Icons for Change – The Noun Project zeigt Flagge

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Das gilt immer, aber ganz besonders, wenn es um politischen Protest geht. Das weltbekannte Noun Project bringt sich genau an dieser Stelle ein.

Politisches Engagement ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Möglicherweise haben es die US-Amerikaner stets für unmöglich gehalten, dass ihnen eines Tages ein Präsident beschert werden würde, wie jener, der ihnen nun beschert wurde. Plötzlich sitzt im Weißen Haus eine Person, die eher an Rumpelstilzchen als an einen amerikanischen Präsidenten erinnert, und die sich auch eher wie ersteres, weniger wie letzteres benimmt.

Da springen natürlich besonders den US-Amerikanern alle Drähte aus der Mütze, die gerade wegen derer bisherigen freiheitlichen Grundausrichtung in die Vereinigten Staaten ausgewandert sind. Nicht wenige dieser Personen sind erfolgreich in der Tech-Industrie tätig und befinden sich in leitenden Positionen.

Von daher wundert es mich schon seit Wochen, dass der Protest dennoch eher verhalten ausfällt, kaum wahrnehmbar ist. Flagge zeigen ist offenbar dieser Tage wenig populär. Erstaunlich ist doch auch, wie schnell sich die Journalisten, die die Pressekonferenzen im Weißen Haus besuchen, haben mehr oder weniger mundtot machen lassen. Wäre es nicht so, hätte die DPA-Journalistin Kristina Dunz mit ihren kritischen Fragen nicht für eine solche Furore gesorgt.

Gerade in einem politischen System wie den USA ist es dabei gar nicht nötig, sich in vorauseilendem Gehorsam in eine Duckhaltung zu begeben. Immerhin ist Trump schlimm genug, aber (zumindest noch) kein Erdogan, der Kritiker kurzerhand aus dem Verkehr ziehen lässt.

In demokratischen Systemen kann der Druck der Massen für Veränderungen sorgen. Insofern ist politisches Engagement immer eine Gemeinschaftsaufgabe und kann nicht einzelnen Aktivisten überlassen werden.

The Noun Project stellt vor: Icons for Change

The Noun Project, zu deutsch: das Hauptwort-Projekt, entstand Ende 2010 als erfolgreiches Kickstarter-Venture. Ziel des Projekts ist die Erschaffung einer visuellen Sprache, die international verstanden wird und nicht auf zusätzliche Erklärungen in Wortform angewiesen ist.

The Noun Project tritt demnach zu nichts geringerem an, als eine global verständliche Bildersprache zu erschaffen. Es geht mithin auf seinem Gebiet den Wikipedia-Weg, will dabei jedoch Sprachbarrieren elegant zu Fall bringen. Nach der Theorie, dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte, soll The Noun Project weltweit für die Völkerverständigung sorgen.

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Das ist eine zweifellos interessante Idee. Lässt man dabei den ganzen teil-ideologischen Overhead beiseite, handelt es sich schlicht um eine große Sammlung von Icons zu jedem erdenklichen Thema.

Unter dem Gesichtspunkt des hehren Ziels der Völkerverständigung und unter dem Aspekt, dass sicherlich die meisten Kontributoren des Projekts keine US-Amerikaner sind, ist es überaus verständlich, dass das Noun Projekt für Toleranz und Pluralismus eintritt.

Das neue Projekt „Icons for Change” bringt sich in den Protest ein und liefert moderne und schlagkräftige Poster für gängige Probleme der heutigen Zeit. Zusätzlich zur Bereitstellung der Materialien im bearbeitbaren PDF-Format, informiert die Seite über anstehende Protestaktionen in den USA und teilweise weltweit, wenn eine Aktion international ausgeführt wird.

Die Verwendung der Materialien auf „Icons for Change” unterliegt keinerlei Beschränkungen und kann völlig frei erfolgen. Es wird allerdings um eine Spende an die verschiedenen wohltätigen Projekte gebeten, die auf dieser Seite genannt werden. Das ist aber optional.

Politisch mag man nicht mit allen unterstützten Positionen einverstanden sein, aber wirkungsvolle Botschaften vermitteln sie alle. Misch dich ein!

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.