Social Commerce: 10 Ideen zum Nachmachen

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Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der...

Erfolgreiches Verkaufen auf Facebook und Co. kann gelingen, wenn man kluge Ideen entwickelt, die im Rahmen des Erlaubten entweder die Profildaten der Nutzer oder deren dichte Kommunikation mit Freunden instrumentalisieren.

Neulich auf einer Handelskonferenz eines großen deutschen Bewertungsportals. Ein Gespräch unter vier Augen:
Gast: Was halten Sie von Lebensmittelhandel übers Web?
Referent: Schwierig, das haben schon viele versucht. Worin liegt der Mehrwert für den Nutzer? Im Preis sicher nicht.
Gast: Der Bestellkomfort?
Referent: Vielleicht. Aber seit wir lange Ladenöffnungszeiten in Deutschland haben, ist das nicht mehr ganz so wichtig.
Gast: Ja, aber die Bestellung ist vollständig.
Referent: „Davon sollte man ausgehen.“
Gast: Sie kennen doch die Situation, dass Sie bestimmte Zutaten für ein Rezept benötigen und Sie von einem Laden zum anderen laufen müssen, um sie doch nicht zu bekommen.
Referent: Ja, klingt plausibel. Sie machen also das Rezept zur Grundlage des Einkaufs. Dadurch erreichen Sie tatsächlich sogar eine Emotionalisierung, wenn Sie es klug anstellen.
Gast: Das könnte auch über Social Media funktionieren?
Referent: Wenn Sie einen sozialen Ansatz finden. Wie wäre es, wenn Sie Ihre Kunden auffordern, doch mal wieder drei Freunde zum Essen einzuladen. Dann können Sie das Rezept und die Produkte gleich mitliefern, Sie verkaufen aber keine Lebensmittel mehr, sondern ein Event.

Was ist eigentlich “sozial” am Social Commerce?

Die Idee ist im Grunde simpel. Während Social Marketing möchte, dass die Nutzer über Produkte oder Marken diskutieren, will Social Commerce, dass die Nutzer diese Produkte auch kaufen. Am besten gleich zu mehreren und idealerweise an Ort und Stelle, zum Beispiel mitten in Facebook. Die wohl populärste Plattform für Social Commerce ist eBay. Die Auktion ist ein Wettbewerb unter Mitgliedern und die Bewertungen sind Reputationsmanagement. Sozialer geht kaum.

Das älteste Konzept für Social Commerce heißt 2for1 und wird seit mehreren hundert Jahren in jeder zweiten Eckkneipe zwischen 17 – und 19 Uhr praktiziert. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch die Groupon-Klone, vor allem, wenn es um Restaurants geht. Aber es gibt noch eine ganze Reihe weiterer, spannender Social Commerce Varianten.

1. PreSales

Wenn man seinen Marken-Fans schon eine Plattform einrichtet, gehört es sich, diesen auch frühzeitigen Zugang zu Produktneuheiten zu gewähren. Ausgerechnet Konsumgütergigant Procter & Gamble bewies mit einer Vorveröffentlichung einer neuen Windelvariante von Pampers namens Cruisers, dass es funktioniert. In nur einer Stunde wurden 1000 Päckchen verkauft.

2. Blick über den Tellerrand

Die New York Times berichtet über einen erstaunlichen Ansatz des Modehändlers JCrew. Im hauseigenen Newsletter werden nicht nur die eigenen Produkte angepriesen, sondern auch passende aus anderen Onlineshops. Pro Verkauf bekommt JCrew Provision und fraglos zufriedene Leser des Newsletters.

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3. Das passende Geschenk

Ja, das hinterlegte Geburtsdatum der Freunde ist ein willkommener Anlass, Social Commerce zu spielen. Levis.com blendet einfach die fünf Freunde ein, die als nächstes Geburtstag haben. Einfach, aber auch etwas plump. Es ist erneut der Möblehändler JCrew, die das Thema etwas weiter treiben, nämlich: „Welche Farbe könnte Deiner Schwester stehen“.

4. Usertesting

Wie JCrew, so bietet auch Bonobos Produkte an, die von anderen Marken und Händlern stammen. Zwar nicht auf Facebook, aber auf der eigenen Website. Die Facebook-Präsenz hingegen ist von intensiver Kommunikation geprägt. Hier wird schon mal gefragt: Wie lange war die letzte Bestellung unterwegs? Im o.g. Artikel berichtet die New York Times sogar von neuen Produkten, die auf der Grundlage von Nutzerfeedback entwickelt wurden.

Der prototypische Ansatz dieser Variante ist hierzulande das Testpanel von TRND. Zum Userfeedback kommt auch das Potential einer viralen Verbreitung guter Produktnachrichten über die Blogs und Facebookseiten der einzelnen Tester.

Spiel mit Eitelkeiten

Je dichter, die Nutzer über das Social Web zueinander kommen, umso wichtiger werden digitale Statussymbole. Das ist ein virtuelles Geschenk auf Facebook, ein schickeres Profilfoto oder die innovativere Empfehlung. Neue Märkte entstehen.

5. Der Sonderverkauf

Die größte Chance, Nutzer im Netz zu Kunden zu machen, besteht darin, sie im Vergleich zum stationären Handel bevorzugt oder einfach anders zu behandeln. Das Usertesting von TRND funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip.

Für Handelsunternehmen und Hersteller ergibt sich dabei stets das Problem, dass die klassischen Kanäle sich übergangen und ausgehebelt fühlen. Eine Idee, das zu lösen hatte Saks Fifth Avenue, der Luxusmarken-Händler aus New York. Statt sich in großem, Stil einem Shopping Club wie Vente Privee anzuhängen, eröffnete Saks seinen eigenen und verkauft dort Güter, die exklusiv für Online-Kunden produziert oder vorgehalten werden. Die Produkte sind nur 24 Stunden verfügbar.

