Vom Bloggen leben: Tipps von Profi-Blogger Sebastian Canaves (Interview)

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Manuel Diwosch

Manuel Diwosch ist seit 2000 im Medienbereich tätig. 2008 schrieb er erstmals...

Willkommen zum zweiten Interview unserer neuen Serie. Unser heutiger Interviewpartner ist Sebastian Canaves von Off the Path, einem erfolgreichen zweisprachigen Reiseblog. Wir stellten ihm Fragen zum Blogaufbau, zur Strategie und natürlich zu den Einnahmen. Zudem gibt Sebastian Aufschluss darüber wie hart und/oder schön es ist, als Blogger seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Dabei spricht er über Höhen und Tiefen und wie er sich immer wieder mit seiner Vision “Vom Bloggen leben” motiviert.

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Screenshot: Off the Path (24.09.2014)

Wie viel verdienst du mit deinem/n Blog/s?

Wenn man alle Einnahmequellen, die durch Off The Path zustande kommen, zusammennimmt, verdiene ich monatlich im unteren fünfstelligen Bereich. Das mag viel klingen, ist aber auch mit sehr viel Arbeit verbunden.

Was sind deine wichtigsten Einnahmequellen?

Meine Einnahmen basieren auf vier Säulen: Affiliate-Marketing, Anzeigenschaltung, Sponsoring und Beratung. Letzteres ist ein sehr dankbarer Job, denn als Berater kann ich meine eigenen Learnings und Erfahrungen weitergeben. So macht Geldverdienen Spaß.

Wie bist du auf die Idee gekommen, das Bloggen zu deinem Beruf zu machen?

Ich habe damals als Marketing-Berater in einer Agentur in Bangkok gearbeitet. Als ich dann das Angebot bekam, als Partner in die Agentur einzusteigen, habe ich gemerkt, dass das nicht mein Lebenstraum ist. Ich habe zu der Zeit schon nebenbei ein Hobby-Blog betrieben und gemerkt, dass ich darin mehr Erfüllung finde, als in der Corporate-Welt. Also beschloss ich, meinen Job zu kündigen und ins kalte Wasser zu springen. Ich zog nach Berlin und startete Off The Path mit gerade einmal 5.000 Euro Startkapital, von denen ich auch meine Lebenshaltungskosten bezahlen musste. Ich habe einfach darauf vertraut, dass es funktionieren würde.

Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du vom Bloggen leben konntest? Was waren deiner Meinung nach die ausschlaggebenden Gründe dafür?

Das hat zirka eineinhalb Jahre gedauert. Neben viel Disziplin, harter Arbeit und meinem guten Netzwerk sehe ich den Erfolg von Off The Path vor allem in der klaren Positionierung. Das war mir von Anfang an sehr wichtig. So konnte ich ganz gezieltes Marketing und SEO betreiben, um Reichweite aufzubauen.

Wie viele Besucher brauchtest du, um vom Bloggen leben zu können? Gibt es eine Kennzahl, die du als Minimum ansehen würdest?

Ich würde sagen, dass 20.000 Unique-Visitors die magische Grenze waren, ab der ich anfing, ernsthaft Geld mit Off The Path zu verdienen.

Gab es einen Punkt, an dem du alles hinschmeißen wolltest? Warum und wie bist du darüber hinweg gekommen?

Über diesen Punkt werde ich wohl nie hinweg kommen. Er kommt immer wieder. Meistens, wenn mir alles zu viel wird. Ich habe gelernt, dann einfach einen Gang zurückzuschalten und mich auf meine Vision zu besinnen. Das hilft enorm! Und dann gibt es da ja noch meine Leser, die mich immer wieder motivieren weiterzumachen.

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Geld im Internet zu verdienen wird fälschlicherweise oft mit dem Traum von wenig Arbeit mit viel Ertrag gleichgesetzt. Wie sieht deine Realität aus? Wie viele Arbeitsstunden investierst du pro Woche in dein/e Blog/s?

Geld zu verdienen ist im Internet genauso hart wie in jedem anderen ernsthaften Job. Denn selbst, wenn man es einmal geschafft hat, kann man sich nie darauf ausruhen. Die Netzwelt entwickelt sich im Sekundentakt weiter. Da muss man immer dran bleiben. Beim Bloggen kommt hinzu, dass man stets für die Leser da sein muss. Regelmäßige Beiträge liefern, Fragen beantworten, Twittern, Facebook und Instagram füttern – das kostet alles Zeit. Zusätzlich betreibe ich gemeinsam mit der Reisbloggerin Conni Biesalski von Planet Backpack das Blog Camp (Anm. der Redaktion: alle Links zu genannten Seiten folgen gesammelt am Ende des Beitrags), mit dem wir Einsteigern helfen, professionell bloggen zu lernen. So komme ich insgesamt auf eine 70- bis 80-Stunden-Woche. Aber ich arbeite lieber 80 Stunden die Woche an meinem eigenen Traum als 40 Stunden die Woche für den Traum eines anderen.

