Cloud Computing (3): Nikolai Longolius über WebTV-Formate, HTML5, Flash und das iPad

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Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der...

CloudComputing bietet eine Reihe innovativer Geschäftsmodelle und die flächendeckende Versorgung mit Rechenpower, wovon besonders kleine und mittelständische Unternehmen profitieren. Nikolai Longolius  glaubt, das WebTV sowohl als PaidContent als auch werbefinanziert funktioniert. Beides benötigt unterschiedliche Plattformen. Mit dem Geschäftsführer von schneevonmorgen webTV GmbH sprach Frank Puscher über Cloud Computing – insbesondere WebTV-Formate sowie über Smartphone-Videos, HTML5, Flash und das iPad.

Cyber Video  – HTML5 oder Flash?

Dr. Web: Herr Longolius, Sie nutzen HTML5 für Smartphone-Videos. Warum setzen Sie auf der Web-Plattform auf Flash?


Nikolai Longolius – Foto: Frank Puscher

Longolius: Flash ist an der PolePosition sowohl was die Verbreitung als auch was die Qualität der Entwicklungsumgebung angeht. Für uns als professionelle Anbieter mit hohem Qualitätsanspruch gibt es keine Alternative. Aber HTML 5 ist ein wichtiger und richtiger Schritt, um das Thema Bewegtbild möglichst breit verfügbar zu machen. Ein solches System muss offen sein und am besten vom W3C zertifiziert.

Dr. Web: In HTML 5 haben Sie aber kein Digital Rights Management (DRM) zur Verfügung.

“Fernsehen ist anders als Musik … nicht jeder braucht DRM.”

Longolius: Das Modell von Paid Content via iTunes ist nur eine Idee unter vielen. Werbefinanziertes Fernsehen wird auch online funktionieren, da bin ich mir sicher. Aber auch wir benötigen eine Kontrolle der Ausstrahlung, zum Beispiel gegenüber Kunden wie BBC, die verlangen, dass in bestimmte Regionen nicht gesendet werden darf. Und es gibt noch den ganz offenen Bereich, dem es völlig egal ist, ob der Video-Content auf Nutzerrechnern gespeichert, per E-Mail weitergeleitet oder in Blogs eingebunden wird. Nicht jeder braucht DRM. Fernsehen ist da anders als Musik. Musik will ich besitzen.

Dr. Web: Sie glauben also daran, dass das Web zum Fernsehmedium taugt? Wird das iPad eine Veränderung des Medienkonsumverhaltens mit sich bringen?

“Die Zukunft von WebTV liegt auf Großbildschirmen im Wohnzimmer”

Longolius: Ich bin sicher, dass das iPad ein Erfolg wird und in seiner Bugwelle kommen auch andere Tablett-Lösungen wieder zurück. Dennoch glaube ich, die Zukunft von WebTV liegt eher auf den großen Flachbildschirmen in den Wohnzimmern. Da gibt es jetzt mehrere Ideen, wie die Bilder dorthin gelangen, entweder über SetTop-Boxen, über einen einfachen WLan-Dongle oder als Stream vom Notebook oder iPad. Was ich dann noch brauche, ist ein komfortabler Ersatz für Maus und Tastatur. Aber die Nachfrage nach einer neuen Idee von Fernsehen ist riesig. Das spüren wir täglich.

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iPad ebnet Weg für Tablet-PCs

Viele waren enttäuscht, dass das iPad nicht die Lücke zwischen iPhone und PC schließt. Dafür ist es eben ein echtes Schmuckstück geworden. Ich bin mir sicher, dass hier in den nächsten zwölf Monaten noch zahlreiche gute Ideen auf den Markt kommen werden. Der Weg für Tablet-PCs ist auf jeden Fall endlich geebnet.

Vorteile von Cloud Computing für WebTV

Dr. Web: Sie setzen für dctp.tv die Amazon S3-Cloud ein. Wie profitieren Sie davon?

