Photoshop kreativ: So einfach simulieren Sie eine doppelte Belichtung

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen...

Im analogen Zeitalter waren doppelte Belichtungen noch leicht möglich: ein Foto wurde aufgenommen, der Film zurück gespult und ein weiteres Fotos geschossen. Mit etwas Glück entstanden so fast künstlerische Kombinationen zweier Motive. In Photoshop können Sie diesen Effekt simulieren und weitaus leichter kontrollieren. Sie benötigen nur das passende Ausgangsmaterial.

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Doppelte Belichtung – Schritt #1: Das Ausgangsmaterial

In der einfachsten Variante benötigen Sie zwei Aufnahmen: einen Schattenriss sowie eine Textur, die als Grundlage zur zweiten Belichtung dient. Die Silhouette sorgt dafür, dass eine Fläche für die andere Aufnahme geboten wird, ohne sich um Freisteller kümmern zu müssen.

Eine zweite Variante ist da schon etwas komplexer. Hier ist eine Freistellung die Voraussetzung, die wir in einigen Schritten ausführlich erklären, so dass Sie nicht nur die doppelte Belichtung erlernen, sondern auch gleich Tipps und Tricks zum professionellen Freistellen erhalten. Hier sehen Sie das Ausgangsmaterial noch unbearbeitet:

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Doppelte Belichtung – Schritt #2: Einfache Überlagerung

Öffnen Sie das Foto mit der Silhouette und ein weiteres Foto mit einer feineren Struktur, wie etwa einer Waldlandschaft. Ziehen Sie das Dokument mit der Struktur zur Seite (durch Anklicken und Halten des Reiters) und dann mit dem Verschieben-Werkzeug (Tastenkürzel: V) das Foto ebenfalls durch Anklicken und Ziehen in das andere Dokument hinein. Positionieren Sie das Bild grob und ändern Sie den Mischmodus der Ebene von Normal auf Negativ multiplizieren ab.

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A woman in a swimsuit lying / 148463444 / Alan Poulson Photography

Diese Änderung nehmen Sie im Ebenenbedienfeld vor, gleich neben der Deckkraft. Solche Mischmodi (auch Füllmethoden genannt) bestimmen, wie die aktuelle Ebene mit den darunter liegenden Ebenen verrechnet wird. Negativ multiplizieren gleicht laut der Online-Hilfe von Adobe der Wirkung des Übereinanderprojizierens mehrerer Dias.

Dabei wird die Ausgangsfarbe als Negativ mit der Mischfarbe multipliziert. So werden helle Bereiche weiter aufgehellt, dunklere Bereich bleiben bestehen. Besonders im schwarzen Schattenriss ist deshalb die Struktur weiterhin deutlich zu sehen.

Doppelte Belichtung – Schritt #3: Abschwächung des Hintergrundmotives

Da der Hintergrund nicht komplett weiß erscheint, können Sie diesen noch optimieren. Aktivieren Sie dazu die Hintergrundebene und gehen Sie im Menü auf Ebene > Neue Einstellungsebene > Gradationskurven. Setzen Sie einen Punkt genau in die Mitte der Linie und einen weiteren Punkt etwas weiter links, unten an der ersten Schnittstelle der Linien im Hintergrund der Gradationskurven.

Ziehen Sie diesen Punkt etwas nach oben und zur rechten Seite hin, den Punkt in der Mitte gerade nach oben. So wird das Bild mit der Silhouette heller und gleichzeitig der Kontrast gesteigert. Da besonders der Hintergrund so heller geworden ist, sorgt die weitere Ebene im Modus Negativ multiplizieren auch für eine verstärkte Aufhellung und die Fläche wird langsam weiß. Generell könnten Sie auch noch den Kontrast des Ergebnisses steigern.

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Vintage color autumn forest / 231187699 / Robsonphoto

Doppelte Belichtung – Schritt #4: Freistellung als Voraussetzung

Ein Foto einer Silhouette entsteht als Gegenlichtaufnahme. Leider hat nicht jeder solch eine Aufnahme parat. Photoshop bietet uns dann eine passende Lösung an, die allerdings eine Freistellung verlangt. Professionell können Sie mit den Pfad-Werkzeugen freistellen. Aktivieren Sie dazu das Zeichenstift-Werkzeug und wählen Sie in der Optionsleiste Pfad (statt Pixel oder Form) aus.

Über das Zahnrad-Symbol (etwas weiter auf der rechten Seite) haben Sie die Möglichkeit, Gummiband anzuwählen. Ist diese Funktion aktiviert, so zeigt Photoshop den Pfad schon beim Anlegen an. Aktivieren Sie auch Autom. hinzuf./löschen. So sind Sie optimal vorbereitet für das nun folgende Freistellen Ihrer Bildmotive.

