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Dieter Petereit 2. Mai 2018

Long Scrolling: So geht Seiten-Design heute

Der Vorspann eines jeder Star-Wars-Movies macht es vor. Die Geschichte scrollt in die Unendlichkeit. Die Timelines sozia­ler Medien funk­tio­nie­ren ähn­lich. Wieso soll­te es dei­ne Website nicht eben­so tun? Was es beim Einsatz von Long Scrolling zu beach­ten gibt, erfährst du im fol­gen­den Beitrag.

Scrolling früher und heute

Früher war alles ein­fa­cher. Scrolling gab es da auch schon, wir beweg­ten uns mit der Maus eine Seite hin­un­ter und meis­tens auch wie­der hin­auf, klick­ten im Menü oder über einen Contentlink die nächs­te Seite an und wie­der­hol­ten das Spiel. Wobei im dama­li­gen Webdesign noch ver­sucht wur­de, das Scrolling ins­ge­samt zu ver­mei­den.

Heutzutage ist alles kom­pli­zier­ter. Speziell die sozia­len Netzwerke haben dazu bei­getra­gen, dass mehr Content auf weni­ger Seiten unter­ge­bracht und dadurch natur­ge­mäß mehr Inhalt pro Seite ange­zeigt wird.

Das Konzept des „Above the Fold”, für das ich Ende der Neunziger teils tage­lang an ein­zel­nen Seiten geschlif­fen habe, damit auf jeden Fall alle wich­ti­gen Informationen beim initia­len Aufruf einer Seite voll­stän­dig und ohne Scrollbars rechts und unten sicht­bar waren, hat an Bedeutung ver­lo­ren. Heute ist der Fold, also die unte­re sicht­ba­re Kante einer Seite nach deren ers­tem Aufruf, haupt­säch­lich der Indikator dafür, dass danach noch etwas kommt.

Das „Long Scrolling” die­ser Offset-Druckmaschine ist nicht gemeint. Obwohl unse­re Designansätze durch­aus etwas mit Zeitungen zu tun haben. (Foto: Depositphotos)

Neben den sozia­len Medien begüns­ti­gen mobi­le Endgeräte den Trend hin zum Long Scrolling, denn es ist nahe­zu unmög­lich, das frü­he­re Konzept des „Above the Fold” für mobi­le Geräte zu rea­li­sie­ren. Viel zu klein sind die Screens. Die erfor­der­li­chen Kompromisse wären schlicht nicht zu machen.

Smartphones haben Scrolling sozu­sa­gen wie­der salon­fä­hig gemacht. Auf klei­nen Screens ist es weit­aus ange­neh­mer, mit dem Finger eine lan­ge Seite zu durch­scrol­len, als mit spit­zen Fingern die Navigation zu bemü­hen, um von Seite zu Seite zu sprin­gen. Die Natürlichkeit der Scroll-Geste erlaubt zudem unter­schied­li­che Scroll-Geschwindigkeiten. So kennst du es vom geziel­ten Durchblättern eines Buches. Vorausgesetzt, der Autor hat opti­sche Anker zur Orientierung gesetzt, lässt sich ein Buch sehr schnell nach rele­van­ten Informationen durch­scan­nen.

Der Trend hin zum Scrolling hat in den ver­gan­ge­nen Jahren die so genann­ten OnePager her­vor­ge­bracht. Dabei han­delt es sich um Websites, die nur aus einer ein­zel­nen Seite bestehen und alle rele­van­ten Informationen struk­tu­riert über die­se Seite ver­tei­len. Dabei kön­nen OnePager optisch durch­aus den Eindruck erwe­cken, sie wür­den aus meh­re­ren Seiten bestehen.

Die verschiedenen Arten des Scrolling

Scrolling ist mitt­ler­wei­le kei­ne tri­via­le, aus der nor­ma­ti­ven Kraft des Faktischen ent­ste­hen­de Tätigkeit mehr. Vielmehr kön­nen wir uns als Designer bewusst ent­schei­den, wel­che Art von Scrolling wir zum Einsatz brin­gen.

Long Scrolling wird unter­schied­lich inter­pre­tiert. Deshalb will ich erst­mal den Begriff in Abgrenzung zu ande­ren Termini defi­nie­ren.

