Googles Picasa 3 Mac für Webdesigner

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Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Google hat Picasa auf die Versionsstufe 3 gehoben. Seit Jahresbeginn steht die Software nicht mehr nur für Windows, sondern auch für Linux und Mac OSX bereit. Vor Jahren bereits hatte ich mir Picasa für Windows angesehen und war nicht überzeugt. Das gesamte Bedienkonzept erschien mir nicht intuitiv genug. So verwendete ich selbst für kleinere Jobs immer Photoshop und als “Bildverwaltung” Bridge oder ACDSee. Hätte Google Picasa nicht auf den Mac portiert, hätte ich der Software wahrscheinlich keine zweite Chance gegeben. Was ein Fehler gewesen wäre.

Bildbearbeitung simplifiziert

Seit knapp zwei Wochen verwende ich nun Picasa 3 auf meinem MacBook Pro und ich müsste lügen, wenn ich behaupten wollte, dass mich die Applikation nicht begeistert. Seit der Installation von Picasa habe ich Bridge CS4 nicht mehr angeworfen. Picasa ist ein Beispiel dafür, wie Software in fünf Jahren aussieht und sich anfühlt. Wer den alten Boliden Photoshop kennt und sich einmal unvoreingenommen Googles Idee einer Bildbearbeitung annimmt, wird sofort verstehen, was ich meine. Alles ist irgendwie flüssiger, nachvollziehbarer und moderner gelöst. Keine Gedrückthalten irgendwelcher Tasten bei gleichzeitigem Rückwärtssalto ist mehr erforderlich. Picasa ist weitgehend mit einer einzelnen Maustaste zu bedienen.

Screenshot

Funktionen und Effekte in professioneller Qualität

Natürlich kann Picasa letztlich mit dem riesigen Funktionsumfang von Photoshop nicht mithalten. Wer das ernsthaft erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Dennoch ist Picasa für einfache Bildbearbeitungsaufgaben, vor allem solche, die nicht Druckerzeugnisqualität aufweisen müssen und bei denen es vor allem um den Faktor “Zeit ist Geld” geht, unschlagbar.

So habe ich beispielsweise noch nie eine bessere Rote-Augen-Korrekturautomatik gesehen. Nicht nur ermittelt Picasa automatisch die Bereiche, in denen Korrekturen erforderlich sind, sondern es liefert auch ein völlig natürlich wirkendes Ergebnis. Wesentlich besser als ich es beispielsweise in Photoshop Elements oder ACDSee gesehen hätte. Auch die Retuschefunktion zum Entfernen grober Bildmängel oder optischer Mängel der fotografierten Personen ;-) ist durchaus brauchbar. Sie liefert sogar eine Vorschau wie es Photoshop erst seit der Version CS4 kennt und erlaubte so eine fast ganz genaue Pixelbearbeitung, wenn man die Größe und Form des Pinsels genauer einstellen könnte. Gern benutze ich auch die Funktion Straighten, die es erlaubt, Fotos mit nach links oder rechts geneigtem Horizont anhand eines variablen Grids wieder gerade zu rücken.

Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass darüber hinaus die Brot- und Butterfunktionen Autofarbe und Autokontrast in ordentlicher Leistungsfähigkeit ebenso bereit stehen wie die Möglichkeit, die Belichtung manuell nachzuregeln. Bei den Effekten finden sich die üblichen Verdächtigen wie Sepia, Schwarzweiß, Schärfen, Sättigung und Farbtemperatur, aber auch ein paar weniger selbstverständliche Effektfilter, wie zum Beispiel Soft Focus, bei dessen Anwendung man einen einstellbaren Bildbereich scharf und den gesamten Bildrest unscharf stellt. Erwähnenswert ist noch, dass alle Bildänderungen nondestruktiv sind und sich deshalb jederzeit rückgängig machen lassen.

picasa-sample.jpg

Einschränkungen

Leider verfügt Picasa 3 für Mac nicht über den vollen Funktionsumfang der Windowsversion, was insbesondere hinsichtlich des fehlenden Screencapture-Moduls und des ebenso absenten Geotaggings schade ist. Zudem gibt es Picasa Mac nur in perfect english. Das ist angesichts des überschaubaren Funktionsumfangs und der sprechenden Iconisierung jedoch leicht verschmerzbar.

