Die Invasion der Sharing-Buttons: Warum weniger mehr ist

Sharing-Buttons sind eine wunderbare Sache. Jeder Blogger oder Seitenbetreiber möchte seine Artikel in den Sozialen Medien geteilt wissen. Doch das ist der erste Schritt in eine Denkfalle. Denn die Annahme, dass deine Besucher öfter teilen werden, wenn du mehr Möglichkeiten anbietest, ist nicht richtig.

Die Invasion der Sharing-Buttons: warum weniger mehr sein könnte

Die Denkfalle arbeitet sehr erfolgreich. Auf fast jedem Blog kannst du die Sharing-Buttons sehen. Auf sehr vielen Blogs siehst du sogar extrem viele Auswahlmöglichkeiten.

Da wäre zuerst Facebook (Share und Like), dann Twitter, danach Google+, LinkedIn, Buffer, Pinterest, Pocket und viele mehr.

Mehr Sharing-Buttons gleich mehr Shares? Pustekuchen.

Du denkst wirklich, dass du mehr Shares bekommst, wenn du mehr Möglichkeiten zum Teilen anbietest? Leider ist genau das Gegenteil der Fall.

Hier ein Beispiel, vielleicht geht es dir ja ebenso wie mir:

Ich bin ein großer Freund von Naschzeug. Egal ob süß oder salzig, Hauptsache ungesund und viel davon. Da ich davon aufgehen würde wie ein Hefekuchen, habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, diese Dinge selbst einzukaufen. Warum? Lies:

Ich stehe vor der riesigen Wand voller Auswahl. Tonnenweise leckeres Zeug wird angeboten. Ich laufe vor dem Regal auf und ab und kann mich nicht entscheiden. Die Auswahl ist viel zu groß. Es endet zumeist damit, dass ich nur zum Regal mit der Schokolade gehe, weil dort wesentlich weniger Auswahl angeboten wird. Ich kaufe also eine Tafel Schokolade, obwohl ich gerne Chips hätte kaufen wollen.

Die Auswahl war einfach zu groß, ich konnte mich nicht für eine Sorte Chips entscheiden.

Paradox? Mehr Möglichkeiten sorgen für weniger Shares

Menschen können sich schlecht entscheiden. Je mehr Möglichkeiten du ihnen zum Teilen deiner Beiträge gibst, desto weniger werden die Artikel geteilt werden. Fünf, sechs oder sieben Buttons sind kontraproduktiv. Das wissen auch einige der erfolgreichsten Blogs und Magazine der Welt.

Schauen wir mal, wie viele Sharing-Buttons diese Websites anbieten:

  • mashable.com – zwei Buttons
  • Neil Patel – vier Buttons
  • The Verge – vier Buttons
  • Lifehacker – zwei Buttons
  • Smashing Magazine – zwei Buttons
  • CoSchedule – vier Buttons
  • Buffer – drei Buttons

Das sind alles Websites mit sehr hohem Besucheraufkommen. Sie alle bekommen mehr als ausreichend Daten zur Auswertung, um intelligente Entscheidungen zu treffen, wenn es darum geht, bessere Ergebnisse zu erzielen. Du kannst sicher sein, dass die Anzahl der Sozialen Buttons dieser Websites nicht willkürlich gesetzt wurde.

Sicherlich mag es auch Websites geben, die viele weitere Buttons anbieten und damit gut fahren. Der überwiegende Teil der Seitenbetreiber indes wird sich keinen Gefallen tun mit einer hohen Anzahl von Möglichkeiten des Teilens.

Grundsätzlich solltest du immer nur auf deine eigenen Daten hören. Nur die sind entscheidend. In allen Fällen, die mir untergekommen sind, haben weniger Sharing-Optionen zu einem Anstieg der Shares und zu einer Erhöhung von qualitativem Traffic geführt.

Die Qualität des durch die Sozialen Netzwerke eingehenden Traffics ist wichtig. Nur darauf solltest du dich konzentrieren.

Wie Du Google Analytics intelligent nutzt

Schauen wir uns also mal etwas in Google Analytics um, um die effektivsten Sozialen Netzwerke zu finden. Mit diesen Daten kannst du dann deine Sharing-Optionen einschränken und bessere Resultate produzieren.

Der Sharing-Report

Zuerst einmal musst du feststellen, welches Soziale Netzwerk dir den meisten Traffic sendet. Logge dich also in deinen Analytics-Account ein und navigiere zu:

Akquisition => Soziale Netzwerke => Übersicht

Um wirklich aussagekräftige Daten zu bekommen, empfehle ich dir die Daten für ein ganzes Jahr anzeigen zu lassen. Sollte dein Blog noch nicht so lange existieren, dann lasse dir die Daten vom Zeitpunkt der Gründung anzeigen.

Bedenke: Du kannst in einem Monat sehr viel Traffic aus einem bestimmten Netzwerk erhalten haben. In anderen Monaten kann der Traffic über genau dieses Netzwerk eher schlecht gewesen sein. Deshalb die Einstellung für ein ganzes Jahr.

Denn du musst einen Überblick über ein breites Spektrum haben, um dir eine fundierte Meinung bilden zu können.

Hier ein Beispiel aus meinem Blog, der allerdings erst seit Anfang Juni in der Ausrichtung existiert. Daher sind die Daten noch »etwas Ausbaufähig«. Der Anzeige-Zeitraum geht bei mir daher vom 01.06.2016 bis zum 25.10.2016.

