Freiberuflerverträge: Was man tun und lassen sollte

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Robert Bowen

Robert ist Mitgründer des Magazins Arbenting und gibt zusammen mit seiner Frau...

In der Welt des freiberuflichen Arbeitens muss der Unternehmer selbst eine Reihe von Aufgaben übernehmen, die in einem größeren Unternehmen in der Regel von einer separaten Abteilung erledigt werden. Die meisten dieser Pflichten gehören nicht in die kreativen Sphäre, welche Freiberufler gewohnt ist. Es handelt sich eher um ermüdende, die linke Gehirnhälfte beanspruchende Büroarbeit. Den – die rechte Gehirnhälfte beanspruchenden – Kreativen graust es oft vor dem Gedanken an jene Abstecher in geradlinige Domänen. Solche detailbehafteten Aufgaben strapazieren jeden Freiberufler mit vielfältigen Verpflichtungen. Dennoch müssen die Aufgaben erledigt werden.

Verträge gehören dazu. Einen Vertrag zu verfassen, der Sie absichert und nicht bloß Informationen aufzählt, ist äußerst wichtig. Er ist ein Muss. Freiberufler genießen nicht die Vorzüge einer Rechtsabteilung, die sich mit einem wasserdichten Vertrag dem Schutz ihrer Interessen widmet. Nichtsdestotrotz muss ein Vertrag für Freiberufler umfassend, prägnant und eindeutig sein. Er sollte den Pflichtenkreis umreißen und die Forderungen und Erwartungen beider Parteien festlegen.

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Wir werden Ihnen in diesem Artikel helfen, diejenigen Informationen zu ermitteln, die in Ihrem Vertrag enthalten sein sollten und sich zu vergewissern, dass Sie einen eindeutigen Vertrag haben, der wenig Raum für Unkontrollierbares lässt – wie es manchmal jemandem von uns in der breiten Masse der Freiberufler passieren kann.

Diese Tipps zu Sitten und Unsitten werden hoffentlich einen großen Teil der Kopfschmerzen und Fragen, die mit dem Verfassen eines Vertrags einhergehen, in Luft auflösen. Wenn Sie das Grundprinzip hinter den verschiedenen Vertragselementen verstanden haben, werden Sie Ihre Verträge besser individuell auf sich zuschneiden können, passend zu dem spezifischen Beruf, den Sie ausüben.

Die Grundlagen

Sie beinhalten natürlich die wesentlichen Informationen. Das “Wer“ und “Was“ des Projekts. Wer verpflichtet Sie vertraglich zu welcher Art von Arbeit? Das sind Standardsätze die jeder Vertrag beinhaltet und die die Tätigkeit als Ganzes definieren. Inzwischen dürften diese Informationen beiden Parteien vertraut sein, so dass sie das ohnehin dem Vertrag beifügen, damit beide in Bezug auf Rechte und Pflichten den gleichen Kenntnisstand haben. Da die Informationen derart fundamental sind, übersehen Freiberufler oft, wie wichtig dieser Abschnitt für die Rahmengestaltung des Projekts ist.

Zur rechtlichen Seite lesen Sie weitere Artikel zum Thema “Verträge”.

Was man tun und was man lassen sollte
K.I.S.S. “Keep It Simple, Simon” oder “In der Kürze liegt die Würze”. Stellen Sie sicher, dass Ihre Rolle in dem Projekt von Anfang bis Ende geklärt ist und auch, was diese mit sich bringt, damit der Auftraggeber nicht versucht, Sie zu etwas zu bringen, was Sie gar nicht wollen (zum Beispiel der Wechsel von der Funktion des Gestaltenden hin zur technischen Unterstützung, sobald das Projekt begonnen hat).

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Sie kennen sich und Ihre Stärken; lassen Sie dem Kunden keinen Raum, Ihre Rolle in dem Projekt für seine Zwecke zu ändern. Seien Sie präzise in Bezug auf die Funktionen, die Sie erfüllen oder nicht erfüllen möchten.

Zeitlicher Rahmen

Dieser legt schlichtweg die Zeit fest, die Sie für das Projekt benötigen, sowie die Dauer, für die der Vertrag gilt. Manchmal muss der Freiberufler sich nach Beendigung eines Projekts Zeit freihalten, um dem Kunden bei der Eingliederung des Produkts in seinen vorhandenen Medienstrom behilflich zu sein. Jedoch nicht immer. Wenn Sie diesen zeitlichen Rahmen am Anfang festlegen und die Bedingungen und Konditionen des Vertrags formell bekräftigen, haben Sie die Sicherheit, dass diese nicht missbraucht werden.

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Was man tun und was man lassen sollte
Viele mögen Fristen nicht und manche Freiberufler sind in dieser Beziehung nicht anders. Ganz gleich, ob Sie Fristen lieben oder hassen, das Einbeziehen von Fristen in Ihre Verträge ist wichtig. Sehen Sie nicht über dieses Detail hinweg, nur weil es Ihnen Stress bereiten könnte. Lassen Sie sich genug Zeit, um Ihre Aufgaben korrekt zu Ende zu bringen, während Sie den Zeitplan des Auftraggebers im Hinterkopf behalten.

Ungenaue Angaben über den Deckungszeitraum des Vertrags werden Ihrem Auftraggeber nach Beginn des Projektes die Möglichkeit bieten, Dinge zu finden, die er als verbesserungswürdig empfindet. Stellen Sie darüber hinaus sicher, zeitliche Rahmen darauf abzustimmen, wann der Auftraggeber auf Ihre Einsendungen – einschließlich Fragen und Anliegen – zu reagieren soll, damit Sie nicht endlos lange hingehalten werden und darauf warten müssen zu erfahren, wie Sie weiter vorgehen sollen.