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In Picasa ist es stets möglich per Rechtsklick auf das Bild im “Open with”-Dialog ein Programm, so man eines hat, zu starten, welches die Limitierungen aufhebt. Auf diese Weise kann man in einem durchgängigen Workflow zunächst die wesentlichen Bearbeitungen in Picasa vornehmen und das Bild dann an beispielsweise Photoshop weiterreichen. Dies ist im Web-Workflow auch stets erforderlich, denn Picasa verfügt nicht über konfigurierbare Optimierungsfunktionen. Das Crop-Werkzeug bietet lediglich verschiedene Seitenverhältnisse zur Auswahl. Das ist zwar für bestimmte Produktionsziele ganz brauchbar, hilft aber letztlich nicht, wenn man Pixelvorgaben einzuhalten hat. Über die Exportfunktion ist das Anpassen der Pixelmaße und Qualitätseinstellungen zwar möglich, jedoch wird der Webdesigner mindestens mangels Preview so eher nicht vorgehen wollen.

Picasa als Bilddatenbank

Kann Picasa aufgrund seiner fortgeschrittenen Bearbeitungsfunktionen also teilweise Photoshop ersetzen, so spielt es seine ganze Stärke eher im Zusammenspiel damit aus, nämlich als Bildverwaltungslösung für die bis zu einer Million Fotos großen Sammlung auf den angeschlossenen Festplatten. Zwar verfügt der Mac-Anwender über iPhoto, jedoch ist Picasa deutlich intuitiver zu verwenden und kommt den Gewohnheiten von Windows-Umsteigern, die doch stärker dateibasiert arbeiten und nicht so sehr in Katalogen denken, eher entgegen. Abgesehen davon muss man in Picasa nicht explizit importieren, sofern sich das Bildmaterial nicht auf externen Medien, wie etwa einer Kamera oder einem Scanner befindet.

Interessant ist auch die Funktion, sich nur Bilder anzeigen zu lassen, auf denen Gesichter abgebildet sind. Das hat mir auf der Suche nach einer bestimmten Person schon gute Dienste geleistet. Mittlerweile habe ich natürlich bereits gut 2 % meiner Bildsammlung mit Tags versehen, was die Suche weiter erleichtert. Ich bin guter Dinge, bis Ende des Jahres etwa die Hälfte meiner Fotos vertaggt zu haben. Vermutlich werde ich die Funktion “Show only photos with faces” bis dahin noch sehr sehr häufig verwenden. Diejenigen, die viel mit Videos arbeiten, werden sich freuen, dass es die gleiche Funktion auch für Filme gibt. Außerdem lassen sich Videos aus Picasa heraus wahlweise wie gewohnt ins Webalbum, aber auch nach YouTube hochladen.

Picasa und Onlinedienste

Apropos Picasa-Webalbum. Ich habe keins und ich brauche auch keins. Ich benutze Flickr für die Fotos, die es mit irgendwem zu teilen gilt. Dazu benötige ich eben die Komponente Social Networking, die es bei Picasa nahezu nicht gibt. Insofern kann ich nicht abschließend über die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Picasa Desktop und Picasa Web referieren. Dem Vernehmen nach jedoch soll eben diese sehr gut sein. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Möglichkeit, Alben mit dem Webdienst zu synchronisieren. Dermaßen aktivierte Alben werden automatisch online aktualisiert, wenn der Anwender im Desktop Bilder hinzufügt oder ändert oder bearbeitet.