Long Scrolling in sei­ner Urform bezeich­net schlicht eine lan­ge Seite mit Content, die homo­gen auf­ge­baut ist und von oben nach unten durch­scrollt wird. So betrach­tet kön­nen wir Long Scrolling durch­aus als Oberbegriff ver­ste­hen.

Das Fixed Long Scrolling ist eine Variante des Long Scrolling, bei der ein­zel­ne sta­ti­sche Elemente nicht mit­scrol­len. Es ver­bin­det den Vorteil der frü­he­ren sei­ten­ori­en­tier­ten Gestaltung mit dem des sei­ten­lo­sen Scrolling.

Infinite Scrolling wie­der­um bezeich­net eine Form des Long Scrolling, bei der am Ende des Viewport, also des sicht­ba­ren Browserfensters, immer wie­der neu­er Content nach­ge­la­den wird, so dass die Seite qua­si unend­lich, infi­nit erscheint. So funk­tio­nie­ren alle sozia­len Netzwerke. Inwieweit das die rich­ti­ge Wahl für nor­ma­le Websites ist, bedarf gründ­li­cher Abwägung.

Zu guter Letzt will ich noch das Parallax Scrolling erwäh­nen, das aller­dings kei­ne Unterform des Long Scrolling dar­stellt. Beim Parallax Scrolling geht es viel­mehr um den Aspekt des Storytelling durch natür­lich wir­ken­de Animation. Durch unter­schied­lich schnell scrol­len­de Teilbereiche der glei­chen Seite wird die Illusion von Bewegung erzeugt. Hierdurch wer­den sehr leben­di­ge Gestaltungen mög­lich. Das Scrolling muss hier auch nicht ver­ti­kal sein, son­dern funk­tio­niert meist sogar bes­ser als hori­zon­ta­le Variante. Um das Parallax Scrolling wird es in die­sem Beitrag nicht im Einzelnen gehen.

Vorteile des Long Scrolling

Einen der wesent­li­chen Vorteile des Long Scrolling habe ich wei­ter oben schon beschrie­ben. Long Scrolling ist die natür­li­che Form des Scrollens auf mobi­len Geräten. Die eta­blier­ten Gesten, die kei­ner spe­zi­el­len Schulung bedür­fen, erlau­ben eine intui­ti­ve und selbst­ver­ständ­li­che Nutzung die­ser Funktion. Zudem besteht qua­si ein Automatismus im respon­si­ven Webdesign, der sich mit „je klei­ner der Bildschirm, des­to län­ger muss gescrollt wer­den” zusam­men­fas­sen lässt.

Ein wei­te­rer Vorteil ergibt sich direkt aus der Tatsache, dass sozia­le Netzwerke eben­falls mit Long Scrolling arbei­ten. Wir alle sind es inzwi­schen ein­fach gewohnt und erwar­ten im Grunde nichts ande­res mehr. Das war vor zehn bis fünf­zehn Jahren noch völ­lig anders. Aus die­ser Zeit stam­men die alten Erkenntnisse zum „Above the Fold”.

Der aus Designersicht größ­te Vorteil des Long Scrolling besteht indes dar­in, dass sich dadurch das Potenzial für Visual Storytelling deut­lich erhöht. Es ist ja klar, dass ein län­ge­rer Erzählstrang, der noch dazu homo­gen durch­lau­fen wer­den kann, auch län­ge­re Geschichten erlaubt.

Eines der unge­wöhn­lichs­ten Beispiele für Visual Storytelling mit­tels Long Scrolling dürf­te wohl The Boat sein. (Screenshot: D. Petereit)

Nachteile des Long Scrolling

Wo es Vorteile gibt, gibt es auch Nachteile. Viele las­sen sich besei­ti­gen. Mach dich aber auf Arbeit gefasst.

Die Suchmaschinenoptimierung wird schwie­ri­ger

Wenn du schon län­ger als Kreativschaffende(r) in den Weiten des Netzes unter­wegs bist, wirst du womög­lich direkt an das Thema SEO den­ken. Und in der Tat gibt es typi­sche Probleme, die ein OnePager mit sei­nem Long Scrolling und sei­nem Ansatz, alles auf einer Seite zu zei­gen, unwei­ger­lich mit sich bringt.

