Photoshop: Techniken zum Freistellen – Teil 1

Photoshop bietet für jedes Ziel zahlreiche Wege an, so auch zum Freistellen von Bildelementen. Einige Techniken, wie etwa das Extrahieren, der Magische-Radiergummi, das Kopieren einer Auswahl oder auch der Hintergrund-Radiergummi ermöglichen schnelle Ergebnisse, die allerdings einiges an Nachbearbeitung erfordern oder nur für Entwürfe eingesetzt werden sollten.

Teil 2: Photoshop: Techniken zum Freistellen

Extrahieren
Bei komplizierten Hintergründen, bei denen der Hintergrund- oder auch der Magische-Radiergummi aufgeben müssen, kommt »Extrahieren« zum Einsatz, das im Menü unter den »Filtern« zu finden ist. Ein Bildelement wird über »Extrahieren« isoliert, in dem es erst mit dem Kantenmarker umkreist, dann mit dem Füllwerkzeug gekennzeichnet wird.

So werden selbst feinere, nicht ganz so stark ausgeprägte Kanten entdeckt. Da Photoshop den nicht markierten Hintergrund löscht, kopieren wir – um das Original zu bewahren – die Hintergrundebene über »Ebene ↔ Neu ↔ Ebene durch Kopie« oder schneller über den Shortcut Strg und J auf eine eigene Ebene. Die Hintergrundebene wird nun ausgeblendet, um im Anschluß das freigestellte Objekt überprüfen zu können.

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Der Filter »Extrahieren«

Mit dem Kantenmarker umfährt man das Bildelement, das man erhalten möchte. In den Werkzeugoptionen kann über die »Pinselgröße« festgelegt werden, wie breit die Kantenmarkierung ausfallen soll. Beim Umkreisen sollte man darauf achten, dass sowohl Vorder- wie auch Hintergrund leicht überlappt werden. Bei komplizierteren Kanten setzt man eine breite Pinselgröße ein, damit Photoshop den Übergang zum Hintergrund erkennen kann.

Mit dem Radiergummi können Fehler schnell berichtigt werden, in dem man die Markierung einfach wieder löscht. Hat man in den Optionen »Hervorhebungshilfe« abgehakt, wird die aktuelle Pinselgröße ignoriert und es entsteht eine Markierung über der Kante, die gerade so breit ist, dass sie abgedeckt wird.

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Der Kantenmarker im Einsatz (Foto: Jan Metzmacher)

Nun reicht ein Klick mit dem Füllwerkzeug in die Mitte des markierten Bildelements, um Photoshop anzuzeigen, was freigestellt werden soll. Über den Button »Vorschau« sieht man das Ergebnis der Bemühungen. Man hat über die Optionen noch die Wahl, ob das freigestellte Element vor schwarzen, grauen oder weißen Hintergrund, als Maske oder über eine selbstgewählten Farbe präsentiert wird. Die Füllung und Markierung kann eingeblendet werden, um diese gegebenenfalls zu verbessern. »Strukturiertes Bild« ist dann sinnvoll, wenn der Vordergrund oder der Hintergrund des Bildes eine eher unruhige Struktur hat.

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Die zu erhaltenen Bereiche wurden markiert

Der »Kantenverfeinerer« oder das Werkzeug »Bereinigen« sind erst in der Vorschau anwählbar. »Bereinigen« subtrahiert die Deckkraft, wobei mit gedrückter Alt-Taste wieder etwas mehr hinzugegeben wird. So könnte man für eine sehr weiche Kante sorgen. Der »Kantenverfeinerer« schärft dagegen den Übergang. Auch mit »Glättung«, das sich auf die Größe der Kante auswirkt, kann diese verbessert werden. Mit Hilfe des Protokoll-Pinsel aus der Werkzeugpalette sollte das freigestellte Objekt noch verbessert werden. Übrigens kann eine Auswahl, die als Kanal gespeichert wurde, als Grundlage für eine Markierung dienen. Unter Extrahierung wird dazu der entsprechende Kanal ausgewählt.

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Freigestellt über der Hintergrundebene

Magischer-Radiergummi
Der Magische-Radiergummi ist eine Mischung aus dem Zauberstab, der je nach Toleranz einen größeren Farbbereich aufnimmt, und dem Drücken der Entfernen-Taste. In den Optionen dieses Werkzeugs kann deshalb auch die Toleranz eingestellt werden.

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Optionen des magischen Radiergummis

Mit der Option »Glätten« kann man für sanftere Übergänge sorgen. Sonst kommt es, wie in diesem Beispiel zu sehen, zu einem »Treppeneffekt« an der Kante, da nur bis zum festgelegten Toleranzbereich das ausgewählte Pixelmaterial auf transparent gesetzt wird. Mit »Benachbart« kann man sich noch dafür entscheiden, ob alle ähnlichen Pixel im Bild gelöscht werden sollen oder nur jene in benachbarten Bereichen.

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Nach nur einem Klick (Foto: Jan Metzmacher)

Wurde »Alle Ebenen aufnehmen« abgehakt, wirkt sich der Magische-Radiergummi auf alle aktivierten Ebenen aus. Ausgeblendete Ebenen bleiben also unberührt. Man könnte dazu über die »Deckkraft« regeln, ob der Magische-Radiergummi die Pixel ganz oder nur bis zu einem festgelegten Prozentsatz löschen soll. Immer ist das Nachbessern mit dem Protokollpinsel Pflicht, da es sehr schnell zum ungewünschten Löschen von Bildbereichen, wie hier unterhalb vom Bass zu sehen, kommen kann.

