Photoshop: Die Geheimnisse der Pinsel-Palette

Die Werkzeugspitzen sind bei der Arbeit mit Photoshop ständig im Einsatz. Sei es bei selbst gemalten kleinen Kunstwerken oder auch nur bei der Verbesserung einer Maske. Und doch bieten die Pinselvorgaben eine dem Anwender zumeist ungeahnte Fülle an Möglichkeiten an, die leider eher selten eingesetzt werden.

Wählt man in Photoshop das Pinsel-Werkzeug aus, führt der Weg des Mauszeigers (so gut wie) immer oben links in die Optionsleiste zur Auswahl der Pinselvorgaben. Nach der Wahl der Werkzeugspitze stellt man die Größe ein und seltener auch noch die Härte. Das ist ausreichend für die wichtigsten Bereiche der täglich wiederkehrenden Arbeiten, weshalb das Icon auf der rechten Seite mit den drei Pinseln im Farbeimer gerne ignoriert wird – es führt zur Pinsel-Palette.

Abstand und Winkel

Unter »Pinselvorgaben« und auch unter »Pinselform« kann, wie bei der eben erwähnten Auswahl für Pinselvorgaben, eine Spitze ausgewählt und die Größe sowie die Stärke eingestellt werden. Doch schon mit dem »Abstand« und dem »Winkel« erhalten wir unter dem Punkt »Pinselform« weitere Optionen. Dank der Vorschau kann man einfach ablesen, wie sich die Werkzeugspitze im Einsatz verhält. Wird etwa der Abstand verändert, ist ersichtlich, was man bei Anwendung erwarten kann.

Umständliche Wege

Ich denke, ich bin nicht der einzige Photoshop-Anwender, der gerne Pinselvorgaben mit Formen verwendet, die eine bestimmte Richtung aufweisen. Oft sehe ich in meinen Schulungen, dass dem Wunsch die Form zu drehen wie folgt nachgekommen wird: Auf einer neuen Ebene wird die Werkzeugspitze eingesetzt und dann die komplette Ebene transformiert, um etwa eine gespiegelte Variante zu erhalten, wie hier zu sehen:

Einfache Lösung

Dabei könnte man auch die Pinsel-Palette aufrufen und den Winkel numerisch angeben oder rechts daneben die Richtung oder auch die Rundheit mit der visuellen Eingabeoption festlegen.

Zufallsprodukte

Nach der Pinselform werden die »Formeigenschaften« und die »Streuung« gelistet. Man ist es gewohnt, dass ein Pinselstrich gerade verläuft (zumindest aber entlang der gezogenen Strecke). Wenn aber eine Spitze als Ergebnis einen Sternenhimmel im Comicstil liefern soll, dann könnte man mühsam jeden Stern einzeln setzen und dabei ständig die Größe und Position leicht variieren oder aber man verwendet die angebotenen Zufallsgeneratoren.

Der Größen-Jitter etwa ist zuständig für die Größe der einzelnen Pinselpunkte. So können in einem Pinselstrich und bei größerem Abstand die gesetzten Spitzen stark variieren. Falls man eine bestimmte Größe bewahren möchte, sollte zusätzlich unter »Mindestdurchmesser« eine Zahl angegeben werden. Weitere Zufallsgeneratoren wie der Rundheit- und der Winkel-Jitter sorgen dann für eine noch größere Vielfalt der Pinselform.

Mit der Streuung können die Pinselspuren entlang der Achsen zufällig verteilt werden. Und mit dem »Anzahl-Jitter« gibt es auch in diesem Bereich wieder einen Zufallsgenerator, der die Spuren feiner oder stärker variieren lässt.

Farbenspiele

Doch nicht nur die Form, auch die Farbe kann zufällig geändert werden. Mit dem Vordergrund-/Hintergrund-Jitter bestimmt man, wie der Pinsel zwischen den festgelegten Farben wechseln soll. Der »Farbton-Jitter« verstärkt diesen Effekt noch, wodurch die Farbvariationen größer werden. Auch die Sättigung oder die Helligkeit kann sich zufällig verändern, je nach eingestellter Größe. Die »Reinheit« legt generell den Sättigungsgrad fest, ohne zu variieren. Im Zusammenspiel mit den Formeigenschaften und der Streuung kann mit nur einem Pinselstrich ein Haufen Haare gemalt werden.

