So recherchieren Sie richtig

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Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-,...

Nicht nur Profis wie Journalisten müssen für ihre Texte recherchieren. Je hochwertiger Ihre Online-Texte sein sollen beziehungsweise je weiter Sie sich von Ihren Erfahrungen entfernen, desto wichtiger wird eine Recherche auch für Blogger oder Seitenbetreiber. Dieser Artikel verrät Ihnen, wie Sie dazu möglichst effizient vorgehen, und Zeit und Nerven sparen.

Warum noch ein Artikel übers Recherchieren, wenn man doch nur zu „googeln” braucht? Das mag sich jetzt vielleicht mancher von Ihnen fragen.

Und ja, Google, Suchmaschinen oder das Internet können einem das (Schreib-) Leben sehr erleichtern. Egal, ob Blogger oder Seitenbetreiber: Wer Futter für seine Artikel braucht, kann hier fündig werden.

Er kann sich aber auch in der schieren Masse an Informationen, die im Netz oder anderswo lauern, „einen Wolf suchen”. Wer nicht aufpasst, läuft Gefahr, entweder gar nichts (sprich, nicht das Richtige) oder aber viel zu viel zu finden.

Deshalb bekommen Sie hier ein paar Tipps, wie Sie effizient recherchieren, strukturiert vorgehen, und Zeit und Nerven sparen.

Schritt 1: Überlegen Sie, was Sie schreiben wollen

Vielleicht wissen Sie schon, was Sie schreiben wollen. Dann können Sie diesen Schritt überspringen. Alle anderen, die nur eine ungefähre Vorstellung haben, sollten versuchen, diese etwas genauer zu fassen zu bekommen.

Als hilfreich hat es sich erwiesen, wenn Sie dazu Fragen an den Text stellen. Nehmen wir an, Sie wollen etwas über Angeln im Mittelmeer schreiben. Fragen Sie sich dann zum Beispiel:

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  1. Was fällt mir spontan zu „Angeln im Mittelmeer” ein? Über welches Wissen verfüge ich? Was könnte ich dazu schreiben? (Wissen klarmachen)
  2. Was weiß ich zu diesem Thema nicht? Was würde ich gern wissen? Was müsste ich noch herausfinden? (Lücken und Handlungsbedarf erkennen)
  3. Was könnte meine Leser beim Thema „Angeln im Mittelmeer” interessieren? Was könnten sie darüber wissen oder lesen wollen? (Betriebsblindheit überwinden.)

Schritt 2: Überprüfen Sie, was Sie davon vorrätig haben

Logisch, was Sie selbst an Wissen im Kopf mit sich herumtragen oder irgendwo als Material vorrätig haben, müssen Sie nicht noch recherchieren.

Machen Sie also eine Bestandsaufnahme. Schauen Sie zunächst bei sich selbst nach, was Sie zum Thema „Angeln im Mittelmeer” vorliegen haben.

Haben Sie ältere Beiträge, die das Thema streifen, und die Sie nun verwerten können? Oder Zeitungsausschnitte, Kopien, Dateien, und Ähnliches mehr?

Halten Sie es wie ich und legen Sie sich beispielsweise einen (Datei-) Ordner mit solchen Informationshappen an. Wenn Sie auf ein solches Materialarchiv zugreifen können, müssen Sie nicht noch langwierig woanders recherchieren. Ausnahme: Es handelt sich um Dinge, die Sie leicht (wieder-) finden können. Dann ist eine schnelle Recherche effektiver als ein übergroßes Archiv.

Schritt 3: Wählen Sie für alles andere Rechercheart und Quelle aus

Überlegen Sie bei allen Informationen, die Sie nicht vorrätig haben, wo Sie sie herbekommen können. Dazu haben Sie mehrere Möglichkeiten:

  • Allgemein zugängliche Quellen wie Fachbücher, Zeitschriften, Branchenblätter, Verbandsschriften oder Software.
  • Interne, das heißt persönliche oder firmeninterne Quellen wie Artikelsammlungen, Mitschriften, Arbeitsmäppchen, Berichte, Protokolle, E-Mails und anderer Schriftverkehr.
  • Diverse Möglichkeiten des Internets wie Suchmaschinen, Verzeichnisse, Themenportale, Social Websites, Newsgroups, Mailinglisten, Netzwerke oder Foren.
  • Tieferer Einstieg in große Datenbestände wie (Online-) Archive, Bibliotheken oder Datenbanken.
  • Expertenbefragungen wie Interviews, Vor-Ort-Termine oder kurze telefonische Rückfragen.

Schritt 4: Nutzen Sie ruhig mehrere Quellen

Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier und neigt zur Bequemlichkeit. Dennoch ist es nützlich, auch andere Quellen heranzuziehen als seine Lieblings-Suchmaschine, oder die Suche über die ersten drei Treffer hinaus fortzusetzen.

Was sich leicht finden lässt, muss bekanntlich nicht immer gut sein. Und jede Quelle, jeder Autor hat seine eigene Perspektive und seinen eigenen Schwerpunkt. Je mehr Quellen Sie also in Ihre Recherche einbeziehen, desto ausgewogener werden Ihre Informationen, und desto besser können Sie sich ein eigenes Urteil bilden.

