Interview mit Thorsten Bartel: Die Usability der internen Suche

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Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der...

In einer aufschlussreichen kleinen Studie haben die Tester von Usability.de die Suchergebnisseiten von Otto, eBay und HRS verglichen. Das wichtigste Ergebnis: Die Navigation nach der Suche funktioniert nur, wenn der Nutzer sie wahrnimmt.

Ist Facetten-Suche inzwischen ein Standard-Feature, mit dem die Nutzer versiert umgehen?

Thorsten Bartel, Usability.de: Ja und Nein. Filter sind inzwischen auf den meisten E-Commerce-Seiten ein Standard-Werkzeug, um Suchergebnisse flexibel anzupassen und zu verändern. Die meisten Nutzer setzen diese Möglichkeit voraus und formulieren das auch bei Usability-Tests. Ein Suchfeld und eine Sortierfunktion über den Ergebnissen reicht ihnen nicht mehr.

Das heißt aber noch nicht, dass die Nutzer mit der Facetten-Suche versiert umgehen können. Das liegt nicht am Verbreitungsgrad, sondern daran, dass es noch an Standardisierung fehlt und die Anbieter die Gestaltung der Filter weitestgehend willkürlich vornehmen und sich eher am Technisch-Möglichen als an den Nutzerbedürfnissen orientieren.

Beim Beispiel Otto scheint es so, als erwarteten die Nutzer die Funktion gar nicht. Muss man sie deutlich hervorheben?

Bartel: Ja definitiv. Die Darstellung in Dropdowns oberhalb der Suchergebnisse hat sich als problematisch herausgestellt. Das war zu unauffällig, so dass die Nutzer die Möglichkeit, ihr Suchergebnis zum Beispiel nach Farbe oder Preis einzuschränken, erst spät oder gar nicht entdeckten.

Gibt es spezifische Präferenzen, die ihre Probanden zu den Grundwerten angegeben haben, die bei den Filtern voreingestellt sind?

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Bartel: Dem Nutzer sollte an dieser Stelle die volle Kontrolle überlassen  werden, das heißt zunächst einmal muss das maximal mögliche Suchergebnis zu  seinem Sucheinstieg angezeigt werden. Es sollten noch keine Filterkriterien ausgewählt sein, es sei denn, sie wurden in der Suchanfrage mit übergeben. Dann müssen sie aber auch entsprechend kenntlich gemacht und gestaltet werden.

Wo und in welcher Ausgestaltung würden Sie selbst den Einsatz der Facettensuche Ihren Kunden empfehlen?

Bartel: Von allen Möglichkeiten ist die Darstellung auf der linken Seite der Suchergebnisseite die günstigste. Was sich dann noch pauschal sagen lässt ist, dass die Darstellung in L-Form – wie sie von Otto.de gewählt wird (also Kategorien links und feinere Filterkriterien oberhalb der Suchergebnisseite) ungünstig ist, da das Zusammenspiel von den Nutzern oftmals nicht verstanden wird. Das haben auch andere Studien bereits gezeigt und wurde durch unsere Tests bestätigt.

Was war der gravierendste Fehler, den Sie im Test festgestellt haben?

Bartel: Einige Website-Betreiber scheinen die Filtersuche bewusst verstecken zu wollen, als würden sie sich dafür schämen. Der Filter wurde in unseren Tests von den Nutzern teilweise erst sehr spät wahrgenommen. Das ist schon schwerwiegend, denn alle Nutzer finden die Möglichkeit der Faceted Search ja prinzipiell sehr hilfreich. Dazu muss sie aber natürlich erst einmal gesehen werden. Der Grund lag  unter anderem darin, dass die Interaktionsmöglichkeit zu unauffällig gestaltet war. “Ach so, hier kann ich das ja noch genau auf meine Wünsche einstellen. Das sah für mich nicht so aus, als könnte ICH da etwas machen”, war ein häufig gehörter Kommentar in unseren Tests.

Aber, ob ein Filter leicht oder schwer zu bedienen ist, kann sich sogar an einzelnen Begriffen entscheiden. Um beispielsweise den Preisfilter bei einer eBay-Suche wieder auf alle Ergebnisse zurückzusetzen, muss der Nutzer den Link “löschen” klicken. Bei vielen Teilnehmern war hier eine Irritation zu bemerken, da sie daran gewöhnt sind, beim Begriff “löschen” vorsichtig zu sein. “Filter zurücksetzen” oder “Alle anzeigen” hingegen bereitete für den gleichen Fall auf den anderen Seiten keine Probleme.

Herr Bartel, vielen Dank für dieses Gespräch.

(sl), ™

Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der Internet Künstler". Frank Puscher ist nicht nur ein angesehener Autor, der für zahlreiche Fachzeitschriften tätig ist, er ist auch als Schulungsleiter und Berater erfolgreich.