Nebenjob für Grafiker – Geld verdienen mit dem Glamourfaktor

Zum Thema Sonderverkauf passen natürlich auch ganz neue Geschäftsideen, die erst durch Social Networks spannend und durch das Netz als solches zu realistischen Konidtionen machbar sind. Ein solches Beispiel ist Glamya. Dort warten Grafiker auf Foto-Uploads, um die Bilder mit digitalen Retuschetechniken zu verschönern.

Zwei soziale Aspekte: Das Profilfoto auf Facebook und Co. ist längst zum Instrument der Meinungsäußerung und Statussymbol geworden. Zweitens legt jeder Nutzer selbst einen Angebotspreis fest. Wer mehr bietet, bekommt den besseren Grafiker.

6. Ihre Meinung bitte – Kunden beraten sich gegenseitig

Ebenfalls auf den Faktor Zeit setzt das LiveShopping-Portal von Medion, DealClub. Hier hat der Nutzer nur 30 Sekunden Zeit, einem vorgeschlagenen Deal zuzustimmen, danach ist das Angebot nicht mehr verfügbar.

Natürlich entsteht daraus unmittelbar vor dem Kauf ein großer Informationsbedarf. Den deckt Medion nicht selbst ab, sondern läßt die Nutzer in einem Chatfenster direkt neben den Deals diskutieren, ob das Angebot gut oder nicht so gut ist. Im Zweifel veröffentlichen die Nutzer hier auch Links zu Testberichten.

7. Mini-Gruppenkauf

Eine Idee, ähnlich des eingangs genannten Rezeptvorschlags für die Freundeseinladung, hatte Disney. Auf der Plattform Tickets Together ließen sich direkt mehrere Karten für ToyStory 3 bestellen, das gemeinsam genutzte Kino aussuchen und natürlich auch die Freunde über den Vorgang informieren.

8. Ich wünsch mir was

Das musste ja kommen: Die Browserbar für kollektives Einkaufen ist da. Sie wird von VISA bereitgestellt und hört auf den Namen Rightcliq. Auf den ersten Blick handelt es sich dabei um eine Wunschliste. Der Nutzer kann Produkte markieren, kategorisieren und seinen Freunden vorschlagen.

Unabhängig davon, ob und wie viele Nutzer einen Browserzusatz wie Rightcliq installieren, scheint das Thema Geschenkefinder durch die verstärkte Präsenz der Nutzer in den sozialen Medien wieder in den Fokus zu rücken, zumal Facebook die Geburtstage kennt und entsprechend zeitnah Angebote offerieren kann. Man muss kein Prophet sein, um die neue strategische Kooperation zwischen Facebook und Amazon genau in diesem Licht zu sehen. Wie wärs also mit einem Spezialangebot für Geburtsagskinderbeschenker?

9. Der Gutschein in der Nähe

Deal-Plattformen wie Groupon oder DailyDeal erfreuen sich großer Beliebtheit. Nicht nur als Verkaufskanal, sondern als Marketingplattformen. Die Verweildauern der Nutzer sind hoch, weil sie sich häufig zuerst über die Details eines Deals informieren, selbst wenn sie ihn dann ablehnen.

Allerdings verlangen die großen Plattformen recht üppige Provisionen von bis zu 50 Prozent vom Umsatz. Das könnte auf kleineren, spezialisierten Plattformen in naher Zukunft besser werden und damit auch der Return on Investment.

Das Hauptaugenmerk könnte auf Bewertungsplattformen wie Ciao, Qype oder Dooyoo liegen, die bereits eine ansprechende Nutzerbasis haben. Yelp macht genau das in den USA seit wenigen Wochen vor.

10. Live aus der Umkleidekabine – vom Point of Sale in die Sozialen Netzwerke

Eben diese Gutscheinplattformen haben natürlich das Zeug, Social Media auch in Richtung des stationären Handels zu instrumentalisieren. Das geht freilich auch auf der eigenen Fan-Page oder in der veröffentlichten App.

Besonders spannend wird es, wenn dann ein Rückkanal aufgebaut wird, der Inhalte in die sozialen Medien treibt. Wie zum Beispiel die Diesel Cam, die es Besuchern von Diesel Stores in Spanien erlaubt, Aufnahmen aus der Umkleidekabine auf Facebook zu veröffentlichen.

Vom finanziellen Aufwand nicht unbedingt nachzuahmen, aber vielleicht ein Denkanstoß.

(mm)

Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der Internet Künstler". Frank Puscher ist nicht nur ein angesehener Autor, der für zahlreiche Fachzeitschriften tätig ist, er ist auch als Schulungsleiter und Berater erfolgreich.

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expressisverbis
Gast

Lieber Herr Puscher,
ersetzen Sie doch bitte das Wort »sozial« durch unsozial oder gar asozial und fragen sich dann, ob die Aufforderung zum Nachmachen moralisch noch zu vertreten ist. In einer sozialen Gemeinschaft, mit der Prämisse mit Anderen zu teilen, ist die Basis Vertrauen und genau dieses Vertrauen wird durch die Kommerzialisierung missbraucht. Muss ich nun im gesamten sozialen Netzwerk ständig befürchten von irgendwelchen Schlaumeiern etwas angedreht zu bekommen? Ihre Vorschläge dienen der Gewinnmaximierung einzelner auf Kosten der Gesellschaft. Etwas kritischere Töne wären hier angebrachter als Ihr zur Schau gestellter Juho-Patriotismus.
Gruß
Knud Kittel

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