OnePager erschwe­ren klar die Onpage-SEO. Wir haben ja nun alle inzwi­schen gelernt, dass wir unse­re Seiten für ein opti­ma­les Ranking gut auf vor­her zu defi­nie­ren­de Keywords opti­mie­ren müs­sen. Und nun hast du auf einem OnePager plötz­lich nur eines, wo du auf einer Seitenstruktur mit meh­re­ren Unterseiten noch meh­re­re gehabt hät­test. Du hast nur noch einen Title, eine Description und eigent­lich auch nur eine Überschrift ers­ter Ordnung. Da du aber typi­scher­wei­se auch auf einem OnePager meh­re­re Themen behan­delst, wird die Optimierung schwer.

Relevanz soll eigent­lich der Schwerpunkt sein, nach dem Google eine Seite bewer­tet und rankt. Wie rele­vant kann dei­ne Seite für ein bestimm­tes Thema sein, wenn sie vie­le unter­schied­li­che Themen inner­halb der glei­chen Seite abdeckt?

Eine kom­ple­xe­re inter­ne Linkstruktur, eben­falls gern gese­hen von Google und Co., kannst du mit einem OnePager typi­scher­wei­se nicht bie­ten. Das macht es zusätz­lich schwer, kon­ti­nu­ier­lich exter­ne Links zu akqui­rie­ren, also das klas­si­sche Linkbuilding zu betrei­ben.

Eingesetztes JavaScript, etwa für Lazy Loading oder ande­re Auflockerungen, kann den Crawler blo­ckie­ren, sodass er dei­nen OnePager gar nicht voll­stän­dig inde­xiert. Ohne Indexierung indes kann dein Inhalt auch nicht gefun­den wer­den.

Ein wei­te­rer SEO-Nachteil kann dadurch ent­ste­hen, dass dei­ne Seite ten­den­zi­ell län­ger benö­tigt, um zu laden. Performance ist immer­hin seit gerau­mer Zeit ein Rankingfaktor.

Long Scrolling mit allen Schikanen: Navigating Responsibly. Beachte die Navigationshelfer an der rech­ten Seite. (Screenshot: D. Petereit)

Die Benutzerführung wird schwie­ri­ger

Typischerweise fin­den wir heut­zu­ta­ge Navigationselemente ent­we­der im Header oder im Footer oder auch in bei­den Elementen. Ein Design, das sich am Konzept des „Above the Fold” ori­en­tiert, belässt sowohl den Header als auch den Footer stets sicht­bar oder beein­träch­tigt deren Visibilität jeden­falls nur mar­gi­nal.

Wenn wir auf Long Scrolling set­zen, ver­schwin­det der Header zwangs­läu­fig sehr schnell aus dem Blickfeld, wäh­rend der Footer erst ganz am Ende der Seite erscheint. Zwischendrin ist der Leser in Gottes Hand – er hat kei­ne Möglichkeit der Navigation, abge­se­hen von der Option, nach unten oder oben zu scrol­len. Beim Infinite Scrolling sehen wir den Footer sogar nie.

Wenn tat­säch­lich meh­re­re Themen inner­halb einer ein­zel­nen Seite abge­ar­bei­tet wer­den und nur durch Scrolling erfahr­bar sind, wird es dei­nen Lesern schnell schwer fal­len, zu erken­nen, wo sie sich gera­de befin­den und wo ein Thema endet und ein neu­es beginnt. Das Problem ver­schärft sich noch, wenn wir beden­ken, dass der heu­ti­ge Leser eher absatz­wei­se scannt als wort­wei­se liest.

Nicht zu unter­schät­zen ist auch die Langeweile, die durch lan­ges Scrollen ent­steht. Weite Wege mag halt ten­den­zi­ell kei­ner zurück­le­gen. Ich wet­te, auch ihr habt frü­her eure Eltern auf der Fahrt in den Urlaub nach den ers­ten fünf Kilometern gefragt „Mama, sind wir bald da?”.

Fitbit, der Anbieter mei­nes täg­li­chen Begleiters, der Ionic, arbei­tet mit einem seg­men­tier­ten Long Scroller, der sich aus­schließ­lich sei­ten­wei­se scrol­len lässt, und zwar über den unten mit­tig gezeig­ten Pfeil nach unten. Maus und Tastatur funk­tio­niert natür­lich auch. Kann man machen. (Screenshot: D. Petereit)

So setzt du Long Scrolling richtig ein

Nachdem die Nachteile klar auf der Hand lie­gen, schau­en wir genau­er hin und ent­wi­ckeln Strategien, damit umzu­ge­hen. Denn die gute Nachricht ist, dass du nahe­zu jeden Nachteil mit etwas zusätz­li­cher Arbeit besei­ti­gen kannst.

