Google Analytics für Einsteiger, Teil 8: Cross-Domain Tracking

Christian Ebernickel

Christian Ebernickel ist Spezialist für Webanalyse und datengetriebenes Online Marketing. Er berät...

Das Cross-Domain Tracking – auch domainübergreifendes Tracking genannt – bereitet in Google Analytics häufig Kopfzerbrechen. Dabei ist die Einrichtung des Trackings eigentlich gar nicht so schwer, wenn man alle notwendigen Einstellungen berücksichtigt. In diesem Artikel zeige ich euch, wie ihr ein domainübergreifendes Tracking mit Google Analytics einrichtet.

1. Wofür benötigt man Cross-Domain Tracking?

Google Analytics unterstützt in seinen Grundeinstellungen zunächst kein domainübergreifendes Tracking von Besuchern. Jeder Property wird normalerweise genau eine Domain zugeordnet. Die Domain kann beliebig viele Subdomains beinhalten, wie etwa www.euredomain.tld, shop.euredomain.tld und blog.euredomain.tld. Wenn ihr jedoch eure Besucher über verschiedene Domains hinweg tracken möchtet, sind einige zusätzliche Einstellungen in Google Analytics nötig.

Beispiel:

Nehmen wir an, dass ihr einen Onlineshop unter der Adresse www.euer-onlineshop.tld betreibt. Für ein neues Produkt habt ihr eine Marketingkampagne gestartet, für die eine separate Microsite unter www.neues-super-produkt.tld genutzt wird. Die Microsite wird über verschiedene Kanäle beworben, z.B. Google AdWords, Facebook Ads & Twitter Ads. Besucher finden auf der Microsite viele Informationen zu dem neuen Produkt. Wenn sie es kaufen möchten, werden sie über einen Kaufen-Link auf euren Onlineshop unter www.euer-onlineshop.tld geleitet.

Das Problem: In der Analytics Property eures Onlineshops könnt ihr sehen, wie viel Traffic von der Microsite www.neues-super-produkt.tld in euren Shop geflossen ist, und wie viele Bestellungen aus dem Traffic generiert werden konnten. Was ihr leider nicht messen könnt, ist der Einfluss der Werbekampagnen auf die Sales: Denn die Kampagnen liefern Traffic auf die Domain www.neues-super-produkt.tld. Sobald ein Besucher in den Shop wechselt, wird in der Google Analytics Property des Shops eine neue Sitzung gestartet. Anhand dieser Sitzung könnt ihr nur noch feststellen, dass der Besucher über die Microsite zu euch gekommen ist. Welcher Werbekanal ursprünglich dahinter stand, ist nicht mehr zu erkennen.

Ohne Cross-Domain Tracking geht beim Wechsel der Domain die ursprüngliche Trafficquelle verloren

Ohne Cross-Domain Tracking geht beim Wechsel der Domain die ursprüngliche Trafficquelle verloren

Genau an dieser Stelle kommt das Cross-Domain Tracking zum Einsatz. Es erlaubt euch, einen Besucher über verschiedene Domains hinweg zu tracken, ohne dass beim Domainwechsel eine neue Sitzung in Analytics gestartet wird. So lässt sich die ursprüngliche Trafficquelle auch nach dem Wechsel des Besuchers zwischen den überwachten Domains immer feststellen. Wenn also ein Besucher über eine Facebook Ad auf eure Microsite gekommen ist und anschließend in eurem Onlineshop eine Bestellung tätigt, könnt ihr in Analytics genau erkennen, dass dieser Kauf auf eine Facebook Ad zurückzuführen ist.

Beim Cross-Domain Tracking bleibt die ursprüngliche Trafficquelle erhalten.

Beim Cross-Domain Tracking bleibt die ursprüngliche Trafficquelle erhalten.

Wichtig: Die Quell-/Medium-Information wird auf Sitzungsebene gespeichert. Deshalb muss gewährleistet sein, dass beim Wechsel zwischen den Domains keine neue Sitzung gestartet wird. Überprüft deshalb mit dem Google Tag Assistant, dass beim Domain-Wechsel die ursprüngliche Sitzung weiter geführt wird.

2. So wird das Cross-Domain Tracking eingerichtet

Das Cross-Domain Tracking lässt sich auf zwei verschiedene Arten einrichten. Wenn ihr den Universal Analytics Tracking Code direkt auf eurer Website eingebunden habt, muss der Tracking Code um einige Zeilen erweitert werden. Falls ihr bereits den Google Tag Manager verwendet, sind die Universal Analytics Tracking Tags um einige Einstellungen zu ergänzen.

