Rotzblogging und der Wert des Wortes

Wenn ich mir Blogdorf so ansehe und auf meine eigenen Anfänge zurückblicke, stelle ich allerlei Veränderung fest. Dabei kann ich den meisten Veränderungen keine positiven Effekte zusprechen. Ich sollte vielleicht vorwegschicken, dass ich während des Schreibens dieses Beitrages Andy Williams´ Album „Moon River“ höre. Zwar hat das nach meiner Auffassung keinerlei Bedeutung, dennoch sollte es Erwähnung finden. Ohnehin ist Andy Williams immer eine Erwähnung wert. Und irgendwie hat er, wenn ich es mir recht überlege, dann doch wieder eine ganze Menge mit dem Thema Rotzblogging zu tun, über das ich mich heute beschweren oder erleichtern, je nachdem, von welcher Seite man drauf guckt, will.

Was ist Rotzblogging?

Rotzblogging ist ein Wort, das ich definiere als „im Wesentlichen unreflektiert hinschmierendes Schreiben von Blog-Beiträgen“. Deutlich abzugrenzen also vom bekannten und beliebten Motzblogging, das wenigstens unterhaltsam und in der Sache richtig sein kann, wenn es auch häufig sprachlich in Exzessen endet, vor allem, wenn man die Kommentarbereiche in die Betrachtung einbezieht. Rotzblogging ist schlimmer.

Rotzblogging ist ziemlich einfach zu erkennen, denn Rotzblogger legen im Wesentlichen Wert darauf, irgendwas zu schreiben, um überhaupt etwas zu schreiben. Dabei spielt der sprachliche und – schlimmer noch – der gedankliche Rahmen in den allerseltensten Fällen eine Rolle. Rotzblogger scheren sich nicht um einen logischen formalen und inhaltlichen Aufbau ihrer Texte. Sie haben zumeist im Vorhinein nicht einmal vor Augen, welche Aussage denn letztlich den Beitrag schmücken, sprich, was der Sinn der Schreiberei sein soll. Rotzblogger rotzen Beiträge hin und verstopfen auf diese Weise das Internet als sinnvollen Informationskanal. Immer häufiger treffe ich auf der Suche nach wertvollen Nachrichten, Neuigkeiten und Meldungen auf Hingerotztes.

Google ist Teil des Problems

Die tief empfundene Liebe Googles zu den gängigen Blog-Softwares sorgt für eine kontinuierliche Verschärfung dieses Problems. „Hat einer ein WordPress im Einsatz, hat er auch was zu sagen“, scheint das ungerechtfertigte Vorurteil Googles zu sein. Und der Blogger sieht sich umgekehrt durch hohes Suchmaschinenranking in seinen durchaus geringen Bemühungen hinreichend bestätigt. Im schlimmsten Falle erhöht er vielleicht auch noch seine Postingfrequenz, was wiederum andere zur Erhöhung derer Postingfrequenz animieren mag. Eine regelrechte Abwärtsspirale beginnt sich zu drehen.

In der Tat gibt es einen Zusammenhang zwischen der Beitragsfrequenz und der Besucherzahl. Nach allen meinen Beobachtungen lässt sich der einfache Schluss ziehen, dass mehr Beiträge auch mehr Besucher bedeuten. Für ambitionierte Blogger kann es daher wichtig sein, mit anderen mithalten zu können, um die Besucherentwicklung positiv zu gestalten. Ist man kein Vollzeitblogger muss diese Verfahrensweise zwangsläufig zu Lasten der Qualität des einzelnen Artikels gehen. Insofern ist Rotzblogging wie der Teebeutel im heißen Wasser Blogdorfs. Er zieht und zieht und hinterher ist das vormals klare Wasser trüb und schmeckt bitter. Das wiederum bemerkt sogar der in der Regel unbedarfte Besucher, verzieht das Gesicht und schlägt seinen Spiegel oder seine ZEIT oder ein gutes Buch auf und erfreut sich an wohl gesetzten und durchdachten Worten (obschon es inhaltlich auch in den genannten Periodika bisweilen schwere Mängel gibt).

