Vergleich: Schriften-Abos (nicht nur) fürs Web

Vergleich: Schriften-Abos (nicht nur) fürs Web

Denis Potschien

Denis Potschien ist seit 2005 freiberuflich als Kommunikationsdesigner tätig, seit Anfang 2010...

Bei digitalen Inhalten und Anwendungen werden Abomodelle immer beliebter. Ob Musik, Software oder Schriften: Statt einmal kaufen, beziehungsweise lizenzieren, werden Angebote quasi als eine Art monatliche Flatrate bereitgestellt. Bei Webschriften haben Anbieter von Anfang an auf ein solches Abomodell gesetzt – vor allem, damit Schriftdateien nicht auf fremden Servern landen. Mittlerweile weiten immer mehr Schriftanbieter ihr Abomodell auch auf klassische Desktopschriften aus. Für wen lohnen sich solche Abodienste? Und wo liegen die Unterschiede der Angebote?

Vergleich: Schriften-Abos (nicht nur) fürs Web

Der erste seiner Art: Typekit

Typekit gehört zu den ersten und größten seiner Art. Von Anfang an als Abodienst gedacht, beschränkte man sich zunächst auf Webschriften. Erst mit der Übernahme von Typekit durch Adobe und die Verzahnung mit der Creative Cloud wurden auch Desktop-Schriften ein Teil des Angebotes von Typekit.

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Typekit

Als Abonnent der Creative Cloud hast du automatisch Zugriff auf den Portfolio-Plan von Typekit, der normalerweise 49,99 US-Dollar im Jahr kostet. Darin enthalten sind knapp 2.500 Desktop-Schriften sowie über 5.000 Webschriften. Die Installation von Desktop-Schriften erfolgt nicht wie gewöhnlich, sondern über die Creative-Cloud-Anwendung. Schließlich sollen die Schriften nur so lange zur Verfügung stehen, wie ein Abonnement vorhanden ist.

Allerdings stehen die installierten Schriften nicht nur in Adobe-Anwendungen zur Verfügung, sondern auch in allen anderen Programmen – zum Beispiel Office-Anwendungen. Im Portfolio-Plan synchronisierst du bis zu 100 Schriften gleichzeitig.

Bei den Webschriften ist die Sache etwas komplizierter. So legst du für jede Domain ein sogenanntes Kit an. Diesem Kit fügst du alle Schriften hinzu, die du auf der Domain nutzen willst. Anschließend bindest du ein JavaScript ein und verwendest die Schrift ganz normal über die Stylesheets einer Schrift.

Der größte seiner Art: Monotype

Monotype gehört zu den größten Schriftenanbietern überhaupt. So zählt zu dem Unternehmen auch das Portal MyFonts, das Desktop- sowie Web-Schriften anbietet. Im Gegensatz zu Typekit werden sowohl klassische Schriften als auch Webfonts nicht nur als Abo angeboten. Alle Webschriften von MyFonts erhältst du als Dateien, um diese selber hosten zu können.

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MyFonts

Während Desktop-Schriften in der Regel nach Anzahl der Installationen auf verschiedenen Rechnern lizenziert werden, erfolgt die Lizenzierung von Webfonts meist nach geschätzten Seitenaufrufen einer Website.

Bei einigen Foundries verpflichtest du dich daher, die Seitenaufrufe automatisiert an MyFonts zu übermitteln. So wird nachgehalten, ob die vereinbarten Pageviews eingehalten werden. Viele Foundries verzichten allerdings auf diese Kontrolle.

Neben MyFonts betreibt Monotype das Portal fonts.com speziell für Webschriften. Im Basis-Plan erhältst du für 60 US-Dollar im Jahr Zugriff auf 3.000 Schriften, also etwa 500 mehr als bei Typekit. Dafür kostet der Dienst etwa 10 Dollar mehr. Du kannst den Dienst allerdings nur für zwei Webprojekte nutzen.

Wer als Webdesigner für seine Kunden die Webfonts verwaltet, sollte den Standard-Plan für 120 US-Dollar im Jahr nutzen. Hier sind dann wie bei Typekit beliebig viele Webprojekte möglich. Dafür erhält man Zugriff auf über 40.000 Schriften. Die Einbindung der Schriften ist nicht mehr auf JavaScript angewiesen. Alternativ kannst du die Schriften selbst hosten.