Kennst du unser E-Book-Bundle? Spare jetzt 6,99 €

E-Book Bundle von Andreas Hecht

Wir bleiben bei unserem obigen Beispiel und richten nun ein domainübergreifendes Tracking für die beiden Domains www.euer-onlineshop.tld und www.neues-super-produkt.tld ein.

2.1 Variante 1: Direkte Einbindung des Tracking Codes

Der Universal Analytics Tracking Code wird einige Zeilen erweitert (fett hervorgehoben):

<script>
  (function(i,s,o,g,r,a,m){i['GoogleAnalyticsObject']=r;i[r]=i[r]||function(){
  (i[r].q=i[r].q||[]).push(arguments)},i[r].l=1*new Date();a=s.createElement(o),
  m=s.getElementsByTagName(o)[0];a.async=1;a.src=g;m.parentNode.insertBefore(a,m)
  })(window,document,'script','https://www.google-analytics.com/analytics.js','ga');
  ga('create', 'UA-XXXXXXXX-1', 'auto', {'allowLinker': true});
  ga('require', 'linker');
  ga('linker:autoLink', ['euer-onlineshop.tld', 'neues-super-produkt.tld'] );
  ga('set', 'anonymizeIp', true);
  ga('send', 'pageview');
</script>

Diesen Tracking Code müsst ihr auf beiden Websites integrieren. Denkt daran, die Tracking-ID UA-XXXXXXXX-1 durch eure eigene ID austauschen.

Wichtig: Beide Domains nutzen die gleiche Tracking ID! Die zu trackenden Domains werden ohne Subdomain (z.B. www.) eingetragen. Damit das Tracking dennoch funktioniert, muss in der Zeile ga(‘create’ … hinter der Tracking-ID zwingend ‘auto’ eingetragen werden.

2.2 Variante 2: Tracking Code wird über den Google Tag Manager integriert

Wenn ihr den Tag Manager verwendet, muss jedes Universal Analytics Tag für das domainübergreifende Tracking erweitert werden. Deshalb legen wir im ersten Schritt eine benutzerdefinierte Variable an, in der wir die einzelnen Domains speichern. So müsst ihr die Domains nicht bei jedem Tag einzeln eintragen.

Die zu trackenden Domains werden in einer Variablen gespeichert.

Google Tag Manager: Die zu trackenden Domains werden in einer Variablen gespeichert.

  1. Der Name der Variablen ist Auto Link Domains.
  2. Der Variablentyp ist Konstant.
  3. In das Feld Wert tragt ihr die Domains ein, die ihr über das Cross-Domain Tracking erfassen möchtet. Die einzelnen Domain werden jeweils mit einem Komma getrennt, also zum Beispiel: euer-onlineshop.tld,neues-super-produkt.tld
  4. Speichern.

Im zweiten Schritt erweitert ihr euer Tracking Tag um einige Einstellungen:

Google Tag Manager: Tag für domainübergreifendes Tracking erweitern

Google Tag Manager: Tag für domainübergreifendes Tracking erweitern

  1. Wählt in eurem Tracking Tag den Abschnitt Weitere Einstellungen aus.
  2. Wählt dann Festzulegende Felder aus.
  3. Fügt ein weiteres Feld hinzu. Der Feldname ist cookieDomain, und als Wert tragt ihr auto ein.
  4. Fügt noch ein Feld hinzu.Der Feldname ist allowLinker, und als Wert tragt ihr true ein.
  5. Im Abschnitt Domainübergreifendes Tracking tragt ihr in das Feld Automatisch verknüpfte Domains eure benutzerdefinierte Variable {{Auto Link Domains}}. In dieser Variable stehen die Domains, für die ein gemeinsames Tracking eingerichtet werden soll.
  6. Speichern.

Das waren bereits die Anpassungen, die ihr im Tag Manager vornehmen musstet. Falls ihr mehrere Universal Analytics Tags verwendet, denkt daran, diese Anpassungen für jedes einzelne Tag vorzunehmen.

2.3 Verweisausschlüsse festlegen

Alle Domains, die vom Cross-Domain Tracking erfasst werden, müssen in Google Analytics in die Verweis-Ausschlussliste eurer Property eingetragen werden.