Microblogging verschärft die Lage rasant

Vermutlich ist der Trend zum Rotzblogging unumkehrbar, wird er doch noch befeuert von sogenannten Microblogging-Diensten wie „Twitter“ oder „Identica“ oder „Jaiku“ oder oder. Alles Dienste, die einen quasi zwingen, zu rotzen, weil für einigermaßen ausgewogene Worte nicht einmal genügend Raum gegeben ist. Die Geschwindigkeit, die in diesen Diensten herrscht, wirkt auf viele Teilnehmer wie ein Schrittmacher oder vielleicht doch eher wie ein Galeerentrommler oder dieses elektrische Kaninchen, das bei Hunderennen eingesetzt wird. Leider verursachen die Microblogs nicht nur eine Trivialisierung dessen, was man äußert. Es entsteht nicht nur inhaltlich Rotz. Nein, der Zwang, sich auf – zumeist – 140 Zeichen zu begrenzen, führt auch noch dazu, dass die jahrhundertealten Regeln deutscher Sprache mit Füßen getreten werden. „Tach. Eben fon danach Bus. Spät dran Chef @knorke87 sauer. Gleich McD #Hunger“

Das Slow Blog-Manifest

Und so will ich mich schon fast mit dem Exodus Song von Andy Williams identifizieren, als ich den Blog des Kanadiers Todd Sieling finde und auf sein Slow Blog Manifesto stoße. Sieling war Product Manager des recht bekannten Web2-Dienstes Magnolia, eines Wettbewerbers von „Delicious“ und „Mister Wong“ und ist heute Informationsarchitekt und Interfacedesigner an der Schnittstelle zwischen Mensch und Web. Sieling bringt also schon berufsbedingt dem Medium Internet eine große Wertschätzung entgegen. Dem Medium, das durch Fehlentwicklungen wie Rotzblogging  gefährdet ist.

Es würde nicht schaden, wenn der durchschnittliche Blogger sich ein paar der wesentlichen Aussagen aus dem Slow Blog-Manifest zu Herzen und vor allem zu Hirne nehmen täte. Die wichtigste Erkenntnis meiner Meinung nach wäre die, Slow Blogging an sich zum Prinzip zu machen. Blogging sollte etwas von Genuss haben, mit einem gerechtfertigte Aufwand verbunden sein, damit andere das Gebloggte ebenfalls genießen und den dahinter steckenden Aufwand als wertsteigernd erleben können. Ganz ähnlich dem Umgang mit Essen als Kulturgut übrigens. Etwas, das man schnell zubereiten kann, ist als Fast Food verpönt. Aufwändige Mahle werden schwärmerisch als „Slow Food“ bezeichnet und sind oft noch tagelang Gesprächsthema. Den Burger vom örtlichen Brutzelbuben hingegen hat man schon vergessen, wenn man noch Teile davon zwischen den Zähnen spazieren trägt. Wahres Blogging sollte slow, langsam, durchdacht stattfinden, denn

„Slow Blogging is the re-establishment of the machine as the agent of human expression, rather than its whip and container“.

Lasset uns diese schönen Worte als Motto mit in die diesjährige Weihnachtszeit nehmen und haltet Euch dran! ™

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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Gunther
Gast

Danke für diesen Artikel, der den Kern trifft und sehr gut tut. Er ist auch gleichzeitig ein Plädoyer für Qualität, Sorgfalt und die Wertschätzung der Leserschaft – Aspekte, die leider allzu oft vergessen werden.

hingerotzt
Gast

Gähn! Schnarch! Der Artikel ist doch auch hingerotzt und in etwas so sinnvoll wie sich über die Boulevard-Presse oder Arzt-Romane aufzuregen. Nämlich gar nicht.
Wird hier jemand zum Lesen gezwungen? Oder zum Anklicken der entprechenden Seiten? Nein. Und wenn die Google-Suche nur Hingerotztes liefert, würde ich mal die Suchkriterien ändern.

Arne
Gast

Sehr schöner Artikel, der viele Punkte wirklich gut beleuchtet.
Twitter sehe ich da aber anders, denn gerade dass das Rotzblogging zu twitter abwandern kann, „säubert“ die Blogs vom rotzgeblogge und verlagert eben diese Beiträge in twitter.
So war/ist jedenfalls meine Hoffnung :)

mike
Gast

Die paar Allgemeinplätze in Twitter reingerotzt, hätte allen Beteiligten jede Menge Zeit und Energie gespart.

Paul
Gast

@Arne: Dazu müsste aber <meta name="robots" content="none" /> auf allen Twitter (-ähnlichen) Seiten stehen. Das tut es leider nicht.

L-Roy
Gast

Sollte nicht jeder nach seinem Gutdünken bloggen dürfen?

Es ist doch klar, dass manche mangels Begabung nicht so durchdachte und wohlfeile Texte anbieten können wie andere. Dass diese Leute trotzdem gern und häufig ihre Gedanken in den PC hämmern, ist doch nur ihr gutes Recht.

