In vier Schritten die richtige Fortbildung finden

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Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-,...

Selbstständige müssen oft wahre Alleskönner sein, so viel wird ihnen abverlangt. Aber die wenigsten bringen von Haus aus all diese Fähigkeiten mit. Sich fortzubilden gehört deshalb zum Alltag vieler Selbstständiger. Erfahren Sie, wie Sie gezielt die für Sie jeweils beste Fortbildung finden, um damit nicht unnötig Zeit und Geld zu verlieren.

Wie lautet der schöne Spruch? Selbstständige sind selbst und ständig. Und das bedeutet nicht nur, dass sie ständig ran müssen. Das bedeutet auch, dass sie vieles selbst machen müssen. Von Marketing und Vertrieb über Buchhaltung und Büro bis zur Mitarbeiterführung und Ähnliches mehr. Von der eigentlichen Fachtätigkeit ganz zu schweigen.

Die wenigsten Selbstständigen können aber in allen Bereichen auf solide Vorkenntnisse zurückblicken, und gerade am Anfang fehlt oft noch das Geld, solche Dinge an Dienstleister auszulagern. Und selbst, wenn das Geld da ist, macht es doch Sinn, sich zumindest in groben Zügen selbst auszukennen. Schon allein, um sich kein X für ein U vormachen lassen zu müssen.

Deshalb sind Selbstständige nicht nur selbst und ständig. Sie müssen sich auch ständig fortbilden, um solche Wissenslücken zu schließen oder auf ihrem eigenen Gebiet immer besser zu werden.

Das Problem ist, dass das Angebot an Fortbildungsmöglichkeiten in die Zigtausende geht. Vom Buch, das man nach Feierabend studiert, bis zu teuren Ausbildungsgängen ist alles drin.

Wer hier nicht kostbare Zeit und Geld verlieren will, sollte sich sehr genau überlegen, welche Fortbildung er wirklich braucht, welche ihm voraussichtlich am meisten nützt und wie er diese in seinen Alltag als Selbstständiger oder Unternehmer einbauen kann.

Der folgende Leitfaden will Ihnen bei dieser Entscheidung helfen. Beantworten Sie die Fragen und gehen Sie gezielt an Ihre Fortbildung.

Schritt 1: Wo sehen Sie Bedarf?

Nur die wenigsten von uns wollen sich aus heiterem Himmel fortbilden. Schon gar nicht, wenn die Fortbildung beruflich veranlasst ist und uns bei unserem Geschäft helfen soll.

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Überlegen Sie deshalb als Erstes, warum Sie sich fortbilden wollen. Fehlen Ihnen bestimmte Fähigkeiten? Brauchen Sie noch zusätzliches Wissen? Stehen Sie vor einem akuten Problem?

  • Ausgleichen: Wollen Sie zum Beispiel Mängel in der Kundengewinnung ausgleichen?
  • Schritt halten: Oder wollen Sie sich in Ihrem Fachgebiet auf dem Laufenden halten?
  • Weitergehen: Wollen Sie sich vielleicht verbessern, Ihr Geschäft ausbauen, neue Märkte anstreben?

Sie sehen das Prinzip? Machen Sie sich zunächst klar, worum es eigentlich gehen soll. Machen Sie auch ruhig gleich Bestandsaufnahme. Fragen Sie sich, welche Vorkenntnisse Sie mitbringen, worauf Sie aufbauen können und wo Sie noch Lücken haben oder Bedarf sehen.

Beispiel:

Sie beabsichtigen, Ihr Geschäft zu vergrößern und Mitarbeiter einzustellen. Um nicht unnötig Lehrgeld zu bezahlen, wollen Sie vorbeugen und sich grundlegendes Wissen in der Mitarbeiterführung aneignen.

Schritt 2: Was wollen Sie ganz konkret lernen?

Gut, Sie haben also Ihren Bedarf. Sie wollen beispielsweise etwas in Sachen Kundengewinnung tun. Das kann aber alles Mögliche sein, von der Telefonakquise bis zum Messestand, vom Erstkontakt bis zur Umwandlung von Interessenten in Kunden. Versuchen Sie deshalb, Ihren Bedarf in einem zweiten Schritt konkreter zu fassen zu bekommen.

  • Ziel festlegen: Was genau wollen Sie lernen? Was wollen Sie besser können?Wo wir bei dem Messe-Thema waren: Wollen Sie zum Beispiel wissen, welche Möglichkeiten Ihnen die lokale Wirtschaftsmesse bietet? (Dann könnten Sie sich die Sache einfach mal in einem unverbindlichen Besuch ansehen.) Oder wollen Sie lernen, wie Sie mitreißende Vorträge auf Messen halten? (Dann könnte ein auf Vorträge spezialisiertes Rhetoriktraining oder -coaching Sinn machen.)
  • Ziel konkretisieren: Planen Sie auch ruhig in die Zukunft beziehungsweise gehen Sie in die Einzelheiten.Reicht es Ihnen beispielsweise, sich fachlich auf dem Laufenden zu halten? Oder soll es ein offizieller Abschluss sein, der Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten dokumentiert? (Und wenn ja, welcher?) Möchten Sie lediglich Basiswissen in der Mitarbeiterführung erwerben, oder soll es Spezialwissen zum Thema „Einstellungsgespräche führen” sein? Und so weiter, und so fort.

