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Andreas Hecht 11. August 2016

Komplexität reduzieren: Der neue Trend im Mobil-Design

Komplexität reduzieren: Der neue Trend im Design

Bereits seit gerau­mer Zeit leben wir in einer Welt des sau­be­ren, kla­ren und mini­ma­lis­ti­schen Designs. Man fragt sich unwei­ger­lich, was als nächs­tes kom­men könn­te. Dabei haben eini­ge Vorreiter in Sachen Minimalismus – Facebook, Apple und Airbnb – längst die Antwort gege­ben. Unter dem Stichwort “Komplexität redu­zie­ren” wird immer wei­ter das Design ver­ein­facht. Wenig bleibt vom kom­ple­xen, jedoch auch schön anzu­se­hen­den Design der Apps aus die­sen drei Unternehmen.

Komplexität reduzieren: Der neue Trend im Design

Ein iPad mit altem und wesent­lich kom­ple­xe­ren App-Design als heu­te üblich.

Was – bitteschön – ist die Reduzierung der Komplexität?

Du hast noch nie zuvor von der Reduzierung der Komplexität gehört? Macht nichts, der Begriff exis­tiert noch nicht sehr lang. Gemeint ist ein Design, das weit über das nor­ma­le Maß des mini­ma­lis­ti­schen, fla­chen Designs her­aus­geht. Natürlich kann man jetzt behaup­ten, es sei nichts wei­ter als der nächs­te, logi­sche Schritt des Minimalismus im mobi­len Design. Doch es exis­tie­ren eini­ge Eigenschaften, die die­sen neu­en Trend defi­nie­ren.

Die Definitionen des neuen Trends aus dem Silicon Valley sind die folgenden:

  • Größere, fett aus­ge­führ­te Überschriften
  • Simple und uni­ver­sel­le Icons
  • Die Vermeidung von Farbnutzung

Das Resultat aus die­sen weni­gen Punkten schafft Apps, die aus­se­hen, als kämen sie alle aus nur einer Design-Werkstatt.

Der erste Auftritt des neuen Trends

Ende Mai die­sen Jahres konn­te man das neue Design zum ers­ten Mal bewun­dern, als Instagram sei­ne neue Benutzeroberfläche frei­gab.

Instagram

instagram-UI-vergleich

Wie man sehen kann, redu­zier­te Instagram viel von der ehe­mals in Blau und Grau aus­ge­führ­ten Farbgebung, die noch im Jahr 2015 domi­nie­rend war. Die Schriftzüge wur­den küh­ner und fett gestal­tet, die Navigation unten ent­schlackt und die Symbole ver­ein­facht.

Übrig blieb eine Schwarz-Weiß-UI mit kla­rem Fokus auf den Inhalt und die Benutzerfreundlichkeit.

Airbnb

Kurz nach dem Release der neu­en Instagram-UI konn­te man schnell beob­ach­ten, dass Airbnb eben­falls sei­ne App ein­fach, klar und mit wesent­lich weni­ger Komplexität aus­lie­fer­te. Die Logik hin­ter dem neu­en Design-Trend, der sich wohl durch vie­le Apps zie­hen wird, ist die Vertrautheit. Alles sieht ziem­lich gleich aus und man fin­det sich sofort zurecht.

Airbnb-App-neues-Design

Ob die Reduktion der Komplexität immer gut ist, erscheint zwei­fel­haft. Airbnb ist nicht schö­ner gewor­den.

Die neu­ge­stal­te­te UI Airbnbs bekam nicht das gro­ße Echo in den Medien, wie die einen Monat spä­ter erschei­nen­de, neue App von Instagram. Vielleicht lag es dar­an, dass Instagram auch ein neu­es, coo­les App-Icon mit ver­öf­fent­lich­te.

Airbnb zeigt eben­falls eine völ­li­ge Reduktion über­flüs­sig erschei­nen­der Bereiche oder Teile der App. Große, kräf­ti­ge Überschriften glän­zen nun dort, wo es zuvor noch schö­ne Bilder zu bewun­dern gab. Farben wur­den redu­ziert und die Icons ver­ein­facht. Es blieb eine App, die nur Wert auf die Funktion legt, ein­fach in Schwarzweiß aus­ge­führt und auf den Inhalt redu­ziert.

Ob das Design der App durch die­se Reduktion gewon­nen hat, ist sicher­lich Geschmacksache.

Apple

Apple ist das jüngs­te Beispiel für ein Design, dass sich voll und ganz der Reduktion der Komplexität ver­schrie­ben hat. Letzten Monat kün­dig­te der Tech-Riese auf der WWDC eine Reihe von span­nen­den Dingen für die Verbraucher an, ein­schliess­lich des Release von iOS 10. Dieses wur­de als das größ­te iOS-Release aller Zeiten ange­kün­digt. Zumindest als das Next Big Thing seit iOS 8, das ähn­lich voll­mun­dig ange­kün­digt wur­de.

Hier ein Vergleich der Apple-Music App vor und nach dem Redesign:

Die neue Apple-Music UI

Die Neugestaltung von Apple-Music fällt auf den ers­ten Blick auf. Andere, wich­ti­ge Aspekte der neu­en iOS-Version sind UX-Updates und eini­ge, zusätz­li­che Funktionen. Doch das Redesign der UI fällt sofort ins Auge. Das Aussehen wur­de völ­lig erneu­ert und mit einem Card-Design für die Album-Cover auf­ge­peppt. Große, küh­ne Schriftarten und genau die­ses Karten-Design domi­nie­ren und sol­len die Album-Cover her­vor­he­ben und anspre­chen­der gestal­ten.

