Denis Potschien 3. August 2018

Mein liebster Kunde: Kundentypen und wie man damit umgeht

Um es vorwegzunehmen: Mir macht die Arbeit als Grafik- und Webdesigner unglaublich viel Spaß. Sie ist abwechlungsreich, oft anspruchsvoll und gelegentlich sogar großartig. Dabei spielt es für mich keine große Rolle, für welche Branche ich arbeite. Ob Dienstleistung, Handwerk, Industrie oder Kultur – alles kann gleichermaßen spannend und herausfordernd sein. Oft gibt es nur ein großes Hindernis und das nennt sich: Kunde

Unterschiedliche Perspektiven, unterschiedliche Vorstellungen. (Bild: Pixabay.com)

Unterschiedliche Perspektiven, unterschiedliche Vorstellungen. (Bild: Pixabay.com)

Wenn Kunden kreativ werden

Nicht ohne Grund hat man als Grafikdesigner in der Regel ein Studium und als Mediengestalter eine Ausbildung absolviert, um diesen Beruf auszuüben. Denn letztendlich geht es bei der Gestaltung eines Corporate Designs, einer Broschüre oder einer Website nicht darum, dass etwas schön aussieht. Es geht darum, Informationen zu visualisieren – und zwar so, dass sie individuell, zum Unternehmen passend und für die Zielgruppe ansprechend sind.

Hier kommt es dann oft zum ersten Konflikt mit dem Kunden. Denn viele haben ihre ganz eigenen Vorstellungen von der Gestaltung Ihres Unternehmensauftritts und kommen oft auch direkt mit eigenen Ideen und sogar Skizzen um die Ecke. Bei ihnen geht es nach dem Motto: Was mir gefällt, ist gut.

Selbstverständlich muss der Kunde sich mit dem Design seines Unternehmens identifizieren können. Aber in erster Linie muss gute Gestaltung im Sinne des Unternehmens ausgerichtet sein. Wenn beides arg auseinanderdriftet, hat nicht nur mein Kunde ein Problem, sondern auch ich.

Unglückliche Farb- und Schriftkombinationen, viel zu detailreiche Logos und peinliche Slogans sind nur einige der Dinge, mit denen ich schon konfrontiert wurde.

Jetzt kann man sich als Grafikdesigner lediglich als ausführendes Element sehen, welches alle Wünsche des Kunden berücksichtigt – unabhängig davon, wie unsinnig sie sein mögen. Wer seinen Beruf als Gestalter jedoch ernst nimmt, sollte im Dialog mit dem Kunden nach einer Lösung suchen, die vor allem im Sinne des Unternehmens ist.

Natürlich gibt es Kunden, die auf Biegen und Brechen nicht ablassen von ihren Ideen. Aber der Großteil der Kunden lässt sich überzeugen. Oft können Ideen des Kunden so modifiziert werden, dass die persönlichen Vorstellungen des Kunden und meine professionelle Sichtweise zueinander finden.

Bei allen anderen Kunden muss jeder selbst entscheiden, wie sehr er im Sinne des Kunden und gegen die eigene Profession arbeiten möchte und kann.

Nur so gehts: Kommunikation auf Augenhöhe. (Illustration: Pixabay.com)

Nur so gehts: Kommunikation auf Augenhöhe. (Illustration: Pixabay.com)

Wenn Kunden nichts recht zu machen ist

Während man mit dem Typus „kreativer Kunde“ also durchaus zu guten Ergebnissen kommen kann, gibt es auch jene Kunden, denen es einfach nicht recht zu machen ist. Glücklicherweise ist mir dieser in den letzten zehn Jahren nur äußerst selten begegnet.

Während der „kreative Kunde“ ja durchaus weiß, was er möchte und was ihm gefällt, gibt es auch jene, die keinerlei Vorstellung davon haben, was sie möchten. An sich hat man hier als Gestalter ja freie Hand. Problematisch wird es jedoch, wenn die gestalterischen Ansätze und Entwürfe grundsätzlich nicht ankommen.

Noch problematischer wird es, wenn der Kunde nicht einmal weiß, was ihm nicht gefällt und warum es ihm nicht gefällt. Wenn es einem also weder in einem Briefing noch während der Vorstellung erster Ideen gelingt, eine grobe Richtung zu erkennen, wo die gestalterische Reise hingehen soll, gibt es nur zwei Möglichkeiten.

Man kann fleißig weiter gestalten in der Hoffnung, dass man sich den nicht bekannten Vorstellungen des Kunden irgendwie annähert. Oder man beendet die Zusammenarbeit rechtzeitig und erklärt dem Kunden, dass hier wohl kein Zusammenkommen möglich ist. Zweimal bin ich während der zehn Jahre meiner Selbständigkeit an den Punkt gelangt, an dem ich die Zusammenarbeit vorzeitig beenden musste.

Schwierig ist in solchen Situationen immer, wie der finanzieller Aufwand abgerechnet wird. Im Idealfall wird im Vorfeld der Zusammenarbeit vertraglich festgelegt, dass auch Entwürfe zu entlohnen sind – unabhängig davon, ob das Projekt anschließend erfolgreich beendet wird.

Mein Lieblingskunde

Zu guter Letzt noch zu meinem Lieblingskunden: Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er offen für die Ideen und Vorschläge des Grafikdesigners ist. Er bringt zwar eigene Ideen und Wünsche mit ein, überlässt es aber mir, ob diese berücksichtigt werden.

Umhegen, ja, aber nicht um jeden Preis. (Bild: Pixabay.com)

Umhegen, ja, aber nicht um jeden Preis. (Bild: Pixabay.com)

Dieser Typus von Kunde begegnet einen nicht immer, aber glücklicherweise habe ich recht häufig mit ihm zu tun. Als Gestalter habe ich die Möglichkeit, kreativ im Sinne des Unternehmens zu sein. Vorschläge des Kunden werden berücksichtigt; Einwände meinerseits finden aber ebenso Berücksichtigung.

Letzten Endes geht es nicht darum, etwas zu gestalten, was mir und dem Kunden gefällt. Denn Gefallen ist immer etwas sehr Subjektives, was nur in geringer Dosis in ein Design einfließen sollte. Wenn beide Seiten sich darauf verständigen können, hat man schon viel erreicht.

(Beitragsbild: Depositphotos)

Denis Potschien

Denis Potschien

Denis Potschien ist seit 2005 freiberuflich als Kommunikationsdesigner tätig, seit Anfang 2010 im Kreativkonsulat in Iserlohn, einem Büro für Gestaltung und Kommunikation. Dort betreut er kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie kommunale Körperschaften und Organisationen aus Südwestfalen und dem Ruhrgebiet. Als Webdesigner und -entwickler gehören HTML5 und CSS3 zu seinen Kernthemen, weshalb er dazu 2013 ein Buch geschrieben hat. „Pure HTML5 und CSS3“ richtet sich an alle, die Vorkenntnisse haben, sich aber bisher mit HTML5 und CSS3 nicht oder nur am Rande beschäftigt haben.
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