Kombinieren Sie auch ruhig mehrere Recherche-Möglichkeiten. Für einen qualitativ hochwertigen Artikel könnten Sie zum Beispiel in Internet und Büchern recherchieren. Für eine Expertenmeinung könnten Sie diesen Experten ebenfalls per Internet suchen und dann per Telefon befragen. Und so weiter, und so fort.

Schritt 5: Legen Sie Ihre Vorgehensweise fest

Übertragen Sie alle diese Ergebnisse anschließend auf eine Aufgabenliste beziehungsweise einen Rechercheplan. Überlegen Sie, wie Sie in welcher Reihenfolge vorgehen wollen, und halten Sie die nächsten Schritte fest. Setzen Sie sich am besten auch klare Fristen, damit Ihre Suche nicht ausufert.

Wenn Sie sorgfältig gearbeitet haben, müssen Sie diese Liste nur noch Punkt für Punkt durchgehen und eventuell gelegentlich korrigieren. Die eigentliche „Denkleistung” ist getan.

Schritt 6: Achten Sie auf die Glaubwürdigkeit Ihrer Quellen

Gerade, wenn Sie im Internet unterwegs sind, sollten Sie die Glaubwürdigkeit Ihrer Quellen immer überprüfen.

Natürlich können beispielsweise auch Bücher eine einseitige Meinung wiedergeben. Der Vorteil solcher von Redaktionen oder Lektoraten erstellten und überarbeiteten Produkte ist aber, dass hier von ausgebildeten Leuten eine erste Auswahl und Überprüfung schon vorgenommen wurde.

Im Internet kann dagegen jeder ungeprüft schreiben und veröffentlichen, was er möchte. Das macht einerseits den Reiz dieses Mediums aus, andererseits aber auch seine Gefahr. Und so findet man neben vielen Perlen auch genug, wovon man besser die Finger lässt.

Versuchen Sie deshalb, Ihre Fundstücke einzuschätzen. Achten Sie zum Beispiel darauf, in welchem Umfeld sich eine Information befindet, ob die Seite einen „seriösen” Eindruck macht, ob es sich um einen bekannten Experten handelt, ob der Ton sachlich bleibt oder beleidigend wird, ob nur Meinungen wiedergegeben werden oder man auch erläuternde Hintergrundinformationen bekommt, welche Ziele der Verfasser verfolgen könnte, und Ähnliches mehr.

Schritt 7: Belegen und zitieren Sie

Je nachdem, was beziehungsweise für wen Sie schreiben und welches Material Sie verwenden, kann es Sinn machen, die Ausbeute Ihrer Recherche zu belegen und zu zitieren.

Geben Sie zum Beispiel Expertenmeinungen als Zitat wieder. Führen Sie Studien an. Verlinken Sie auf die Ursprungsquelle. Nennen Sie Buchtipps für die weitere Recherche.

Das ist nicht nur ein schöner Zusatznutzen für den Leser. So zeigen Sie vor allem auch, dass Ihnen ein ausgewogener, sorgfältig recherchierter Text wichtig war. Und natürlich können Sie damit auch wieder etwas für die Glaubwürdigkeit Ihrer eigenen Texte tun.

Achten Sie lediglich darauf, dass Sie

a) nicht übertreiben und Ihre Texte aus lauter Zitatwüsten bestehen (das ruiniert nicht nur das Lesevergnügen, das verstößt auch gegen das Urheberrecht)

b) und Ihre Quellen korrekt wiedergeben und deutlich sichtbar auf besagten Urheber (das heißt den Autor der Ursprungsquelle) verweisen.

Schritt 8: Legen Sie sich eine gewisse Routine zu

Nach und nach wird Ihnen die Recherche für Ihre Online-Texte immer leichter von der Hand gehen. Gewohnheit und Übung machen den Meister.

Sie können das Ganze aber auch etwas beschleunigen, indem Sie eine gewisse Routine in Ihre Recherche reinzubringen versuchen.

Halten Sie zum Beispiel grundsätzlich die Augen nach interessantem Material auf. Archivieren Sie solche Texte in speziellen Ordnern, schreiben Sie sich die Literaturhinweise auf oder speichern Sie die betreffenden Links ab. (Wobei Sie bei den Links sichergehen sollten, dass die Seite keine Eintagsfliege ist. Das Netz ist extrem schnelllebig.)

  • Abonnieren Sie interessante Newsletter und / oder Blogs.
  • Lassen Sie sich von Newsdiensten, Newsportalen oder Tools wie Google Alerts auf dem Laufenden halten.
  • Tragen Sie sich in die RSS-Feeds oder Verteiler von Presseportalen ein, um Aktuelles aus Ihrer Branche mitzubekommen.

Extra-Tipp: Wenn die Recherche schwieriger oder umfangreicher zu werden verspricht, oder Sie keine Zeit für so etwas haben, können Sie auch professionelle Dienstleister wie etwa einen Infobroker damit beauftragen.

Und und …

Probieren Sie einfach mal was aus, und finden Sie Ihren eigenen Weg. Hauptsache, Sie merken sich eine Grundregel, die man auch jedem angehenden Journalisten einbläut: Erst denken, dann recherchieren, dann schreiben. Nur so spart man Zeit und Nerven.

Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-, Denk-, Lern- und Arbeitstechniken. Sie schreibt für verschiedene Fachmagazine und gibt mit ihrer Website ein Online-Magazin zu ihren Fachthemen heraus.