Diesen Bloggern aus der Frequenz und der Qualität ihrer Posting einen Strick zu drehen, ist der völlig falsche Ansatz. Denn wie du richtig schreibst, ist die Tatsache, dass ich diese Ergüsse weit vorne bei entsprechenden Suchen finde, das eigentliche Problem. Hier sind die Suchmaschinenanbieter in der Pflicht, entsprechende Filter einzubauen, um hochwertige Suchergebnisse anzubieten.

Klaus-Peter
Gast

„Slow blogging“ erfordert, wie slow-food, ein Netzwerk.
Denn diese Artikel werden nicht in der Suchmaschine gesucht, also braucht man Stammleser.

Robert
Gast
Guter Artikel. Auch wenn ich die Ansicht teile, das nicht jeder Blogbeitrag einen informativen Nährwert haben muss sondern nur interessante Momentaufnahmen sein können, vermisse auch ich die Qualität. Viel schlimmer finde ich, das Beiträge mit Informationen oder Aussagen immer häufiger jeder Grundlage entbehren. Es wird nicht mehr recherchiert oder informiert sondern mit Halbwissen geglänzt. Die Blogssphäre braucht beides, Blogs mit Informationsgehalt und solche die einfach nur dem ursprünglichen Sinn eines Blogs folgen, einfach nur ein Tagebuch zu sein. Twitter und Co. sind nur sinnlose SMS-Dienste im Netz. Nur eine Frage der Zeit, bis die Klingeltonindustrie zur Featureindustrie wird und Twitter… Read more »
trackback

[…] bloggt, und zusätzlich noch Zeugs das keinen eigenen Blog-Eintrag wert ist (Stichwort “rotzblogging” bei Twitter, so bleibt das Blog sauber)? Wie entscheidet ihr was ihr bloggt, und was ihr […]

Dieter Petereit
Gast

Auffällig ist eine gewisse Polarisierung. Guter Artikel oder hingerotzt. Wobei „hingerotzt“ diejenigen behaupten, deren eigener Blog entweder wie hingerotzt aussieht oder gar nicht erst existiert.

@Robert: Superidee. Jamba übernimmt Twitter. Schneller könnte man diese Sprachvernichtungsplattform gar nicht zerstören…

@andere: In der Tat sind Suchmaschinen Teil des Problems. Ich erwähnte es im Text.

@Klaus-Peter: Stammleser sind natürlich wichtig (für den Blogger). Aber betrachte es mal aus der Leserperspektive. Du suchst Informationen zu bestimmten Themen, da nützen Dir Stammblogs bestenfalls zufällig.

Marek
Gast
Ich finde solche „Elitarisierungs“-Versuche immer sehr problematisch. Es stellt sich mir dann naemlich immer auch die Frage, mit welchem Recht man solche Versuche unternimmt. Ich verstehe natuerlich, dass jemand einen bestimmten intellektuellen Anspruch hat und diesen befriedigt wissen moechte. Das ist aber noch lange kein Grund und gibt einem auch nicht das Recht, jemandem die Existenzberechtigung abzusprechen, weil er diese Forderung nicht erfuellen kann oder will. Ich moechte nur darauf hinweisen, dass gerade in der Kunst diese Debatte oft gefuehrt wurde. Der Dadaismus ist mit Sicherheit ein passendes Beispiel, wie die Forderung nach „echter“ Kunst eine Kunstrichtung hervorgebracht hat, die… Read more »
Dieter Petereit
Gast

Es geht mir nicht um die Bildung von Eliten, sondern lediglich um ein Mindestniveau. Ich sehe auch nicht so sehr den Intellekt als Problem, sondern ich meine, einen Erosionseffekt zu erkennen, was die Wertschätzung der Grundsätze zwischenmenschlcher Kommunikation betrifft. Das Risiko besteht darin, dass wir uns in zwanzig Jahren verbal nur noch ansimsen. Und das ganz ohne Handy…