SEO im Long Scrolling

Hinsichtlich des SEO-Themas gilt es, noch wei­ter zu dif­fe­ren­zie­ren. Nicht immer wird Long Scrolling auch mit einem OnePager zu über­set­zen sein. Verwendest du Long Scrolling haupt­säch­lich für Visual Storytelling, dann ent­ste­hen die wei­ter oben genann­ten Nachteile mit gro­ßer Wahrscheinlichkeit gar nicht erst. Immerhin erzählst du hier eine homo­ge­ne Geschichte auf einem Canvas, der genau­so lang ist, wie er zu die­sem Zweck sein muss. Das ist eigent­lich ide­al unter SEO-Gesichtspunkten.

Finden sich auf dei­ner Long-Scrolling-Strecke hin­ge­gen tat­säch­lich ver­schie­de­ne Themen oder han­delt es sich doch um einen OnePager, wird es inter­es­sant. Das Stichwort heißt Segmentierung.

Wir unter­tei­len unse­ren Inhalt in Segmente. Das kann über DIV-IDs gesche­hen, deren Bezeichnung du am bes­ten deckungs­gleich zum Ankerlink wählst. Jedes Segment kann vom Seitenanfang aus ange­sprun­gen wer­den. Dafür ver­wen­dest du Ankerlinks, denn Ankerlinks sind SEO-Signale und wer­den von den Suchmaschinen aus­ge­wer­tet. Ein wei­te­rer Vorteil der Anker-Links besteht dar­in, dass sie auch von extern direkt erreich­bar sind, was das Linkbuilding unter­stützt.

Jedes Segment stat­ten wir mit einer Überschrift ers­ter Ordnung, also einem H1 aus – das wider­strebt dir mög­li­cher­wei­se, weil eigent­lich die Regel gilt, so weni­ge H1 wie mög­lich, am bes­ten nur eine pro Seite, zu set­zen. Lass dich vom ehe­ma­li­gen Google-Verantwortlichen für die­ses Thema, Matt Cutts, beru­hi­gen:

Was nun die Relevanz betrifft, ist es tat­säch­lich schwer, ein ver­nünf­ti­ges Ranking zu errei­chen, wenn du zu vie­le unter­schied­li­che Themen auf einer Seite unter­bringst. Handelt es sich aber um eine Seite mit einem Oberbegriff, der im wei­te­ren Seitenverlauf dann in klei­ne­re, ver­dau­li­che­re Häppchen unter­teilt wird, um ihn erschöp­fend zu behan­deln, ist ein gutes Ranking wenigs­tens mög­lich. **

In die­sem Falle kommt es dar­auf an, den Inhalt so lese­freund­lich wie mög­lich auf­zu­be­rei­ten und zu ver­su­chen, sich best­mög­lich in die Zielgruppe hin­ein­zu­ver­set­zen. Wie wird der durch­schnitt­li­che Leser vor­aus­sicht­lich an das Thema her­an­ge­hen? Wenn es gelingt, ein Thema best­mög­lich zu bear­bei­ten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dies sei­tens der Suchmaschinen hono­riert wird.

Benutzerführung im Long Scrolling

In der Benutzerführung ent­ste­hen etli­che Nachteile, die wei­ter oben bereits iden­ti­fi­ziert wur­den.

Das Verschwinden von Header und Footer ist kein unver­meid­ba­rer Fakt. Es ist rela­tiv unkom­pli­ziert tech­nisch mög­lich, den Header sti­cky, also beim Scrollen mit­wan­dernd, zu gestal­ten. So blie­be der Header stän­dig sicht­bar, eure Nutzer müss­ten nicht erst ganz nach oben scrol­len, um wie­der Navigationsmöglichkeiten zu erhal­ten.

In jün­ge­rer Zeit setzt sich der Sticky-Header eher in einer Mischform durch. Der Header bleibt zunächst sicht­bar sti­cky, ver­schwin­det dann aber beim wei­te­ren Scrollen voll­stän­dig, so dass beson­ders auf mobi­len Geräten mehr Platz für den Konsum des eigent­li­chen Inhalts bleibt. Versucht der Nutzer dann, wie­der nach oben zu scrol­len, erscheint der Header sofort am obe­ren Screen-Rand, als wäre er nie weg gewe­sen.

