Das Auge kauft mit: Wie das perfekte Produktfoto entsteht

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen...

Besonders für den eigenen Online-Shop gilt: das Produkt wird über die Fotos verkauft. Und dabei kommt es stark auf die perfekte Aufnahme an, die so einiges an Arbeit in der Bildbearbeitung ersparen kann. Doch welches Equipment, welches Lichtsetup ist dafür gefragt? Wir zeigen die Standards der Produktfotografie und führen in Photoshop Schritt für Schritt zu weitaus besseren Ergebnissen.

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Auch wenn die Qualität der Produkte in Textform noch so ausführlich angepriesen wird, verkauft sich das Produkt erst über das Foto. Und darüber sollten Sie die volle Kontrolle haben, von der Aufnahme bis zur Nachbearbeitung. Die nötige Studioausrüstung ist günstig wie nie und oftmals ist auch eine Bildbearbeitung schon installiert.

Produktfotografie-Schritt #1: Die Ausrüstung

Die Kamera sollten Sie während der Aufnahme auf ein stabiles Dreibeinstativ anbringen, um Unschärfen durch kleinste Bewegungen zu vermeiden, vielleicht in Kombination mit dem Timer oder einem Fernauslöser. Diese Kombination steht vor einem Tisch mit weißem Hintergrund. Manche biegen sich eine dünne MDF-Holzplatte zurecht (oder zunächst ein großes Stück weiße Pappe), so dass sich aus der waagerechten Position nach hinten heraus eine sanfte Kurve nach oben ergibt: perfekt für den wichtigen unendlichen Hintergrund (Stichwort: Infinity White Background).

Auch ein professioneller Aufnahmetisch / Fototisch oder ein Hintergrundsystem mit Studiopapier von der Rolle helfen dabei, die Grundlage für die Produkte zu schaffen. Wer keinen Schatten unterhalb der Ware sehen möchte, experimentiert mit gebogenen Plexiglasscheiben. Wichtig sind natürlich auch genügend Lichtquellen, die wir in einem eigenen Punkt besprechen.

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Photostudio equipment / Bildnummer: 68972554 / Kalabi Yau

Produktfotografie-Schritt #2: Kameraeinstellungen

Zunächst stellen Sie den Weißabgleich auf Auto. Der Blitz wird deaktiviert und die Bildgröße sowie -qualität auf die bestmögliche Stufe eingestellt. Unterstützt Ihre Kamera das Raw-Format, so nutzen Sie es auch. Starten Sie mit einem ISO-Wert von 100. Stelle die Blendenöffnung sehr groß ein (f/1,4 oder etwa f/2) und die Belichtungszeit langsam von 1/80 auf 1/4.

Nutzen Sie den Zoom (doch niemals den digitalen Zoom). Können Sie diese Werte nicht regeln, so nutzen Sie eine der Auto-Funktionen, die gut zum Produkt passt, wie etwa Makro.

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DSLR camera / Bildnummer: 225719377 / lightpoet

Produktfotografie-Schritt #3: Produkt positionieren

Ist alles aufgebaut, so wird das Produkt auf dem Tisch positioniert. Dabei setzen Sie es nah an die Kamera, auch für den nötigen Abstand zum Hintergrund, der sich nach oben wölbt. Welche Position Sie mit Ihrer Kamera einnehmen (also eher frontal oder vielleicht etwas von oben herab), entscheidet das aktuelle Produkt. Es gibt aber zahlreiche Tricks, um dieses für den Moment noch etwas schöner wirken zu lassen.

So werden Schuhe dick mit Papier ausgestopft, damit die Form gut sichtbar ist. Auch ein dünner Nylonfaden hat schon Wunder bewirkt, um unsichtbar für fast schwebende Posen zu sorgen. Sorge dafür, dass jetzt auf der Ware keine Fingerabdrücke oder Staub zu sehen sind.

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Fresh coffee / Bildnummer: 177254750 / Lostry7

Produktfotografie-Schritt #4: Licht setzen

Um die Lichtsituation bewusst steuern zu können, darf natürlich keine direktes Sonnenlicht auf das Produkt fallen. Die Schatten währen so viel zu hart. Vielmehr stehen links wie rechts vom Aufnahmetisch weitere Stative mit Studioleuchten. Deren Licht wird dank einem Schirm oder besser einer Softbox so weich gestaltet, das kaum Schatten entstehen. Von oben und etwas nach hinten gesetzt setzen Sie eine Leuchte auf einem Galgenstativ ein.

Sie formen dann mit dem Licht von den Seiten, wie räumlich das Produkt wirken soll, wobei es keine Schatten werfen darf (ganz lassen diese sich nicht entfernen, da ansonsten das Produkt überstrahlt wird).

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my small photo studio / Bildnummer: 217829275 / Jiri Vaclavek

Produktfotografie-Schritt #5: Produktfoto optimieren

Die Aufnahme wird in Photoshop geöffnet und zunächst definiert, welcher Bereich reines Weiß zeigt. Gehen Sie dazu im Menü auf Bild > Korrekturen > Tonwertkorrektur und wählen Sie aus dem Dialog das Pipetten-Werkzeug Weißpunkt aus. Klicken Sie den weißen Hintergrund an.

