Intext-Werbung – grüne Links für mehr Geld

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Manuel Diwosch

Manuel Diwosch ist seit 2000 im Medienbereich tätig. 2008 schrieb er erstmals...

Intext-Werbung ist inhaltsbezogene Werbung mittels Text, Grafik oder Video direkt im Content einer Homepage. Die Idee dahinter: Werbung kann so mitten im Blickfeld der Zielgruppe platziert werden. Die Anbieter der Intext-Werbung versprechen hohe Klickraten und daher große Werbeeinnahmen für Seitenbetreiber. Die Realität sieht nüchtern aus.

Wahrscheinlich haben Sie Intext-Werbung schon einmal bemerkt. Sie verbirgt sich direkt im Text vieler Homepages hinter sonderbar hervorgehobenen Wörtern. Ähnlich wie ein Link, aber doch anders; meist grün und doppelt unterstrichen. Wenn Sie mit dem Mauszeiger über eines dieser Wörter fahren, poppt plötzlich ein kleines Fenster mit einer Textnachricht, einem kleinen Produktbild oder einem kurzen Werbespot auf.

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Werbeeinblendung Beispiel

Für Seitenbetreiber eröffnet Intext-Werbung mehr Werbefläche ohne in die bestehende Seitenarchitektur oder das Content-Angebot eingreifen zu müssen. Auch bestehende Google AdSense-Einschaltungen stellen kein Hindernis dar. Google beansprucht kein exklusives Werberecht durch AdSense. Sie können Intext-Werbung somit auch als Ergänzung zu anderen Werbeformen nutzen. Dafür müssen Sie lediglich einen Java-Script-Code in all Ihre Seiten einfügen.

Die Kontrolle dieser Werbeform bleibt nur zu Teilen bei den Seitenbetreibern. So können diese die Anzahl der Intext-Werbungen auf einer Seite festlegen, die Laufzeitdauer eines Popups einstellen und die Art der Markierung dieser Hover-Links bestimmen. Welche Worte benutzt werden, entscheiden die Anbieter. Sie weisen Signalwörtern kontextbezogene Werbung zu. Kommt beispielsweise in einem Text „mp3-Player“ vor, so wird dieses Wort markiert und mit einer i-Pod-Einschaltung verbunden.

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Signalwort Beispiel

Die Vergütung erfolgt meist pro Klick und wird durchschnittlich mit fünf Cent pro Klick bemessen. Je nach Anbieter oder Wunsch der Seitenbetreiber sind verschiedene Vergütungsmodelle möglich:

  • Pay per Click: pro Mausklick wird ein Betrag gutgeschrieben
  • Pay per View: pro Einblendung einer Werbung wird ein Betrag vergütet. Abgerechnet wird dabei meist nach einem Tausend-Kontakt-Preis.
  • Pay per Lead: hierbei wird eine vorher definierte Kontaktaufnahme durch den Kunden nach dem Klick auf eine Werbeeinschaltung vergütet (zum Beispiel: Registrierung für einen Newsletter)
  • Pay per Sale: gelangt ein User über den Link auf die werbende Site und kauft ein Produkt, so wird eine Provision ausbezahlt.

Die Anbieter und ihre Versprechen

Der Einsatz von Intext-Werbung nahm in den vergangenen drei Jahren deutlich zu. Und so auch die Anzahl der Anbieter. Anfangs gab es in Deutschland kein Vorbeikommen am Weltmarktführer Vibrant Media. Heute gestaltet sich die Auswahl zwar noch immer übersichtlich, aber ein paar Anbieter sind hinzugekommen: Contaxe, Ad2Net, mirago, zanox und affilinet.

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An Interesse seitens der Werbetreibenden fehlt es dieser Werbeform nicht. Große Namen wie Apple, Microsoft, Nike, Telekom oder 1&1 nutzen Intext-Einschaltungen, um Ihre Produkte zu bewerben.

Jene Zahlen und Studien, mit deren Hilfe die Anbieter von Intext-Werbung Publisher und Werbetreibende locken, klingen vielversprechend. Weltmarktführer Vibrant erreicht laut eigenen Angaben 115 Millionen Unique User, 13 Millionen davon in Deutschland. 250 Millionen Werbespots werden dem Unternehmen zu Folge jeden Monat angesehen.