Marek
Gast
Die Forderung nach einem Mindestniveau, das sich zudem vermutlich an deiner Auffasung von Niveau orientiert, ist fuer mich eine Art von elitaerem Denken. Bei Studenten ist dies oft sehr haeufig ausgepraegt, und bei Reich-Ranitzki konnte man es vor kurzem auch bestaunen. Das haengt meiner Meinung nach oft damit zusammen, dass sie sich auf einem bestimmten (Fach-)Gebiet bestimmte Kenntnisse angeeignet und somit ein Level erreicht haben, das sie nicht mehr (nach unten) verlassen wollen; daraus folgt dann auch, dass sie meinen, jeder sollte dieses Level erreichen, weil es ja erstrebenswert sein muesse, auf so einem Level zu kommunizieren. (Das Ganze erinnert… Read more »
ramses101
Gast
Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell im Netz pure Meinungen zu Tatsachen und persönliche Beobachtungen zu Bestandsaufnahmen gemacht werden. Der Wert des Wortes (was auch immer das sein mag) ist also gefährdet durch die Tatsache, dass man Dinge auch in 140 Zeichen sagen kann? Das nenne ich doch mal eine sportliche Ansage. Ich jedenfalls bin der Meinung, dass jemand, der einem hingerotzten „Ich liebe Dich“ offensichtlich Inhaltsleere unterstellt, sich vielleicht noch mal etwas eingehender mit seiner These beschäftigen sollte. Und was die jahrhundertealten Regeln der deutschen Sprache angeht: Schreibt doch mal einen Text im Deutsch von 1500. Dann können… Read more »
Dieter Petereit
Gast

@ramses:
1. Es sollte klar sein, dass meine Meinung meiner Meinung entspricht und diese das ist, was hier geäußert wurde.
2.Ein „Ich liebe Dich“ ist ein schlechtes Beispiel, weil es sowohl hingerotzt und damit wertlos, wie auch ernsthaft vorgetragen und damit der wichtigste Inhalt der Welt sein kann.
3. Dinge, die in 140 Zeichen gesagt werden können, sollten auch in 140 Zeichen gesagt werden. Da gibt es keinen Dissens.
4. Mit den Regeln der deutschen Sprache meinte ich keineswegs Formalia wie Rechtschreibung.

ramses101
Gast
„Ich liebe Dich“ ist ein schlechtes Beispiel, weil es sowohl als auch ist? Damit ist es eigentlich im Gegenteil das beste Beispiel dafür, dass die Qualität einer Aussage nicht an ihrer Länge hängt (was übrigens kein Seitenhieb auf Marek sein, soll, dessen Ansichten ich voll iund ganz teile). Und zu den Regeln: Die Ortographie ist da eigentlich nur die, die sich am offensichtlichsten geändert hat. Auch andere Regeln ändern sich. Ständig. Salopp gesagt: Wenn alle irgend etwas lang genug falsch sagen, ist es irgendwann richtig. Beispiel für eine Änderung, die man aktuell gut beobachten kann: „Weil + Hauptsatz“ statt „Weil… Read more »
Gunther
Gast
Die pauschale Behauptung, jemand, der Qualität fordert, sei elitär, hat zwei gravierende Nachteile: 1. Man kann sie nicht prinzipiell widerlegen, und damit taugt sie nicht zur Diskussion. 2. Jeder, der einem anderen, der Qualität fordert, elitäres Denken vorwirft, erwartet in irgendeinem anderen Bereich seines eigenen Lebens selbst Mindeststandards und fordert damit ebenfalls Qualität; somit trifft ihn (oder sie) der eigene Vorwurf. Letzteres kann man auch umformulieren: Wer z. B. beim schriftlichen Ausdruck Mindeststandards und Qualität fordert, fährt vielleicht eine Rostlaube, in die ein anderer, dessen Mindeststandards bezüglich Technik deutlich unterschritten würden, erst gar nicht einsteigt. Oder noch kürzer: Von einem… Read more »
Marek
Gast
@ Ramses101: Wer so nett meine Partei ergreift, der soll auch auf meine Hilfe zaehlen duerfen. Also: In dem von dir angesprochenen Fall beschreibst du einen Aspekt, der die Sprachnorm betrifft. Es handelt sich dabei um die Ersetzung der Nebensatzstellung (finites Verb am Schluss) durch die Hauptsatzstellung (finites Verb an zweiter Stelle), die von vielen Sprachnormern als falsch angesehen wird. Wer eine Diskussion darueber fuehrt, ob dies nun falsches oder richtiges Deutsch sei, muss im Grunde die Struktur des Satzes untersuchen. Denn der Sprecher, der einen solchen Satz aeussert, verlaesst nicht einfach den Bereich der Regeln, sondern waehlt eine Konstruktion,… Read more »
Marek
Gast

@ Gunther: Verstehe deine Kritik nicht ganz. Dieter hat doch explizit beschrieben, welche Anforderungen er an andere Leute stellt und ich habe darauf geantwortet, dass ich diese fuer zu hoch halte. Damit ist doch eine Ebene zum Disskutieren geschaffen.

Zudem unterhalten wir uns hier ueber Sprache. Vorwiegend in Blogs. Dass ich auf anderen Gebieten ein bestimmtes Niveau verlange, habe ich doch nie bestritten bzw. laengst zugegeben (z.B. in meinem Job).