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Nachbessern ist Pflicht beim Magischen-Radiergummi

Auswahl kopieren
Bei geometrischen Formen mit eher geraden Seiten, wie etwa ein Gebäude, könnte man auch mit dem Polygon-Lasso entlang der Kontur eine Auswahl aufziehen, wonach man über »Ebene ↔ Neu ↔ Ebene durch Kopie« oder etwas schneller über das Tastaturkürzel Strg und J dafür sorgt, dass das Bildelement freigestellt auf einer eigenen Ebene liegt. So bleibt das Ursprungsbild auf der Hintergrundebene für den späteren Einsatz erhalten.

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Dank dem Polygon-Lasso schnell ausgewählt (Foto: Jan Metzmacher)

Für Bildelemente mit zahleichen Kurven und Rundungen bietet sich dagegen das Zeichenstift-Werkzeug an, mit dem ein Arbeitspfad erstellt wird, der über die Pfade-Palette und dort über den Button »Pfad als Auswahl laden« in eine Auswahl umgewandelt werden kann. Diese Selektion kann nun wiederum, wie zuvor beschrieben, auf eine eigene Ebene kopiert werden.

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Arbeitspfad als Auswahl laden

Die Kante der Auswahl ist relativ scharf, was für grobe Bildelemente wünschenswert ist, bei feineren, wie etwa Haaren, allerdings zu eher unrealistischen Ergebnissen führt. Da bietet sich der Hintergrund-Radiergummi an.

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Bildelement auf eigener Ebene

Hintergrund-Radiergummi
Denn das Hintergrund-Radiergummi-Werkzeug erkennt automatisch die Konturen eines Objekts und setzt die Pixel vom Hintergrund auf transparent. Selbst feine Konturen werden erkannt, wobei der Filter »Extrahieren« allerdings noch etwas bessere Ergebnisse liefert. Anders als der Magische-Radiergummi nimmt dieses Werkzeug die Farbe aus der Mitte des Pinsels auf und löscht diese überall da, wo sie vom Pinsel berührt wird. Beim Bewegen werden also ständig Farben aufgenommen und gelöscht. Harte Konturen vorausgesetzt, wird hierbei das Bildelement so gut freigestellt, dass der gefürchtete Farbkranz entfällt.

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Optionen des Hintergrund-Radiergummis

Und selbst bei Fotos, in denen Motiv und Hintergrund eine ähnliche Tönung besitzen, schafft es das Hintergrund-Radiergummi-Werkzeug mit den richtigen Einstellungen, Bildelemente freizustellen, die nur noch wenig Nachbearbeitung erforderlich machen. So bleibt die Schärfe der Kanten mit der Einstellung »Konturen finden« unter »Grenzen« in den Optionen des Werkzeugs erhalten, während sich »Nicht aufeinander folg.«, für die Farbe unter dem Pinsel, und »Benachbart«, für die aufgenommene Farbe auch außerhalb des Pinsels, eher auf die Fläche konzentrieren.

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Der Hintergrund wird gelöscht (Foto: Klaus Heidemann)

Der Wert »Toleranz« bestimmt genau wie beim Zauberstab, wie groß der Farbbereich von der aufgenommenen Farbe entfernt sein darf, um diesen zu selektieren und gleichzeitig zu löschen, wobei der Übergang weicher ist als etwa beim Magischen-Radiergummi. Es bietet sich an, über »Vord.farbe schützen« die Farbe festzulegen, deren Bereiche im Bild nicht gelöscht werden sollen.

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Das Bildelement bleibt (fast) unberührt

In den Optionen hat man zusätzlich über die Icons »Aufnahme« die Auswahl, die Farbe beim Ziehen des Werkzeugs ständig aufzunehmen, was als Standard voreingestellt ist, oder aber mit »Einmal« eine Farbe festzulegen, die gelöscht werden soll bzw. über »Hintergr.-Farbfeld« die Bereiche zu löschen, welche die aktuelle Hintergrundfarbe enthalten.

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Auch hier musste nachgebessert werden

Die hier vorgestellten Methoden zum Freistellen würde ich eher für Entwürfe empfehlen, da die Ergebnisse oftmals einiges an Ausbesserungen nötig werden lassen. Das Freistellen mit dem Schnellauswahlwerkzeug in Verbindung mit der Funktion »Kante verbessern« oder der Weg über eine Ebenenmaske ist zwar zeitaufwändiger, dafür bieten sie eine weitaus bessere Qualität an. ™

Erstveröffentlichung 16.11.2007

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.

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[…] ist sehr komplex, deshalb gibt es Leute die da Anleitungen f

Michael
Gast
7 Jahre 3 Monate her

Ein wirklich sehr gut erklärtes, mit praxisnahen Beispielen, geschriebenes Tutorials. Mit Teil 2 vollendet.
Recht vielen Dank ;-)

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7 Jahre 3 Monate her

[…] Teil 1 und Teil 2 […]

trackback

[…] Artist: Dirk Metzmacher/drweb.de Artistlink: http://www.drweb.de/magazin/photoshop-techniken-zum-freistellen-teil-1/ […]

Gerhard Sachs
Gast
Gerhard Sachs
6 Jahre 4 Monate her

Leider bin ich gleich über einen Absatz gestolpert, in dem vom Kantenmarker die Rede ist.
Ich arbeite viel mit InDesign und Illustrator, aber praktisch nie mit Photoshop. Bei meiner Suche in Photoshop CS4 ist mir kein Kantenmarker über den Weg gelaufen.
Nach welchem Begriff muss ich denn suchen, um den Kantenmarker zu finden ?

Netto
Gast
Netto
6 Jahre 3 Monate her

Endlich muss ich nicht immer nur mit dem magischen Lasso arbeiten. Der Hammer!

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