Fotobearbeitung: 7 goldene Lightroom-Tipps für großartige Bildeffekte

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen...

Lightroom ist Adobes Favorit zum Verwalten, Entwickeln und Veröffentlichen von Bildmaterial, insbesondere der Rohdaten frisch aus der Kamera. Die Palette der Möglichkeiten zum Entwickeln der Fotos bietet uns zahlreiche kreative Umsetzungen an, von kontrastreichen Effekten, bis zu fantastischen Farbspielen. Wir zeigen gleich sieben dramatische Umsetzungen sowie Tipps und Tricks: weg vom langweiligen Schnappschuss, hin zum sehenswerten Kunstwerk.

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Lightroom-Tipp #1: Dramatischer Himmel

Es ist relativ leicht, einen Himmel dramatischer zu gestalten, wenn keine weiteren Elemente, wie etwa Bäume, Felsen oder Gebäude, im Weg stehen. Dann kannst du einfach mit der Belichtung und den weiteren Reglern spielen, um schnell zu erstaunlichen Ergebnissen zu kommen. Doch wenn der Himmel zwar abgedunkelt, weitere Bereiche aber eben nicht dunkler werden dürfen, müssen wir etwas mehr ran. Zunächst nutzen wir die Regler Lichter und Tiefen, um das Foto etwas ausgewogener wirken zu lassen.

Bei dem Weiß-Regler halte die Alt-Taste gedrückt und ziehe den Regler zur rechten Seite, bis im Schwarzen einige Punkte auftauchen. Auch bei dem Schwarz-Regler halte die Alt-Taste, ziehe den Regler aber zur linken Seite hin, bis im Weißen einige Flecken zu sehen sind. Ziehe dann die Klarheit nach oben.

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Coast of Indian ocean at sunset / #114323632 / Dudarev Mikhail

Bei dem oberen wie unteren Screenshot wird es schon angedeutet, wie du noch gezielter arbeiten kannst: mit Verlaufsfilter. Ziehe den ersten Verlaufsfilter von oben über den Himmel auf. Klicke das Wort Effekt doppelt an, um alle Regler zurück zu setzen. Spiele mit der Belichtung und dem Kontrast, bis der Himmel perfekt erscheint. Bereiche, die nicht dunkler werden dürfen im definierten Abschnitt, hebe wieder über den Tiefen-Regler hervor. Bei Bedarf ziehe einen weiten Verlaufsfilter auf, um weitere Bereiche des Bildes gezielt anzupassen, wie etwa hier die Felsen, die mir zu dunkel erschienen.

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Lightroom-Tipp #2: Kontrastreicher Farblook

Wir nehmen zunächst eine allgemeine Entwicklung vor, um die Wirkung des Bildes besser einschätzen zu können. Mehr Spaß bringt es bei dem folgenden Effekt, wenn die Aufnahme mehr Texturen zeigt denn glatte Flächen. Wir spielen also mit den Lichtern und Tiefen, erhöhen den Kontrast und die Klarheit und sehen eine gute, kühle Aufnahme, die dank einem kontrastreichen Farblook auch ganz anders wirken kann.

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A businessman / #68180437 / ollyy

Ein guter Weg, um die Regler einer Software kennenzulernen, führt über extreme Werte in den Einstellungen. So habe ich hier die Temperatur auf +20 erhöht, die Belichtung leicht zurück genommen und den Kontrast auf +25 rauf gesetzt. Die Lichter stehen auf -100, die Tiefen auf +100, Weiß auf +50, Schwarz auf -50.

Die Klarheit auf +100 und die Dynamik auf +70. Die Sättigung nimmt wieder etwas Farbe heraus, mit -30. Bei der Gradationskurve wurden noch die Lichter um +40 erhöht und die Tiefen um -40 herab gesetzt. Experimentelle Einstellungen, die zu interessanten Farblooks führen können. Zuletzt wurde das Ergebnis noch geschärft. Da der Himmel sich auch verfärbt hatte, habe ich dem mit einem Verlaufsfilter und blauer Farbe etwas entgegengesetzt.