Letztendlich habe ich auch einen Mindeststandard meinerseits formuliert, naemlich: Lass die Leute einfach bloggen. Egal wie. Hauptsache sie tun es.

Kann also, wie gesagt, deinen Einwand nicht ganz einordnen…

ramses101
Gast
@Marek: Exakt. Sprachwandel und der macht auch vor den „jahrhundertealten Regeln“ nicht halt. Dass das einige Leute doof finden, weiß ich und respektiere ich. Ich werde nur nie begreifen, warum diese Leute permanent (und über alle Jahrhunderte hinweg) vom „Verfall“ reden. @Günther: Qualität zu fordern ist ja im Prinzip schön und gut. Aber sie – gerade bei Sprache – an seinem Geschmack festzumachen, ist doch ein bisschen dünn. War Bukowski ein guter Schriftsteller? In meinen Augen vielleicht nicht. Andere sehen das wieder anders. Qualität kann ich aber nur von jemandem fordern, der mich auch mit etwas beliefert. Die oben gescholtenen… Read more »
zonebattler
Gast

Der Verzicht auf „Rotzblogging“ ist nach meinem Dafürhalten ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber der eigenen Leserschaft. Wer mir dafür ein „Elitär!“-Etikett aufpappen will: Bitte.

ramses101
Gast

„Eigene Leserschaft“. Da haben wir es doch.

zonebattler
Gast

Streiche „eigene“: unreflektierte Buchstabensuppe ist ein Zeichen mangelnder Wertschätzung gegenüber jeglicher Leserschaft… Deshalb befleißigt man sich auch als Kommentator in anderer Leute virtuellen Poesiealben gemeinhin einer angemessenen Ausdrucksweise.

Die Einhaltung gewisser (Mindest-)Konventionen im Umgang mit anderen (sei es in Kommunikation, Straßenverkehr, Lebensraum, …) stellt das Schmiermittel der menschlichen Gesellschaft dar. Wer auf derlei zivilisatorische Errungenschaften pfeift und sie als „elitär“ verpönt, erodiert das, was man unter „Kultur“ subsummieren kann.

Dieter Petereit
Gast

Ich kann zonebattler nur unterstützen.

Die Bezeichnung „elitär“ ist in diesem Zusammenhang schlicht falsch und wird auch durch die ständige Wiederholung nicht richtiger. Mir geht es, wie nun bereits mehrfach dargestellt, um die Einhaltung eines ungeschriebenen Konsenses hinsichtlich eines Mindestmaßes an wertschätzender Kommunikation untereinander.

Sprachliche Erosion kann man nicht beobachten? Man begebe sich in eine beliebige Jugendlichenkneipe und versuche, zu verstehen, was da geredet wird.

Marek
Gast
O.K. Nehmen wir einmal fuer einen Moment an, der Anspruch in dem obigen Posting sei nicht elitaer und stellen die Frage nach dessen Botschaft. So wie ich das verstanden habe, ist die (nicht offen ausgesprochene) Botschaft diese: Weg mit den Blogs ohne Anspruch. Weg mit den Blogs, die sprachlich und inhaltlich nicht ein mindestmass an Niveau erfuellen. Wenn das nun kein eliaterer Anspruch ist, dann nennt ihr mir doch die passende Bezeichnung. Anmassend? Arrogant? Vermessen? Ueberheblich? Klang fuer mich alles etwas negativ, aber gut. Eine dieser Bezeichnung wird wohl passen. Nehmen wir weiterhin an, jeder dieser Blogger, deren Niveau unter… Read more »
trackback
[…] Oh je, irgendwie fühle ich mich hier angesprochen .. *hust* Rotzblogging ist ziemlich einfach zu erkennen, denn Rotzblogger legen im Wesentlichen Wert darauf, irgendwas zu schreiben, um überhaupt etwas zu schreiben. Dabei spielt der sprachliche und – schlimmer noch – der gedankliche Rahmen in den allerseltensten Fällen eine Rolle. Rotzblogger scheren sich nicht um einen logischen formalen und inhaltlichen Aufbau ihrer Texte. Sie haben zumeist im Vorhinein nicht einmal vor Augen, welche Aussage denn letztlich den Beitrag schmücken, sprich, was der Sinn der Schreiberei sein soll. Rotzblogger rotzen Beiträge hin und verstopfen auf diese Weise das Internet als sinnvollen… Read more »
Dieter Petereit
Gast
@Marek: Ich fühle mich nicht auf den Schlips oder sonst wohin getreten. Das mal vorweg. Ich habe allerdings den Eindruck, dass Du mein Ansinnen falsch interpretierst. Mir geht es absolut nicht um einen elitären Ansatz. Mir geht es darum, dass der Blogger sein Tun im Vorhinein reflektiert und seinen Beitrag entsprechend folgen lässt. Mir geht es darum, dass man nicht einfach etwas hinrotzt. Das ist unhöflich seinen Lesern gegenüber. Immerhin verbraucht man als Blogger nicht nur seine eigene Lebenszeit, sondern auch diejenige des Lesers. Da sehe ich eine Anspruchsberechtigung des Lesers, dass man seine Lebenszeit nicht einfach unbedacht vergurkt. Daraus… Read more »
Schorsch
Gast
Im Grunde hat sich seit den Anfangszeiten des Internets im Niveau der Nutzer nicht viel geändert: Die „Kids“, die früher in Chatrooms, Foren und Gästebüchern ihren Mist verbreiteten, stellen heute ihren Müll bei YouTube, MySpace oder ähnlichen Web 2.O – Diensten ein. Ärgerlich finde ich, wenn in geschlossenen Netzwerken wie Facebook und andere Communities, wo nur registrierte Nutzer Zugang haben, unkontrolliert fremde Inhalte eingebunden und mit eigenen Inhalten „gemischt“ werden können. Und über andere Leute jeder Unsinn geschrieben werden kann. Einerseits wünschen wir zbs alle das Internet als ein für jedermann verfügbares Medium. Andereerseits hat es halt auch seine Schattenseiten.… Read more »
Dieter Petereit
Gast

