Total nervig oder inspirierend? Sound im modernen Webdesign (Best Practice)

Musikalische Hintergrund-Beschallung im Webdesign ist ja total out, könnte man meinen. Eigentlich glaubten wir Webdesigner und Entwickler, diese anachronistische Art des »Erheischens von Aufmerksamkeit« schon seit den Anfangstagen des standardgerechten Webdesigns hinter uns gelassen zu haben. Doch weit gefehlt. Denn Sound, in Form von Effekten oder musikalischer Unterstreichungen der einzelnen Bereiche einer Website, kommt so langsam wieder in Mode. Grund genug für uns, diesem Trend einmal auf den Zahn zu fühlen.

Total nervig oder inspirierend? Sound im modernen Webdesign (Best Practice)

Toneffekte im modernen Webdesign – einfach nur total nervend?

Wer kennt das nicht? Da besucht man nichts ahnend eine Website und diese macht mit einem laut eingespielten Hintergrundsound auf sich aufmerksam. Zudem fehlt zumeist auch noch das Bedienelement, um die Beschallung schnell abschalten zu können. Die Reaktion der meisten Besucher ist ganz klar: mit einem kurzen Klick wird der betreffende Tab des Browsers geschlossen. Es wird einfach auf den Besuch einer Website verzichtet, die aber vielleicht genau die Informationen birgt, die man dringend suchte. Und all das nur, weil das Konzept der Website nicht stimmte.

Vielleicht hat sich der Webentwickler bei der Erstellung der Website zu sehr vom Kunden hereinreden lassen und konnte sich nicht durchsetzen. Wie auch immer, das Ergebnis bleibt dasselbe. Potenzielle Besucher, vielleicht gar Kunden, verschwinden von der Website, weil sie total genervt von der musikalischen Untermalung sind. Oftmals erhält man den Eindruck, dass die Musik nicht als Untermalung – als Unterstützung – des visuellen Bereichs der Website dient, sondern eher als Selbstzweck technikverliebter Nerds angesehen wird. Das wird verständlicherweise kein Besucher honorieren. Daher drängt sich die Frage auf, ob es nicht auch anders geht.

Multimediales Webdesign – die Herausforderung für die Zukunft

Der Trend geht eindeutig in Richtung des multimedialen Webdesigns. Alles fing mit den sogenannten Hero-Bildern an, die vollflächig den Sichtbereich des Browsers ausfüllen. Vielen Entwicklern war dies jedoch zu statisch und ebenfalls zu Oldschool, denn mit vollflächigen Hintergrundbildern arbeitete man schon recht lange. Der einzige Unterschied zu den Hero-Bildern war nur die Füllung des gesamten Bildschirms, statt des sichtbaren Bereichs (Viewport).

Der neueste Trend geht daher zum Einsatz von Hintergrundvideos anstatt der Hero-Bilder. Denn gut gemachte Websites mit Hintergrundvideos brauchen wesentlich weniger Text, um ihre Nachricht zum Nutzer zu transportieren. So ist es nur logisch, dass es mittlerweile nicht nur Dienste für frei zu verwendende Fotos gibt, sondern ebenfalls solche für Hintergrundvideos.

Soundeffekte und Hintergrundmusik als perfekte Unterstützung multimedialen Webdesigns

Gut und sparsam eingesetzte Soundeffekte und sogar Hintergrundmusik könnten eine perfekte Unterstützung für das moderne Webdesign sein. Die Arbeit mit unterstützenden Hintergrundvideos wäre dabei nur der erste Schritt. Mehr und mehr werden die Entwickler weitere multimediale Elemente in ihre Websites integrieren wollen.

Die Integration von Soundeffekten – eine logische Weiterentwicklung

Hier bieten sich interessant gemachte und sparsam verwendete Soundeffekte geradezu an. Dem Nutzer einer Website kann über einen Soundeffekt deutlich gemacht werden, dass eine Interaktion mit der Website funktioniert hat. Der Klick auf einen Call-to-Action-Button oder das Absenden eines Formulars kann so akustisch einen Erfolg oder Misserfolg vermitteln.

