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Dieter Petereit 4. Oktober 2013

LightZone: Kostenloses Fotolabor ersetzt Adobe Lightroom perfekt

Wenn Sie eine Reihe von Allerwelts-Manipulationen an einem gan­zen Rutsch von Fotos auf einen Schlag vor­neh­men wol­len, dann wer­den Sie in der Regel nicht Photoshop dafür anwer­fen. Für die­sen Anwendungsbereich wer­den Ihnen die Leute, die im Adobe-Universum behei­ma­tet sind, Lightroom emp­feh­len. Schon vor einer gan­zen Weile stell­ten wir Ihnen hier das kos­ten­lo­se und durch­aus sehr gute Konkurrenzprodukt Darktable vor. Heute möch­ten wir Ihnen indes eine noch bes­se­re Lösung vor­stel­len. Das vor­mals kom­mer­zi­el­le, nun unter BSD-Lizenz kos­ten­lo­se LightZone wird Sie begeis­tern und ist dabei anders als jedes ande­re Werkzeug sei­ner Art.

lightzone_browsewindow

LightZone: Nicht destruktive, zonen-basierende Manipulationen

Wer schon mal mit Fotoeditoren gear­bei­tet hat, der trifft auf immer die glei­chen Bedienschritte und Featuresets. Bei den bes­se­ren Lösungen arbei­tet man mit Ebenen, Reglern für Kontrast und Helligkeit, sowie vie­len wei­te­ren Reglern, Masken kön­nen gemalt wer­den, Farbräder ste­hen zur Verfügung, Gradationskurven pas­sen das Bildspektrum an – Standards halt.

Die Manipulation eines Bildes zer­stört dabei im Regelfall das Original. Will man das ver­hin­dern, arbei­tet man ent­we­der mit einem Duplikat oder erstellt Ebenenkopien, auf die man her­nach die Werkzeuge anwen­det. Letzteres dürf­te zum häu­figs­ten Vorgehen zäh­len, ich jeden­falls mache es immer so.

In Photoshop gibt es mit den Einstellungsebenen ein rela­tiv neu­es Konzept, das es eben­falls ermög­licht, Filter, Effekte, Anpassungen direkt auf die­se eine Einstellungsebene anzu­wen­den und meh­re­re davon qua­si foli­en­ar­tig zu sta­peln. Adobe Lightroom hat die­ses Konzept lei­der nicht geerbt. Hier geht es etwas erdi­ger zu.

LightZone bie­tet eine radi­kal ande­re Herangehensweise. Gradationskurven kennt das Tool nicht, auch kei­ne Knöpfe oder Schieberegler für Kontrast, Helligkeit oder ande­re Parameter. Stattdessen lebt LightZone vom Konzept der soge­nann­ten Zonen. Jedes Foto wird in 16 Zonen unter­teilt. Eine Zone reprä­sen­tiert stets einen Bereich, des­sen Helligkeit um 50% vom Vorgänger und Nachfolger abweicht. So kön­nen Manipulationen pass­ge­nau­er auf homo­ge­ne Bereiche ange­wen­det wer­den.

Unterhalb des soge­nann­ten Zone Finder, der eine gra­fi­sche Übersicht der Unterteilung zeigt, befin­det sich der “Zone Mapper”. Durch Schieben und Ziehen an den ein­zel­nen Zonen im Mapper, hellt man das Bild auf oder dun­kelt es ab. Man kann auch meh­re­re Zone Mapper über­ein­an­der sta­peln und so etwa Helligkeit und Kontrast sepa­rat ver­än­dern.

lightzone_zonemapper

Apropos sta­peln, LightZone sta­pelt gene­rell alls Bearbeitungsschritte über­ein­an­der. Dabei geht es chro­no­lo­gisch vor. Alle Manipulationen erfol­gen kom­plett non-destruk­tiv und kön­nen sogar durch Umsortieren zu ande­ren Gesamteindrücken füh­ren. Das Schließen eines gesta­pel­ten Schritts macht des­sen Effekt rück­gän­gig. Das ist schon eine ziem­lich ein­zig­ar­ti­ge Herangehensweise, die jeden­falls eine gewis­se Einarbeitungszeit benö­tigt, weil man eben die­se Leichtigkeit gar nicht gewöhnt ist.

