Brandneu: Ist Opera Neon die Zukunft des Webbrowsers?

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Mit Opera Neon stellen die neuen Eigentümer des Opera-Browsers eine Sammlung frischer Konzepte vor, von denen sie glauben, dass sie sich in Zukunft durchsetzen werden. In der Tat ist die Neuvorstellung nicht uninteressant.

Opera Neon: Alternative Konzepte

Opera Neon ist kein voll ausgestatteter Browser. Vielmehr handelt es sich um einen, vor allem optisch, deutlich anderen Ansatz als wir gewohnt sind. Neon hält sich nicht an klassische Designstandards, sondern kommt eher wie eine App daher. Das Menü findet sich linksseitig hochkant angeordnet, dabei massiv reduziert. Die Tableiste, die nicht aus Tabs, sondern aus kreisrunden Bookmark-Icons besteht, findet sich rechts vertikal. Der Hintergrund des Browserfensters nimmt den Desktop-Hintergrund des Computers an.

Seiteninhalte nehmen zwar den gesamten Platz ein, wirken aber dadurch, dass sich links und rechts vom Inhaltsfenster noch die genannten Navigationselemente befinden, so, als ob sie frei auf dem Hintergrund schweben. Tatsächlich lassen sich auch zwei Browserfenster nebeneinander platzieren, was den Eindruck verstärkt. Der sogenannte Split-Screen-Modus wird dadurch aktiviert, dass du ein Bookmark-Icon nach links oben auf die URL-Bar ziehst. Von hier aus kannst du auch die Seiten wechseln, also die rechts angezeigte nach links bringen oder umgekehrt.

Opera Neon: Zwei Browser-Tabs nebeneinander, der sog. Split-Screen-Mode. (Screenshot: Dr. Web)

Nachdem Opera Neon auf der Blink-Engine basiert, die auch den großen Bruder antreibt, ist es nicht verwunderlich, dass das Browsing sich rasant anfühlt. Der erste Eindruck war kurz davor mich zu begeistern, als mir klar wurde, dass ich hier einen Browser ohne jegliche Plugins mit meinem durch und durch angepassten Chrome-Browser zu vergleichen versucht war. Ich installierte parallel einen Chromium und stellte doch fest, dass Opera Neon sich auch gegen einen Browser ohne Plugins deutlich flinker anfühlt. Der Punkt geht schon mal an Opera Neon.

Opera Neon: YouTube und Vimeo lassen sich von der Seitenleiste aus abspielen. (Screenshot: Dr. Web)

Neon bringt eine unkomplizierte Screenshot-Funktion mit, die über das linksseitige Menü ausgelöst wird. Screenshots werden automatisch in der ebenfalls linksseitig zu erreichenden Galerie gespeichert. YouTube-Videos lassen sich von eben jener Seitenleiste aus abspielen, ohne dass das eigentliche YouTube-Fenster dafür offen sein müsste. Diese Play-Funktion ist auch für andere unterstützte Dienste, etwa Vimeo, nutzbar. Ich versuchte es mit Spotify, scheiterte aber, obwohl laut Neon zumindest eine Übersicht aller Tabs, die Musik abspielen, in der Play-Leiste hätte erscheinen müssen. Es ist halt doch eher ein Konzept, dachte ich bei mir.

Bookmarks verwaltest du im leeren Browserfenster. Dort findest du auch die Suchfunktion, die per Default mit Google sucht, aber anpassbar ist. Die Bookmarks schweben als Kreiswolke unterhalb des Suchstreifens. Im Grunde ist das nur eine optisch etwas ansprechendere Form als die übliche, bei Opera Speed-Dial genannte, Form der Darstellung.

Neons Tabs sind, wie gesagt, keine Tabs, sondern kreisrunde Previews auf den eigentlichen Seiteninhalt, weshalb Opera sie „Visual Tabs” getauft hat. Besonders stolz sind die Entwickler offenbar auf ein Konzept, das mir im Test nicht einmal aufgefallen ist. Sie nennen es „Gravity”. Die „Visual Tabs” bewegen sich angeblich, als verfügten sie über Gewicht, also wie Objekte im echten Leben. Gut, sie bewegen sich etwas behäbig, wenn man sie klickt und zieht und verschwinden in einem Rauchwölkchen, wenn man sie löscht. Das finde ich nicht sonderlich spannend.

Opera Neon: der leere Hintergund mit dem Suchfeld und dem Speed-Dial. (Screenshot: Dr. Web)

Nützlicher ist da schon, dass sich die Kreiswolke, respektive das Speed-Dial, stets nach Nutzungshäufigkeit darstellt. Häufig verwendete Seiten werden weiter oben platziert, während seltener besuchte Seiten nach unten absinken. Dennoch wird mich dieses Konzept nicht von einer ausgewachsenen Bookmark-Verwaltung abbringen können. Denn, wie so eine Kreiswolke aussieht, wenn wir erstmal 100 Bookmarks gespeichert haben, kannst du dir wohl vorstellen.

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Opera Neon: kostenlos, schön und schnell für zwischendurch

Opera Neon kannst du kostenlos herunterladen und verwenden. Der Hersteller legt Wert auf die Feststellung, dass Neon nicht dem Opera den Rang ablaufen soll. Vielmehr könnte es so sein, dass Neons Konzepte in künftige Opera-Versionen eingebaut werden.

Jedenfalls solltest du dir selbst ein Bild machen. Der Browser ist schnell und wirklich schön. Für den schnellen Surf zwischendurch ist Neon durchaus geeignet.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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Tobias
Gast

Klingt interessant, aber nachdem der Leiter von Opera Software sich ausgeklinkt hat, um einen neuen Browser mit einer detailverliebten Konfiguration zu erschaffen, ist Vivaldi der Browser meiner Wahl :)

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