Wann ist es Zeit für einen Relaunch oder ein Redesign?

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Sven Lennartz

Ex Webdesigner und Gründer von Dr. Web, heute ist Sven als Schriftsteller...

Gute Gründe sollte man haben bevor man sich an ein Redesign wagt. Denn die Neuerfindung kostet nicht nur Zeit und Geld, sie verlangt auch Mitarbeitern und Besuchern einiges ab. Immer öfter verzichtet man darauf und konzentriert sich auf Verbesserungen in Details. Das Design als evolutionärer Prozess sozusagen. Das ist allemal preiswerter und stressfreier, Einzelne Bereiche werden neu gestaltet oder ersetzt, am Stylesheet wird gearbeitet, Änderungen an Layout und Typographie sukzessive durchgeführt. Wann also lohnt sich der Aufwand eines kompletten “Makeovers”?

Noch kurz zu den beiden Begriffen im Titel:

  • Relaunch = Neustart
  • Redesign = Neue Gestaltung

Die Begriffe gehen gern durcheinander und werden synonym gebraucht. Der “Relaunch” ist der umfassendere Begriff.

1. Reiz- und Informationsüberflutung

Das Unternehmen ist gewachsen, die Website leider auch. In der Folge gibt es zu viele Menüpunkte, zu viele Kategorien, Artikel, Tabellen, Links, und überhaupt zu viel von Allem. Was dagegen fehlt sind Struktur und Übersicht. Hier hilft nur eine komplette Neuorganisation des UI und sämtlicher Inhalte.


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2. Dinge ändern sich

Geschäftsfelder, Ziele oder Kunden sind nicht mehr die gleichen, der Auftritt passt nicht mehr dazu. Jetzt braucht es ein verändertes Design, das den neuen Ansprüchen gerecht wird.

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3. Veraltete Techniken

Ein CMS, das nicht mehr aktualisiert wird, wird bald zum Sicherheitsrisiko werden. Dies betrifft auch alte Scripte, die sich auf dem Server angesammelt haben, auch wenn diese vielleicht gar nicht mehr benötigt werden. Auch das Verwenden von Layout-Tabellen oder ähnlich antiquierter Designtechniken (Frames, SSI, etc.) ist ein Anlass für einen Relaunch.

4. Fehler und Verbesserungspotenzial wurden erkannt

Eine Studie offenbart Mängel in der Usability oder in der Suchmaschinenoptimierung? Diese Faktoren bestimmten den Erfolg maßgeblich und sind wahrscheinlich nicht im laufenden Betrieb durchführbar.

5. Erweiterte Möglichkeiten

Die Website soll zugänglicher werden (Stichwort Barrierearmut) oder dem mobilen Zeitalter (Ihre Kunden nutzen das iPhone überproportional) angepasst werden. Wenn sich das nicht unter der Haube machen lässt, braucht es eine Komplettbehandlung.


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Wann man nicht redesignen sollte

1. Trends

Es klingt paradox, aber Trends sind der sicherste Weg zu einer unzeitgemäßen, überholt wirkenden, altbackenen Website. Einfach deshalb weil Moden ständig wechseln. Was heute als Trend erkannt ist, ist morgen das gerade Gegenteil – und zwar mit Sicherheit. Wer sich noch eben so dranhängt, wird schnell überholt. In der Folge müsste man immer wieder trendbestimmte Redesigns durchführen. Die Gefahr falsch zu liegen wächst.

Schlauer wäre es ein Trendsetter zu sein, also jemand der selbst die Trends setzt. Aber das ist leicht geschrieben und schnell  gewünscht, aber in der Praxis für die meisten Anwender kaum durchzuführen. Am besten fährt man wenn man seine eigene Linie durchzieht und den Stil des Hauses sorgfältig pflegt. Und wer weiß, vielleicht wird er eines Tages einen Trend setzen.

2. Promotion

Es ist wahr, ein Redesign ist eine gute Gelegenheit, sich an die Presse zu wenden. Allein dafür wäre die Aktion aber viel zu teuer. Und schließlich beinhaltet jede Runderneuerung ein Risiko – wer würde ein solches für eine Pressemitteilung eingehen?


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3. Spaß am Design

Den Webdesigner treibt die Lust am Design. Das kann schnell zum Selbstzweck werden. Wer quartalsweise sein Portfolio umstrickt hat am Ende kein Gesicht mehr. Die Zeit ist besser in die Kundengewinnung investiert.

4. Für Werbung

Die Website vollständig umbauen damit Werbekunden zufrieden sind und mehr Banner auf die Seiten passen, einen schlechteren Grund für ein Redesign kann man kaum vorstellen. Was man anrichten kann könnte man etwa bei den Betreiber der Social News Plattform Yigg erfragen. Dort zerstörte die Gier eines Investors gewachsene Strukturen und die Usability. Die Nutzer flüchteten in Scharen.

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Sven Lennartz

Ex Webdesigner und Gründer von Dr. Web, heute ist Sven als Schriftsteller und Blogger (Conterest) unterwegs. Hol dir sein gratis eBook Wie du mit wenig Zeit viel für dein Blog herausholst. Die Blogpflege Fibel.