Der private Anwender

Für den privaten Gebrauch, aber auch für den einen bestimmten Kunden interessant ist die stark verbesserte Funktionalität “Collage”. Mit einer Handvoll Vorlagen lassen sich recht ansehnliche Fotocollagen erstellen und weiter individualisieren. Den entsprechenden Aufwand betrieben, stehen solche Collagen professionell produzierten in nichts nach. Mein Beispiel fällt natürlich nicht in diese Kategorie.

picasa-collage.jpg

Freunde von Bilderslideshows müssen ebenfalls nicht länger auf kostenpflichtige Software zurück greifen. Mit Picasa lassen sich für den privaten Bedarf völlig ausreichende Diashows als Videos mit diversen Effekten exportieren. Das Google hauptsächlich den Privatanwender im Blick hat, sieht man auch an den weiteren Möglichkeiten der kreativen Bildverarbeitung. So können Geschenk-CDs, in der Windows-Version auch sonstige Artikel über einen angeschlossenen Shop oder Ausdrucke in verschiedenen Formaten erstellt werden. Blogspot-Blogger verwenden “BlogThis” und laden das entsprechende Foto ohne Umschweife in ihren Blog hoch, was während meines Tests zuverlässig und in hoher Geschwindigkeit funktionierte. Leider gibt es keine Unterstützung für andere Blogsysteme.

Ausprobieren lohnt für jeden

Trotz dieser privaten Ausrichtung ist Picasa für den Webdesigner durchaus eine ernst zu nehmende Alternative. Wenn ich an meine Anfänge zurück denke, denke ich unweigerlich an Ulead Photoimpact. Diese Software wurde anno dunnemals als das Nonplusultra für den Webdesigner (der nicht das Portemonnaie für Photoshop hatte) allerorten durch die Fachmagazine gelobt. Der Vergleich zu Picasa wäre der zwischen einem Tretboot und einer Yacht. Und Ulead wäre nicht die Yacht. Zu Uleads Entlastung sei gesagt, dass ich die aktuelle, unter Corel-Flagge segelnde Version X3 nicht kenne.

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

Sortiert nach:   neueste | älteste | beste Bewertung
Markus
Gast

Ich hab mich echt auf die Macversion von Picasa gefreut. Weniger die Bearbeitung, viel mehr das durchsuchen, scrollen und finden von Bildern ist genial. Schnell und simple und nicht ganz so “propritär” wie bei vielen anderen. Speziell wenn Bilder über verschiedene Odner verstreut sind und bestimmte Ordner nur überwacht werden sollen, genial.

Aber leider – und das ist echt doof- läufts nur auf Intel und naja, leider ist einer meiner Hauptarbeitsrechner noch ein G5 Quad.

David Hellmann
Gast

Klingt ja interessant, werde es mir mal anschauen im Bezug auf Bildverwaltung. iPhoto b in ich nicht so begeistert von aber das liegt wohl auch daran das ich Umsteiger bin :D

Heike Werneburg
Gast

Hallo,
toller Bericht. Ich habe bisher von Picasa die Finger gelassen, aus genau denselben Gründen wie eingangs beschrieben. Ich schaue mir das nun nochmal an. Aber bitte, kann mir jemand Auskunft geben, wozu Geotagging in der Bildbearbeitung oder was genau das bedeutet. Kontakt gerne über den Webpagelink.

Danke und Grüße
Heike

Basti
Gast

Ich finds toll, ehrlich!
Aber mein Macbook (early 2008) kommt leider ordentlich ins Schwitzen.

Jemand ähnliche Erfahrungen?

David Hellmann
Gast

schalt mal die effekt aus vielleicht liegts daran?

Dieter Petereit
Gast

@Basti: Auf meinem Gerät, das allerdings auch zur aktuellen Generation gehört, läuft´s flüssig. Early 2008 wurden aber auch schon Core2 verbaut. Zuwenig Ram vielleicht? Ich habe 4 GB.