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Vergrößern Sie einen Bereich am Rand des Motivs mit dem Zoom-Werkzeug und setzen Sie einen ersten Punkt mit dem Zeichenstift. Lassen Sie weitere Punkte entlang der Kontur folgen. An kurvigen Stellen halten Sie die Maustaste gedrückt und ziehen die Kurve nach. Um wieder gerade Linien ziehen zu können, klicken Sie den zuletzt gesetzten Punkt mit gedrückter Alt-Taste an. Nach dem Schließen des Pfades drücken Sie Strg+Eingabetaste, um den Pfad in eine Auswahl umzuwandeln. Klicken Sie den Button Maske hinzufügen unten im Ebenenbedienfeld an. Das Model wurde damit freigestellt.

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Doppelte Belichtung – Schritt #5: Freistellung verfeinern

Ein Doppelklick auf die Maskenminiatur im Ebenenbedienfeld ruft den Eigenschaften-Dialog auf. Klicken Sie da unter Verbessern auf den Button Maskenkante. Stellen Sie den Ansichtsmodus ein (etwa auf einen weißen Hintergrund) und aktivieren Sie das Radius-verbessern-Werkzeug auf der linken Seite, um im Bild über die Haare des freigestellten Models zu malen. Photoshop versucht nach dem Lösen der Maustaste den Hintergrund zu erkennen und stellt die feinsten Haare automatisiert frei. Sie können diesen Vorgang wiederholen. Sind Sie zufrieden, so bestätigen Sie über OK. Die Maske wurde entsprechend angepasst.

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Doppelte Belichtung – Schritt #6: Kanten optimieren

Drücken Sie Strg+J, um das freigestellte Bildelement zu kopieren, und klicken Sie die Maske mit rechter Maustaste an. Wählen Sie Ebenenmaske anwenden aus und gehen Sie im Menü auf Ebene > Schnittmaske erstellen. Inhalte dieser Ebene sind so nur noch da sichtbar, wo auf der darunter liegenden Ebene Pixelmaterial vorhanden ist. Da oftmals bei freigestellten Motiven der Rand unschöne Färbungen zeigt, ziehen Sie diesen mit dem Wischfinger-Werkzeug etwas heraus. Achten Sie darauf, den Rand nicht unscharf werden zu lassen. Reduzieren Sie den Schwellenwert in der Optionsleiste auf etwa 40%. Strg+E reduziert die beiden Ebenen.

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Doppelte Belichtung – Schritt #7: Belichten

Erstellen Sie eine neue Ebene, etwa über das Tastenkürzel Umschalt+Strg+N, und füllen Sie die Fläche mit weißer Farbe, was schnell über Umschalt+F5 möglich ist. Diese Ebene sollte in der Ebenenreihenfolge unterhalb der Ebene mit dem freigestellten Model liegen. Um die Ebenenreihenfolge anzupassen klicken Sie die Ebene an, halten die Maustaste gedrückt und ziehen die Ebene an die neue Position.

Wie im ersten Beispiel wird ein Foto im Mischmodus Negativ multiplizieren über das freigestellte Model eingefügt, dann zwischen dieser Ebene und der Ebene mit dem Model eine Neue Einstellungsebene > Helligkeit/Kontrast positioniert. Diese steuert die Helligkeit sowie die Kontraste, die allesamt erhöht werden, um den Effekt noch zu verstärken.

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Portrait of handsome man / 156881834 / Mayer George

Wer mag, kann auch noch etwas kreativer werden. So wurde hier etwa ein „Wolkenkratzer“ freigestellt, damit dieser aus dem Kopf herausragen kann. Auch sollten Bereiche im Gesicht von der Bearbeitung durch die Überlagerung der Struktur ausgeschlossen werden, was leicht über eine Ebenenmaske für diese Ebene möglich ist.

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Sunset aerial view of New York City / 199319276 / littleny

Doppelte Belichtung – Schritt #8: Schwarzweiß-Umsetzung als Alternative

Sehr edel wirkt auch die unbunte Variante einer doppelten Belichtung. Dazu gehen Sie im Menü auf Ebene > Neue Einstellungsebene > Schwarzweiß und drücken da zunächst auf den Button Auto. Passt das Ergebnis noch nicht so ganz, so das Werkzeug oben, links mit der Hand und den zwei Pfeilen, um direkt im Dokument arbeiten zu können.

Klicken Sie dazu einen Bereich an, halten Sie die Maustaste gedrückt und bewegen Sie den Mauszeigen zur linken oder rechten Seite hin. Sie bestimmen damit die Helligkeitswerte des angeklickten Farbbereiches visuell und können so die Schwarzweiß-Umsetzung perfekt einstellen. Wer mag, erzeugt noch eine Neue Einstellungsebene > Gradationskurven und wählt da die Vorgabe Starker Kontrast aus.

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(dpe)

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.

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Bukomateur
Gast

Very clever! Sehr anschaulich und nachvollziehbar erklärt! Hübscher Effekt, kommt sicherlich mal zum Einsatz. Vielen Dank dafür!

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