Googlebility – Ein Interview mit Marcus Koch

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Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der...

Wie wichtig die Bedeutung der Findbarkeit für die Usability einer Website ist, erörterte Marcus Koch auf seinem stark beachteten Vortrag während des Usability-Kongress 2009.

Dr. Web: Herr Koch, Ihr Vortrag vor einer versammelten Riege von Usability-Experten ging mal wieder um die Themen SEO und SEM. Was gibt es denn da Neues?

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Marcus Koch: Ich weiß nicht, was es da Neues gibt, aber neben der Usability ist eben auch die Googlebility wichtig. Kann Google meine Seite lesen, kann Google mit meiner Seite umgehen. Die meisten Sitebetreiber sind darauf angewiesen, weil ihre Besucher nicht nur per Direkteingabe kommen, sondern in Google danach suchen.

Dr. Web: Wenn Sie schon von Google sprechen. Was ist mit Bing?

Koch: Wir freuen uns, dass Bing wächst, gar keine Frage. Die Quasi-Monopolstellung von Google ist für die gesamte Branche nicht wirklich optimal. Aber da muss man auch ganz klar sagen: Bing ist noch auf einer niedrigen Stufe des Wachstums. Da muss noch viel Geschehen, bis wir eine Situation haben wie in den USA, wo Bing bereits einen Marktanteil von 20 Prozent hat.

Dr. Web: Sprechen wir also weiter von Google. Was gibt es Neues?

Koch: Google ist dieses nie enden wollende Geflecht von Beta-Versionen aller Art. Universal Search ist längst noch nicht am Ende der Entwicklung. Im Gegenteil: die Bedeutung steigt.

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Dr. Web: Was heißt das im Detail für den einzelnen Sitebetreiber und den Seitenaufbau, zum Beispiel in Bereichen mit Video und Flash.

Koch: Der Websitebetreiber muss generell dafür sorgen, dass sich Google nicht nur aus der HTML-Seite bedient sondern alle Elemente lesen kann und vor allem gut bewertet. Das gilt vor allem auch für das Thema lokale Suche, die immer wichtiger wird. Das ganze Thema SEO wird diversifizierter.

Dr. Web: Was ist mit Flash?

Koch: Das ist nach wie vor ein Problem. Zwar kann Google die Flash-Dateien lesen, aber Google kann sie nicht bewerten. Eine gut aufgebaute HTML-Seite wird von Google meist besser bewertet als Flash-Inhalte.

Dr. Web: Schauen wir mal rüber zu SEM. Welche Rolle spielt der Quality Score?

Koch: Obwohl das Thema schon ein alter Hut ist, rückt es erst jetzt so richtig ins Zentrum des Bewusstseins. Die Optimierung des Quality Score ist nicht mehr Nice to have sondern Must have. Über eine Optimierung lässt sich unheimlich viel Budget einsparen, in dem man weniger für den einzelnen Klick bezahlt und trotzdem in den Top-Positionen eingeblendet wird.

Dr. Web: Jenseits des Quality-Score, was sind die wichtigsten Hebel für die Kampagnenoptimierung?

Koch: Einige der wichtigen Hebel hat Google bereitwillig kommuniziert. Da wäre zum Beispiel die Klickrate, die Kontextrelevanz sowohl der Landing Page als auch des Anzeigentextes. Doch Google misst noch einiges mehr, zum Beispiel ob die Nutzer, die auf eine Anzeige geklickt haben wieder zurück kommen auf die Suche. Wenn das viele tun, erachtet Google die Anzeige zum entsprechenden Suchwort als irrelevant.

Dr. Web: Sie behaupten, dass nichtgeklickte Anzeigen Geld kosten. Warum?

Koch: Das ergibt sich aus der Click-through-rate. Wenn eine Anzeige extrem oft erscheint aber nicht geklickt wird, sinkt die Klickrate. Dadurch habe ich einen schlechteren Quality Score und das führt über die Preissteigerung zu einem erhöhten CPC, wenn ich die Position halten will.

Dr. Web: Werfen wir einen Blick ins Social Web. Welche Rolle spielt Twitter für das Suchranking?

Koch: Absolutes Hypethema, aber für uns derzeit überhaupt nicht Business-relevant. Man muss es im Auge behalten und es gibt sicher Unternehmen, für die ist Twitter heute bereits ein Thema. Unsere Kunden gehören nicht dazu.

Dr. Web: Aber um Backlinks zu generieren muss doch eine SEO-Agentur derzeit die ganze Social Media Klaviatur spielen?

Koch: Für die Generierung von Backlinks ist Social Media sicher ein ganz wichtiges Thema. Aber Backlink-Generierung ist ein Thema, das macht man, aber man spricht nicht darüber.

Dr. Web: Der Einfluss der SEO/SEM-Agenturen ist in den letzten zwei, drei Jahren immer größer geworden.

Koch: Und das geht weiter. Wir erleben in der klassischen Mediasteuerung immer schneller Sättigungseffekte und müssen immer früher angreifen, um zum Beispiel über den Quality Score der Landeseiten das Budget zu optimieren. Wir wandeln uns von der Such- zur Media-Agentur. Das war nicht zuletzt ein Grund, warum die Suchtreffer AG mit Orange8 zusammen gegangen ist: wir verlängern unsere Werkbank.

Dr. Web: Herr Koch, vielen Dank für dieses Gespräch.

Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der Internet Künstler". Frank Puscher ist nicht nur ein angesehener Autor, der für zahlreiche Fachzeitschriften tätig ist, er ist auch als Schulungsleiter und Berater erfolgreich.