Google Analytics: Verweis-Ausschlüsse für überwachte Domains hinzufügen

Google Analytics: Verweis-Ausschlüsse für überwachte Domains hinzufügen

  1. Wählt in der Verwaltung eurer Property den Punkt Tracking-Informationen und dann Verweis-Ausschlussliste aus.
  2. Klickt auf die Schaltfläche +Verweisausschluss hinzufügen.
  3. Fügt die Domains hinzu, für die ihr das Cross-Domain Tracking eingerichtet habt, also z.B. euer-onlineshop.tld und neues-super-produkt.tld.

2.4 Vollständige Seiten-URLs anzeigen

In Google Analytics wird normalerweise nicht die vollständige Seiten-URL inklusive des Domainnamens angezeigt, sondern nur der Seitenpfad (URI).

Beispiele für Seitenpfade:
/
/kontakt/
/shop/

Wenn mehrere Domains innerhalb einer Property getrackt werden, ist die reine Pfadangabe meist nicht mehr eindeutig. Es lässt sich nicht erkennen, auf welcher Domain die aufgerufene Seite liegt. Deshalb erweitern wir den Seitenpfad jetzt um die Domain, damit wir eine eindeutige Zuordnung der aufgerufenen Seiten erhalten. Dafür richten wir einen benutzerdefinierten Filter ein.

Google Analytics: Vollständige Seiten-URLs anzeigen lassen

Google Analytics: Vollständige Seiten-URLs anzeigen lassen

  1. Wählt die Datenansicht in eurer Property aus, in der ihr den Filter nutzen möchtet.
  2. Klickt auf den Eintrag Filter und dann auf die rote Schaltfläche +Filter hinzufügen.
  3. Gebt dem neuen Filter einen eindeutigen Namen, z.B. Vollständige Seiten-URL anzeigen.
  4. Der Filtertyp ist Benutzdefiniert.
  5. Wählt Erweitert aus.
  6. Im Abschnitt Feld A -> A extrahieren wird Hostname ausgewählt und (.*) eingetragen.
  7. Im Abschnitt Feld B -> B extrahieren wird Anforderungs-URI ausgewählt und (.*) eingetragen.
  8. Im Abschnitt Ausgabe in -> Konstruktor wird Anforderungs-URI ausgewählt und $A1$B1 eingetragen.
  9. Setzt einen Haken bei Feld A erforderlich.
  10. Setzt einen Haken bei Ausgabefeld überschreiben.

Dann nur noch abspeichern. Ab jetzt wird in der Dimension Anforderungs-URI nicht nur der Seitenpfad, sondern auch die Domain gespeichert.

3. Test & Überprüfung des Trackings

Die Einrichtung des domainübergreifenden Trackings scheint zunächst nicht sonderlich kompliziert. Doch in der Praxis funktioniert das Tracking dann häufig doch nicht auf Anhieb. Deshalb solltet ihr genau überprüfen, ob beim Wechsel zwischen den überwachten Domains wirklich keine neue Sitzung angelegt wird und die ursprüngliche Quell-/Medium-Informationen erhalten bleiben. Denkt bei der Überprüfung auch an Ereignistrackings, E-Commerce-Tracking usw. Falls ihr auf eurer Seite auch iframes benutzen solltet, wird das durchgehende Tracking dadurch leider ein wenig anspruchsvoller.

So überprüft ihr euer Cross-Domain Tracking

1. Test

Beim Wechsel zwischen den Domains wird an eure URLs ein zusätzlicher Parameter mit dem Namen _ga angehängt. Wenn dieser Parameter fehlt, funktioniert euer Cross-Domain Tracking definitiv nicht.

Beispiel:
Auf der Seite www.neues-super-produkt.tld/jetzt-neu.php befindet sich ein Link zu eurem Onlineshop www.euer-onlineshop.tld. Wenn ihr den Link anklickt, und die URL im Browser geladen wird, solltet ihr in der Adresszeile des Browser den zusätzlichen URL-Parameter _ga sehen:

http://www.euer-onlineshop.tld/?_ga=1.236687169.1921251045.1491907765

Der Wert des Parameters variiert natürlich, aber dieser Parameter muss beim Domainwechsel zwingend an die URLs gehängt werden.

2. Test

Wenn der _ga Parameter an eure URLs angehängt wird, kommen wir zum zweiten Test. Dafür benötigen wir den Google Tag Assistant. Mit dieser Chrome-Erweiterung lässt sich genau überprüfen, welche Daten von euren Tracking Codes an Google Analytics gesendet werden.

