Rene Schmidt 21. November 2005

Luxus Frontend: OXIDs eShop

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„ShopSoftware, die verkauft!“ – so wirbt der Hersteller OXID eSales für ein Produkt eShop. Das klingt anspruchsvoll. OXID verspricht aber nicht zuviel, denn das deutsche Produkt macht vor allem vorne herum eine gute Figur.

OXID eShop 3.0
Das Produkt eShop von OXID eSales ist eine weitere Shop-Lösung, die auf die bewährte Skriptsprache PHP setzt. Die Software läuft auf Linux und Windows. OXID setzt als Datenbank-Abstraktionsschicht ADODB ein. ADODB wiederum ist kompatibel zu allen gängigen Datenbanksystemen.

eShop ist in den Ausführungen „Enterprise“ und „Professional“ erhältlich. Die Enterprise-Version bietet zusätzlich zum Funktionsumfang der Professional-Version die Möglichkeit, mit einer zentralen Installation mehrere Onlineshops betreiben zu können.

Funktionsumfang und Preise
Die Basisversion kostet 799,- EUR netto. Sie kann bis zu 6000 Artikel verwalten. Module wie „Newsletter“, „Produktvarianten“, „Verkaufsförderung“ oder „Produkt-Bewertung“ fehlen in der Basisversion. Wer schon zum Start einige dieser Module braucht, findet mit dem 2.995 EUR teuren „Professional-Bundle“
ein interessantes Angebot: alle Module im Wert von insgesamt über 7000 EUR sind darin enthalten. Schon hier wird deutlich: angehende OnlineShop-Besitzer sollten sich ihrer Sache schon sicher sein.

Die Enterprise-Variante schlägt ein 8900 Euro netto zu Buche. Immerhin ist die Anzahl der Produkte nicht mehr begrenzt und die vier Module aus dem „Professional-Bundle“ sind bereits enthalten. Zusätzliche Module sind von Drittanbietern und von OXID selbst erhältlich. Unter den von OXID angebotenen Modulen sind einige interessante Spezial-Produkte, die allerdings auch ihren speziellen Preis haben. So kostet die DTAUS-Schnittstelle zum automatisierten Bankeinzug per Lastschrift 199 Euro.

Besonders wichtig für Shop-Betreiber ist das Modul „Verkaufsförderung“. Es kostet einzeln 399 Euro netto und ermöglicht es, Produkte über ein Attributsystem miteinander zu verknüpfen. Zeitraubende manuelle 1:1-Verknüpfungen entfallen somit. Daneben bietet das Modul auch Produktempfehlungen („Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, haben auch jenen gekauft“).

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Das Installationsskript führt den Anwender Schritt für Schritt

Installation
Die Installation ist unkompliziert. Die Demoversion muss nur auf den Webserver geschoben und entpackt werden. Danach kann das Setup-Skript aufgerufen werden. Die Installation erfolgt dann dialogbasiert. Zu beachten ist allerdings, dass der kostenlose Zend Encoder benötigt wird, weil der eShop-Kern damit verschlüsselt ist. Entwickler, die eigene Module entwickeln und anbieten wollen, können eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA, non-disclosure agreement) mit OXID abschließen und erhalten dann Zugriff auf den Quellcode. Die Software ist aber nicht direkt „OpenSource“ im eigentlichen Sinn wie auf der Website zu lesen ist, sondern basiert zum großen Teil auf freier OpenSource-Software.

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Demo-Shop

Frontend
Die „Verkaufsfläche“ wird über die HTML-Template-Engine Smarty verarbeitet. Smarty wird in vielen Web-Applikationen eingesetzt und hat sich schon fast als Quasi-Standard etabliert. eShop ist durch Smarty sehr individuell anpassbar.

Die von OXID unabhängige Website TemplateScout bietet kostenpflichtige eShop-Vorlagen an. Sie unterscheiden sich im wesentlichen aber nur durch andere Farbgebung und Kopfgestaltung. Das Layout ist immer gleich, so dass die Gefahr besteht, nur den optischen Klon einer anderen Website zu eröffnen, wenn die Vorlage nicht noch weiter individualisiert wird. Die seltsame Preisgestaltung des Anbieters ermöglicht es Kunden, eine Vorlage sehr kostengünstig *exklusiv* zu nutzen. Die nicht-exklusive Nutzung einer Vorlage kostet im Schnitt 180 EUR, die exklusive Nutzung ist mit 300 EUR äußerst günstig.

Die Warenkorb-Funktionen sind vorbildlich: Eine Produktbild-Vorschau wird angezeigt, die Produktmenge kann direkt im Warenkorb geändert werden. Der Inhalt des Warenkorbs ist zu jedem Zeitpunkt sichtbar. Weitere Absatz fördernde Funktionen wie Produktvergleiche und virtuelle Wunschzettel heben den eShop aus dem Durchschnitt heraus. Allerdings müssen diese Extrafunktionen teilweise durch teure Zusatzmodule hinzugekauft werden. Die Wunschzettel aus dem Modul „Wünschen und Schenken“ kosten zum Beispiel 259 EUR netto. Im Preis des Moduls inbegriffen sind auch Funktionen, mit denen (echte) Grußkarten ausgefüllt und Geschenkverpackungen berechnet werden können.

Sehr gut gelöst ist auch die Suchfunktion. Suchergebnisse zeigen Produkt-Vorschaubilder an, so dass ein direkter visueller Bezug zum Produkt hergestellt wird. Kunden können die Liste nach Preis oder Produkttitel sortieren und direkt vor Ort Produkte in den Warenkorb legen. Besser geht es eigentlich nicht mehr.

Backend
Das Backend verbreitet den spröden Charme sowjetischer Technik: nicht schön, aber robust und funktional. Leider wird offenbar nur der Retro-Webbrowser Internet Explorer 6 richtig unterstützt. Die Programme Konqueror 3.4.3, Firefox 1.0.7/1.5RC3, und Opera 8.5 haben Darstellungsprobleme oder können den eShop-WYSIWYG-Editor nicht darstellen, was zu Usability-Problemen führen kann. So sind im Firefox in der Artikelansicht die Bearbeitungsfunktionen nicht sichtbar, wenn die Artikelliste eine bestimmte Größe erreicht hat. Dieser Fehler ist bereits mit den Demo-Shopinhalten sichtbar, kann aber durch entsprechende Konfiguration behoben werden.

Ein integriertes Content Management System hilft, ganze Seiten oder Text-Schnippsel zu verwalten. Eine externe Lösung dafür könnte damit überflüssig sein – aber nur, wenn nicht mehr als nur rudimentäre Funktionen benötigt werden.

Ein detailliertes Rechtesystem existiert nicht. Aufgaben sind so kaum vernünftig zu delegieren. Um wirklich in die Enterprise-Klasse vordringen zu können, bedarf es noch einiger Entwicklungsarbeit.

Fazit
eShop ist ein sehr interessantes deutsches Produkt mit breitem Funktionsangebot, welches durch die PayPal-Anbindung und Schnittstellen zu Lexware Faktura und Online-Marktplätzen abgerundet wird. Das Frontend ist eShops Stärke, das Backend der Schwachpunkt der Software. Dessen Funktionsumfang und „Usability“ können nicht recht überzeugen. Außerdem ist die Software nicht ganz billig – das Preis-Leistungsverhältnis der Professional-Version ist aber angemessen.

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Erstveröffentlichung 21.11.2005

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