So befreist du dich von kreativen Blockaden

Blockaden kennt jeder Kreativarbeiter. Im schlimmsten Falle, dem Creative Block geht gar nichts mehr. Was aber, wenn die Blockade sich quasi auf einen Bereich fokussiert? Designer Ben Evans schildert seinen Fall von UX-Burnout.

Es war eine arbeitsreiche Zeit. Er musste eine App an den Start bringen und war wochen-, monatelang mit Fragen der Benutzererfahrung (UX) befasst. Als das Ziel erreicht war, fiel die Anspannung von ihm ab und er spürte eine tiefe Müdigkeit, die er für eine allgemeine Erschöpfung hielt.

Als Evans dann jedoch diesen Zustand beschrieben wollte, stellte er fest, dass die Worte nur so aus ihm heraussprudelten. Es konnte sich also nicht um eine allgemeine Kreativblockade handeln. Ideen und Energie hatte er nach wie vor genug, nur mit UX-Design wollte er zunächst nichts mehr zu haben. So erfand er den Begriff UX-Burnout.

Nun könnte man einwenden, es sei nicht relevant, wie sich ein einzelner Designer individuell und auch noch selbst diagnostiziert. Ich finde den Vorgang dennoch interessant, weil sicherlich jeder Kreativarbeiter den Zustand selbst schon erlebt hat, ohne ihn so zu nennen wie Evans. Ich kenne aus eigener Anschauung auch Phasen, in denen ich zwar kreative Lösungen entwickeln, aber kein Wort aufs Papier bringen kann.

Evans fand sechs Typen unterschiedlicher Problemstellungen, die für seine spezielle Erschöpfungssituation verantwortlich gewesen sein könnten. Wenn ihr mehr über das Thema UX-Burnout lesen wollt, empfehle ich Bens Artikel drüben bei Boxes and Arrows.

Einige der genannten Problemstellungen lassen sich sicherlich verallgemeinern und generell auf alle Typen von Blockaden übertragen. Schauen wir mal genauer hin.

Du hast den Kopf nicht mehr frei

Das klingt nach einer ziemlich einfachen Problembeschreibung und das ist es auch. Wenn wir so richtig tief in komplexen Projekten stecken, dann überwältigen uns irgendwann die Details stärker als es deren Bedeutung entspricht. Schlussendlich sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, Anfang und Ende des Projekts versinken in allerlei kleinen und kleinsten Problemen.

Hinzu kommt der ohnehin stets vorhandene Informationsüberschuss, den wir schon in normalen Zeiten nur schwer zu bändigen wissen. Wir fühlen uns als würden wir lebendig begraben. Wer soll da noch zu kreativen Lösungen imstande sein?

Lösen lässt sich dieses Problem nur mit Disziplin und Abgrenzung. In Kenntnis unserer physiologischen Grenzen sollten wir akzeptieren, dass wir nicht rund um die Uhr dranbleiben können.

Das Arbeiten nach der Pomodoro-Technik hilft uns, uns nicht permanent zu überlasten. Das funktioniert so:

  • Nimm dir eine Aufgabe und setze 25 ungestörte Minuten des Arbeitens an dieser Aufgabe an. Arbeite 25 Minuten ausschließlich an dieser Aufgabe.
  • Mache eine kurze Pause und erledige irgendwas nicht arbeitsbezogenes. Hol dir zum Beispiel einen Kaffee.
  • Nun gehst du an die zweite 25-Minuten-Session.
  • Danach machst du wieder eine kurze Pause. Nach insgesamt 4 Sessions, also nach 100 Minuten machst du eine längere Pause, so 20 bis 30 Minuten lang.
  • Dann beginnst du von vorn.

Während der Pomodoro-Sessions machst du nichts anderes. Social Media und E-Mail sind tabu, es sei denn, du hast eine Session gestartet, in der du genau das erledigen willst. Auch in den Pausen liest du keine News, keine Tweets oder was immer. Du bewegst dich weg vom Schreibtisch. Single-Tasking ist die entspannendste Art, Arbeit zu erledigen, die ich mir vorstellen kann. Und sie überlastet nicht.

Auch wenn du die Disziplin aufbringst, dein Umfeld wird es dir nicht leicht machen. Hier bedarf es klarer Abgrenzung. Ich kenne Kollegen, die setzen sich besonders große und auffällige Kopfhörer auf, um zu signalisieren, dass sie jetzt nicht gestört werden wollen. Tu, was immer dir am besten hilft, doch abzugrenzen.

Lies hierzu auch unseren Kein-Scheiß-Guide für Kreativarbeiter.

Dir fällt nichts mehr ein

Du hast den Kopf nicht so frei, dass dir wieder was einfällt, könnte man auch sagen. Insofern gelten die eben gegebenen Tipps hier ebenso. Aber selbst, wenn du den Kopf einigermaßen frei hättest, wäre das noch kein Garant dafür, dass dir neue Ideen kommen.

Wenn es soweit ist, brauchst du Inspiration. Vielleicht ist dein Zustand aber so schlimm, dass du mehr als das benötigst. In dem Falle lies meinen Beitrag „Kreativtechniken für normale Menschen”, der sich auch mit Schlaf, Entspannung und so weiter beschäftigt.

Geht es um Inspiration, findest du im Netz der Netze, natürlich vor allem hier bei Dr. Web haufenweise Material für die verschiedenen kreativen Berufe. Inspiration kann allerdings auch bedeuten, das Konzept des Remixens anzuwenden. Evans verweist hier zu Recht auf das Buch „Steal like an Artist” von Austin Kleon, das in deutscher Übersetzung weniger passend „Alles nur geklaut” heißt.

Im Kern geht es darum, dass du erkennst, dass du Kreativität nicht ausschließlich von innen, sondern vornehmlich von außen anstoßen kannst. Ein Mensch ist kein Perpetuum Mobile.

So einfach soll das sein?

Ja, so einfach ist das auch. Alle anderen Probleme lassen sich aus den genannten ableiten und sind schlussendlich hausgemacht. Würden wir uns nicht so treiben lassen, besonders von unserem Umfeld, würden wir zielgerichteter schwimmen können. Alles beginnt damit, dass wir einsehen, dass wir nicht unbegrenzt zu allem fähig sind. Daraus ergibt sich Struktur.

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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