Details zur Übergabe

Diese in den Vertrag zu integrieren, verdeutlicht ferner die Erwartungen zu Beginn des Projektes. Der Kunde weiß im Voraus, wie das Endprodukt sein wird und wie Sie es ihm übergeben werden. Es befreit Sie davon, später schätzen zu müssen, welche Dateitypen er beispielsweise nutzen kann und gibt dem Kunden ein Gefühl der Sicherheit, da er weiß, dass Sie beide denselben Stand der Dinge haben.

Es gibt Ihnen weiterhin einen Hinweis darauf, wie weitreichend die Kenntnisse des Kunden in diesem Bereich sind und wie fähig er sein wird, mit dem Produkt zu arbeiten, nachdem Sie es ihm übergeben haben. Sofern Sie fähig sind, das Bedürfnis des Auftraggebers nach Unterstützung bei der Zugangsgewährleistung und Einbindung Ihres Produkts voraus zu ahnen, wird Ihnen das bei der Ausformulierung weiterer Abschnitte des Vertrags helfen.

Was man tun und was man lassen sollte
Noch einmal: In der Kürze liegt die Würze. Haben Sie einmal die Bedürfnisse des Auftraggebers eingeschätzt, senden Sie ihm nicht mehr Dateien oder Dateitypen als nötig sind, um die Auftragsbedingungen zu erfüllen. Versuchen Sie nicht, ihn mit einer ZIP-Datei voller Extras zu beeindrucken, die zeigen, wie professionell Sie sind. Das wird Auftraggeber, die nicht design-erfahren sind, überrennen und vielleicht sogar als Belästigung empfunden. Es einfach zu halten, wird Ihr Auftraggeber zu schätzen wissen und Ihnen zukünftig Schwierigkeiten vom Leibe halten, wenn Sie vielleicht die Arbeit bei Ihrem nächsten Auftraggeber schon begonnen haben.

Die Finanzen

Für die gestalterische Arbeit gilt überwiegend, dass nach Auftrag statt nach Arbeitsstunden abzurechen, für alle einfacher ist. Sie dürften in finanzieller Hinsicht bereits zu einem Übereinkommen gelangt sein, aber beziehen Sie es trotzdem für ein gutes Verhältnis in den Vertrag ein. Bloß, weil Sie eine Zahlungsübereinkunft haben, könnte der Auftraggeber praktisch jederzeit den Betrag “vergessen“ oder die Bedingungen ändern.

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Was man tun und was man lassen sollte
Einigen Sie sich auf eine anfängliche Anzahlung (was immer Ihnen als fair erscheint) bevor Sie mit der Arbeit beginnen, damit beide Parteien geschützt sind, falls einer von beiden aus dem Vertrag aussteigen möchte. Stellen Sie sicher, dass der Kunde nachvollziehen kann, dass diese Anzahlung ihn ebenso schützt, wenn er Ihnen ein Projekt anvertraut und Sie so von anderen Auftraggebern abhält. Fügen Sie außerdem in den Abschnitt über die Finanzen des Vertrags eine Rücktrittsklausel ein. Diese schützt Sie, indem sie die finanziellen Verpflichtungen beider Parteien festlegt, für den Fall, dass Ihr Auftraggeber aussteigt und das Projekt vorzeitig beendet wird.

Korrekturen und Abänderungen

Sie können auch sich selbst schützen, indem Sie eine Klausel einfügen, die festlegt, wie viele Änderungen und Korrekturen am Produkt durch die Gebühr gedeckt sind. Sie können die Preisfestsetzung für die vom Auftraggeber erbetenen Änderungen, die über die im Vertrag festgelegte Anzahl hinausgehen, bestimmen und auf diese Weise verhindern, dass es zu einem Missbrauch von Privilegien durch den Auftraggeber kommt.

Seien Sie sich im Klaren darüber, dass dies keinen Kommentar über eine von beiden Parteien darstellt; wenn Sie dies einfügen, unterstellen Sie nicht, dass der Auftraggeber schwer zufrieden zu stellen sein wird oder dass Sie mehrere Versuche brauchen werden, um eine gute Arbeit abzuliefern. Sie erkennt nur an, dass es manchmal Zeit braucht, um etwas vollständig zu bearbeiten und dass man die Freiheit dazu haben sollte, seine Meinung darüber zu ändern, ob ein Plan umsetzbar ist oder nicht.

Was man tun und was man lassen sollte
Denken Sie daran, dass Professionalität sich immer durchsetzen sollte, also sollte das auch bei diesem Teil des Vertrags nicht anders sein. Ja, es kann unangenehm sein, wenn einige Auftraggeber immer wieder – aus einer Laune heraus – mit Anfragen auf Sie zukommen, aber seien Sie nachsichtig. Scheren Sie nicht alle Ihre Kunden über einen Kamm, weil Sie einer in der Vergangenheit zur Weißglut getrieben hat. Und lassen Sie sich nicht durch ihren Stolz davon abhalten, dem Kunden einen maßvollen Umfang an Änderungen einzuräumen, selbst wenn diese nicht nach Ihrem Geschmack sind. Alles in allem mag das Design von Ihnen stammen, aber er bezahlt Sie dafür, dass Sie es für ihn entwerfen.

Das Kleingedruckte und die Schlussfolgerung

Vergewissern Sie sich zum Schluss, dass der Vertrag professionell und durchweg eindeutig ist und seien Sie bei der Festlegung der Rollen beider Parteien in dem Projekt so detailliert wie möglich.

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Englischsprachige Artikel und Quellen im Netz

(tm), (sl)

Robert Bowen

Robert ist Mitgründer des Magazins Arbenting und gibt zusammen mit seiner Frau Angie Bowen Fuel Your Creativity heraus.