@Schorch: Ich habe auch sehr lange, mehr als 10 Jahre lang, den Standpunkt vertreten, dass das Web lediglich einen Querschnitt der Gesellschaft zeigt. Mittlerweile glaube ich aber, dass ich mich geirrt habe. Eher scheint es mir so, dass das Web das Durchschnittsniveau der Gesellschaft senkt.

ramses101
Gast
Der „Verfall“ der Jugendsprache ist fast so alt wie der „Verfall“ der Sprache ansich. Da hart auch Platon schon drüber gewettert – trotzdem gab es auch nach ihm noch Philosophen. Jugendsprache ist immer auch Abgrenzung. Ich habe mit 15 auch anders geredet als jetzt. Nicht, weil ich es mit 15 nicht besser gekonnt hätte. Sondern weil man sich als Jugendlicher eben nur durch eine andere Sprache abgrenzen kann von der Welt der Erwachsenen. Aber nochmal kurz zurück zur Wertschätzung der Leser. Im Web2.0 läuft es doch so: Ich schreibe etwas und vielleicht wird es gelesen. Icgh habe in meinem Weblog… Read more »
Marek
Gast
@ Ramses01 Genau das ist der Punkt. Und nach meinem Erachten auch die einizge Gegenpostion zu der, die Dieter in seinem Posting vertritt. Ich bekomme nur leider immer mehr den Eindruck, dass es laengst nicht mehr um das geht, was eigentlich in dem Posting steht. Ein sehr gutes Beispiel dafuer ist der Beitrag von Schorsch, der sich hier – in meinen Augen voellig ohne Bezug auf den Artikel – einfach mal ueber die „Kids“ auslaesst. Es geht um die Kritik an der Jugend bzw. deren Kultur. Meine Oma hat immer gesagt: Der schoene Schwan hat die Zeit laengst vergessen, als… Read more »
Martin
Gast
Ich höre hier immer wieder Worte wie „elitär“, „Niveau“, „Ramses“, „Hieroglyphen“, „Hochschulen“. Ist doch alles Bullshit in diesem Kontext. Dieter geht es doch nur darum, dass ein Minimum an Information und Orthografie – ein Minimum! – in Blogeinträgen geboten wird. Um nichts anderes! Dass nicht so ein Datenmüll wie „habe schlechte Laune, scheiße“ als Blogeintrag verfasst wird, wo sich der Leser fragt „und warum habe ich diesen hirnlosen Satz jetzt gelesen?“ Wenn ich etwas verfasse, dann mache ich mir zumindest ansatzweise Gedanken, ob das Hand und Fuß hat. Und wenn ich nichts zu sagen habe, dann lasse ich es eben.… Read more »
Marek
Gast
@Martin: Zumindest das Wort „Hochschulen“ bringst du als Erster in diesen Kontext ein, traegst also selbst zum Bullshit bei. Aber mal sachlich: „…dass ein Minimum an Information und Orthografie – ein Minimum! – in Blogeinträgen geboten wird.“ – Wird es doch. Denn zum einen enthaelt jede Aeusserung einen gewissen Informationsgehalt – man muss nur etwas mit ihm anzufangen wissen. Und zum anderen existiert offenbar auch ein Minimum an Orthografie. Denn sonst wuerdest du ja nichts verstehen. (Reicht ja schon, den ersten und letzten Buchstaben richtig zu setzen). Die Angabe von „Minimum“ ist also nicht ausreichend, sondern sollte, wie ich oben… Read more »
Robert
Gast
Ein englischer Schriftsteller schrieb in einem Reiseführer über Deutschland, das wir ein Volk von Oberlehrern sind. Er sprach mir aus der Seele und insofern gebe ich Dir recht. Ich teile nicht die Ansicht alles an „unserer“ Jugend zu polarisieren denn wie ramses101 bereits erwähnte sind wir selbst in unserer Jugend nicht besser gewesen. Qualität ist ein weit gefasster Begriff und sorgt offenbar für einen gewissen Zündstoff. Rechtschreibung und Grammatik sind für mich nur 2 kleine Aspekte, leisten aber auch ihren Beitrag an meiner Definition von Qualität. Während der Slowblogger eher auf gute Recherche bedacht ist, kann der Rotzblogger durch kreative… Read more »
ramses101
Gast
Martin, verrate uns doch mal, warum Du den Müll überhaupt liest, wenn Du ihn nicht lesen willst. Und was Du jemandem antwortest, den es einen Scheißdreck interessiert, was Du in Deinem Blog schreibst und dann auch noch Deinen Stil furchtbar findet. Ich antworte solchen Leuten: Dann lass es halt. Lies es nicht. Das Internet ist kein Philosophie-Club. Wenn ein 15jähriger in seinem Blog schreibt „Digga wasn Noob“ anstatt „Meine Güte, was für ein Anfänger“ dann ist das halt die Sprache die er und seine Leute sprechen. Die richten sich aber nicht an Euch. Genau so wenig wie sich Hip-Hopper an… Read more »
Dieter Petereit
Gast