Ebenfalls erstaun­lich ist LightZones Relighting-Feature. Hiermit lässt sich die Ausleuchtung eines Bildes so ver­än­dern, als hät­ten zum Aufnahmezeitpunkt ande­re Lichtverhältnisse geherrscht. Relighting kann man auf das gesam­te Bild oder Teile des­sel­ben anwen­den.

Grundsätzlich las­sen sich alle Tools von LightZone auf bestimm­te Bereiche eines Bildes begren­zen. Hierzu steht das Konzept der vek­tor-basie­ren­den Regionen und Masken zur Verfügung. Dieses besagt, dass man Vektor-Formen auf­zieht und in das Foto zeich­net, etwa ent­lang der Kontur eines Objekts, dem man nach­fol­gend einen beson­de­ren Effekt ange­dei­hen las­sen will. Sobald Sie eine Vektorform auf­ge­zo­gen haben, wir­ken sich alle nach­fol­gen­den Bearbeitungsschritte nur noch auf den Bereich inner­halb der Form aus. Um zu har­te Linien und sicht­ba­re Änderungen zwi­schen dem mani­pu­lier­ten und dem hier­von aus­ge­nom­me­nen Bereich zu ver­mei­den, ist jede Vektorform von einem klei­nen Randbereich umschlos­sen, inner­halb des­sen der sanf­te Übergang zwi­schen innen und außen abge­bil­det wird.

lightzone_styles

Mich per­sön­lich begeis­tert an LightZone beson­ders die gro­ße Zahl fer­ti­ger Styles. Styles erlau­ben das Anwenden von kom­ple­xen Effekten mit­tels eines ein­zel­nen Klicks. So lässt sich etwa sehr ein­fach einer der ver­schie­de­nen HDR-Effekte auf das Bild legen. Auch Instagram-Freunde wer­den hier etli­che ihrer lieb gewon­ne­nen Effektfilter wie­der­fin­den. Dabei gibt es aber einen gro­ßen Unterschied: LightZone zer­stört das Original nicht, Instagram schon.

lightzone_before
Vor LightZone

lightzone_after
Nach LightZone

Wo ich gera­de von Originalen spre­che, LightZone kann RAW-Dateien einer gan­zen Reihe popu­lä­rer Kameras direkt lesen und benö­tigt in den meis­ten Fällen kei­nen sepa­ra­ten Konverter. Zusätzlich ist LightZone in der Lage, JPEG und TIFF zu öff­nen, wobei JPEG auch LightZones Arbeitsformat ist. In den Arbeitsdateien legt das Programm den kom­plet­ten Tool-Stack ab, also alle Manipulationen, ähn­lich Photoshops PSD-Format, bloß eben nicht pro­prie­tär. Nachdem man alle Veränderungen nach Wunsch durch­ge­führt hat, soll­te man ent­spre­chend eine rei­ne JPEG oder ein TIFF aus dem Arbeitsformat expor­tie­ren, um den Overhead los zu wer­den.

Ähnlich Lightroom und Darktable glie­dert sich auch LightZone in zwei wesent­li­che Arbeitsbereiche. Innerhalb des Programmteils “Browse” blät­tert man schnell durch sei­ne Fotobibliotheken, kann die Metadaten ein­se­hen. Der “Edit”-Bereich bie­tet die Fülle der Manipulations-Tools, von denen ich bereits berich­te­te. Wenn man einen bereits vor­han­de­nen Tool-Stack von einem fer­tig bear­bei­te­ten Bild kopie­ren und auf eine belie­bi­ge Zahl wei­te­rer Bilder anwen­den will, kann man das indes auch ein­fach aus dem Bereich “Browse” her­aus tun. Hierzu wählt man das Bild aus, das den Tool-Stack ent­hält, klickt das Icon “Stack”, wählt die Bilder aus, auf die der Stack ange­wen­det wer­den soll und klickt dann “Tool”. Sofort beginnt LightZone damit, den Befehl umzu­set­zen.