Doch nicht nur der schnelle Wechsel zwischen zwei Farben ist möglich, sondern auch Verläufe innerhalb eines Pinselstrichs. Stehen alle Werte auf 0% und nur die Steuerung mit Verblassen auf einen höheren Wert wie etwa 180, so ist der Wechsel zwischen der Vordergrund- und Hintergrundfarbe fließend. Wer mehr Abstufungen erzielen möchte, erhöht einfach den Wert des Vordergrund-/Hintergrund-Jitters.

Pinsel im Pinsel

Bei einem »dualen Pinsel« wird innerhalb der Pinselspur eine weitere Werkzeugspitze angewendet. Wo sich beide Pinselvorgaben überschneiden, wird die Farbe aufgetragen. Einige von der Pinselform oder den Formeigenschaften bekannten Reglern findet man auch dort, wie etwa der Durchmesser, Abstand oder die Streuung. Interessant ist das Zusammenwirken mit den Füllmethoden. Damit sorgt der zweite Pinsel mit »Multiplizieren« für ganz andere Ergebnisse, als etwa mit »Farbig nachbelichten«.

Pinsel plus Muster

Neben der Pinsel- ist auch die Kombination mit einem Muster möglich. Dabei kann man auf das Angebot zurückgreifen, das man etwa auch unter »Fläche füllen« nutzen kann. Anders als bei dieser Funktion, oder auch bei dem Einsatz des Musterstempel-Werkzeuges, sind weniger Füllmethoden verfügbar. Immer wird die Farbe mit dem Muster so verrechnet, dass diese erhalten bleibt. Die Tiefe steht für die „Deckkraft“ des Musters. Wird Jede Spitze mit Struktur versehen abgehakt, kann eine Mindesttiefe sowie ein »Tiefen-Jitter« eingestellt werden. So werden auch Variationen pro Pinselstrich möglich.

Pinsel erstellen

Die oben beschriebenen Optionen ermöglichen die Anpassung bestehender Pinselvorgaben. Man kann natürlich auch sehr leicht eigene Pinsel erstellen. Diese werden von Hand gemalt, es können eigene Formen oder auch eingescannte Figuren und Muster umgewandelt werden. Immer wird die Grundlage mit einem der Auswahlwerkzeuge selektiert. Nun klickt man im Menü auf »Bearbeiten ↔ Pinselvorgabe festlegen«, gibt einen Namen ein und bestätigt den Vorgang mit OK. Farben werden dabei in Graustufen umgewandelt.

Die Pinsel-Palette bietet also zahlreiche Optionen an, um einfache bis kompliziert animierte Werkzeugspitzen zu erstellen, die auf zahlreichen Zufallsgeneratoren basieren. Man könnte noch ein »Rauschen« dazuschalten, wodurch weiche Übergänge sehr schmutzig wirken, was für den Grunge-Look optimal ist, »Nasse Kanten« oder einen »Airbrush« simulieren. Man sollte sich von der Vielfalt an Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten nicht abschrecken lassen. Dann hat man für eigene Kreationen ein mächtiges Werkzeug in der Hand.

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.

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52eins
Gast

Gute Zusammenfassung, schnell und knackig. Hilfreich für diejenigen, die sich bisher nicht an die Pinsel rangetraut haben.

Zwente
Gast

Ich verwende Photoshop jetzt seit über 5 Jahren und hab nicht gewusst, dass SO viel hinter diesen Pinseln steckt. Krass!

Phil
Gast

Wow, da hab ich jetzt einiges gelernt!! Vielen Dank!

inservo
Gast

Genial, da kommen mir gleich ein paar neue Ideen. Das ist mal eine wirklich interessante Geschichte. Ich bin nämlich normalerweise auch ein „Kandidat“ für die Ebenentransformation, wenn ich einen Pinsel drehen will.

Britta Stahl
Gast

Vielen Dank für diese übersichtliche Zusammenfassung! Auch nach geraumer Zeit mit dem Photoshop wusste ich nicht, dass man an dieser Stelle so viele Optionen hat, werde ich gleich mal experimentell testen…

SiGa
Gast

Der Tipp kam genau zur rechten Zeit für mich – vielen Dank und mehr davon!

Bata
Gast

Sehr nützlich und erleuchtend!
Danke!

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[…] Photoshop: Die Geheimnisse der Pinsel-PaletteUngeahnte Möglichkeiten… Es lohnt sich immer wieder, etwas tiefer in Photoshop einzutauchen.(Tags: Photoshop) […]

Blackdevile
Gast

Danke für die Super beschreibung, bin jetzt seit einem Jahr Photoshopper und habe das bisher immer gemieden, aber nach der Beschreibung weiß ich womit ich heute abend rumprobieren werde.

