Trello: Kostenloses, projektorientiertes Kollaborationstool nicht nur für Teams

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Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Kollaboration wird mit der steigenden Zahl rein virtuell arbeitender Teams immer wichtiger. Projektmanagementsoftware auf der Basis von Konzepten vergangener Jahrzehnte kann dabei den Anforderungen immer weniger genügen. Tools wie Google Docs sind zwar nützlich, gehen aber nicht weit genug. Die Entwickler von FogCreek arbeiten mit Hochdruck an ihrem Lösungsvorschlag für die – nicht nur – projektorientierte Kollaboration der Zukunft: Trello

Trello: Kleine Kärtchen für große Aufgaben

FogCreek Software ist eine Entwicklerfirma, die treue Dr. Web Leserinnen und -Leser als Erfinder des CSS-Liveeditors und Hostingservices WebPutty kennen. WebPutty, über das wir zuletzt vor einigen Wochen berichteten, konnte die für einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb erforderliche Nutzeranzahl nicht generieren und wurde zwischenzeitlich geschlossen. Die zugrundeliegende Software wurde als Open Source Projekt frei gegeben.

Trello, das Projekte und Aufgaben und sonst was verwaltende Kollaborationstool aus gleichem Hause, scheint von dieser Unbill nicht bedroht. Immerhin über 500.000 Nutzer konnte man bereits für den Dienst gewinnen. Da er zudem kostenlos ist, wird man über mangelnde Einnahmen kaum klagen wollen. Die Geschwindigkeit, mit der Trello fortentwickelt wird, ist jedenfalls atemberaubend. Erst seit 11 Monaten ist Trello am Markt, kann jedoch bereits mit einem beachtlichen Changelog aufwarten. Eine Android-, sowie eine iOS-App sind ebenfalls erhältlich und, wie das Hauptprodukt, kostenlos.

Die Funktionsweise Trellos ist innovativ. Auf einem zunächst leeren Bildschirm legt man ein sog. Board an. Hierbei handelt es sich um eine Tafel, vergleichbar einem Whiteboard oder dem guten alten Korkbrett. Man kann beliebig viele dieser Boards einrichten. Ein Board kann ein Projekt repräsentieren, wie es etwa die Renovierung eines Hauses oder die Erstellung eines Romans oder die Urlaubsplanung sein könnte.

Innerhalb eines Boards legt man dann Informationshäppchen in Form sog. Cards an, die in Listen organisiert werden. Beispielsweise könnte es in einem Projekt drei Listen namens “Zu erledigen”, “In Arbeit” und “Erledigt” geben. So könnten die Teammitglieder, aber auch Außenstehende mit entsprechenden Zugriffsrechten jederzeit sehen, wie der Status einzelner Aufgaben innerhalb des Projekts ist.

Die Cards, die die eigentlichen Aufgaben, Aufgaben-Checklisten, Skizzen, Bilder oder sonstige Informationen tragen, können innerhalb der Listen frei verschoben werden. Cards sind in der Übersicht schnell erfassbare Informationen, deren Nutzen erst deutlich wird, wenn man sie anklickt und so deren Rückseite aktiviert. Das sieht dann beispielsweise so aus:

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Auf der Rückseite der jeweiligen Card steht eine Vielfalt nützlicher Funktionen zur Verfügung. An dieser Stelle lassen sich die Kärtchen labeln, also mit einem farbigen Streifen versehen, der etwa die Wichtigkeit symbolisieren könnte, aber natürlich auch völlig anders genutzt werden kann. Weiterhin kann pro Card festgelegt werden, welche Teammitglieder Zugriff darauf nehmen dürfen. Zusätzlich zum Langtext ist es möglich, den Kärtchen Checklisten, Fälligkeitsdaten und sogar Dateien zuzuordnen. Dateien können etwa vom eigenen Computer hochgeladen oder neuerdings aus dem Google Drive beigesteuert werden. So erweitert man elegant die mächtigen Editorfunktionalitäten der Google Docs mit den ausgefeilten Kollaborationsmöglichkeiten Trellos.

Will man über den Status einer Aufgabe oder – sagen wir es generischer – eines Kärtchens stetig auf dem Laufenden bleiben, so abonniert man es. Sogar ein Voting ist vorgesehen. Ein Anwendungsfall könnte etwa der Vorschlag sein, anlässlich des Stadtfestes einen Schwenkgrill zu organisieren oder die Implementation einer bestimmten Funktion in ein Softwareprojekt vorzunehmen.

