Metadaten in Fotos

XMP, EXIF, IMP, DNG oder RAW? Ein gut gepflegtes Bildarchiv ist nicht nur für professionelle Fotografen Pflicht, sondern hilft jedem Bildbearbeiter auf der Suche nach dem richtigen Material. Ausführliche Metadaten sind dabei das A und O und bestenfalls so angelegt, dass sie gegen Software- und Systemwechsel resistent sind. Bringen wir Licht in den Dschungel der Formate und Möglichkeiten.

Geschichte der Metadaten
Metadaten sind in Fotos versteckte Hinweise, etwa auf den Ort der Aufnahme mit einem beschreibenden Kommentar zum Bildinhalt. Schon 1990 wurde mit IIM (Information Interchange Model) ein Standard geschaffen, der jedoch auf professionelle Arbeitsabläufe zugeschnitten war und der Übertragung des Bildmaterials vom Fotografen zur Bildagentur dienlich sein sollte. Adobe übernahm 1995 Teile des IIM als Metadaten in Photoshop, womit der heute bekannte IPTC-Standard festgelegt wurde. Diese herstellerspezifische Methode speichert einige ausgewählte IIM-Daten im Header von TIFF-, JPEG- und PSD-Dateien ab.

Dem IPTC, also dem International Press Telecommunications Council, wurde von Adobe dank der Marktbeherrschung von Photoshop praktisch die Kontrolle über den Standard entzogen. Deren Norm hat man dabei nicht vollständig berücksichtigt, weshalb die verschiedenartigen Umsetzungen immer wieder zu Fehleinträgen führen. Mit IPTC Core hat das Council zusammen mit Adobe kürzlich einen Nachfolger vorgestellt, der endlich alle Eingabefelder von IIM zusammen mit einigen Erweiterungen anbietet, die aufgrund der strengen Lizenzvorgaben verbindlich sind. Doch Adobe fährt mit einem weiteren Standard – XMP – zweigleisig.

Screenshot
Die IPTC-Website

XMP und EXIF
XMP, die Extensible Metadata Platform, ist ein von Adobe entwickelter Standard, der von allen relevanten Adobe-Applikationen unterstützt wird. Zwar hat das Unternehmen die XMP-Spezifikationen sowie das zugehörige SDK relativ offen unter einer Open-Source-Lizenz gelegt, doch hat nur Adobe die volle Kontrolle über das Format. Auch das PSD- und das PDF-Format waren anfänglich offen dokumentiert. Sobald sich ein Format zum »Quasistandard« entwickelt hatte, wurden wichtige Bestandteile von Erweiterungen nicht mehr dokumentiert, sondern unter Verschluss gehalten. Man kann deshalb davon ausgehen, dass mit XMP ein ähnlicher Versuch gestartet wurde, einen weiteren Markt zu beherrschen.

Nicht vergessen darf man die EXIF-Informationen (Exchangeable Image File Format), die jede Digitalkamera bis hin zu Handy-Cams mit einem Foto abspeichert. Auch diese Informationen werden im Header von JPEG- oder TIFF-Dateien geschrieben. Und das ist auch das größte Problem, eben das alle Formate Informationen in den Kopfbereich des Fotos schreiben, worauf später noch genauer eingegangen wird.

Screenshot
Datei-Informationen in Photoshop bearbeiten

XMP und RAW
Aus einem Foto, das im RAW-Format vorliegt, kann immer wieder eine neue Modifikation als TIFF- oder JPEG-Datei erzeugt werden. Es liegt also nahe und es wäre auch sehr komfortabel, wenn man nur diese RAW-Dateien mit Metadaten ausrüsten müsste. Doch leider bieten die unterschiedlichen Formate der Kamerahersteller noch keinen Platz für IPTC- oder XMP-Daten an. Und so kann nur mit Hilfe von »unsauberen« Tricks ein Foto im RAW-Format mit Metainformationen ausgestattet werden. Adobes Bridge etwa erzeugt eine Begleitdatei mit der Endung .xmp, um die Bilddaten weiterzugeben.

Eine Lösung wäre die Umwandlung der RAW-Dateien in das DNG-Format. DNG, also ein »Digital Negative«, ist ein von Adobe forciertes Format, das einen offenen Standard für Rohdaten bietet. Zur Umwandlung bietet das Unternehmen den DNG-Converter an, der Rohdaten eines großen Anteils derzeit verfügbarer Kameramodelle konvertiert.

Screenshot
RAW-Material behandeln

Probleme vermeiden
Da wie schon geschrieben XMP, EXIF und IPTC den Header für die Metadaten einer Bilddatei verwenden, es jedoch kaum einen gemeinsamen Nenner gibt, kommt es in der Praxis immer wieder zum Löschen oder Überschreiben von Informationen. Wenn man Glück hat, werden eingegebene Daten nur in den unterschiedlichen Formaten abgespeichert.

So werden mit der Aufnahme des Fotos die EXIF-Daten geschrieben und später in einem Bildbetrachter wie etwa IrfanView einige Informationen ergänzt. Diese findet man dann im IPTC-Bereich wieder. Wird dieses Bild in Photoshop geladen und dort die Metadaten erweitert, so landen einige der vorhandenen EXIF- und IPTC-Daten in den entsprechenden XMP-Feldern. Das Bild transportiert also in seinem Header dreierlei Formate für Metadaten.

Die andere Richtung wäre fatal. Nehmen wir an, dass zuerst in Photoshop die Metadaten relativ ausführlich eingegeben werden. Damit entsteht ein XMP- und ein IPTC-Bereich. Wer jetzt in ThumbsPlus einige IPTC-Daten ergänzt sorgt unbewusst dafür, dass der XMP-Bereich gelöscht wird, da dieser von der Software nicht unterstützt wird. Für Aufklärung über vorhandene Metadaten in Fotos sorgt PixVue. Das kostenlose Windows-Programm zeigt die Informationen der Header an, ohne sie zu verändern.

Screenshot
PixVue zur Anzeige von Metadaten

Da die Kombination der drei Metadaten-Träger mit den verschiedensten Bildbetrachtungs und –bearbeitungsprogrammen zu einem reinen Glücksspiel wird, sollte man sich auf ein Format konzentrieren und auf allen Ebenen ausschließlich Software verwenden, die dieses Format unterstützt. ™

Erstveröffentlichung 02.10.2006

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.