Danke und gerne mehr solcher Tutorials (n gutes zum Haare freistellen wäre noch toll, da häng ich grad xD )

gruß
chris

Jens B.
Gast
Hallo Dirk, danke für Deinen Artikel. Auch wenn ich schon einiges darüber wusste – da ich selbst darüber doziert habe – so hat mich die ein oder andere Idee wieder einmal inspiriert. Eine Frage die ich in meinen Schulungen nie beantworten konnte: Wozu existieren die Schlösser?!? – Laut Hilfe sollen diese eigentlich dazu dienen die eingestellten Werte zu fixieren und vor weiteren Bearbeitungen zu schützen. (Macht ja auch sinn.) – Aber selbst mit eingeschaltetem Schloss kann man sämtliche Werte beliebig anpassen! Des Weiteren habe ich auch noch keinen Unterschied feststellen können, ob ich die Option „Glättung“ angeschaltet lasse, oder aus… Read more »
Jana
Gast

Und ich dachte, dass ich PS gut kenne. Danke für die wertvollen Pinsel Tipps!

aboleo
Gast

Nun ich arbeite mittlerweille seit etwas mehr als drei Jahren mit Photoshop und bei meiner Ausbildung wurde viel Wert auf die korrekte Verwendung der Pisel Palette gelegt – einfach weil es den Workflow extrem steigern kann, wenn man sein Werkzeug nicht nur gut sondern extrem gut beherrscht.

Auch wenn ich vieles von dem hier erwaehnten tag taeglich einsetze, war es toll, das ganze noch mal kurz und knackig vorzufinden. Ich hab es mir mal ausgedruckt und ins Archiv getan.

Jessica
Gast

Wow, und sowas nach ettlichen Jahren Photoshop :)

Scotsman
Gast

Mir gehts wie vielen hier, arbeite schon ewigst mit Photoshop, und wollte nun mal wissen, ob man Pinsel drehen/ausrichten kann, aber diese Flexibilität mit den Pinseln ist mir neu. Es eröffnen sich komplett neue Möglichkeiten, danke für den Überblick!

Schnuff
Gast
Hey, danke, das hat echt geholfen! Aber ich hab trotzdem ein Problem bei den Brushes, vll kann mir einer helfen? ich hatte aus dem internet brushes runtergeladen, hatte die auch schon in p-s gespeichert, dann bin ich auf ’natural brush‘ gegangen, um ne gestreute brushspitze zu bekommen(für ein Bild). Da gab’s dann halt n bissel auswahl, jetzt weiß ich aber nich mehr, wie ich zurück komme zu meinen normalen/aus dem i-net gespeicherten brushes!! Und neu laden bringt nichts, dann kommt nur die nachricht, dass der brush schon in ps existiert! Was soll ich denn da machen, bzw. wie kriege ich… Read more »
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[…] Ein Beispiel für das, was wir uns vorstellen, ist der Artikel Photoshop: Die Geheimnisse der Pinsel-Palette. […]

Michael
Gast

Da ich Photoshop nur in meiner Freizeit und nicht Beruflich nutze, hat man oft nicht die Zeit und das Wissen, alle Techniken & Möglichkeiten von Photoshop zu nutzen.
Zum Glück gibt es ja solche sehr gut geschriebene Tutorials, wie hier bei drWeb ;-)
Dank an das Team.

Rike
Gast

Ungemein lehr – und hilfreiches Tutorial.
Es erklärt mir als Einsteiger viele Funktionen und zeigt neue Wege und Möglichkeiten auf.

Vielen Dank.

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[…] angenommen und auf Dr.Web.de mit “Photoshop: Die Geheimnisse der Pinsel-Palette” ein Tutorial veröffentlicht, das den Spagat schafft, in einer übersichtlichen Zusammenfassung zugleich die […]

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[…] Die Geheimnisse der Pinselpalette – Pflichtlektüre! […]

claudia
Gast

Au weia,
ich gehöre auch zu den Personen, die immer eine neue Ebene erstellen um das Objekt drehen zu können….
Und soooo einfacht geht es? Ich fasse es nicht.
Herzlichen Dank für diese super Erklärung.

Dieter Storing
Gast

Hi Freunde,
habe seit einiger Zeit den Pinsel nicht mehr als Kreis, sondern einen Pinsel.
Wie ich finde, ist der Kreis genauer zu Bedienen, jedenfalls habe ich mich daran gewöhnt. Mit der neuen Darstellung „tue“ ich mich schwer.
Wie !!! bekomme ich den Kreis wieder?
Für eine weiterführende Antwort wäre ich Ihnen sehr zu Dank verbunden.

Freundliche Grüße
Dieter Storing

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