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Screenshot: Blog Camp (24.09.2014)

Wie planst du die Entwicklung deines/er Blog/s? Schreibst du spontan darauf los oder planst du in Wochen/Monaten/Jahren?

Da ich Reise-Blogger bin, ergeben sich die Themen oft aus meinen Reisen und natürlich aus den Fragen, die meine Leser beschäftigen. Für sie schreibe ich den Blog schließlich. Man sollte immer einen klaren Themen-Fokus haben und wissen, worüber man schreibt, aber zu viel Planung widerstrebt meiner Meinung nach dem Medium Blog. Das Spontane, Authentische und aus dem Bauch heraus Entstandene ist ja gerade das, was das Bloggen von klassischen Medien unterscheidet und für Leser so interessant ist.

Wie stellst du sicher, dass dir nie die Themen ausgehen und woher weißt du, dass sie dein Publikum auch interessieren?

So lange ich lebe und reise, werden mir die Themen nicht ausgehen. Was meine Leser interessiert, kann ich an den Kommentaren, Likes und letztendlich auch an den Seitenaufrufen erkennen. Manchmal binde ich sie auch aktiv ein und frage, wo ich hinreisen soll.

Gibt es deiner Meinung nach Kriterien, die ein Blogthema unbedingt erfüllen sollte, um Geld zu verdienen oder kann man mit jedem Thema als Blogger genug Geld zum Leben verdienen? (gemeint sind Suchvolumen, Branche etc.)

Auch wenn man sagt, dass das Internet ein Nischenmarkt ist, sollte die Nische natürlich nicht zu klein sein, damit man genug Leser findet, um den Blog zu monetarisieren. Wenn ich nur über Reisen nach Salzburg schreiben würde, wäre das eventuell schwierig. Und klar gibt es Zielgruppen die nicht besonders kaufwillig oder sogar konsumkritisch sind. Ich stelle es mir zum Beispiel schwierig vor, einen deutschsprachigen Blog für Frutarier (Menschen, die nur Früchte essen) zu monetarisieren, weil die Zielgruppe sehr klein und zugleich konsumkritisch ist. Allerdings gilt auch hier: Man sollte niemals nie sagen. Mit einem speziellen Nahrungsergänzungsmittel für Frutarier könnte auch das klappen.

Kann und/oder sollte man ein erfolgreiches Blog am Reisbrett entwerfen? Wenn ja, was ist entscheidend?

Wer einen professionellen Blog starten möchte, muss von Beginn an viele Dinge berücksichtigen. Genau deshalb haben Conni und ich das Blog Camp ins Leben gerufen. In dem Online-Kurs erklären wir Schritt für Schritt alle wichtigen Basics, die zu einem erfolgreichen Blog gehören. Angefangen von der Auswahl der Domain bis hin zum Branding, Schreibtipps und SEO-Hilfe. Erfolgreiche Absolventen unseres Online-Camps sind zum Beispiel Carina Herrmann von Pinkcompass, die inzwischen von ihren Einnahmen leben kann und Felicia “Feli” Hargarten von Travelicia, die nach kurzer Zeit bereits 20.000 unique Besucher pro Monat auf ihrem Blog verzeichnet. Wir haben den Kurs gerade neu aufgelegt und ihn mit noch mehr Tipps angereichert.

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Screenshot: Pinkcompass.de (24.09.2014)

Welche Vorkenntnisse braucht deiner Meinung nach ein erfolgreicher Blogger?

Zunächst sollte man natürlich für ein Thema brennen. Nur dann macht es langfristig Spaß, darüber zu schreiben. Dann hilft es, wenn man sich im Internet zu Hause fühlt und keine Scheu vor WordPress, SEO und Co. hat. Ein weiteres Plus ist Spaß an Kommunikation. Das heißt nicht, dass man Journalist oder PR-Profi sein muss, aber dass man dazu bereit sein sollte, sein Leben im Internet zu teilen und in Kontakt mit der Community zu treten.

Wenn du eine Anleitung für ein Nischenblog zum Geldverdienen schreiben müsstest, welche drei Punkte würden darin in jedem Fall enthalten sein?

Die habe ich doch mit dem Blog Camp Online-Kurs längst geschrieben! Die wichtigsten Punkte sind eine klare Positionierung, das richtige Branding und davon ausgehend die richtigen Maßnahmen zum Reichweitenaufbau.

Könntest du jederzeit wieder ein neues Blog aufsetzen, von dem du leben könntest? Wenn ja, was unterscheidet deine Herangehensweise von den vielen Tausend, die scheitern?

Klar könnte ich das, aber ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich mit Off The Path nicht mehr ganz am Anfang stehe, sondern schon ernten kann, was ich gesät habe. Was mich unterscheidet? Ich arbeite hart und für mich gibt es keine Probleme, die nicht lösbar sind. Inzwischen bin ich Profi in allen Bereichen des Bloggens, egal ob es um Content, Vermarktung oder Technik geht. Und um das zu beweisen, starte ich im November mit TravelWorkLive.de noch einmal durch!

