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Nostalgie: War früher alles besser?

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Diese stereotype Aussage höre ich immer noch häufig. Wenn ich allerdings darüber nachdenke, kann ich das nicht bestätigen.

Wenn du, wie ich, in Digitalien daheim bist und online dein Geld verdienst, dann sind die Veränderungen der letzten 23 Jahre sicherlich das Beste, was dir passieren konnte. Schauen wir doch mal, was sich alles verändert hat.

1. Arbeiten in den eigenen vier Wänden

Heimarbeitsplätze gab es auch in den Neunzigern schon. Sie kosteten den Arbeitgeber allerdings eine richtige Stange Geld und waren von daher nur unter äußersten Voraussetzungen zu erhalten. Da musste man schon schwerbehindert oder sonstwie mobilitätseingeschränkt sein.

My Home Office is my Castle.

Heutzutage ist ein Heimarbeitsplatz Normalität. Selbst Gehaltsschergen erhalten von ihren Arbeitgebern zunehmend die Erlaubnis, den einen oder anderen Arbeitstag von Zuhause aus zu arbeiten.

Selbst VPN-gesicherte Zugänge sind keine Investitionsentscheidungen mehr. Die Technik ist verfügbar und billig. Das war früher auf jeden Fall nicht besser.

2. Internationale Kontakte

Ob ich heute einen Auftrag aus Chile oder aus München erhalte, den ich digital abwickele, ist vollkommen egal. Ob meine Bekannten sich 200 oder 2.000 Kilometer entfernt aufhalten ist auch egal. Nie war es einfacher, Kontakte zu pflegen und zu erhalten oder Geschäfte über Landesgrenzen hinweg zu tätigen.

Früher hatte ich definitiv weniger Kontakte…

Soziale Netzwerke sorgen für den virtuellen Zusammenhalt auch größerer Freundeskreise. Professionelle Netzwerke erleichtern die Kollaboration über Unternehmens- und Landesgrenzen hinweg. Das war früher nicht besser.

3. Das Netz hat durchgehend geöffnet

Wenn mir der Gedanke kommt, dass ich für den Wochenendtrip noch ein Kabel für mein Smartphone benötige, wechsele ich schnell den Browser-Tab und bestelle es beim Technikhändler meines Vertrauens. Vorzugsweise nachts fällt mir ein, was ich noch zu besorgen vergaß. Da mein Computer 24 Stunden lang online ist, brauche ich mir das Versäumnis nicht einmal zu merken. Ich wechsele von Bett zu Schreibtisch und erledige die Bestellung.

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Besonders nützlich ist das Netz da, wo es um Besorgungen geht, die du nicht an jeder Ecke erledigen kannst. So bin ich dem veganen Lebensstil zugetan und habe hier am Ort nur eine geringe Auswahl an Produkten. Im Netz steht mir eine Fülle spezialisierter Onlineshops zur Verfügung.

Schön, aber zeitlich und räumlich unflexibel.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, was für Disketten- und CD-Schlachten ich früher zu schlagen hatte, wenn ich mir eine neue Software gekauft hatte. Besonders beeindruckend dabei waren stets die Microsoft-Produkte. Die musste man zu zweit aus dem Laden schleppen, weil einer alleine das Gewicht nicht bewältigt bekam.

Heutzutage kann ich entweder Software günstig kaufen im Software Shop oder ich verwende gleich Lösungen, die als Web-Apps vertrieben werden. So wickele ich etwa meine Rechnungsschreibung ab. Manch Anbieter setzt auf Abo-Modelle, die ebenfalls über das Netz vertrieben werden. Wenn es geht, setze ich allerdings doch auf das gute alte Kaufmodell aus dem Software Shop. Ich gestehe allerdings, dass ich noch nie mitten in der Nacht eine Software erworben habe.

Software-Kauf besteht heutzutage eigentlich nur im Erwerb von Lizenzschlüsseln.

Was soll ich sagen? Auch das war früher alles nicht besser.

4. Kommunikation

Ich erwähnte bereits, dass es wesentlich bequemer geworden ist, Kontakte zeitnah in aller Welt zu pflegen. Wesentlich begünstigt wird dieser Komfort durch die modernen Möglichkeiten der kostenlosen Kommunikation.

Dutzende von Messengern stehen zur Auswahl, um den Kommunikationsdrang des Homo Digitalis zu befriedigen. Sogar die Ende der Neunziger sauteure und total untaugliche Videokommunikation können wir heute bequem und mit guten Ergebnissen vollziehen. Ich bevorzuge übrigens jederzeit Skype, kann mich jedoch des omnipräsenten WhatsApp auch nicht entziehen.

Das war früher keinesfalls besser.

5. Wissen

Es ist ein Widerspruch in sich, dass sich ausgerechnet in unserer Zeit, wo jedem auf der Welt, dem ein Internetzugang zur Verfügung steht, und somit gleichzeitig auch ein Füllhorn an Wissen zugänglich ist, dennoch die kollektive Dummheit in allen Bereichen so rasant ausbreitet.

Dieses Werk stand in meinem Jugendzimmer.

Generell ist es aber als rein positiv zu bewerten, dass ich heute keine Schrankwand voll Brockhaus mehr benötige, um ein umfassendes Allgemeinwissen zur Hand zu haben. Das war früher sicherlich nicht besser.

Natürlich gibt es da auch die Kehrseite der Digitalisierung. Die gab es jedoch auch zu Zeiten der industriellen Revolution. Für mich persönlich überwiegen klar die Vorteile der modernen Möglichkeiten.

Was meinst du? War früher alles besser?

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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2 Kommentare auf "Nostalgie: War früher alles besser?"

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ati
Gast

Klar war früher alles besser – gestern war Sonntag! 😉

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