@Heike: Geotagging ist höchst nützlich bei Landschaftsaufnahmen, Reisedokumentationen oder schlicht Urlaubsfotos. Man sieht wo man das Bild aufgenommen hat.

red
Gast

Der Artikel ist sehr interessant. Werde Picasa die Woche gleich mal ausprobieren.

David Hellmann
Gast

Irgendwie ist es super aber irgendwie auch nicht :) Aber mal bissl länger damit auseinander setzen.

arne
Gast

Klingt wirklich interessant.

Wie handhabt Picasa denn Keywords? Werden die direkt in die Metadaten der Bilder geschrieben?
(ein Feature welches ich in iPhoto auf’s schmerzlichste vermisse; iPhoto ignoriert die Metadaten beim Schreiben völlig)

Und gibt es auch die Option “Save Changes”, so dass die Originale überschrieben werden mit den z.B. gedrehten oder anderweitig veränderten Bildern?
(bei iPhoto nicht möglich, was unglaublich viel Festplattenspeicher verschendet)

dafrisch
Gast

ich benutze picasa auf pc schon seit dessen anfängen und war immer zufrieden da andere programme mit großen mengen von fotos langsamer werden. diesen monat bin ich auf mac umgestiegen und versuchte iphoto mit der erwartung mein fotomanagement schneller und noch unkomplizierter handeln zu können. leider wurde ich da zum ersten mal von apple entäuscht. zum glück erfuhr ich von picasa 3 für mac und ich bleib wieder beim altbewehrten.

Paul
Gast

Ich finde, dass Picasa das perfekte Tool für den Otto-Normal-Verbraucher ist. Es kann eigentlich alles, was man so braucht relativ schnell für große Bildermengen und auch noch schön anzusehen. Außerdem ist es um sonst und man kann ebenso einfach Bilder in Webalben unterbringen.

Bei der Stapel-Umbenennung von Bildern könnten allerdings ein paar Möglichkeiten mehr geboten werden.

Basti
Gast

@Dieter,
unsere Macbooks unterscheiden sich dann grundsätzlich nicht, außer dem Generationensprung.
Core2Duo 2,4 GHz & 4GB Ram, OS X 10.5.6…

Lüfter dreht recht hoch. >5000 Umdrehungen!

trackback

[…] Warum ich jetzt begeisterter Picasa-User bin, weiß Dr. Web >> […]

Dieter Petereit
Gast

@Basti: Erstaunlich. Mein Lüfter bewegt sich gar nicht, jedenfalls gar nicht hörbar.

herman
Gast

Picasa mit Bridge zu vergleichen ist natürlich ein Witz. Und Bridge dann fallen zu lassen, erst recht.
Wo sind die Keywords, die EXIF- und IPTC-Daten, die Sterne-Vergabe (1-5) und das ausgefeilte Umbenennen-Tool?
Wie kann ich Geotags vergeben, wo doch Picasa von Google ist und die haben Google Earth…!!??
Wie bekomme ich per Drag & Drop Fotos auf meinen Desktop oder auf meinen USB Stick?

Also da muss man erstmal bei Bridge bleiben (oder iView oder iPhoto oder oder oder…). Picasa kommt an keins der aktuellen Browser-und Bildertools heran.

Dieter Petereit
Gast

@herman: Sternevergabe? Ja, da haben Sie Recht. Allerdings habe ich selten das Bedürfnis verspürt, meine Fotos mit Sternchen zu bewerten.

Geotagging ist nur in der Macversion (noch) nicht enthalten.

Das Umbenennentool fehlt tatsächlich auch mir bisweilen schmerzlich. Dann nehme ich Bridge wieder her.

Drag and Drop funktioniert auf dem Mac zumindest nur in der Anwendung, so dass man nicht auf einen USB-Stick kommt. Der Desktop hingegen ist kein Problem.

Keywords und Exif-Daten bietet Picasa selbstverständlich auch.

Veronika
Gast

Picasa find ich toll es ist WAU!.

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