Zu beden­ken ist dabei zudem, ob du über­haupt einen stän­dig oder wenigs­tens schnell sicht­ba­ren Header benö­tigst. Was bie­tet dein Header wich­ti­ges, das du ihn unbe­dingt im Zugriff des Nutzers hal­ten möch­test? Hier bei Dr. Web haben wir den Sticky Header wie­der besei­tigt, denn uns ist auf­ge­fal­len, dass unse­re Leserinnen und Leser ihn nicht brau­chen. Klar ist es unter dem Gesichtspunkt der Eitelkeit schön, das eige­ne Logo per­ma­nent im Blick des Users zu las­sen. Benutzt haben unse­re Nutzerinnen und Nutzern weder den Sticky, noch den Header über­haupt. Zugriffe erfol­gen aus den sozia­len Medien oder aus den Suchmaschinen. Navigation hal­ten wir qua­si haupt­säch­lich für Google vor ;-)

Auch der Footer lässt sich sti­cky anle­gen. In den meis­ten Fällen dürf­te das aber eher uner­wünscht sein. In glei­cher Weise wie beim Header lässt sich natür­lich auch der Footer zum Verschwinden und auto­ma­ti­schen Auftauchen brin­gen. Die Frage ist, ob das erfor­der­lich ist. Bei ent­spre­chen­der Konzeption der Informationsarchitektur dürf­te es rela­tiv unpro­ble­ma­tisch sein, auf einen Footer, der sich vor dem Seitenende zeigt, kom­plett zu ver­zich­ten.

Generell ist auch die Visualisierung der Möglichkeit, nach oben zu scrol­len, eine gute Idee. Ein unmiss­ver­ständ­li­ches Piktogramm für ein „Back to Top”, also zurück zum Seitenbeginn, soll­te auf jeder Long-Scrolling-Seite vor­han­den sein. WordPress-Seitenbetreiber soll­ten sich dies­be­züg­lich ein­mal das belieb­te Plugin WPFront Scroll Top anse­hen, das hier bei Dr. Web eben­falls im Einsatz ist.

Ich möch­te an die­ser Stelle das Thema Segmentierung noch­mal auf­grei­fen. Diese Segmentierung kön­nen wir näm­lich im Design ent­spre­chend reflek­tie­ren. Es wäre mög­lich, neben der Hauptnavigation etwa eine seit­lich ange­brach­te Nebennavigation anzu­bin­den, die direkt zu den ein­zel­nen Segmenten ver­linkt und dabei sti­cky bleibt, ohne den knap­pen Screen-Platz nen­nens­wert zu beein­träch­ti­gen. Apple hat das vor Jahren mal vor­ge­führt.

Das Design-Framework Slides ent­hält Templates, die die­se seit­li­che Navigation ein­set­zen, die zu den ein­zel­nen Seitensegmenten führt. (Screenshot: D. Petereit)

Dabei ist es güns­tig, wenn die Zahl der Navigationspunkte zum einen die Zahl der Segmente wider­spie­gelt und zum ande­ren nicht zu vie­le Segmente auf die­se Weise visua­li­siert wer­den müs­sen. Das Ziel ist schließ­lich Übersichtlichkeit. So kom­men wir zu einer gera­de­zu natür­li­chen Begrenzung unse­rer Seitenlänge.

Ebenfalls emp­feh­lens­wert ist es, wenn die Piktogramme dem Leser anzei­gen, in wel­chem Segment er/sie sich gera­de befin­det. Das sorgt für die Möglichkeit der Standortbestimmung und ver­mit­telt eine Ahnung vom Gesamtumfang der besuch­ten Seite.

Noch ein­fa­cher wird es für dei­ne Leser, wenn du die ein­zel­nen Segmente gra­fisch von­ein­an­der abgrenzt. Schön ist es, wenn ein Segment stets so lang wie der sicht­ba­re Bereich des Browsers ist. So ent­steht der Eindruck einer sei­ten­ori­en­tier­ten Darstellung, was wie­der­um der Übersicht dient.

