Angela Merkel tritt zurück: Beweiswert von Screenshots

Letzte Woche hat es mich fast vom Stuhl gehauen. Ich bin Opfer eines Diebstahls geworden. Eines Textdiebstahls, um genau zu sein, auch wenn es juristisch tatbestandsmäßig nicht genau den § 242 StGB trifft, der die Wegnahme einer Sache im Sinne eines körperlichen Gegenstands, vulgo Diebstahl, betrifft. Es handelt sich vielmehr um eine Urheberrechtsverletzung. Zur Beweissicherung habe ich umgehend einen Screenshot angefertigt. Aber bringt das etwas in einer rechtlichen Auseinandersetzung?

Angela Merkel tritt zurück: Beweiswert von Screenshots

Wegen des Numerus clausus im Strengbeweisverfahren ist Beweis durch richterliche Inaugenscheinnahme des Screenshots anzutreten, indem die Datei vorgelegt oder übermittelt wird. Ein Screenshot ist letztlich aber nicht mehr als eine andere Form der Fotografie eines bestimmten behaupteten Zustands, die den Inhalt des Bildschirms im Zeitpunkt der Beweiserstellung manifestiert.

Zurecht hat das LG Hamburg (308 O 76/07) daher die Beweiskraft von Screenshots als unzureichend angesehen; dem Fall zugrunde lag eine Filesharing-Sache. Die Sony BMG war in dem Verfahren unterlegen, weil nach Auffassung des Gerichts Screenshots eines gewerblichen Ermittlers, denen IP-Adressen und Namen der behaupteterweise zum Filesharing angebotenen Dateien zu entnehmen waren, kein geeignetes Beweismittel für die ordnungsgemäße Durchführung der Ermittlungen gewesen sei.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Screenshot jedoch durchaus volltaugliches Beweismittel sein. In der Praxis behilft man sich damit, dass Screenshots von Rechtsanwälten erstellt werden und versichert wird, dass er zu einem konkreten Zeitpunkt an einem konkreten Ort erstellt wurde. Ob das so ist, kann gegebenenfalls durch einen Sachverständigen ermittelt werden.

Dass sich Screenshots jedoch recht einfach fälschen lassen, zeigt dieses Video, das den Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel suggeriert. Nichtsdestotrotz bin ich gegen den Contentklau vorgegangen und habe einen Kollegen beauftragt, eine Abmahnung auszusprechen, bei Urheberrechtsverletzungen hört der Spaß nämlich auf, zumal Google Duplicate Content überhaupt nicht leiden kann und man daher auch noch der Gefahr ausgesetzt wird, schlechter gerankt zu werden.

Krunoslav S. Kopp hat Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft studiert. Nach seiner Tätigkeit als Referent eines Mitglieds des Europäischen Parlaments in Straßburg und Brüssel wechselte er in den Beruf des Rechtsanwalts und vertritt seither Unternehmen und Freiberufler hauptsächlich in Angelegenheiten des IT-Rechts, Medienrechts, Urheberrechts, Markenrechts und Wettbewerbsrechts. Er berät zudem bei Unternehmensgründungen, vor allem in den Bereichen IT, eCommerce, Kommunikation, Werbung und Event. Er bloggt zu Rechtsthemen unter Digitalrecht.net.

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2 Kommentare auf "Angela Merkel tritt zurück: Beweiswert von Screenshots"

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Michael Schwarz
Gast

Das nur der Link zu meinem Video hier veröffentlicht wurde, könnte, im Zusammenhang mit Fake-News, missverstanden werden. Es ging auch bei mir um die Beweiskraft von Screenshots.

Informationsleck: Bundeskanzlerin tritt zurück
https://meingottundmeinewelt.de/2009/03/13/informationsleck-bundeskanzlerin-tritt-zurueck/

Screenshot als Beweis?
https://meingottundmeinewelt.de/2009/03/13/screenshot-als-beweis/

Martin Löhnertz
Gast

Beweissicher(er)e digital signierte Screenshots können mit Tools wie http://www.icanprove.de erzeugt werden. Durch das eingeschränkte Fernsteuern eines Browsers auf einem geschützten Rechner können nahezu alle Manipulationsmöglichkeiten ausgeschlossen werden.

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