VoIP-Software als Cloud-Lösung: Ideal für Start-Ups?

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Bis 2018 soll das ISDN-Netz komplett abgeschaltet sein. Wer noch nicht über Alternativen nachgedacht hat, sollte das jetzt schnell tun. Mehrere Ansätze stehen zur Verfügung.

Telefonanlagen früher: Stecksysteme für viel Geld

Als ich in den Neunzigern mein erstes Start-Up gründete, war eine der ersten Fragen die nach der richtigen Telefonanlage. Wir waren zum damaligen Zeitpunkt nur zu zweit, hatten das Geschäft aber, wie wohl jeder Gründer, auf möglichst schnelles Wachstum ausgelegt.

Damals waren es noch echte Kabelverbindungen. (Foto: Pixabay)

Telefonanlagen waren seinerzeit aber ausschließlich in Hardware zu bekommen. Du musstest also vorher wissen, wie viele Amtsleitungen für gleichzeitige Gesprächsverbindungen du benötigen wirst. Das wäre noch gegangen, wenn es nicht zusätzlich so gewesen wäre, dass bestimmte Anlagengrößen auch späterhin nur mit maximal x Amtsleitungen nachgerüstet werden konnten.

Du musstest wissen, wie viele Nebenstellen du bedienen wolltest, wie viele Geräte sogenannte Systemtelefone und wie viele Geräte normale Nebenstellen sein sollten. Auch hier galt, dass mehr Geräte nur mit zusätzlichen Steckmodulen nachgerüstet werden konnten, wobei es je mehr Modulplätze gab, je größer du die Ausgangsanlage wähltest.

Kurzum, wir sind mit der Anlage ein Jahr ausgekommen und mussten dann für viel Geld eine neue, größere einbauen lassen. Das war zwar ohnehin eine Mietanlage, jedoch fielen die Kosten des Umbaus natürlich dennoch an.

Glücklicherweise hatte uns wenigstens die Telekom von Beginn an einen Nummernblock von 50 Durchwahlen zugewiesen. Der reichte auch auf Dauer.

Telefonanlagen heute: Flexible Softwaresysteme auf handelsüblicher Hardware

Heutzutage gibt es natürlich immer noch die Anbieter aus der Telekommunikationssteinzeit, die auch weiterhin versuchen, ihre alte Technik mit kleineren Umbauten auf SIP, dem Sprachprotokoll, über das Voice over IP (VoIP), also “Sprache über Internet-Protokoll”, abgewickelt wird, zu verkaufen.

Das funktioniert gerade bei kleinen Kunden relativ gut, denn die meisten Betroffenen, die plötzlich das Kündigungsschreiben der Telekom für ihren bisherigen Anschluss erhalten, hatten ja nicht im Mindesten darüber nachgedacht, ihre Anlagen zu wechseln. Da werden Lösungen, die im Grunde nur die bisherigen Anlagen auf VoIP umsetzen, durchaus favorisiert. So wie ich es beobachte, macht die Telekom an der Stelle gute Umsätze.

Wer die Umstellung von ISDN auf VoIP allerdings als die Chance begreift, die sie im Grunde ist, der geht so nicht vor. Telefonie heutzutage kann Sprache, Video, Chat, Datenübertragung, mithin jegliche Kommunikation integrieren. Das geht aber nur mit modernen Softwaresystemen, die eine Telefonanlage als flexible Serverlösung bereit stellen.

Das IP-fähige Dosentelefon ist noch nicht ganz ausgereift. (Foto: Pixabay)

Proprietäre Hardware ist für die Telefonie per VoIP nicht mehr erforderlich. Es reichen Clients für Desktop-Geräte und Apps für mobile Devices. Natürlich bieten alle mir bekannten Hersteller auch den Weiterbetrieb von “echten” Telefonen an. Darum kommt man wohl noch einige Jahre nicht herum.

Telefonieren über VoIP ist vergleichbar mit der Verwendung von Skype oder Whatsapp. Gut, dass ist stark vereinfacht, soll aber verdeutlichen, dass man sich per Nutzername/Passwort gegenüber dem VoIP-System identifiziert und damit Zugang zu seiner Telefonnummer erhält. Das VoIP-System wiederum identifiziert sich gegenüber dem SIP-Provider, der den eigentlichen Sprachdatenverkehr abwickelt, auf die gleiche Weise.

Um nun größere Rufnummernblöcke zu verwalten, wie sie in Unternehmen regelmäßig benötigt werden, wurde das sogenannte SIP-Trunking entwickelt. Ein SIP-Trunk ist das, was früher die Rufnummernblöcke waren. Hier identifiziert sich die Anlage als Verwalter eines ganzen Blocks von Durchwahlen, so dass flexible Zuweisungen innerhalb der Anlage nicht mehr durch den SIP-Provider eingeschränkt sind.

Cloud-Telefonie als nächster Evolutionsschritt

Neben Telefonanlagen, die auf eigenen Servern innerhalb des Unternehmens installiert und betrieben werden, setzt sich mit steigender Bandbreite immer mehr die Cloud-Telefonie durch. Cloud-Telefonanlagen, wie etwa diese hier von Pascom, bedürfen im Unternehmen nur einer möglichst breitbandigen Internetanbindung. Die komplette Telefonanlage läuft hingegen im Rechenzentrum des Anbieters. Damit entfällt jegliche initiale Investition. Kosten entstehen pro Nutzer und Monat.

Unified Messaging in der Cloud. (Foto: Pascom)

Hätte ich eine solche Möglichkeit in den Neunzigern gehabt, wären meine Telefonie-Probleme mit einem Schlag gelöst gewesen. Denn gerade für ein Start-Up ist es herkömmlich schlecht planbar, wohin die Reise geht und wie schnell das erfolgt. Da ist eine Lösung, die frei skalierbar ist und Kosten nur im Rahmen ihrer Nutzung erzeugt, perfekt. Schlussendlich zahlte ich mit jeder Anlage, die ich seinerzeit hatte, eine zu hohe monatliche Miete, weil stets ein Puffer für weitere Expansion technisch vorhanden sein musste und entsprechend auch eingepreist war.

Cloud-Telefonie ist im Vergleich zum Featureset einer lokal installierten Serverlösung naheligenderweise etwas eingeschränkter. So ist etwa keine Integration ins firmeneigene Active Directory möglich. Die Einschränkungen werden aber vor allem kleinere Unternehmen eher nicht wahrnehmen.

Wichtig ist es, bei vom Anbieter gehosteten Anlagen darauf zu achten, dass alle Verbindungswege gesichert und verschlüsselt sind und dass das Hosting in Deutschland, mindestens aber in der EU erfolgt. Interessant, besonders im internationalen Umfeld, kann es auch sein, wenn du dich mit der Wahl eines Anlagenbetreibers nicht direkt an einen SIP-Provider bindest. Vielfach ist das identisch, für dich günstiger ist es aber, wenn du auch in dieser Hinsicht flexibel bleibst.

Hast du dich für einen Cloud-Telefonieanbieter entschieden, kannst du das Angebot in der Regel bis zu 30 Tage kostenlos testen, ganz so, wie du es von den meisten anderen SaaS-Diensten gewohnt bist.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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1 Kommentar auf "VoIP-Software als Cloud-Lösung: Ideal für Start-Ups?"

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Kruno Kopp
Gast

Well done, Dieter! Und dann kann ich unter meiner deutschen Festnetznummer anrufen und angerufen werden, selbst wenn ich Timbuktu oder sonstwo bin? Viele Grüße Kruno

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