Was unterscheidet – abgesehen von den Einnahmen – einen Profi-Blogger von einem Hobby-Blogger? Anders gefragt: Welche Eigenschaften braucht man als Profi-Blogger?

Ich denke, der größte Unterschied ist die Zeit, die man investiert. Ein Profi lebt seinen Blog – Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen dem “echten” Leben und dem digitalen Abbild. Professionell zu sein bedeutet natürlich auch, sich Partnern gegenüber entsprechend zu verhalten. Das heißt, dass ein Profi-Blogger verlässlich Kampagnen umsetzt, sich an Deadlines hält, ein richtiges Mediakit hat, sich mit Bildrechten auskennt und diese auf dem Blog entsprechend angibt usw.

Gibt es sonst noch etwas, dass du unseren LeserInnen zum Thema mitteilen willst?

Wenn du mit deinem Blog erfolgreich sein willst, brauchst du drei Dinge: Disziplin, eine Vision und den Glauben an dich selbst. Wenn du hart für deinen Traum arbeitest, wird er in Erfüllung gehen.

Über Sebastian Canaves

Sebastian ist der Kopf hinter Off the Path, einem zweisprachigen Blog für Abenteuerreisen abseits der ausgetretenen Pfade. Wenn er nicht gerade bloggt, bereist er für seine Leser die Welt.

Er studierte in den Niederlanden und Bulgarien und hat in Bangkok und Australien als Marketing-Berater gearbeitet. Eines Tages entschloss er sich, seinen Traum vom Zuhause sein auf der ganzen Welt wahr zu machen. Heute lebt er von seinem zweisprachigen Reiseblog, betreibt mehrere Online-Businesses und berät Unternehmen zum Thema Blogger-Relations. Sein Wissen über alles, was ihn so beschäftigt, gibt er gerne auch als Speaker weiter, unter anderem bei den TEDx Talks:

Links zum Beitrag

(dpe)

Manuel Diwosch

Manuel Diwosch ist seit 2000 im Medienbereich tätig. 2008 schrieb er erstmals für Dr. Web und startete eigene, professionelle Webprojekte. Er verbindet technisches Know-How mit dem Fachwissen der journalistischen Kommunikation. Als Dienstleister entwirft er Online-Marketing-Strategien für Unternehmen und setzt diese um.

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Tobias
Gast

Der Schreibstil in dem Blog in Kombination mit den großen Bildern sind sehr nett.

Sebastian Canaves
Gast

Hi Tobias,

danke dir. Freut mich, dass es dir gefällt! :)

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[…] “Vom Bloggen leben”-Teil 2: Interview mit Sebastian Canaves […]

Benjamin
Gast

Erfahrungsberichte von bereits erfolgreichen Bloggern motivieren immer ungemein für die eigenen Projekte. Und dieser Beitrag hier ganz besonders!

Ich hoffe, es werden noch einige Blogger mehr in dieser Artikelserie interviewt..

Sebastian Canaves
Gast

Danke dir Benjamin. Denk dran, dass es viel Arbeit ist, aber wenn du bereit bist dir den A aufzureissen und geduldig bist, dann wird das schon. Alles gute!

Sabrina
Gast

Manchmal ist es mit der Geduld wirklich nicht leicht. Dann geht einem alles zu langsam und man wird ungeduldig. Was macht ihr, wenn es bei euch passiert?

Dieter Petereit
Dr. Web

Dieses Problem hatte ich nie. Ich habe anfangs gar nicht versucht, auf Biegen und Brechen vom Bloggen zu leben. Ich wusste aber immer, dass ich es irgendwann können würde. Drei Jahre hat es allerdings gedauert.

Sabrina
Gast

Nicht mal wo du gesehen hast das es ständig mehr wird? Selbst dann bist du nicht ungeduldig gewesen?

Dieter Petereit
Dr. Web

Dann erst recht nicht mehr. Anfangs, als sich gar nichts tat. Da geriet ich manchmal ins Zweifeln, ob ich vielleicht meine Zeit verschwende. Als es dann anlief, war ich ganz entspannt…

Sabrina
Gast

Klar die Einnahmen zeigen einen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Mir ist auch bewusst das jeder Blog seinen eigenen Weg finden muss. Aber ich bin da irgendwie nicht so entspannt wie du. Es kann auch daran liegen, dass ich mit den Seiten jetzt schon ein festes Ziel habe, wo ich hin möchte und so selber druck aufbaue.

Ach man manchmal wünscht ich mir so eine Art Mentor.

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Lothar
Gast

Du musst es leben und ständig bereit sein daran zu arbeiten, denn das Internet, sowie die Menschen verändern sich. Vor allem gibt es immer Licht und Schatten, am Anfang mehr Schatten, Nur darin liegt der Erfolg, durch zu halten. LG Lothar

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