Neuland wird durch diese akustischen Untermalungen natürlich nicht betreten. Computer-Betriebssysteme und Spiele nutzen diese Effekte schon lange und mit Erfolg. Was wäre das Leeren des Papierkorbs unter Windows und OS X ohne den berühmten und passenden Sound zu dieser Tätigkeit? Was wären Spiele, wie das berühmte Moorhuhn, ohne Soundeffekte? Viel können wir Entwickler von den Erschaffern der Betriebssysteme und Spiele lernen. Man kann sich durchaus daran orientieren und darauf aufbauen. Die von dir gestalteten Websites können dadurch nur gewinnen.

Nicht übertreiben. Soundeffekte sind kein Selbstzweck

Gerade Websites, die Geld verdienen müssen, wie zum Beispiel Online-Shops, können profitieren. Doch auch Unternehmens-Websites mit klaren Call-to-Action-Bereichen wären ein guter Bereich zur Integration von Soundeffekten. Bei aller Coolness neuer Funktionen, ist immer zu beachten, dass man sie sparsam einsetzen sollte.

Ein perfektes Beispiel für interessante Toneffekte. Victoria Nine Webdesign und Entwicklung.
Victoria Nine Website

Sound im Webdesign kann durchaus sehr inspirierend sein

Eine Hintergrundmusik einzusetzen, ist durchaus kein leichtes Unterfangen. Natürlich geht die Implementierung recht schnell und einfach. Doch passen will die musikalische Untermalung nicht immer. Daher sollte man gut überlegen, auf welchen Websites – oder auf welcher Art von Websites – eine Hintergrundmusik eine Bereicherung darstellen kann. Da gibt es durchaus viele gute Beispiele, wo es absolut passend wäre. Die Website der Stadt New York könnte zum Beispiel leise Frank Sinatras „New York, New York“ abspielen – was natürlich Geschmackssache ist und der Klärung der Lizenzen bedürfte.

Die Website des HSV wäre etwa prädestiniert für Lotto King Karls „Hamburg, meine Perle“. Auf diese Weise finden sich sicherlich viele Beispiel-Websites, für die eine passende Hintergrundmusik eine Bereicherung darstellen könnte.

Musik muss eine Aussage darstellen und sich schnell abschalten lassen

Eine Hintergrundmusik sollte stets eine Aussage darstellen oder eine solche unterstreichen. Dann dürfte sie höchstwahrscheinlich nicht mehr als nervend wahrgenommen werden, sondern als inspirierende Bereicherung. Denn dann dient sie einem bestimmten Zweck. Natürlich wird nicht jeder Besucher der Website diesen Zweck sehen und vor allem hören wollen. Um keine Besucher zu verlieren, muss in einem sofort sichtbaren und auffallenden Bereich der Website ein Ton-Kontroll-Button untergebracht sein, mit dem der Besucher die Website stumm schalten kann.

Das gut sichtbar integrierte Kontrollelement für den Ton.
Die Kontrollelemente für den Ton der Website

Denn es werden etliche Besucher die betreffende Website lieber stumm und tonlos anschauen wollen, oder, je nach Lokation des Besuchers, auch müssen. Unterstützende Soundeffekte beim Klick auf einen Button oder einer ähnlichen Situation jedoch sollten dann erhalten bleiben, denn sie können durchaus einer erhöhten Benutzerfreundlichkeit dienen.

Die folgenden Websites dürfen als gute Beispiele gelungener Medienintegration dienen. Viel Spaß beim Entdecken!

