Internet per Satellit: Was ist, was kommt

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Internet per Satellit war vor einigen Jahren schon mal populär, konnte sich aber aufgrund hoher Preise, schlechter Datenraten und zügig schneller werdender Kabelverbindungen nicht durchsetzen. Wo stehen die Systeme jetzt?

Satelliteninternet – Sonderlösung für strukturschwache Gegenden

Ich kann mich noch erinnern, dass ich tatsächlich mal die Kosten für Satelliteninternet durchgerechnet und ganz ernsthaft mit dem Gedanken gespielt habe, mir einen solchen Zugang legen zu lassen.

Das ist aber schon über zehn Jahre her und war zu Zeiten, in denen es im ländlichen Raum noch keine Breitbandanbindungen per Kabel gab. Das ist in Deutschland glücklicherweise großteils anders, obwohl es auch in unseren Landen noch schnarchlangsame Datenverbindungen gibt.

Damals war die Satellitenverbindung übrigens nur eine Einweg-Verbindung. Man hatte zwar einen Downstream, der Upstream musst aber mit anderer Technik hergestellt werden – eine ziemlich umständliche Konstellation. Heutzutage bieten die Provider Zweiwege-Kommunikation und somit eine tatsächlich unabhängige Gesamtlösung.

Wenn du also draußen auf dem Land wohnst und dich der Berater bei deiner Telefongesellschaft bei deiner Frage nach schnellem Internet mitleidig angelächelt hat, dann bleiben dir nicht viele Alternativen. Ob du es aus Überzeugung tust oder nicht, Satelliteninternet gehört auf deinen Radar.

Vor- und Nachteile des Internetzugangs per Satellit

Ein wichtiger Vorteil liegt klar auf der Hand. Du brauchst keine Telefonleitung. Du brauchst nur Strom und einen relativ klaren Blick gen Himmel, sowie eine Befestigungsmöglichkeit für eine Satellitenschüssel. Abgesehen vom Stromerfordernis bist du also relativ infrastruktur- und sogar weitgehend ortsunabhängig. Wohnst du etwa auf einem Boot, mit dem du den Rhein rauf- und runterschipperst, sollte Satelliteninternet ebenfalls ein Thema für dich sein.

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In letztgenanntem Fall käme vermutlich nicht einmal eine LTE-Verbindung in Frage, die du ansonsten auf jeden Fall auch in die engere Wahl ziehen solltest. Erfahrungsgemäß ist der LTE-Ausbau im sehr ländlichen Bereich aber ebenso wenig vorhanden, wie eine schnelle Datenleitung.

Heutige Satelliten-Internettarife sind flexibler als sie es früher waren und bietet dir maßgeschneiderte Pakete mit den Leistungsmerkmalen, die du für dich als wichtig definierst. Das einzige Modell, das du nicht finden wirst, ist eine volumenunbegrenzte Komplettflatrate. Durchaus gibt es aber Anbieter, die dir etwa eine unbegrenzte Nachtoption bieten, für das datenhungrige Surfen, wenn andere friedlich schlummern.

Ein wirklicher Nachteil besteht in den vergleichsweise schlechten Latenzzeiten. Aufgrund der hohen Entfernung der Satelliten von rund 35.000 Kilometern zur Erdoberfläche ergeben sich rechnerische Latenzzeiten von 500 bis 700 Millisekunden bei einer Zweiwege-Verbindung. Verschiedenen Praktikern zufolge liegt die tatsächliche Latenz sogar bei um die 1.000 Millisekunden. Das ist für den Freund des gepflegten Egoshooters vollkommen inakzeptabel. Ruhigere Gemüter könnten damit eher leben.

Wenn du dich über die verschiedenen Tarife im Satelliteninternet informieren willst, dann besuche diese Übersicht. Dort kannst du sehr genau festlegen, welche Fähigkeiten dein Anschluss aufweisen muss. Die gewünschte Geschwindigkeit des Zugangs stellst du per Slider ein. Sogar die Verfügbareit an deiner Adresse kannst du zum Selektionskriterium erheben.

