High Dynamic Range Photography: HDR-Fotos selbst gemacht

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Denis Potschien

Denis Potschien ist seit 2005 freiberuflich als Kommunikationsdesigner tätig, seit Anfang 2010...

Welch erstaunliche und beeindruckende Fotos sich dank der High Dynamic-Range-Technik (HDR) erstellen lassen, wurde hier schon öfter präsentiert. Was oft nach surrealer Kunst aussieht, ist weder kompliziert noch sehr aufwendig – und es kann jeder selbst machen. Doch die HDR-Technik ist nicht entwickelt worden, um solch künstlich anmutende Szenerien zu erschaffen, sondern um das Problem über- beziehungsweise unterbelichteter Bereiche in Fotos mit starken Kontrasten auszugleichen. Was man braucht, um selbst HDR-Fotos zu machen, sind eine Digitalkamera, ein Stativ und die passende Software.

Was ist HDR?

HDR steht für High Dynamic Range – zu deutsch: hoher Dynamikumfang. Gemeint ist damit der Kontrastumfang eines Bildes, also das Verhältnis zwischen größter und kleinster Lichtdichte. Gewöhnliche Fotos – sogenannte LDR-Fotos (Low Dynamic Range) – können nur einen beschränkten Kontrastumfang festhalten. Bei gängigen 8-Bit-Fotos hat jeder Farbkanal 256 Helligkeitsstufen. Das reicht oftmals nicht aus, um den gesamten Kontrast- beziehungsweise Dynamikumfang einer Szenerie einzufangen. Je kontrastreicher eine Szenerie ist, desto schwieriger ist es, alle Bereiche gut zu belichten.

Ein Beispiel: Man möchte eine brennende Kerze in einem dunklen Raum fotografieren. Da der Kontrast zwischen Kerze und und dem dunkeln Raum zu hoch ist, muss sich der Fotograf entscheiden zwischen einer ausgewogen belichteten Kerze vor einem unterbelichteten Raum und einem ausgewogen belichteten Raum hinter einer überbelichteten Kerze.

Bei einem HDR-Foto ist die Bandbreite der Helligkeitsstufen deutlich höher, so dass sowohl sehr dunkle Bereiche als auch sehr helle Bereiche ausgewogen belichtet werden können. Das Problem bei HDR-Fotos ist, dass gängige Ausgabegeräte wie Monitore oder Drucker den hohen Dynamikumfang eines HDR-Fotos gar nicht darstellen können.

Daher ist es nötig, den Dynamikumgang eines HDR-Fotos auf ein normales LDR-Foto herunterzurechnen. Bei diesem sogenannten “Tone Mapping” existieren verschiedene Verfahren, um aus einem HDR-Foto ein für das menschliche Auge natürlich wirkendes LDR-Foto zu generieren. Mit dem “Tone Mapping” lassen sich natürlich auch ganz andere LDR-Fotos generieren, die wenig mit einer natürlichen Anmutung zu tun haben. Je nachdem, wie man die Helligkeitsbereiche eines HDR-Fotos für ein LDR-Foto “mischt”, lassen such surreal wirkende Fotos erstellen.

Welche Kamera brauche ich?

Zurzeit werden die ersten Digitalkameras entwickelt, die den kompletten Dynamikumfang direkt erfassen. Es gibt zwar schon einige HDR-Kameras auf dem Markt. Diese können jedoch nicht den gesamten Dynamikumfang erfassen, aber bereits deutlich mehr als herkömmliche LDR-Kameras.

HDR-Fotos lassen sich aber auch auf andere Weise erstellen, nämlich mit einer Belichtungsreihe. Da kommt dann auch das Stativ zum Einsatz. Eine Szenerie wird in mehreren Belichtungsstufen fotografiert: von wenig belichtet bis sehr stark belichtet. Im Idealfall ist bei einer solchen Belichtungsreihe jeder Bereich auf mindestens einem Foto optimal belichtet. Mit drei bis vier Belichtungen hat man da schon eine Reihe zusammen, die einen sehr hohen Dynamikumfang aufweist.


Belichtungsreihe mit drei unterschiedlich belichteten Fotos (kristische Bereiche hervorgehoben)

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Auch wenn eine Kamera keine Funktion zum Erstellen von Belichtungsreihen hat, so lässt sich so eine Reihe auch manuell erstellen, indem man eine manuelle Verschlusszeit einstellt und diese für jedes Foto verlängert beziehungsweise verkürzt.

Welche Software brauche ich?

Nun müssen die Fotos der Belichtungsreihe noch zu einem HDR-Foto zusammengefügt werden. Photoshop besitzt seit Version CS2 die Funktion “Zu HDR zusammenfügen”. Hier lassen sich die Fotos der Belichtungsreihe einlesen und bearbeiten. Da, wie bereits erwähnt, nicht der gesamte Dynamikumfang eines HDR-Fotos am Monitor dargestellt werden kann, gibt es in der Vorschau einen Regler, mit dem man sich das Foto in unterschiedlichen Dynamikbereichen anschauen kann. Um den gesamten Umfang des HDR-Fotos speichern zu können, muss das Foto anschließend als 32-Bit-Datei gespeichert werden.

Wählt man 16- oder 8-Bit zum Speichern, wird der Dialog “HDR-Konvertierung” geöffnet. Hier muss man sich für einen Dynamikbereich entscheiden. Entsprechende Regler zum Anpassen des Dynamikbereichs machen es einem einfach, die gewünschte Anmutung einzustellen. Anschließend wird das HDR-Foto in ein LDR-Foto mit dem ausgewählten Dynamikbereich heruntergerechnet. Bei der Anpassung des Dynamikbereichs haben Sie nun die Möglichkeit, eine möglichst natürliche Darstellung oder eher eine surreale Darstellung zu erreichen.