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Einige Schriften der „Monotype Library Subscription“

Mit der „Monotype Library Subscription“ gibt es seit neustem auch für Desktop-Schriften ein Abo-Angebot. Für 119,99 Euro im Jahr gibt es bis zu 9.000 Schriften aus 2.200 Familien für den Deskop. Wie bei Typekit erfolgt die Installation der Schriften nicht direkt, sondern über eine Anwendung. Im Falle von Monotype ist das SkyFonts.

Zum Angebot des Abos gehören moderne Klassiker wie die „DIN Next“, „Avenir Nex“, „Neue Helvetica“, „Univers“ und „Gill Sans“. Der Dienst ist im Vergleich zu Typekit recht teuer. Aber wer auf diese Klassiker nicht verzichten möchte, ist mit der „Monotype Library Subscription“ gut bedient. Denn bei Typekit suchst du diese Schriften vergeblich.

Schriften-Abos: Welcher Dienst lohnt sich für wen?

Neben Typekit und den anderen vorgestellten Diensten gibt es natürlich noch eine ganze Reihe anderer Anbieter. Aber aufgrund des immer größer werdenden Marktes soll es an dieser Stelle beim Vergleich zwischen den beiden großen Anbietern bleiben. Denn bei den genannten Diensten besteht nicht die Gefahr, dass einer von beiden in absehbarer Zeit eingestellt wird. Dies war beispielsweise bei dem von Extensis betriebenen Dienst WebINK der Fall.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Typekit sich für alle anbietet, die eine große Auswahl an Schriften wünschen, aber auf Klassiker verzichten können. Außerdem ist Typekit als Teil der Creative Cloud bei vielen Web- und Grafikdesignern vermutlich eh gesetzt.

Die „Monotype Library Subscription“ bietet sich für alle an, die Zugriff auf viele moderne und auch ältere Schriftklassiker haben wollen. In vielen Fällen sind gerade sehr häufig genutzte Schriften bei Typekit nicht vorhanden, so dass diese entweder doch einzeln lizenziert werden müssen oder eben per „Monotype Library Subscription“ hinzugefügt werden können.

Häufig dürfte das Lizenzieren einzelner Schriften günstiger sein als das Vorhalten eines großen Angebotes per Abo. Daher sollte man sich gut überlegen, ob man bis zu 120 Euro im Jahr für ein Abo zahlen möchte, wenn man für 20 bis 60 Euro pro Schrift diese dauerhaft zur Verfügung stehen hat. Außerdem verschwinden nach Kündigung des Abos alle Schriften wieder vom Rechner.

(dpe)

Denis Potschien

Denis Potschien ist seit 2005 freiberuflich als Kommunikationsdesigner tätig, seit Anfang 2010 im Kreativkonsulat in Iserlohn, einem Büro für Gestaltung und Kommunikation. Dort betreut er kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie kommunale Körperschaften und Organisationen aus Südwestfalen und dem Ruhrgebiet. Als Webdesigner und -entwickler gehören HTML5 und CSS3 zu seinen Kernthemen, weshalb er dazu 2013 ein Buch geschrieben hat. „Pure HTML5 und CSS3“ richtet sich an alle, die Vorkenntnisse haben, sich aber bisher mit HTML5 und CSS3 nicht oder nur am Rande beschäftigt haben.

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Klawischnigg
Gast

“Bei digitalen Inhalten und Anwendungen werden Abomodelle immer beliebter.” – sorry, aber das kann wohl nur auf die Anbieter zutreffen. Ich kenne mehr und mehr Anwender, die mittlerweile bereit sind, sich auch von lange genutzten Programmen zu verabschieden oder zumindest nicht mehr upzudaten, nur weil ihnen neue Bezahlmodelle und Abos absolut nicht zusagen…

Dieter Petereit
Dr. Web

Sorry, der Erfolg gibt den Anbietern eher Recht. Die eigene Wahrnehmung ist herkömmlich nur mäßig geeignet, den Trend akkurat zu erkennen.

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