Die Diskussion nimmt Formen an, die den Kern der Sache nicht mehr treffen. Verständlicherweise versucht nun ein jeder im Rahmen der Vermeidung einer kognitiven Dissonanz das Thema so passend zu machen, dass es zu seiner Meinung zumindest insoweit korresspondiert als er seine Punkte daran aufhängen kann.

Ich wiederhole es daher noch einmal:

Was ich fordere, kann jeder leisten. Jeder, der es möchte. Das Entscheidende ist der Wille. Im Rahmen seiner intellektuellen und stilistischen Möglichkeiten kann ein Jeder reflektierte Beiträge schreiben. Ich möchte, dass er/sie es auch tut!

Marek
Gast
@ Dieter: Ich denke, der Grund warum die Diskussion so ausufert, ist, weil du sie nur unzureichend moderierst. 1. Du gehst kaum auf die Beitraege ein und widerlegst nicht die in ihnen vorgebrachten Argumente. 2. Du bringst immer wieder die gleiche Erklaerung vor, ohne sie aber mal aus anderer Postion zu beleuchten und deinen Diskussionpartnern die Moeglichkeit zu geben, dich besser zu verstehen. Immerhin ist es ja so, dass du auf einen externen Artikel, der zudem in Englisch verfasst ist, verlinkst und dann davon ausgehst, dass jeder den Artikel gelesen resp. verstanden hat. Eine kurze Zusammenfassung der fuer dich besonders… Read more »
ramses101
Gast

@Dieter: Ich würde allerdings gerne beim Kern bleiben. Der da lautet: Du forderst. Was Du allerdings noch nicht klar machen konntest: Warum sollte jemand Deine Forderungen erfüllen, der sich gar nicht an Dich wendet?

Dieter Petereit
Gast

Wenn wir schon beim Nichtverstehen sind. Ich verstehe beispielsweise nicht, wieso sich zwei Blogger, die ganz offensichtlich nicht zu den Angegriffenen gehören, derart ereifern.

@Marek: Du forderst immer wieder ein, ich möge doch mal auf die anderen Argumente eingehen. Das tue ich mit Absicht nicht. Denn diese anderen Argumente bedeuten eine andere Diskussion und haben mit dem hier diskutierten Thema nichts zu tun. Wieso also sollte ich mich mit sachfremden Argumenten auseindersetzen? Bloß, weil es jemand will? Immerhin ist auch das ein alter rhetorischer Trick…

trackback

[…] let’s get back to my official post in order to dont make some rotzblogging… ( i love drweb )  Well im alone at home… and…… Im in a mood between .. ( […]

ramses101
Gast

Dieter, ich ereifere mich nicht. Ich sehe nur nicht ein, warum ein Blogger in der Situation sein sollte, vom anderen Blogger etwas zu fordern. Was legitimiert Dich oder andere für so eine Position? Und wenn jemand von Dir etwas forderte, was Du nicht bereit bist zu erfüllen – was würdest Du denn da sagen?

