Aktuelle Trends in der Typografie

Denis Potschien

Denis Potschien ist seit 2005 freiberuflich als Kommunikationsdesigner tätig, seit Anfang 2010...

Was ist typografisch gerade gefragt? Extensis – Anbieter von Anwendungslösungen zur Schriftverwaltung – hat sich in einer Umfrage einmal in der Kreativszene umgehört und ist zu interessanten Ergebnissen gekommen. Die kompletten Ergebnisse der Umfrage, bei der knapp 2.000 Kreative aus verschiedenen Branchen befragt wurden, gibt es kostenlos als PDF-Datei zum Herunterladen.

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Schriften nach wie vor für den Druck eingesetzt

Die Teilnehmer der Umfrage hat Jim Kidwell, der sie für Extensis erstellt hat, über die Kundendatenbank des Unternehmens eingeladen. Schließlich sind sie es, die täglich mit Schrift und Typografie umgehen. Da überrascht es auch wenig, dass etwa 40 Prozent der Teilnehmer aus dem Grafikdesign kommen, gefolgt von Druck, Werbung und Publishing.

Interessant ist, dass über 90 Prozent der Befragten Schriften für den Druck nutzen, etwa 80 Prozent für die Gestaltung von Logos und Zweidrittel zur Einbettung in PDF-Dateien. Die Nutzung von Schriften auf Websites liegt bei nur etwa 55 Prozent – und das, obwohl Webfonts seit einigen Jahren von allen Browsern unterstützt werden und das Angebot an kostenlosen und -pflichtigen Webschriften ja durchaus groß ist.

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Ob der Grund im weit verbreiteten Abomodell liegt, welches vor allem bei kommerziellen Schriften üblich ist, bleibt offen.

Serifenbetonte Schriften sehr beliebt, Serifenlose in Zukunft gern gesehen

Aber welche Schriften sind den Grafikdesignern und Werbern denn gerade angesagt? Hier sind es vor allem serifenbetonte Schriften, die bei über 90 Prozent der Befragten derzeit sehr beliebt sind. Das entspricht ja durchaus dem Trend, den man im Grafik- und Webdesign feststellen kann. Dort, wo Design besonders trendig sein soll, werden häufig serifenbetonte Schriften eingesetzt.

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Besonder schlecht kommen Jugendstilschriften weg sowie Schriften, die mit doppelten beziehungsweise zusätzlichen Strichen versehen wurden. Hier ist es wohl vor allem die fehlende Lesbarkeit solcher Schriften, die zu einer eher negativen Bewertung führte.

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Da jeder Trend einmal ausläuft, hat Kidwell auch gefragt, welche Schriften denn derzeit überstrapaziert werden. Ganz vorne dabei sind Schriften im „Chalkboard“-Stil – also Schriften, die Kreide an einer Tafel simulieren.

Und wenn es darum geht, welche Schriften die Kreativszene in Zukunft gerne öfter sehen möchte, dann sind serifenlose Schriften ganz vorne dabei – also das Kontrastprogramm zu den derzeit noch sehr beliebten serifenbetonten Schriften.

Typografie: eine sehr emotionale Angelegenheit

Bei der Umfrage hatten die Teilnehmer nicht nur die Möglichkeit, per Multiple Choice zu antworten. Sie konnten auch ihre ganz eigenen Gedanken zu den vorgestellten Schriftstilen kundtun. Eine Auswahl dieser Gedanken beziehungsweise Kommentare hat Kidwell ebenfalls veröffentlicht.

Zu jeder der 14 Schriften, die stellvertretend für einen Stil in der Umfrage herhalten mussten, hat Kidwell zehn Meinungen der Teilnehmer veröffentlicht. Darunter sind sehr interessante Ansichten, warum jemand eine Schrift besonders mag oder auch nicht leiden kann. Hier wird vor allem deutlich, dass Typografie gerade unter Designern eine hoch emotionale Angelegenheit ist.

Ein Teilnehmer lässt sich bei „Chalkboard“-Schriften gar dazu hinreißen, „… bitte zerstören Sie all diese Schriften.“ zu kommentieren. So leidenschaftlich dürften viele Kreative mit Schriften umgehen – vor allem, wenn es um Schriften geht, die einem besonders unbeliebt sind.

Schriften vor allem bei den Großen erwerben

Ein ebenfalls sehr interessanter Abschnitt in der Umfrage befasst sich damit, wo und wie die Teilnehmer ihre Schriften erwerben. Hier wird deutlich, dass es vor allem drei große Anbieter sind, die hier die Nase vorn haben. MyFonts, Fonts.com und Adobe sind hier mit riesigem Abstand die beliebtesten Anbieter. Wenn man berücksichtigt, dass MyFonts und Fonts.com beide zum Monotype-Konzern gehören, teilen sich letztendlich zu Großunternehmen den Schriftenmarkt unter sich auf.

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Kleinere Anbieter haben hier nur sehr geringe Anteile, die meist unter fünf Prozent liegen.

Die meisten lizenzieren übrigens komplette Familie – und zwar dann, wenn sie gebraucht werden. Eher selten werden ganze Bibliotheken lizenziert oder ausschließlich Open-Source-Schriften verwendet. Wie man die Tatsache bewerten soll, dass etwa 6 Prozent der Befragten keine Schriften lizenzieren, bleibt offen.

Fazit

Auf insgesamt 31 Seiten gibt es weitere interessante Ergebnisse zu Schriften und wie sie derzeit genutzt werden. Auch die Frage, welcher Schriftgestalter unter den Teilnehmern ganz weit vorne steht, wird beantwortet. Zu haben sind die Ergebnisse der Umfrage auf der Website von Extensis (in deutscher Übersetzung). Um die Datei herunterladen zu können, musst du lediglich deine E-Mail-Adresse angeben.

(dpe)

Denis Potschien

Denis Potschien ist seit 2005 freiberuflich als Kommunikationsdesigner tätig, seit Anfang 2010 im Kreativkonsulat in Iserlohn, einem Büro für Gestaltung und Kommunikation. Dort betreut er kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie kommunale Körperschaften und Organisationen aus Südwestfalen und dem Ruhrgebiet. Als Webdesigner und -entwickler gehören HTML5 und CSS3 zu seinen Kernthemen, weshalb er dazu 2013 ein Buch geschrieben hat. „Pure HTML5 und CSS3“ richtet sich an alle, die Vorkenntnisse haben, sich aber bisher mit HTML5 und CSS3 nicht oder nur am Rande beschäftigt haben.