Auch für den Fall, dass ein Foto ohne Stativ aufgenommen wurde, bietet Photoshop eine Möglichkeit. Hierbei wird versucht, die unterschiedlichen Foto so übereinander zu legen, dass es passt.

Ein aus einem HDR-Foto generiertes LDR-Foto mit natürlicher Anmutung
Ein aus einem HDR-Foto generiertes LDR-Foto mit natürlicher Anmutung (beide kritische Bereiche sind ausgewogen belichtet)

Neben Photoshop gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von speziellen HDR-Programmen, die aus Belichtungsreihen HDR-Fotos erstellen und ebenfalls die Möglichkeit anbieten, aus diesen HDR-Fotos wiederum LDR-Fotos zu generieren, bei denen man den Dynamikbereich frei einstellen kann.

Eine der bekanntesten Anwendungen für HDR-Fotos ist Photomatix. Es bietet alle Möglichkeiten, die auch die Photoshop-Funktion besitzt. Für alle, die sich Photoshop nicht zulegen wollen, ist Photomatix eine günstige Alternative. Eine kostenfreie Alternative ist Qtpfsgui, das es für Linux-, Windows- und Macintosh-Systeme gibt.

In welchen Dateiformaten lassen sich HDR-Fotos speichern?

Neben programmeigenen Dateiformaten lassen sich HDR-Fotos als TIFF und auch als JPEG speichern. Darüber hinaus gibt es noch das Format “Radiance HDR”, welches zurzeit den höchsten Dynamikumfang speichern kann.

Auch das gängige kamerainterne RAW-Format kann Fotos mit einem höheren Dynamikumfang speichern. Es reicht aber bei weitem nicht an spezielle HDR-Dateiformate heran, weshalb man beim RAW-Format oft von “Medium Dynamic Range” spricht. Aufgrund des erhöhten Dynamikumfangs lassen sich aus RAW-Dateien zumindest im Ansatz auch HDR-Fotos generieren.

(mm), ™

Denis Potschien

Denis Potschien ist seit 2005 freiberuflich als Kommunikationsdesigner tätig, seit Anfang 2010 im Kreativkonsulat in Iserlohn, einem Büro für Gestaltung und Kommunikation. Dort betreut er kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie kommunale Körperschaften und Organisationen aus Südwestfalen und dem Ruhrgebiet. Als Webdesigner und -entwickler gehören HTML5 und CSS3 zu seinen Kernthemen, weshalb er dazu 2013 ein Buch geschrieben hat. „Pure HTML5 und CSS3“ richtet sich an alle, die Vorkenntnisse haben, sich aber bisher mit HTML5 und CSS3 nicht oder nur am Rande beschäftigt haben.

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Dominik Hahn
Gast
In deinem Beispiel hast du dir aber das denkbar schwierigste Motiv ausgesucht. Selbst bei einer Belichtungsreihe mit einer schnellen Kamera wie der Canon EOS 7D wird der Wasserfall und auch das Wasser im Fluß auf allen Fotos anders aussehen. Obwohl Photomatix bei der automatischen Korrektur dieser Unterschiede teilweise einen guten Job macht ist es dann mit einem einfachen Tonemappen nicht getan und man muss versuchen die Bildfehler zu korrigieren. In diesen Fällen wäre man wohl besser dran, ein HDR direk aus dem RAW zu erstellen in dem man ein und dasselbe Motiv (3x oder 5x) unterschiedlich belichtet. Das klappt im… Read more »
Bernd Bitzer
Gast

Als Alternative zu Photoshop liefert ein kostenloses Mac-Programm namens “HDRtist” brauchbare Ergebnisse und nebenbei auch noch ein lehrreiches Tutorial zum Thema.

Spaß macht das Experimentieren mit “eigentlich unmöglichen” Bildern allermal…

http://www.ohanaware.com/hdrtist

Christian Ö.
Gast

Das Beispiel hier ist nicht so schwierig … Ich habe diese Wasserfälle (Krimml, Salzburg) zufälligerweise als HDR erstellt: http://nightline.deviantart.com/art/Krimml-Waterfalls-I-139595950

Ganz klassisch mit 3 Belichtungen und Photomatix. Anschließend mit Photoshop die Kontraste erhöht.

Rene Schmidt
Gast

Man braucht nicht einfach nur ein Stativ (für eine LDR-Kamera), sondern man braucht *ein gutes* Stativ. Bei den billigen lassen sich meiner Erfahrung nach oft die Kameras nicht wirklich fix arretieren, so dass bei einer Fotoreihe gerne mal leichte Unterschiede im Blickwinkel entstehen, was entweder zu mehr Arbeit führt oder zu einer unbrauchbaren Fotoreihe.

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[…] DrWeb erklärt kurz und prägnant, wie aus einer Bilderserie mit Photoshop eine HDR-Bilddatei erstellt wird – und nennt darüber hinaus auch Programme, mit denen das zu bewerkstelligen ist. Unter anderem das kostenlose “Qtpfsgui” (Mac, Win, Linux). […]

Ferdinant E.
Gast

Also ich finde für eine oberflächliche Erklärung reicht das doch vollkommen. Und für Leute, die sich mit dem Thema schon ein bisschen auseinander gesetzt haben. Klar eine Ausführlichere Erklärung würde es auch für Laien verständlich machen, aber das finde ich persönlich jetzt nicht so schlimm. gibt ja genug (Tutorials, Beschreibungen, etc.) im Netz, um was zu finden, was einem Hilft.

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