Marek
Gast
Dieter, mal ganz ehrlich: Wenn du Besseres zu tun hast, als dich hier einer Diskussion ueber dein Posting zu stellen, dann sag das doch einfach. Das waere in meinen Augen viel ehrlicher, als hier Antworten rauszuschiessen, die nun wirklich voellig deplatziert sind. 1. „Ich verstehe beispielsweise nicht, wieso sich zwei Blogger, die ganz offensichtlich nicht zu den Angegriffenen gehören, derart ereifern.“ – Hast du dich mit deinem Posting also direkt und ausschliesslich an die „Rotzblogger“ gewendet? Wo steht das? Und denkst du wirklich, mit denen koenntest du auf Augenhoehe diskutieren, wenn die deiner Meinung nach noch nicht einmal dazu imstande… Read more »
Mo
Gast

*Im Rahmen seiner intellektuellen und stilistischen Möglichkeiten kann ein Jeder reflektierte Beiträge schreiben. Ich möchte, dass er/sie es auch tut!*

@Dieter,
dann ist die ganze Diskussion hier ja eigentlich überflüssig.
Denn Deine Aussage besagt im Grunde: „Jeder nach seiner Fasson.“
Was Du mit Deinem gesamten Blogbeitrag ausdrücken wolltest ist doch eigentlich nur, dass Du nicht gewillt bist auch jeder Fasson zu lesen.
Habe ich das so richtig verstanden?

Dieter Petereit
Gast
Kurze Richtigstellung: Dies hier ist nicht mein Blog! Dies hier ist das Dr.Web-Magazin. Ich bin einer der vielen Autoren. Auch eine Verschärfung des Tons, gepaart mit beleidigenden Äußerungen wird mich nicht veranlassen, in eine Diskussion einzusteigen, die ich nicht initiiert habe und die ich nicht zu führen bereit bin. Damit will ich nicht sagen, dass diese andere Diskussion es nicht wert wäre, geführt zu werden, sondern schlicht und ergreifend, dass sie mit den hier aufgeworfenen Fragestellungen nichts zu tun hat. Wenn also jemand nun noch etwas zum Thema beitragen möchte, gerne. @Mo: Nein, das hast Du nicht richtig verstanden. Ein… Read more »
Mo
Gast

Lieber Dieter,
ich wollte ja nur eine Brücke bauen.
Und zwar deshalb, weil mich eben nicht nur einzelne Punkte selektiv anspringen, sondern weil die Gesamtheit Deiner Aussagen einen Dieter mit leicht erhobenen Zeigefinger vermuten lassen. ;-)

ramses101
Gast

Wenn also jemand nun noch etwas zum Thema beitragen möchte, gerne.

Das habe ich eigentlich getan, aber wenn es Dir noch nicht konkret genug war, zitiere ich Dich gerne (ich darf annehmen, dass zumindest Deine Beiträge Deiner Ansicht nach Beiträge zum Thema sind?):

Im Rahmen seiner intellektuellen und stilistischen Möglichkeiten kann ein Jeder reflektierte Beiträge schreiben. Ich möchte, dass er/sie es auch tut!

Nenne mir doch endlich mal den Grund, warum er oder sie tun sollte, was Du willst. Und was Du tun würdest, wenn jemand von Dir ähnliches fordern würde.

Dieter Petereit
Gast
@Mo: Ich habe eine klare Meinung zum Thema Rotzblogging und diese Meinung habe ich zum Ausdruck gebracht. Wenn das für Dich nach Zeigefinger aussieht, bitte. Da habe ich kein Problem mit. Ich habe auch kein Problem damit, wenn jemand eine andere Meinung vertreten möchte. Ich bin Demokrat, ich halte das aus… @ramses101: Warum er/sie tun sollte, was sinnvoll ist, nämlich seine/ihre Leser wertschätzend zu behandeln und nicht mit bestenfalls Redundanzen, schlimmstenfalls Verbalmüll zu bewerfen, sollte eigentlich auf der Hand liegen. Weil es sich so gehört. Dass es zu der Frage, was sich gehört, in unterschiedlichen Altersgruppen, sozialen Schichten etc. unterschiedliche… Read more »
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