Google Analytics für Einsteiger, Teil 9: Tracking von 404-Fehlerseiten

Christian Ebernickel

Christian Ebernickel ist Spezialist für Webanalyse und datengetriebenes Online Marketing. Er berät...

1. Darum solltet Ihr 404-Fehlerseiten überwachen

Keiner mag sie und doch wird man sie nicht los: Die Rede ist von den 404-Fehlerseiten, die ein Webserver ausliefert, wenn unter der angeforderten URL nichts gefunden wurde. Auf unseren eigenen Websites gehen wir davon aus, dass die internen Verlinkungen schon (hoffentlich!) alle richtig sein werden. Schließlich haben wir ja sauber gearbeitet, oder?

Trotzdem können 404-Fehler auftreten: Zum Beispiel, wenn externe Links zu eurer Seite nicht korrekt gesetzt wurden. Oder wenn ihr in euren Werbekampagnen fehlerhafte URLs nutzt. Bei Änderungen der Seitenstruktur treten 404-Fehler gerne gehäuft auf, und sind zum Teil nur mit viel Fleißarbeit zu beheben.

Ganz ehrlich: Wie oft kontrolliert ihr eure Server-Logs auf 404-Fehlermeldungen? Wahrscheinlich nicht allzu häufig, oder? In vielen Fällen habt ihr vielleicht noch nicht einmal Zugriff auf die Weblogs und erfahrt von nicht gefundenen Seiten nur aus eigener Erfahrung oder durch die Hinweise von Besuchern eurer Website.

Wenn ihr eure Website bereits mit Google Analytics überwacht, lässt sich das Tracking mit wenigen Schritten auch auf die 404-Fehlerseiten erweitern. So könnt ihr genau überwachen, wann 404-Fehler auftreten, welche fehlerhafte URLs aufgerufen wurden und ggfs. auch, wo sich der falsch gesetzte Link befindet.

Natürlich lassen sich Verlinkungen auch mit Hilfe der Google Search Console oder externer SEO-Werkzeuge zur Onpage-Analyse aufspüren. Doch beide Ansätze haben den Nachteil, dass es insbesondere bei großen Websites länger dauern kann, bis fehlerhafte Verlinkungen in den Fehlermeldungen auftauchen. In der Zwischenzeit haben sich jedoch schon viele Besucher über falsche Links geärgert.

In diesem Artikel zeige ich euch, wie ihr 404-Fehlerseiten in Google Analytics tracken könnt.

 

2. Vorteile des Trackings mit Google Analytics

  • Schnelle Ergebnisse: Fehlerhafte Links werden identifiziert, sobald ein Besucher auf sie geklickt hat.
  • Priorisierung: Ihr seht in Analytics, welche fehlerhaften Links besonders häufig 404-Fehlermeldungen verursachen und deshalb mit Priorität korrigiert werden sollten.

Ein Nachteil soll nicht unerwähnt bleiben: Man wird in der Regel nie alle fehlerhaften Links mit dieser Methode erfassen können, weil kein systematisches Crawling der Website erfolgt, sondern basierend auf dem Nutzerverhalten Fehlermeldungen getrackt werden. Allerdings bedeutet dies umgekehrt, dass jene fehlerhaften Verlinkungen, die für die Benutzer besonders ärgerlich und damit relevant sind, auch zuerst in Google Analytics sichtbar werden.

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Los geht’s:

 

3. Einrichten des Trackings im Google Tag Manager

Das Tracking wird im Google Tag Manager eingerichtet. Anschließend können wir in Google Analytics die Aufrufe von 404-Fehlerseiten auswerten.

Für das Tracking benötigen wir im Tag Manager eine benutzerdefinierte Variable, einen Trigger und das Tag für die 404-Fehlerseite.

 

3.1. Benutzerdefinierte Variable einrichten

Klickt im Arbeitsbereich eures Tag Managers auf Variablen und unter Benutzerdefinierte Variablen auf NEU.

Google Tag Manager: Benutzerdefinierte Variable einrichten

Google Tag Manager: Benutzerdefinierte Variable einrichten, Schritt 1

Im sich nun öffnenden Fenster wird die Variable definiert:

Google Tag Manager: Benutzerdefinierte Variable einrichten, Schritt 2

Google Tag Manager: Benutzerdefinierte Variable einrichten, Schritt 2

  1. Gebt der Variablen den Namen Page Title.
  2. Die Variable ist vom Typ JavaScript-Variable.
  3. In das Feld Name der globalen Variablen wird document.title eingetragen.
  4. Abspeichern, und die Variable Page Title ist fertig definiert.