Satelliteninternet Generation X

Weite Entfernungen zur Erde und daraus resultierende relativ schlechte Responsezeiten stellen das Hauptproblem des heutigen Satelliteninternet dar. Elon Musks Firma SpaceX tritt daher an, dieses Manko effektiv zu beseitigen. Beginnend dieser Tage will SpaceX alle zwei bis drei Wochen eine Rakete ins All schicken.

Website von SpaceX. (Screenshot: Dr. Web)

So werden insgesamt 4.425 Satelliten in Stellung gebracht. Diese neue Generation von Kommunikationssatelliten bietet im Wesentlichen zwei Vorteile. Zum einen soll der Orbit in 1.150 bis 1.275 Kilometern über der Erdoberfläche liegen, was die Latenzzeit auf, auch im verkabelten Netz gängige Werte von 25 bis 35 Millisekunden reduzieren soll. Die Geschwindigkeit soll ein Gigabit pro Sekunde erreichen können. Zum anderen werden die Geräte viel kleiner und damit billiger. Sie wiegen keine vierhundert Kilogramm das Stück, während heutige Kommunikationssatelliten mehrere Tonnen auf die Waage bringen.

Insbesondere die hohe Zahl geplanter Zahl löst Erstaunen aus, wenn man bedenkt, dass derzeit insgesamt nur etwa 1.400 aktive Satelliten um die Erde kreisen. Nicht jeder Wissenschaftler findet das Unterfangen so prima wie Visionär Musk.

Die Planungen von SpaceX stehen bereits kurz vor dem Beginn ihrer Realisierung und stellen das mit Abstand ambitionierteste Projekt im Satelliteninternet der nächsten Generation dar. Inwieweit wir in Deutschland davon profitieren werden, wann und zu welchen Konditionen ist derzeit noch völlig unklar.

Konventioneller nehmen sich da die Planungen des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg aus. Auch er plant im Rahmen seiner Initiative Internet.org einen Satelliten in den Orbit zu bringen. Mit diesem konventionellen Satelliten sollen vor allem die bislang nicht abgedeckten Bereiche Afrikas versorgt werden. Betreiber wird Eutelsat aus Frankreich sein.

Website von Internet.org.(Screenshot: Dr. Web)

Näher an SpaceX mit seinen Plänen, den erdnahen Orbit mit Technik vollzustopfen, ist das kalifornische Unternehmen OneWeb, das sich gerade ein Investment von einer Milliarde des japanischen Konglomerats Softbank sichern konnte. OneWeb will ebenfalls in den erdnahen Orbit gehen und plant, dort mit insgesamt 900 Satelliten für Abdeckung zu sorgen. OneWeb stellt die Satelliten selber her und gibt eine Produktionskapazität von 15 Stück die Woche an. Die 900 Stück könnten also recht schnell gebaut sein.

Website von OneWeb. (Screenshot: Dr. Web)

Nach Angaben des Gründers, Greg Wyler, sollen sämtliche Satelliten bis 2020 an ihren Positionen installiert sein. Für den Start der Dienste bedarf es einer Mindestausstattung mit 300 Satelliten.

Fazit: Warten lohnt nicht, aber die Zukunft wird spannend

Wenn du dich mit dem Thema Satelliteninternet beschäftigen willst, dann tue es ruhig jetzt. Alle anderen Lösungen sind derzeit Zukunftsmusik mit relativ unklarer Perspektive. Zwar klingt besonders der Ansatz von SpaceX spannend und auch technisch interessant. Wann aber ein Ausbauzustand erreicht ist, der dir Internet ins Haus liefern würde, kann dir heute nicht einmal hinsichtlich der Frage, ob überhaupt, jemand zuverlässig beantworten.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.