Facebook kann jetzt Haushalte identifizieren und mit Werbung bestücken

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren...

Das blaue Netzwerk hat seine Spionage, äh Targeting-Möglichkeiten weiter ausgebaut und ist jetzt in der Lage, für Werbetreibende sogar andere Mitglieder deines Haushaltes als dich selbst ins Visier zu nehmen.

Tools to Drive Discovery” überschreibt der blaue Schnüffler einen aktuellen Eintrag auf Facebook Business. Darin stellen die Kalifornier mit stolz geschwellter Brust ihre neuen Möglichkeiten der Auslieferung maßgeschneiderter Werbung an ihre ahnungslosen Nutzer vor.

Hoffentlich ist dein Sohn charakterlich gefestigt

Danach ist Facebook in der Lage, deine Familienbande zu ermitteln und Werbung künftig an die ganze Familie auszuspielen. Man hat nämlich festgestellt, dass manche Kaufentscheidungen nicht von jenen getroffen werden, die das Geld haben, sondern von jenen, die das beworbene Gut oder die beworbene Dienstleistung haben wollen.

Das betrifft verschiedene Produkte und Dienstleistungen. Vorstellbar wären etwa Reisen oder Spielwaren. Plötzlich wirst du nicht nur von Facebook mit dem Produkt X konfrontiert, sondern auch von deinem Sohn, der selber dieselbe Facebook-Ad gesehen hat und dir nun Dampf macht. Oder deine Tochter schlägt dir das gleiche Reiseziel vor, das du eben bei Facebook vor die Nase gehalten bekamst.

Kuck mal Papa. Ist das nicht schön? (Quelle: Facebook)

Werbetreibende können solche Kampagen ab sofort in den Vereinigten Staaten starten. Andere Regionen der Welt werden im nächsten Jahr in den zweifelhaften Genuss der neuen Features kommen.

Und wieder mit Opt-Out

Natürlich beachtet Facebook bei den Haushaltskampagnen ganz akribisch die Privatsphäre der betroffenen Werbeempfänger, sagen sie. Immerhin kannst du unter “Ad Preferences” den Haken bei “member of a family-based household” rausnehmen.

Mal schauen, ob sie das in Deutschland auch so regeln oder ob sie hier konform bleiben und uns auffordern, die Zustimmung zur Erfassung im Rahmen eines Haushalts explizit zu geben. Da das ja keiner freiwillig täte, gehe ich eher davon aus, dass die Funktion wieder ein Fall für den Verbraucherschutz wird.

Statistikfunktionen, über die sich Mielke gefreut hätte

Werbetreibende können sich zusätzlich über die erweiterte Statistik-Funktion freuen, die ihnen einen astreinen Überblick darüber verschafft, wie ihre Anzeigen über die erreichten Haushalte performen. Mit mathematischen Verfahren können Werbetreibende auch einen Eindruck darüber gewinnen, wie wohl letztlich die Konversion zustande gekommen ist, unabhängig davon, wer letztlich die Anzeige gesehen hat.

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Facebook endet den furiosen Ankündigungsbeitrag mit den Worten:

Our goal is to continue supporting businesses with tools and tips throughout the year. We look forward to helping you maximize what is sure to be the most mobile holiday season yet.

Siehst du da ein Wort über Benutzer? Nein, ist auch richtig so. Facebook ist wie Privatfernsehen. Die zeigen auch nur gute Filme, weil sonst keiner die Werbung schauen würde. Und im Gegensatz zu Fernsehsendern muss Facebook für seine Inhalte nicht mal was bezahlen. Ein kugelsicheres Geschäftsmodell…

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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ati
Gast

Milke war ein Amateur – im Vergleich zu dem, was heute abläuft. Ich glaube, selbst Orwell hat die mögliche Subtilität der Kontrolle unterschätzt. Es scheint aber auch (fast) keinen zu interessieren.

Martin K.
Gast

Werbung: Die Pest des 21. Jahrhunderts.

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