In der Variablen Page Title haben wir damit den Titel des aktuell geladenen Dokumentes verfügbar. Im nächsten Schritt nutzen wir diese Information und legen einen Trigger an, der ausgelöst wird, wenn die 404-Fehlerseite geladen wird.

 

3.2. Trigger für 404-Fehlerseite einrichten

Klickt im Arbeitsbereich eures Tag Managers auf Trigger und dann auf NEU.

Google Tag Manager: Trigger einrichten, Schritt 1

Google Tag Manager: Trigger einrichten, Schritt 1

Es öffnet sich ein Fenster, in dem nun der Trigger definiert wird:

Google Tag Manager: Trigger einrichten, Schritt 2

Google Tag Manager: Trigger einrichten, Schritt 2

  1. Der Trigger bekommt den Namen 404 Fehlerseite aufgerufen.
  2. Der Typ des Triggers ist Seitenaufruf.
  3. Im Abschnitt Diesen Trigger auslösen bei: wählen wir Einige Seitenaufrufe aus, weil wir jetzt eine Bedingung für das Auslösen des Triggers definieren müssen.
  4. Jetzt kommt unsere benutzerdefinierte Variable Page Title zum Einsatz: Wählt im ersten Feld Page Title aus, dann enthält, und schließlich tragt ihr den Titel eurer 404-Fehlerseite ein. Auf meiner Website lautet der Titel zum Beispiel Seite wurde nicht gefunden. 404-Fehler. und genau dieser Text wird jetzt in das letzte Feld eingetragen. Bei euch wird die Fehlerseite mit Sicherheit einen anderen Titel haben, den Inhalt dieses Feldes müsst ihr also anpassen.
  5. Dann abspeichern, und der Trigger ist angelegt.

 

Wichtig: Der Seitentitel der 404-Fehlerseite muss eindeutig sein und darf für keine anderen Seiten verwendet werden. Ansonsten würde der Trigger auch bei Seitenaufrufen auslösen, die nicht zu einer 404-Fehlerseite gehören.

Jetzt muss nur noch das Tag definiert werden, und wir haben ein funktionierendes Tracking für 404-Fehlerseiten.

 

3.3 Tag für 404-Fehlerseite einrichten

Klickt im Arbeitsbereich eures Tag Managers auf Tags und dann auf NEU.

Google Tag Manager: Tag einrichten, Schritt 1

Google Tag Manager: Tag einrichten, Schritt 1

Im folgenden Fenster wird das Tag eingerichtet:

Google Tag Manager: Tag einrichten, Schritt 2

Google Tag Manager: Tag einrichten, Schritt 2

  1. Das Tag erhält den Namen UA – 404 Fehler. Den Zusatz UA schreibe ich zwecks der Übersichtlichkeit gerne an den Anfang von Universal Analytics Tags, das ist aber nicht notwendig.
  2. Als Tag-Typ wird Universal Analytics ausgewählt.
  3. Im nächsten Feld musst Du die Tracking-ID der Analytics Property eingegeben, in die die erfassten Daten gesendet werden sollen. Ich habe die Tracking-ID in der benutzerdefinierten Variablen {{UA Tracking-ID}} hinterlegt, man kann die Tracking-ID natürlich auch direkt eingegeben.
  4. Der Tracking-Typ wird auf Ereignis geändert.
  5. In das Feld Kategorie wird 404 Fehler eingetragen. Unter dieser Ereigniskategorie sind die Aufrufe der 404-Fehlerseiten später in Google Analytics zu finden.
  6. In das Feld Aktion wird 404 Fehler bei Seitenaufruf: {{Page URL}} eingetragen. Die Variable {{Page URL}} enthält die URL der aufgerufenen Seite, die zu der 404-Fehlermeldung geführt hat.
  7. In das Feld Label wird Referrer: {{Referrer}} eingetragen, damit wir in Analytics sehen können, woher der Seitenaufruf kam, der die 404-Fehlermeldung verursacht hat.
  8. Treffer ohne Interaktion wird auf Wahr gesetzt, damit dieses Ereignis die Absprungrate nicht positiv beeinflusst.
Google Tag Manager: Tag einrichten, Schritt 3

Google Tag Manager: Tag einrichten, Schritt 3

  1. Unter Weitere Einstellungen >> Festzulegende Felder wird anonymizeIp ausgewählt und auf true gesetzt, um den Anforderungen des Datenschutzes gerecht zu werden.
  2. Schließlich muss nur noch der Trigger ausgewählt werden, der das Tag auslösen soll. Wir wählen den Trigger 404 Fehlerseite aufgerufen aus.
  3. Dann abspeichern, und das Tag ist fertig eingerichtet.

