Passwort ist, sondern der Zusammenbruch der Performance deines Servers.

Schutzmethoden gegen diese Angriffe gibt es einige. Die simpelste Methode, um wenigstens den Erfolg der Maßnahme an sich unmöglich zu machen, ist es, ein sicheres Passwort zu vergeben. Das muss lang und kompliziert sein, so dass es nicht erraten werden kann. Zusätzlich sollte der Adminbereich einer Website immer auch mit einem Schutz der Datei htaccess versehen werden. Den Schutz der htaccess kannst du bei einigen Providern bequem über das Kundenmenü einrichten.

Für WordPress gibt es einige Plugins, die IP-Adressen, von denen zu oft Login-Versuche ausgehen, die nicht erfolgreich sind, abweisen können. Details entnimmst du bitte dem nachfolgend verlinkten Beitrag.

Das Thema “WordPress-Sicherheit” thematisieren wir hier bei Dr. Web häufig, zum Beispiel in diesem Artikel.

Nginx

Um eine Website auf einem Computer laufen zu lassen und sie so von anderen abrufbar zu machen, bedarf es eines Webservers. Ein Webserver ist eine Software wie andere auch. Durchgesetzt hat sich der Apache-Webserver, der die allermeisten Websites weltweit antreibt. Stark im Kommen ist aber der russische Konkurrent Nginx, gesprochen Engine X. Nginx zeichnet sich vor allem durch seine höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit aus, was bedeutet, dass deine Seiten mit Nginx schneller beim Besucher aufgebaut werden. Zusätzlich wird die gern in Konfigurationen mit mehreren Servern als Lastverteiler eingesetzt.

Ausführlicher haben wir uns mit Nginx bei Dr. Web in diesem Beitrag beschäftigt.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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Torben
Gast

Hi Dieter, gute Übersicht! Bei vielem erkenne ich Dinge die wir standardmassig mitbringen bei RAIDBOXES: Nginx, Brute-Force-Schutz, NGINX-Cache anstelle von Varnish, kostenloses SSL und Managed vServer und alles speziell für WordPress! VG Torben & Team

Heiko Mitschke
Gast

Hallo Dieter,

das sind einige interessante Teile dabei. Sind die verlinkten Artikel auch überarbeitet worden? Die sind teilweise schon fünf Jahre alt…

Viele Grüße
Heiko Mitschke

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