Laut einer Studie von comScore kommt weltweit bereits jeder dritte User mit Intext-Werbung in Kontakt. Den Seitenbetreibern werden höhere Klickraten – also auch höhere Einnahmen – versprochen, als bei anderen Werbeformen wie Bannerwerbung oder Google AdSense. Die Begründung liefern Vibrant und deren Konkurrenten mit einer Studie von Nielsen NetRatings. Laut dieser Studie verbringen User die Hälfte ihrer Surfzeit mit dem Lesen von Content. Dementsprechend hoch ist die Aufmerksamkeit für inhaltsgebundene Werbung direkt im Text.

Da die Werbespots nur willentlich ausgelöst werden, stoßen sie zudem auf breite Akzeptanz seitens der User. Außerdem soll durch passende Produktwerbung im Content auch noch die Qualität der Site angehoben werden.

Nachteile: störende Ladezeiten, verärgerte Nutzer, schwierige Anbietersuche

Objektiv betrachtet wird Intext-Werbung von Internet-Nutzern nicht so vorbehaltlos angenommen, wie es die Anbieter behaupten. Viele User klagen über lange Ladezeiten unfreiwillig ausgelöste Video-Clips, die einen Störfaktor beim Lesen darstellen. Auch wollen es zahlreiche Nutzer der Internet-Community nicht hinnehmen, dass sie in Kommentaren, Beiträgen oder Bewertungen unfreiwillig Werbung machen, nur weil sie in ihren Texten bestimmte Signalwörter verwenden.

Gibt man den Begriff „intelliTXT“, so heißt die Intext-Technologie des Marktführers Vibrant Media, in eine Suchmaschine ein, wird die negative Stimmung gegenüber dieser Werbeform deutlich. Zahlreiche Treffer verlinken zu Diskussionen darüber, wie man diese Werbeeinschaltungen deaktivieren kann.

Ein weiterer Nachteil entsteht vor allem für kleinere Seitenbetreiber. Sie scheitern oft an den hohen Ansprüchen der meisten Anbieter: Nur wer mindestens 100.000 Pageviews pro Monat vorweisen kann, kommt als Werbepartner in Frage. Alle Anderen sind auf eine noch geringere Anzahl an Anbietern angewiesen und müssen deren Vertragsbedingungen akzeptieren.

Fazit: Intext-Werbung nicht um jeden Preis!

Intext-Werbung stellt eine Werbeform dar, durch die Sie ohne gestalterischen Aufwand neue Werbefläche auf Ihrer Site schaffen können. Dadurch eignet sie sich vor allem als Ergänzung zu bestehenden Bannern.

Bevor Sie sich auf zusätzliche Einnahmen freuen können, müssen Sie jedoch herausfinden, ob Intext-Werbung auch zu Ihrer Homepage passt. Sie dürfen Ihr Publikum durch Intext Werbung nicht verschrecken. Besondere Gefahr besteht für Homepages, die Raum für Beiträge einer Community bieten (Foren, Bewertungen, Kommentare). Wenn Sie die Nutzer vor den Kopf stoßen und deren Beiträge zu Reklametafeln verkommen, könnten Sie Ihnen den Rücken kehren. Damit verlieren Sie nicht nur Stammpublikum, sondern Ihre ganze Plattform verliert Leben, Dynamik und Anziehungskraft. ™

Manuel Diwosch

Manuel Diwosch ist seit 2000 im Medienbereich tätig. 2008 schrieb er erstmals für Dr. Web und startete eigene, professionelle Webprojekte. Er verbindet technisches Know-How mit dem Fachwissen der journalistischen Kommunikation. Als Dienstleister entwirft er Online-Marketing-Strategien für Unternehmen und setzt diese um.

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Dedail
Gast

Als User finde ich diese Art von Werbung ganz furchtbar nervig. Als ich diese Werbung das erste Mal gesehen habe dachte ich es handelt sich um erweiterte, erklärende Informationen zum Wort. Jetzt muss man immer aufpassen wo man mit der Maus ist um nicht ausversehen auf so einen Link zu kommen.
Absolut out finde ich.

Dieter Petereit
Gast

Ein Punkt fehlt noch: Dadurch, dass nur per “Klick” bezahlt wird und nicht per “View”, ist der Werbewert für den Werbenden wesentlich höher, als der Wert der Werbung für den Seitenbetreiber. Werbung wirkt schließlich wesentlich dadurch, dass sie gesehen wird, was bei den relativ auffälligen Werbeflächen der Intext-Werbung, gut gewährleistet ist.

Platt ausgedrückt. Bei Intextwerbung mit großen Werbelayern wird der Werbeeffekt nicht durch den Klick erzielt. Damit ist das für mich nichts als ein sauberes Beschissmodell.

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