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Lightroom-Tipp #3: Sepia-Tönung

Das Foto wird zunächst ganz allgemein optimiert. So wurde der Kontrast gesteigert, die Lichter auf -30 und die Tiefen auf +60 eingestellt. Da wir bei diesem Bild feine Texturen sehen, bietet es sich an, den Klarheit-Regler stark herauf zu setzen. Unter HSL habe ich die Blau-, Lila- und Magenta-Regler auf -100 gesetzt. Das Ergebnis wirkt recht kühl, trotzdem nicht schlecht.

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Young people against a graffiti / #108860234 / wrangler

Für eine Sepia-Tönung wechselst du zu Teiltonung und stellst den Farbton jeweils auf 50 ein. Die Sättigung wird auf jeweils 20 gesetzt. Unter Effekte aktivierst du eine Vignette mit Betrag -50, Mittelpunkt 70, Rundheit -70 und Weiche Kante 70. Auch etwas Körnung kann nicht schaden. So entsteht eine weitaus wärmere Version, mit ganz anderer Wirkung auf den Betrachter.

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Lightroom-Tipp #4: Ansprechende Porträtretusche

Für eine kleine Beauty-Retusche nutze das Werkzeug Bereichsreparatur, wobei du einfach über die Hautstellen malen kannst, die optimiert werden sollen. Lightroom setzt eine zweite Fläche an, aus der die schöne Haut kopiert wird. Passt diese Stelle noch nicht so ganz, kannst du diese durch Anklicken und Ziehen ändern. Da die Punkte zur Bereichsreparatur in Echtzeit in das Bild gerechnet werden, kannst du diese jederzeit editieren, ohne Qualitätsverluste befürchten zu müssen.

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Intimate portrait of beautiful girl / #158824367 / pio3

Nach einigen allgemeinen Optimierungen (mehr Temperatur, Kontrast und Klarheit) werden die Augen hervorgehoben. Dazu aktivierst du den Korrekturpinsel und verkleinerst die Pinselgröße. Male dann über die weißen Bereiche des Auges. Erhöhe leicht die Belichtung und nimm den Kontrast zurück. Zur Reduzierung der Adern nimmst du etwas die Sättigung heraus. Wir malen mit einem weiteren Korrekturpinsel direkt über der Pupille und erhöhen die Klarheit.

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Möchtest du die Haut noch weicher gestalten, so male mit einem weiteren Korrekturpinsel über die Haut, um dann statt Benutzerdefiniert die Vorgabe Haut weichzeichnen auszuwählen. Wie weich die Haut erscheinen soll, regelst du über den Klarheit-Regler. Auch die Lippen könntest du separat mit dem Korrekturpinsel auswählen, um sie etwa umzufärben.

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Lightroom-Tipp #5: Krasse Schwarzweiß-Umwandlung

Wir nehmen zunächst eine einfache Schwarz-Weiß-Umwandlung vor, um zu sehen, in welche Richtung wir die Aufnahme entwickeln können. Dazu stellen wir die Tiefen und Lichter ein, erhöhen die Klarheit, um dann Schwarz (nach links) und Weiß (nach rechts) mit gedrückter Alt-Taste einzustellen, bis die ersten Pixelflecken zu sehen sind. Wir wechseln zu S/W, und nutzen die Regler der einzelnen Farbbereiche, um die Schwarz-Weiß-Umsetzung ansprechend wirken zu lassen.

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Beautiful view of Doge’s Palace / #169792232 / Sailorr

Nach der Pflicht kommt die Kür: die Aufnahme wirkt jetzt schön, aber nicht so knallig, als das sie groß auffallen würde, weshalb wir für mehr Kontraste sorgen. Dazu setze mehrfach den Korrekturpinsel ein. Male über die Bereiche, die du gezielt aufhellen oder abdunkeln möchtest und stelle die Regler Belichtung, Kontrast, Tiefen, Lichter und Klarheit ein. Für jeweils einen Bereich definierst du einen eigenen Korrekturpinsel, weshalb du nach jedem Einsatz auf Neu klickst, gleich oberhalb der Regler.