Im ersten Schritt rufen wir die Microsite www.neues-super-produkt.tld auf. Wir fügen der URL zwei utm-Parameter hinzu, um Quelle und Medium der Sitzung manuell zu setzen:

http://www. neues-super-produkt.tld/?utm_source=cdt-test-source&utm_medium=cdt-test-medium

Im Google Tag Assistant finden wir den Aufruf, der an Google Analytics abgesetzt wird:

Google Tag Assistant: Seitenaufruf auf der Microsite

Google Tag Assistant: Seitenaufruf auf der Microsite

Der Parameter cid ist für uns wichtig. Hinter ihm verbirgt sich die sogenannte Client ID. Sie sollte sich beim Wechsel zwischen den Domains nicht ändern. Die Client ID ist übrigens auch ein Bestandteil des _ga Parameters.

Dann folgen wir einem Link von der Microsite in den Onlineshop und kontrollieren den Pageview wiederum mit dem Tag Assistant:

Google Tag Assistant: Seitenaufruf im Onlineshop

Google Tag Assistant: Seitenaufruf im Onlineshop

Im Onlineshop wird von Google Analytics dieselbe Client ID verwendet, wie auf der Microsite. Damit haben wir schon viel erreicht.

Nun überprüfen wir noch zusätzlich, ob die Sitzung beim Wechsel der Domain erhalten bleibt. Wechselt dazu im Tag Assistant auf den Tab Google Analytics Report.

Google Tag Assistant: Überprüfung der Sitzung, Schritt 1

Google Tag Assistant: Überprüfung der Sitzung, Schritt 1

Wir sehen, dass genau eine Sitzung (und nicht zwei!) erfasst wurde. Außerdem wurde die Quell-/Medium-Information, die wir über die utm-Parameter mitgegeben hatten, der Sitzung korrekt zugeordnet.

Schauen wir uns die einzelnen Seitenaufrufe im Abschnitt Flow (weiter unten auf der Seite) noch einmal genauer an:

Google Tag Assistant: Überprüfung der Sitzung, Schritt 2

Google Tag Assistant: Überprüfung der Sitzung, Schritt 2

Die ersten beiden Seitenaufrufe finden auf der Microsite statt. Wir sehen, dass mit dem „Page Load 1“ eine neue Sitzung (Session Start) gestartet wird. Mit dem dritten Seitenaufruf erfolgt dann der Wechsel in den Onlineshop. Wenn an dieser Stelle wiederum „Session Start“ stehen würde, wäre das ein ganz klarer Hinweis darauf, dass das Cross-Domain Tracking nicht funktioniert. Im obigen Beispiel wird der dritte Seitenaufruf der gleichen Sitzung zugeordnet, obwohl er von einer anderen Domain stammt: Also arbeitet unser Cross-Domain Tracking richtig. :)

Fazit

Das Cross-Domain Tracking ermöglicht die Analyse des Benutzerverhaltens über mehrere Domains hinweg. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn sich eure Besucher über verschiedene Domains bewegen, bis sie eine Conversion auslösen. Denn dann erlaubt euch das domainübergreifende Tracking eine genaue Zuordnung der ursprünglichen Trafficquelle zu den erzielten Conversions. Typische Anwendungsfälle sind neben der Konstellation Microsite/Onlineshop auch Verbünde von Websites, die sich gegenseitig Nutzer zuspielen und extern eingebundene Inhalte (z.B. von Zahlungsdienstleistern), die die Integration eines eigenen Tracking Codes unterstützen.

Das Einrichten des domainübergreifenden Trackings geht meist recht schnell. Doch plant genügend Zeit ein, um eure Trackings ausführlich zu testen. Denn nur so könnt ihr sicherstellen, dass das domainübergreifende Tracking für alle möglichen Varianten richtig funktioniert.

Christian Ebernickel

Christian Ebernickel ist Spezialist für Webanalyse und datengetriebenes Online Marketing. Er berät Unternehmen im Einsatz von Google Analytics und Google Tag Manager. In seinem Webanalyse Blog stellt er erweiterte Tracking-Szenarien und Ansätze für die Entwicklung individueller Webanalysepläne vor.

Sortiert nach:   neueste | älteste | beste Bewertung
Peter Nabert
Gast

Funktioniert das auch dann, wenn der Besucher Privacy Badger oder NoScript als Browser-Plugin installiert hat?

wpDiscuz