Nicht zuletzt können Kärtchen in andere Boards oder Listen kopiert oder verschoben oder per URL geteilt, sowie gedruckt und exportiert werden. Eine Archivfunktion entfernt die Karte aus dem Board, hält sie aber zu Dokumentationszwecken suchbar im Archiv fest.

Trellos Interface ist flexibel auf die persönlichen Bedürfnisse anpassbar. Die Optik der UI-Elemente orientiert sich an Prinzipien mobilen App-Designs und wirkt daher modern und aufgeräumt.

Fazit: FogCreek verspricht, Trello auch auf Dauer kostenfrei anbieten zu wollen. Natürlich sollte man nicht sein nächstes, existenzielles Geschäftsgeheimnis mit Trello planen. Für die landläufigen kollaborativen Prozesse im Alltag ist der Dienst jedoch uneingeschränkt zu empfehlen. Als Einzelkämpfer ist Trello auch ohne Team nutzbar. FogCreek nennt als Beispiel den Schriftsteller, der sein nächstes Buch mit Trello durchskizziert. Ich werde Trello in den Redaktionsalltag mitnehmen und sehen, wie es sich darin schlägt. Mindestens ein Folgebeitrag ist hiermit versprochen…

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

Sortiert nach:   neueste | älteste | beste Bewertung
Peter Müller
Dr. Web Crew

Das sieht sehr vielversprechend aus. ToDo: Check Trello ;-)

Max Mäteling
Gast

Da bleibt die Frage: wie finanziert sich das Ganze?

Sebastian
Gast
Ich bin von Trello hellauf begeistert und nutze es seit ein paar Monaten. Wir haben vorher mit Basecamp gearbeitet und sind letztendlich in der Programmierung von Keeeb vollkommen auf Trello umgestiegen, da wir gemerkt haben, dass es in diesem Bereich wirklich genial ist. Ich denke, man muss einfach gucken, wo es sich eignet – denn nicht für alle Projekte ist diese Art des Management nützlich. Allerdings frage auch ich mich, wie sich das Ganze finanzieren soll. Bezahlmodelle sind sicherlich eine Möglichkeit aber ich bin gespannt, ob das Trello-Team auch noch an anderen Möglichkeiten feilt. Bis dahin freue ich mich über… Read more »
Peter Müller
Dr. Web Crew
Kurzes Feedback, ein paar Wochen später: Der erste Eindruck hat nicht getrügt. Trello ist wirklich ein nützliches Tool. Ich habe in den letzten Wochen ein Trello-Board genutzt, um beim Schreiben von “Websites erstellen in Contao 3” den Überblick zu behalten und mit dem Fachlektor kommunizieren. Das ist wunderbar einfach: Eine Karte pro Kapitel und für verschiedene Listen für die verschiedenen Phasen, die jedes Kapitel durchläuft (Noch schreiben, In Arbeit, Fachlektorat, Fast fertig, Fertig). Auf jeder Karte kann man eine Beschreibung hinterlegen, ToDo-Listen erstellen und Kommentare austauschen. Perfekt. Man muss das Tool nicht erst “lernen”, sondern kann gleich loslegen, entdeckt aber… Read more »
Thomas Stangneth
Gast

Wie Peter Müller schon geschrieben hat: “Man muss das Tool nicht erst lernen”. Ich nutze es jetzt schon ca. 2 Monate und bin begeistert, wie man auch mit anderen Teammitgliedern darüber Projekte verwalten kann. Immer den aktuellen Stand vor Augen hat man mit der mobilen Version für iPhone oder Android.

Wirklich ein gutes Tool.

Peter Müller
Dr. Web Crew
Was die Finanzierung von Trello angeht, so schreibt Fog Creek dazu auf https://trello.com/privacy recht deutlich warum es kostenlos ist: === Free… for how long? Trello is free forever. We may add pay-only features in the future, but everything that’s free today will be free tomorrow and forever. Also, we’ll not make a for-pay feature that forces you to compromise on privacy, security, or portability. Those are built-in. The maker of Trello, Fog Creek Software, has been profitable for years on the strength of its other products. We can afford to foot the bill. We have no outside investors pushing us… Read more »
Torsten
Gast

Mindestens ein Folgebeitrag ist hiermit versprochen…

Gibt es den schon? Wenn nicht, würde ich mich freuen, wenn er noch kommt!

André
Gast

Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel !

Wir haben schon ein ganzen Haufen an Tools probiert… Man brauchte mehr Zeit das “Tool zu erlernen” als es im tägliche Gebrauch zu nutzen…

Trello ist da wirklich anders :)

Schön geschrieben weiter so !

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