 

Nicht vergessen: Damit das neue Tag und der Trigger wirksam werden, müssen die Änderungen im Google Tag Manager veröffentlicht werden.

Im Tag Manager sind wir damit fertig.

 

4. 404-Fehlerseiten in Google Analytics analysieren

Die Daten über 404-Fehler werden jetzt an Google Analytics gesendet. Es ist Zeit, einen genaueren Blick auf diese Daten zu werfen. Dafür bietet sich in Analytics der Bericht Verhalten >> Ereignisse >> Übersicht an. Wählt dann die Ereigniskategorie 404 Fehler aus.

Google Analytics: Ereignisberichte

Google Analytics: Ereignisberichte

Ändert auf der Folgeseite die Primäre Dimension auf Ereignisaktion und fügt Ereignislabel als Sekundäre Dimension hinzu:

Google Analytics: Ereignisbericht für 404-Fehler

Google Analytics: Ereignisbericht für 404-Fehler

Nun kann genau analysiert werden, welche Seitenaufrufe zu 404-Fehlermeldungen geführt haben, und wo die entsprechende fehlerhafte Verlinkung zu finden ist:

Fall 1: Direkte Zugriffe mit falschen URLs

Direkte Zugriffe mit falschen URLs erscheinen mit leerem Referrer in der Spalte Ereignisaktion. In diesen Fällen ist zu unterscheiden:

  • Die Ursache könnte in einem Tippfehler in der Adresszeile des Browsers liegen. Dann muss man nicht weiter tätig werden.
  • Es kann sich aber auch um eine in den Favoriten des Browsers abgespeicherte URL handeln, die auf eurem Webserver nicht mehr existiert. Dann solltet ihr eine saubere 301-Weiterleitung auf eine möglichst gut passende andere Unterseite einrichten, damit der Besucher keine 404-Fehlermeldung zu sehen bekommt, sondern auf eine Seite geleitet wird, die seiner ursprünglichen Intention entspricht.

 

Fall 2: Falsch gesetzte Backlinks

Falsch gesetzte Backlinks könnt ihr mit dieser Methode auch erkennen. In der Spalte Ereignisaktion werden externe URLs ebenfalls ausgeben. Wenn möglich, solltet ihr in diesen Fällen den Webmaster der verlinkenden Website kontaktieren und um eine Korrektur des Links bitten. Alternativ wäre auch hier die Einrichtung einer 301-Weiterleitung möglich, um das Problem in den Griff zu bekommen.

 

Fall 3: Fehlerhafte interne Links

Fehlerhafte interne Links findet ihr mit dieser Methode natürlich auch. Es ist deutlich zu erkennen, dass sich auf der Seite https://www.ebernickel.de/webanalyse/ der Link zu https://www.ebernickel.de/falsch-seite.htm befindet. Der Link kann dann umgehend korrigiert werden.

 

Fazit

Das Tracking von 404-Fehlermeldungen mit dem Google Tag Manager und Google Analytics ermöglicht das schnelle Identifizieren fehlerhafter interner Verlinkungen ebenso wie falsch gesetzter Backlinks. Nicht vergessen: Diese Methode ist von den Interaktionen der Besucher abhängig und kann kein vollständiges Crawlen der Website nach fehlerhaften Verlinkungen ersetzen. Allerdings findet ihr mit diesem Ansatz sehr schnell jene falschen URLs, deren Korrektur für die Besucher der Website besonders relevant ist, weil sie viel genutzt werden.

Christian Ebernickel

Christian Ebernickel ist Spezialist für Webanalyse und datengetriebenes Online Marketing. Er berät Unternehmen im Einsatz von Google Analytics und Google Tag Manager. In seinem Webanalyse Blog stellt er erweiterte Tracking-Szenarien und Ansätze für die Entwicklung individueller Webanalysepläne vor.

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1 Kommentar auf "Google Analytics für Einsteiger, Teil 9: Tracking von 404-Fehlerseiten"

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heubergen
Gast

Schön dass es auch anders geht, ich als IT’ler verlasse mich aber lieber auf die Serverlogs 🙂

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