14 Beispiele guter Websites mit Sound

1 – Google Ideas

Google-Ideas

2 – Amy Movie

Amy Movie

3 – John Iacoviello

MY-STATIC-SELF

4 – Fornasetti

Fornasetti

5 – Calvin Harris

Calvin Harris

6 – Hashima Island

Hashima-Island-A-Forgotten-World

7 – The Build Film

The Build Film

8 – Jakob de Boer

Jakob de Boer

9 – Janis Breslin

Janis Breslin

10 – Brightley Preflight Nerves

Preflight Nerves from We are Brightley

11 – Conoce Valencia de una forma diferente

Conoce Valencia

12 – Black Negative by Ralph Lauren

Black Negative by Ralph Lauren

13 – Jam mit Chrome

JAM mit Chrome

14 – Dubfire

Dubfire Official Website

ist freier Journalist, Spezialist für WordPress und WordPress Sicherheit und schreibt seit 2012 für Dr. Web. Nebenbei ist er Autor mehrerer E-Books zu den Themen Lebenshilfe, Marketing und WordPress. Auf seinem Blog TechBrain.de schreibt er über das Schreiben und Bloggen und veröffentlicht nützliche WordPress-Snippets.

Sortiert nach:   neueste | älteste | beste Bewertung
Jonas Terhaar
Gast
Jonas Terhaar
8 Monate 17 Tage her
Ich verabscheue autoplay Musik auf Websites. Für mich wäre es nur in Ordnung wenn es eine Seite über Musiker o.Ä. ist, oder wenn man genau weiß, dass Musik spielen könnte. Viele Websites beachten leider das best practice nicht und verstecken den Mute-Button irgendwo oder noch schlimmer zeigen ihn erst gar nicht an. Das ganze ist dann besonders nervig wenn man selber Musik hört, oder mehrere Tabs öffnet und es auf einmal von irgendeiner Seite anfängt Musik zu spielen. Immerhin kann man in Chrome im Tab anzeigen lassen, ob Musik spielt und auch direkt muten (chrome://flags/#enable-tab-audio-muting). Ich bin mir unsicher, ob… Read more »
Simon Deutschl
Gast
Simon Deutschl
8 Monate 17 Tage her

Och nö, bloß nicht! Wenn ich etwas hasse, dann sind es Websites die von selbst Musik abspielen. Bitte nicht auch noch Webdesigner dazu inspirieren. Ich will nicht in einem Internet unterwegs sein, in welchem ich bei jedem neuen Tab erstmal die Musik der Website abstellen muss, damit nicht drei verschiedene Songs gleichzeitig gespielt werden.

Zudem gehöre ich zu den Menschen die am PC Musik hören. Dann ist eine Website mit Musik noch nervtötender. Von mir gibt’s für Musik auf Websites ein klares dislike.

trackback

[…] Sourced through Scoop.it from: http://www.drweb.de […]

SiGa
Gast
SiGa
8 Monate 16 Tage her

Als ich den Artikel gelesen habe, ging´s mir so durch den Kopf: „Ist wie mit den scheußlichen Leggings. Man denkt, es ist vorbei und man muss sie nie wieder sehen – und dann sind sie auch schon wieder da…“ ;)

Matthias
Gast
8 Monate 14 Tage her

Musik geht garnicht. Als Ausnahme würde ich auch Musiker nennen, aber das automatische starten von Musik ist nicht so doll.

trackback

[…] Zum Trend zurück zu mehr Sound hatten wir hier bei Dr. Web erst kürzlich geschrieben. […]

Kompaktdesign
Gast
8 Monate 9 Tage her

Für mich war eigentlich die Entwicklung weg von den Soundeffekten eine logische Entwicklung.

Eine logische Entwicklung ist es die Websites immer mehr an die Geräte, Einstellungen und Wünsche der User anzupassen. Unangeforderte Soundeffekte sind hierzu ein Gegensatz und nicht ein Bestandteil.

trackback

[…] für klingende Websites. Hier bei Dr. Web haben wir uns erst kürzlich ganz grundsätzlich mit der Thematik […]

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