lightzone_editwindow

Zusätzlich zu den bereits genann­ten grö­ße­ren Manipulationswerkzeugen fin­den Sie im “Edit”-Bereich auch ein­fa­che Retusche-Möglichkeiten. So kön­nen Sie etwa ein­fa­che Bildstörungen weg­stem­peln oder auto­ma­tisch rote Augen ent­fer­nen las­sen. Alles in allem ist LightZone weit fle­xi­bler als Lightroom und über­trifft sogar Photoshop in eini­gen Bereichen. Dennoch muss man fai­rer­wei­se ein­räu­men, dass Adobes Lösung ein­fa­cher zu erler­nen ist und mehr Automatismen bie­tet.

LightZone kommt mit einer Lernkurve, die zwar nicht all­zu hohe Hürden baut, aber den­noch eine gewis­se Einarbeitungszeit erfor­dert. Wenn Sie jedoch das KOnzept ein­mal ver­in­ner­licht haben, wer­den Sie kaum noch Wechselwillen ver­spü­ren. Wenigstens ging es mir so…

LightZone: Einst kommerziell, jetzt frei

LightZone wur­de bis 2011 als kom­mer­zi­el­les Produkt ver­kauft. Im glei­chen Jahr wech­sel­te dann jedoch Entwickler und Inhaber Fabio Riccardi zu Apple und schloss dafür kur­zer­hand sein Unternehmen Light Craft. Vor eini­gen Monaten erbarm­te sich Riccardi und gab den Quellcode als Open Source frei. Eine enthu­si­as­ti­sche Gruppe fähi­ger Entwickler griff den Faden umge­hend auf und rief The LightZone Project ins Leben.

Aktuell gibt es LightZone für Windows, Mac OS X und Linux, wobei alle drei Versionen unter einer BSD-Lizenz frei ver­wen­det wer­den dür­fen. Die Versionsnummer wur­de auf die 4 geho­ben. In mei­nen Tests, die ich aller­dings aus­schließ­lich unter Windows tätig­te, kam es zu kei­ner­lei Problemen, BUgs oder was auch immer. LightZone lief sta­bil und schnell.

Es mag Sie wun­dern, dass Sie sich für den Download einer Open Source-Lösung zunächst regis­trie­ren müs­sen. Ich gehe davon aus, dass es sich um einen Spam-Schutz han­delt. Da alle Registrierungen zunächst manu­ell von einem Admin frei­ge­schal­tet wer­den müs­sen, bedarf es einer gewis­sen Geduld, bevor Sie letzt­lich das Programm lokal instal­lie­ren wer­den kön­nen. In mei­nem Fall dau­er­te die­ser Prozess weni­ger als eine Stunde und barg auch kei­ner­lei Fallstricke, ver­steck­te Newsletter-Abos oder sons­ti­ge Unbill. LightZone wird sehr aktiv fort­ent­wi­ckelt, der Betatest der Version 4.1 star­te­te gera­de am 1. Oktober.

Wenn Sie also auf der Suche nach einer mäch­ti­gen, kos­ten­lo­sen, dabei ver­ständ­lich arbei­ten­den Lösung für die Bearbeitung Ihrer nächs­ten Fotoserien sind, schau­en Sie auf jeden Fall LightZone an. Sie wer­den es sicher­lich nicht bereu­en, schon gar nicht unter dem Aspekt, dass es völ­lig kos­ten­los zu haben ist…

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Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

3 Kommentare

  1. Zu Lightroom gibt es eine (kos­ten­pflich­ti­ges) Plugin für WordPress. Bei LightZone bin ich lei­der bis­her nicht fün­dig gewor­den. Kennen Sie ein ent­spre­chen­des Plugin?
    Vielen Dank im vor­aus
    Thomas

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