Longolius: Kosten und Zeit beim Transkodieren der Videos, sinken drastisch. Wir sparen bis zu 80 Prozent der Rechnerkosten dadurch, dass wir sowohl das Transkodieren als auch die Auslieferung der Videostreams von der Amazon-Cloud leisten lassen. Wenn morgen ein neuer Codec angesagt ist, fahren wir mal schnell 1000 Rechner hoch und transkodieren unser bestehendes Material in wenigen Stunden neu. Zum Vergleich: Das Transkodieren einer Minute Video in HDTV benötigt derzeit rund sieben Minuten.

“Wir haben bis zu 80 Prozent der Rechnerkosten eingespart.”

Da die Rechner nur selten, dann aber in geballter Kraft benötigt werden, sparen wir uns die Leerlaufzeit. Kommt ein neuer Video-Codec ins Spiel, wird der auf einem Rechner-Image bei Amazon hinterlegt und fortan steht er in allen gestarteten Instanzen zur Verfügung. Zwölf Cent kostet die Rechnerstunde in der Elastic Cloud.

Dr Web: Dennoch müssen Ihre Mitarbeiter den Prozess permanent überwachen.

Longolius: Nein. Die Amazon-Rechner melden die fertig kodierten Dateien direkt bei unserem Dateiverwaltungssystem IVMS an und machen den Redakteuren den Weg frei, die nötigen Zusatzdaten zusammen zu stellen. Das IVMS verfügt über Seeding-Funktionen zu Drittanbietern, generiert selbständig Vorschaubilder und legt Versionsnummern an, die das Caching von Inhalten in der Cloud ermöglichen und dabei wenn möglich auch den geographischen Standort des Nutzers beachten.

Dr. Web: Spielt die Cloud noch in andern Prozessen eine Rolle?

Longolius: Auch das Ausliefern der fertigen Filme erfolgt „elastisch“. Dctp.tv nutzt zwei unterschiedliche Systeme. Die Flash-Media-Server sorgen für die Belieferung mit VideoOnDemand, wenn die Nutzer Filme aus dem Archiv wählen.


Das Content Management System wird direkt von den Cloud-Rechnern angesteuert.

Auch hier können wir nahezu beliebig viele Media-Server zuschalten, um Spitzenlasten abzufangen. Den aktuellen Lifestream steuern Server von Wowza bei, die ebenfalls in der Amazon-Wolke liegen und bei Bedarf auch extreme Zugriffzahlen stabil handhaben können. Außerdem leisten die Wowza-Server auch das Apple-eigene HTTP-Streaming für iPhone und Co.

Dr. Web: Warum machen das andere Anbieter nicht so wie Sie?

Longolius: Wir haben hier natürlich schon einiges an Know-how aufgebaut. Aber so viele Firmen mit derartigen Anforderungen gibt es auch nicht. Bisher haben wir in Deutschland vielleicht 100 Anbieter mit Streaming-Kosten über 2000 Euro im Monat.

Dr. Web: Sie setzen auf klassische Unterbrecherwerbung. Was ist mit Overlay oder InVideo-Shopping?

Longolius: Ehrlich gesagt glaube ich nicht an derartige Systeme. Beide missachten den Wert des eigentlichen Inhalts im Video und hinterlassen beim Nutzer ein ungutes Gefühl. Außerdem klickt kein Mensch auf den Anzug, den gerade ein Prominenter trägt, um ihn dann zu kaufen.

“Die Verknüpfbarkeit des Contents ist die Zukunft.”

Dr. Web: Einspruch – bei den Modeplattformen, die mit kompletten Outfits und Styles operieren, scheint es Volkssport zu sein, dass zumeist junge Damen versuchen, die Looks der Promis möglichst günstig nachzukaufen.

Longolius: Das glaube ich, doch selbst das lässt sich doch mit entsprechend verlinkten Standbildern eleganter lösen, als mit einem Klick ins Video. Die Verknüpfbarkeit des Contents ist ja auch das, was das Social Web antreibt. Ich glaube da liegt die Zukunft.

Dr. Web: Herr Longolius, danke für dieses Gespräch.

(mm),

Frank Puscher

Autor der Fachbücher "Leitfaden Web-Usability", "Flash MX-Das Kochbuch" und "Die Tricks der Internet Künstler". Frank Puscher ist nicht nur ein angesehener Autor, der für zahlreiche Fachzeitschriften tätig ist, er ist auch als Schulungsleiter und Berater erfolgreich.