Schritt 3: Welche Voraussetzungen bringen Sie mit?

Niemand lernt im luftleeren Raum. Wir haben nicht nur jeder einen anderen Bedarf oder unterschiedliche Vorkenntnisse. Wir werden auch durch unsere persönlichen Lernvorlieben, finanziellen Möglichkeiten, unsere Arbeits- und Lebenssituation und Ähnliches geprägt.

Jemand, der autodidaktisch am besten lernt, ist vielleicht damit gestraft, dem festen Ablauf eines Gruppenseminars folgen zu müssen. Und jemand, der seinen Betriebswirt nachholen will, sollte dringend klären, wie er das zeitlich und finanziell in seinem Leben unterbringen kann.

Wie sieht es also aus bei Ihnen? Machen Sie Bestandsaufnahme.

  • Meine verfügbare Zeit: Wie viel Zeit können Sie für Ihre Fortbildung täglich, wöchentlich, monatlich aufwenden? Gibt es bestimmte Zeiträume, die sich bei Ihnen eher fürs Lernen eignen? (Zum Beispiel bei einem Saisongeschäft.)
  • Mein Lerntyp: Wann, wo und wie lernen Sie am besten? Also etwa: Allein zuhause oder gemeinsam in einer Gruppe? Nach Feierabend oder lieber am Wochenende? Regelmäßig ein bisschen oder lieber geballt längere Phasen am Stück?
  • Meine Lernform: Wie lernen Sie am besten? Durch Versuch und Irrtum, angeleitet in einem Seminar, autodidaktisch über ein Lernprogramm, gemeinsam in einer Gruppe?
  • Meine Geldmittel: Was können und wollen Sie in Ihre Fortbildung investieren? Wie viel können Sie monatlich abzweigen? Gibt es einen festen Posten für Fortbildungen in Ihrem Budget? Können Sie an Stipendien kommen? Oder ist Ihr Arbeit- oder Auftraggeber bereit, sich zu beteiligen?

Achtung, dieser Punkt ist ebenfalls nicht zu unterschätzen: Können Sie absehen, welche Belastungen durch Ihre Fortbildung auf Sie zukommen können? (Beruflich, privat, finanziell pp.) Ergeben sich daraus Ausschlusskriterien? (Zum Beispiel, dass längere Ausbildungen nicht in Frage kommen.) Fallen Ihnen Möglichkeiten ein, diese Belastungen abzufedern? (Beispielsweise eine Aushilfskraft einzustellen, um den Rücken für den Betriebswirt freizuhaben.)

Schritt 4: Welche Fortbildungen kommen für Sie in Frage?

Jetzt ist Fleißarbeit angesagt. Recherchieren Sie, welche Fortbildungen für Sie in Frage kommen, und führen Sie einen Abgleich nach den oben gesammelten Kriterien durch.

Also: Wenn Sie zum Beispiel lernen wollen, wie Sie mittels Telefonakquise neue Kunden gewinnen können, brauchen Sie keine Einführung in diverse Marketingmöglichkeiten. Oder: Wenn Sie lieber regelmäßig nach Feierabend lernen, können Sie sämtliche Wochenend-Seminare streichen. Und so weiter.

  • Termin: Nehmen Sie sich Ihre Terminplanung vor – wann kann es mit Ihrer Fortbildung losgehen? Und wie lang darf sie dauern? Wenn Sie beispielsweise ein Saisongeschäft betreiben, streichen Sie alles, was die Kernzeiten Ihres Geschäfts berührt und Sie hier nur unnötig unter Druck setzt.
  • Form: Welche Fortbildungsform spricht Sie besondes an? Versprechen Sie sich eher einen guten Lernerfolg von einem Präsenzseminar oder von einem berufsbegleitenden Online-Kurs? Können Sie sich vorstellen, einen Monat in einem Betrieb zu hospitieren oder lernen Sie eher über Selbstlernprogramme?
  • Angebot: Und zuletzt natürlich das eigentliche Angebot. Nachdem Sie Termin, Form, Vorlieben, Budget, Inhalte und so weiter eingegrenzt haben, können Sie jetzt gezielt nach den verbleibenden, für Sie in Frage kommenden Fortbildungsangeboten suchen. Picken Sie sich raus, was die erste grobe Vorauswahl überlebt, und führen Sie einen Abgleich mit Ihren Kriterien durch.

Je sorgfältiger Sie arbeiten und je konkreter Ihre Kriterien sind, desto besser stehen Ihre Karten, die „richtige” Fortbildung zu finden und nicht unnötig Zeit und Geld zu verlieren. Schließlich: Auch eine Fortbildung ist ein Geschäft. Machen Sie das Beste daraus. ™

Heike Thormann

Heike Thormann ist Trainerin, Redakteurin und Autorin. Ihr Schwerpunkt sind kreative Schreib-, Denk-, Lern- und Arbeitstechniken. Sie schreibt für verschiedene Fachmagazine und gibt mit ihrer Website ein Online-Magazin zu ihren Fachthemen heraus.