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Fine blue eggplant / Bildnummer: 57365998 / Yurchyks

Gehen Sie auf Filter > Camera Raw-Filter und verschieben Sie da den Regler der Belichtung bei gedrückter Alt-Taste. Die dunklen Bereiche zeigen an, wo das Foto nicht weiß ist. Verschieben Sie den Regler, um den Hintergrund komplett weiß wirken zu lassen. Diesen Schritt wiederholen wir mit dem Schwarz-Regler, um dann noch mit Tiefen und Lichter das Foto generell zu optimieren. Auch etwas Klarheit und Kontrast können nicht schaden.

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Zuletzt wechseln Sie zu den Bereich Details, um eine Schärfung umzusetzen. Dort stellen Sie den Betrag vielleicht auf 75 ein, den Radius je nach Bildgröße auf ein bis zwei und Details auf 30. Über Maskieren können Sie die flächigen Bereiche von der Schärfung ausklammer, was Sie wieder mit gedrückter Alt-Taste bei der Anwendung überprüfen können. Auch die Rauschreduzierung können Sie da einsetzen.

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Produktfotografie-Schritt #6: Produkt freistellen

Dieser letzte Schritt ist optional: nur bei Bedarf können Sie ein Produkt auch freistellen, um es gänzlich ohne Schatten auf weißem Hintergrund zu präsentieren. Für Produkte empfehle ich das Freistellen mit Pfade. Aktivieren Sie das Zeichenstift-Werkzeug und stellen Sie den Werkzeugmodus in der Optionsleiste auf Pfad ein. Weiter rechts (unter dem Zahnrad) aktivieren Sie Gummiband. Setzen Sie mit dem Zeichenstift einen ersten Ankerpunkt am Rand des Bildobjektes.

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Diesem ersten Punkt lassen Sie zahlreiche weitere Punkte folgen, immer am Rand des Bildelements entlang. An kurvigen Bereichen setzen Sie den Ankerpunkt erst nach der Kurve, halten die Maustaste gedrückt, so dass Sie die Kurve durch Bewegung der Maus passend aufziehen können.

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Nach einer Kurve möchte Photoshop eine weitere Kurve aufziehen, weshalb Sie den zuletzt gesetzten Punkt mit gedrückter Alt-Taste anklicken. Jetzt können Sie problemlos wieder eine gerade Linie anlegen. Ist der Pfad geschlossen, so drücken Sie die Strg-Taste zusammen mit der Eingabetaste. Der Pfad wird in eine Auswahl umgewandelt. Klicken Sie im Ebenenbedienfeld auf Ebenenmaske hinzufügen.

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Produktfotografie-Schritt #7: Inspirieren lassen

Nutzen Sie die Bildersuche, um sich inspirieren zu lassen. So werden Sie die unterschiedlichsten Möglichkeiten entdecken, Produkte zu fotografieren. Schmuck wird etwa gerne vor schwarzem Hintergrund aufgenommen, vielleicht mit einer Glasscheibe oder einer Acrylplatte als Untergrund, um für ansprechende Reflexionen zu sorgen. Bei Nahrungsmitteln bietet es sich an, die sterile Umgebung einer komplett weißen Fläche zu verlassen, um vielmehr eine ganze Szene passend zum Produkt zu schaffen. Auch können Produkte für weitere Aufnahmen im Detail gezeigt werden, wie etwa die Oberfläche oder besondere Anschlüsse/Logos/Buttons.

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Wie in allen Bereichen sammeln Sie durch Testen und Ausprobieren immer neuer Techniken genügend Erfahrung, um selbst problematische Produkte in Zukunft perfekt abzulichten.

(dpe)

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.

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Chrisi
Gast

Hallo Dirk,
eine wirklich sehr gute Erklärung. Ich bin selber grade auf der Suche nach guten Softboxen um eigene Produkte zu Fotografieren – hast du da gute Erfahrungswerte wie Hell die Birnen sein sollten um das Perfekte Ergebnis zu erziehen?
lg Chrisi

Dirk Metzmacher
Gast

Danke! Und je heller, desto besser! Und es kommt dann auf die Verteilung der Lichter um dein Produkt an, um es möglichst Schatten-frei auszuleuchten…

Stefan Steinbach
Dr. Web Crew

Danke für den Artikel.
Sehr schön erklärt.

Wenn ihr es erlaubt würde ich ein bisschen Werbung machen.
Wer sich bei mir auf der Seite in den Newsletter einträgt bekommt ein kleines E-Book “Produktfotos selber machen”.
Dort erkläre ich wie man mit dem Smartphone Produkte fotografiert. Equipment liste ich auch auf.
http://www.stefansteinbach.com

Schöne Grüße
Stefan

Gustaf Larson
Gast

Auch wir dürfen uns für den Artikel bedanken. Als Automobilgarage in der Schweiz haben wir bisher unsere Fotos immer von professionellen Fotografen machen lassen. Als passionierter Hobbyfotograf und mit Hilfe Ihrer Tipps, werden wir dies nun selbst in Angriff nehmen und einmal den Versucht starten. Beste Grüsse, Gustaf

Matze
Gast

Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie man Produkte mit einer Menge Know-How ins richtige Licht setzen kann. Leider bin ich in der Materie noch recht unbedarft. Kennt jemand zufällig ein gutes Einführungs-Tutorial, welches einem Schritt für Schritt erklärt, wie man ein halbwegs professionelles Produktbild erstellen kann ohne dabei auf teures Equipment setzen zu müssen? Würde mich über Tipps und Anregungen sehr freuen!

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