Gleichzeitig sorgt gestal­te­ri­sche Variation für das Vermeiden von Langeweile. Neben der vari­an­ten­rei­chen Gestaltung lässt sich Langeweile durch par­al­la­xe Elemente oder funk­tio­na­le Animationen ver­mei­den. Funktionale Animationen unter­stüt­zen die UX einer Seite, typi­sche funk­tio­na­le Animationen geben Feedback. So könn­te Content sich beim Scrollen etwa sicht­bar ent­fal­ten oder auf sons­ti­ge Weise in den Viewport bewe­gen, Bilder sich zu einer Galerie arran­gie­ren und vie­les mehr.

Setzen wir Lazy Load ein, ist es wich­tig, den Ladevorgang zu visua­li­sie­ren, denn nicht immer wird die Netzverbindung schnell genug sein, um eine spür­ba­re Verzögerung zu ver­mei­den. Meine ganz per­sön­li­che Empfehlung aller­dings lau­tet, auf Lazy Load ganz zu ver­zich­ten. Selbst bei medi­en­in­ten­si­ven Seiten, bei denen das Nachladen noch am ehes­ten Sinn erge­ben könn­te, erfolgt mei­ner Erfahrung nach das Nachladen immer einen Ticken zu spät. So ent­steht das Gefühl einer lang­sam laden­den Seite, was zum Eindruck einer nicht pro­fes­sio­nel­len Gestaltung bei­trägt.

Fazit: Long Scrolling ist praxistauglich, aber verursacht Mehrarbeit

Eines ist im Verlauf die­ses Beitrags sicher­lich deut­lich gewor­den: Seiten mit einem Long-Scrolling-Ansatz bedeu­ten ten­den­zi­ell mehr Arbeit als klas­si­sche Designkonzepte. Das gilt zumin­dest dann, wenn mit dem Long Scrolling auch der Verzicht auf mehr­sei­ti­ge Designs ein­her­geht.

Falls aber der Long Scroller bloß eine Seite unter meh­re­ren ist, über­wie­gen die Vorteile, vor allem mit Blick auf Visual Storytelling. Lange Geschichten las­sen sich nun mal bes­ser auf lan­gen Seiten und nicht gestü­ckelt erzäh­len. Hier kön­nen dann par­al­la­xe Effekte und ande­re Animationen das Storytelling wei­ter per­fek­tio­nie­ren.

Es gibt übri­gens ein Framework aus dem Hause Designmodo, mit des­sen Hilfe du Long Scrolling im Baukasten-System rea­li­sie­ren kannst. Schau dir die Produkt-Website an. Sie wur­de eben­falls mit dem Framework, das auf den Namen Slides hört, erstellt und zeigt eini­ge der hier erwähn­ten Best Practices. Keine Sorge, das ist kei­ne Schleichwerbung, son­dern ledig­lich der Hinweis auf ein gutes Beispiel.

Weitere Quellen zum Thema

(Bildnachweis Artikelbild: Depositphotos)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

7 Kommentare

  1. Diese Endlosseiten bie­ten star­ke Möglichkeiten für die Suchmaschinenoptimierung. Wer zwei­felt, soll­te es ein­fach mal aus­pro­bie­ren.

  2. Sehr inter­es­san­ter Artikel !! Im Rahmen unse­res Studiums sind wir gera­de dabei, eine SEO Optimierung durch­zu­füh­ren. (http://mannbronner-logistikinformatik-hhn.azazilla.com/) Wie auch im Impressum erwähnt, han­delt es sich hier­bei nur um eine Seite zu Lehrzwecken. Wir wür­den uns aber trotz­dem unheim­lich freu­en, wenn ihr vor­bei­schau­en wür­det, uns ver­lin­ken wür­det oder auch Hilfestellungen geben könnt, was wir noch bes­ser machen kön­nen.

    LG

  3. Ich kann gar nicht in Worte fas­sen, wie mich die­ses Long Scrolling nervt! Der Trend ist wie so oft nur selbst­er­nannt und jeder Depp quatscht und macht es sinn­frei nach. Ganz beson­ders schlimm, wenn die Damen und Herrn Pseudodesigner, Links wie Impresum, Hilfe und ähn­li­ches, in die nie zu errei­chen­de Fußnote packen.

  4. hal­li­hal­lo _ des­we­gen hab ich sogar auf navi­ga­ti­on und logo ver­zich­tet! har har http://www.leifswork.at und seo? ach ich werd trotz­dem irgend­wie gefun­den! dafür machts spass, jede posi­ti­on anders anzu­ord­nen! no grid no cry!!!

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