Der Traffic der Sozialen Netzwerke im Überblick
Der Traffic der Sozialen Netzwerke im Überblick. Twitter führt eindeutig. Auch in der Qualität?

Um etwas eindeutigere Daten zu erhalten, schaue dir die »Netzwerkverweise« an.

Akquisition => Soziale Netzwerke => Netzwerkverweise

Hier kommen interessantere Daten zu Tage, die wesentlich aussagekräftiger sind:

Unter dem Menüpunkt Netzwerkverweise siehst du die wirklich wichtigen Daten.
Unter dem Menüpunkt Netzwerkverweise siehst du die wirklich wichtigen Daten. Du findest den qualitativ hochwertigen Traffic schnell heraus.

Sharing-Buttons: Die richtige Auswertung

Twitter: Wenn wir uns den zweiten Screenshot betrachten, fällt schnell auf, dass die größte Menge an Traffic von Twitter auf meinen Blog kommt. Allerdings ist der Traffic nicht sehr hochwertig. Facebook auf Platz zwei bringt schon deutlich hochwertigeren Besucherverkehr auf meine Website.

Facebook verursacht mit 131 Sitzungen immerhin 775 Seitenaufrufe und eine Sitzungsdauer von 10 Minuten auf meiner Website. Ein Besucher sieht sich im Schnitt 5,92 Seiten an.

Google+: Das beste Netzwerk für Techbrain.de ist jedoch Google+, obwohl es die wenigsten Shares verursacht und den geringsten Traffic auf meine Seite lotst. Doch mit nur 72 Sitzungen verursacht es 492 Seitenaufrufe und eine Sitzungsdauer von durchschnittlich 15 Minuten. Die angesehenen Seiten pro Besucher gehen hoch auf 6,83 im Schnitt. Das ist qualitativ wirklich sehr hochwertig.

Dass ich den hochwertigsten Traffic über Google+ bekomme, hat mich schon überrascht. Ich hätte auf Facebook getippt.

Zusammenfassung der wichtigen Daten:

  1. Die Sitzungsdauer
    Wie lange bleibt ein Besucher auf deiner Seite?
  2. Die Seiten/Sitzung
    Wie viele Seiten sieht sich ein Besucher an, bevor er deine Seite verläßt?
  3. Seitenaufrufe
    Wie viele Seiten sehen sich die Besucher im Durchschnitt an, die über ein bestimmtes Netzwerk kommen?

Wirklich wichtig sind hier nur die Sitzungsdauer und die aufgerufenen Seiten/Sitzung. Das macht die Qualität des Besucherverkehrs aus.

Was du nicht brauchst, sind Besucher, die nur um die 30 Sekunden auf deiner Website verbringen. Das ist komplett nutzloser Traffic.

LinkedIn und Pinterest fallen in meinem Fall komplett aus, das ist nutzloser Besucherverkehr. Ebenso verhält es sich mit Pocket, denn deren Nutzer sehen sich kaum andere Seiten an und verbringen nur etwas über zwei Minuten auf meinem Blog.

Was du brauchst, ist eben der hochqualitative Traffic auf deiner Seite. Du brauchst Besucher, die sich viele Seiten pro Sitzung anschauen und viel Zeit auf deiner Seite verbringen. Für diese Netzwerke solltest du deine Website optimieren.

In meinem Fall ist die Sache eindeutig: Ich sollte meine Seite auf Twitter, Facebook und Google+ optimieren. Twitter übrigens nur, weil die meisten User über Twitter kommen. Hier muss ich testen und die Daten im Auge behalten, ob sich die Zahlen auf die Dauer bestätigen oder vielleicht doch noch verbessern werden. Sollten die Zahlen gleich bleiben, entferne ich wohlmöglich den Tweet-Button.

Fazit

Weniger ist definitiv mehr. Das haben wir heute gelernt. Es ergibt keinen Sinn, so viele Buttons wie nur möglich anzubieten, in der Hoffnung, es würde dann mehr geteilt. Die menschliche Natur ist mit vielen Auswahlmöglichkeiten schnell überfordert. Das Resultat sind eindeutig weniger Shares als möglich wären. Wichtig ist, die eigene Seite auf die Share-Buttons zu optimieren, die in der Relation viel und hochqualitativen Traffic bringen.

Du brauchst nicht irgendeinen Besucherverkehr, sondern qualitativ hochwertigen Traffic, der deine Website voranbringt. Das kannst Du nur mit den richtigen Social-Media-Buttons erreichen. Mein Tipp an dich ist daher eine Optimierung auf die drei wichtigsten Sozialen Medien laut deinen Google Analytics- oder sonstigen Daten. Biete nur diese Buttons an. Die Chance ist sehr groß, dass deine Shares pro Artikel dann in die Höhe gehen und dein Blog davon wahrhaftig profitieren wird.

Nach Ablauf von 30 Tagen schaue dir deine Daten erneut an. Jetzt sollte sich einiges getan haben, so dass du weiteres Feintuning vornehmen kannst.

ist freier Journalist, WordPress-Entwickler und Spezialist für WordPress-Sicherheit. Er schreibt seit 2012 für Dr. Web. Auf seinem Blog TechBrain.de schreibt er über das Bloggen und veröffentlicht nützliche WordPress-Snippets.

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