Möchtest du einen Bereich doch noch einmal verändern, so klicke den entsprechenden Punkt an und editiere die Regler. Bleibst du über einem der Punkte länger stehen, so siehst du eine rote Überlagerung, die dir zeigt, welche Bereiche erfasst werden. Eine Vignette rundet diese ansprechende Schwarz-Weiß-Umwandlung schön ab.

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Lightroom-Tipp #6: Edler High-Key-Effekt

Hierfür brauchen wir natürlich ein recht helles Foto als Grundlage. Aktiviere im Histogramm in der oberen, rechten Ecke die Lichterbeschneidung. Setze jetzt die Belichtung so weit herauf, bis wichtige Bildbereiche beschnitten werden, was mit roten Flächen gekennzeichnet wird. Deaktiviere die Lichterbeschneidung. Erhöhe die Lichter und setze die Tiefen etwas herab.

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Beautiful girl model with plastic around her neck / #175650278 / Kjetil Kolbjornsrud

Wechsele zu HSL und nimm von unten nach oben die Farben stark oder weniger stark heraus. Je nach Bildinhalt kommt es da zu anderen Effekten. Ziel ist es, die Farben zu reduzieren, um das Weiß noch klarer erscheinen zu lassen. Mit der Klarheit steuerst du den Kontrast. Nutze die Gradationskurven, um über die Lichter, Mitteltöne und Tiefen den Effekt noch besser zu kontrollieren. Du siehst, dass du die Stärke der Umsetzung leicht steuern kannst.

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Lightroom-Tipp #7: Vorgaben abspeichern

Wenn dir ein eigens erstellter Bildstil gefällt, wie etwa einer der soeben vorgestellten, so lohnt es sich vielleicht, diesen als Vorgabe abzuspeichern, um in Zukunft viel Zeit zu sparen. Im Entwickeln-Bereich siehst du auf der linken Seite schon Vorgaben, die Lightroom von Haus aus mitbringt. Klicke da auf das kleine Plus-Icon, um eine neue Vorgabe zu erstellen.

Es öffnet sich das Dialog-Fenster zur Entwicklungsvorgabe, in dem du bestimmst, welche Einstellungen von der Vorgabe erfasst werden. Nutzt du einen Verlaufsfilter wie oben beschrieben, so aktiviere auch diesen Eintrag. Gib der Vorgabe einen aussagekräftigen Namen. Möchtest du nun die Vorgabe auf ein anderes Foto anwenden, so reicht ein Doppelklick auf die entsprechende Vorgabe.

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(Der Beitrag erschien erstmals am 17. April 2014 und wurde von Dirk Metzmacher geschrieben. Seitdem wird der Beitrag regelmäßig aktualisiert. Fällt dir ein Fehler oder ein Änderungsbedarf auf, wäre es nett, wenn du uns unter redaktion@drweb.de darüber unterrichten würdest.)

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.

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Andy
Gast

Vielen Dank für diesen Artikel. Ich hatte bisher noch nicht die Zeit und Muße mich mit Lightroom zu beschäftigen aber durch diesen Artikel werde ich mich über Ostern mal damit beschäftigen. Was ist denn jetzt eigentlich der große Unterschied zwischen Lightroom und Photoshop?

Dirk Metzmacher
Gast

Lightroom ist Camera RAW in der Entwicklung recht ähnlich. Wenn also jemand nur Bilder optimieren möchte, kommt er mit Lightroom klar… wer aber weitere Schritte gehen möchte, wie etwa Bildmontagen, der braucht Photoshop.

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[…] lässt sich jedoch nur mit einem Creative-Cloud-Abo von Adobe nutzen. Des weiteren muss Lightroom als Desktopanwendung  mindestens in der Version 5.4 installiert sein. Dafür ist es dann aber […]

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