Matterwiki: Kostenloses Wissensmanagement für kleine Teams

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Die neue Node.js/React-Lösung Matterwiki renoviert das Genre der Wiki-Software. Sie ist hübsch, einfach zu bedienen und modern. Außerdem ist Matterwiki Open Source und damit kostenlos.

Wiki und die starken Männer

Wikis sind tot, denkst du? Sicherlich ist der Hype vorbei. Vor knapp zehn Jahren waren Wikis das Beste seit Bier in Dosen. Die Idee ist immerhin bestechend.

Man nehme eine beliebige Organisation, nehmen wir die Werbeagentur Maierschröder AG. In dieser Agentur kursiert ein ganzer Haufen an Wissen in den Köpfen der Mitarbeiter. Vieles davon wird in der täglichen Arbeit benötigt, anderes ist immerhin nice to have. Wenn es nun einen Ort gäbe, also einen zentralen, außerhalb der individuellen Köpfe, an dem möglichst all das Wissen konzentriert im Zugriff läge, so wäre das unzweifelhaft von großem Wert.

Besonders angesichts der Fluktuation in der Werbebranche ist eine zentrale Wissensablage überlegenswert. So muss nicht der Schröder schon wieder den dritten Neuzugang in diesem Quartal durchschulen, sondern kann sich vieles sparen und auf das gut gepflegte Wiki verweisen. Und der Neuzugang fühlte sich ebenfalls etwas autonomer und könnte schneller glänzen.

Du siehst, Wikis sind auch heutzutage noch eine prima Idee. Wer sich allerdings schon mal als Autor mit der Wikipedia, dem weltgrößten Wiki-System, herumgeschlagen hat, weiß, dass die Attraktivität solcher Systeme in etwa auf dem Level starker Zahnschmerzen nachts um drei liegt.

Enter Matterwiki

Das dachte sich auch Nishant Arora aus dem indischen Bangalore. Zunächst als Schulprojekt gestartet, entwickelte Nishant Matterwiki, eine schlanke Version einer Wiki-Software für Teams, seit Mitte 2016 intensiv weiter. Matterwiki dürfte wohl das hübscheste Wiki zur Verfügung stellen, das ich bisher gesehen habe.

Matterwiki vereinfacht das Wiki-Konzept deutlich. Zwar kannst du auch hier beliebig viele Kontributoren einrichten, die gesamte Ordnung und Sortierung funktioniert allerdings ausschließlich über die „Topics”, also Themenzuordnungen. Jeder Wiki-Eintrag wird einem Topic zugeordnet, weitere Kriterien gibt es nicht.

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Matterwiki: Sortierung nach Topics (Screenshot: Matterwiki)

Für das Verfassen der Beiträge steht ein visueller Editor zur Verfügung, nicht, wie sonst in Wikis üblich, ein Markdown-Editor. Ich selber schreibe seit fast zehn Jahren ausschließlich in Markdown, weiß aber, wie wenig verbreitet die Auszeichnungssprache ansonsten ist. Außerhalb der reinen Tech-Welt verwendet sie kein Mensch. Da ein Wiki aber nicht primär für Techies eingerichtet wird, senkt die Verwendung eines normalen WYSIWYG-Editors ganz sicher die Hemmschwelle nebst Vorbehalten gegen das System deutlich.

Matterwiki: WYSIWYG-Editor (Screenshot: Matterwiki)

Matterwiki bietet eine prominente und vollkommen transparente Versionshistorie, so dass zu jeder Zeit nachvollziehbar ist, wer wann welche Änderung woran vorgenommen hat. Aktuell verfügt Matterwiki noch nicht über eine Suchfunktion. Nishant arbeitet aber bereits daran und hat die Einführung der Suche für die nächste Version, die Ende Januar/Anfang Februar 2017 erscheinen soll, angekündigt.

Matterwiki: Historie links neben dem Text (Screenshot: Matterwiki)

Matterwiki basiert auf JavaScript. Es verwendet Node.js für das Backend und React für das Frontend. Die Datenhaltung erfolgt mittels SQLite. Matterwiki ist Open Source unter der MIT-Lizenz, steht auf Github zur Verfügung und kann kostenlos für jeden Zweck verwendet werden. Die Software musst du allerdings auf deinem eigenen Server hosten, was aber für jene, die Bedarf an einer solchen Anwendung haben, kein Problem darstellen dürfte.

Auf Matterwiki wurde ich durch das entsprechende Feature auf Producthunt aufmerksam.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.