Allerdings weicht Apple hier von der rei­nen Lehre der Reduktion der Komplexität ab. Sie ver­wen­den ande­re, fes­te Icons und Schattenwürfe im Karten-Design. Das neue Design erscheint ein Mischmasch aus der alten Layout-Linie und dem neu­en, redu­zier­ten Design zu sein. Mir per­sön­lich gefällt das alte Design bedeu­tend bes­ser, doch wir müs­sen neh­men, was gera­de im Angebot ist.

Die rei­nen Schlüsselelemente der Reduzierung der Komplexität hin­ge­gen wur­den über­nom­men. Die gro­ßen, fet­ten Schriftarten und die rei­ne Schwarzweiß-UI.

Was bedeutet das für uns?

Du musst jetzt ganz stark sein. Denn es bedeu­tet nichts ande­res, als das wir uns vom gewohn­ten Design unse­rer Lieblings-Apps ver­ab­schie­den wer­den müs­sen. Das rei­ne Design der Apps wird sich immer wei­ter anglei­chen und die Individualität des Layouts wird wahr­schein­lich nicht mehr lan­ge gege­ben sein.

Die Tech-Branche ist, wie vie­le ande­re Branchen auch, eine Liga der Nachahmer. Die User, die bereits in den Genuss des neu­en Einheits-Designs kamen, haben sich bis jetzt nicht beschwert. Wie soll­ten sie auch: die Big-Player der mobi­len Betriebssysteme geben schon seit gerau­mer Zeit immer neue, für die Entwickler ver­pflich­ten­de Design-Richtlinien her­aus. Android mit sei­nem Material-Design eben­so wie Apple mit sei­nem bis­he­ri­gen, redu­ziert kla­ren (Einheits-) Design.

Immer mehr Entwickler wer­den in Sachen Layout ihrer Apps auf den Zug des Einheitsdesigns auf­sprin­gen, die Apps wer­den ein ein­heit­li­ches Design bekom­men. Das kann zwei­fel­los Vor- und Nachteile haben. Als Vorteil erscheint der Fakt, dass du dich über­all und in jeder App »zuhau­se« füh­len wirst. Ein Nachteil ist jedoch die Persönlichkeit, die Stück für Stück auf­ge­ge­ben wird.

Die monochrome Fadheit des verordneten Einheits-Designs mobiler Apps.

Die mono­chro­me Fadheit des ver­ord­ne­ten Einheits-Designs mobi­ler Apps.

Ob du nun für oder gegen die mono­chro­me Fadheit des neu­en Einheitsdesigns bist, so ist es doch zwei­fel­los ein Zeichen des Fortschritts. Der Produktentwicklungsprozess schrei­tet vor­an zu einem ganz­heit­li­chen Prozess, der sich auf die Nutzer kon­zen­triert.

Der alte Prozess der Entwicklung kon­zen­trier­te sich nicht nur auf die rei­ne Funktionalität der App, son­dern auch auf ein halb­wegs anspre­chen­des Design, wel­ches letzt­end­lich ja ein Teil der Benutzerfreundlichkeit ist. Meistens bekam die Design-Abteilung nur die inter­es­san­te Anweisung »Lasst es gut aus­se­hen«. Danach wur­den Stunden und Tage in den Design-Prozess der App inves­tiert. Oftmals blieb die Funktionalität der App hin­ter den Anforderungen des Designs zurück.

Nun jedoch haben die Entwickler mehr Möglichkeiten, kön­nen sich voll und ganz auf die App und ihre Funktionalität für den Endverbraucher kon­zen­trie­ren. Das Aussehen der App steht von vorn­her­ein fest und ist unab­än­der­lich, was den Entwicklern die Möglichkeit ver­schafft, das funk­tio­nal bes­te Produkt für die User zu ent­wi­ckeln.

Der ultimative Leitfaden für die Reduzierung der Komplexität

Folge die­sen Richtlinien, und du hast die gute Chance, eine App zu ent­wi­ckeln, die Preise gewin­nen kann.

  1. Entferne die Farben. Okay, du kannst jede Farbe ver­wen­den, solan­ge sie Schwarzweiß ist. Der Inhalt zählt.
  2. Mache grö­ße­re, fet­te­re und schwär­ze­re Überschriften und Schriften. Siehst du die­se Überschrift da in dei­ner App? Mach sie viel grö­ßer, fet­ter und tief­schwarz.
  3. Verwende sehr ein­fach und mini­mal gestal­te­te Icons. Auch hier­bei gilt: kei­ne Farbe ver­wen­den. Willst du Bonuspunkte errei­chen? Mach dei­ne Navigation ein­fa­cher und erstel­le sie grund­sätz­lich unten. Von links nach rechts: Home, Suche, pri­mä­re Aktion, sekun­dä­re Aktion, Profil.
  4. Whitespace? Einfach ver­drei­fa­chen. Passt schon. Vielleicht auch ver­vier­fa­chen? Auch gut. Da kann nichts schief­ge­hen.
  5. Entwerfe dein App-Icon strah­lend und hell leuch­tend. Gestalte es zum Beispiel mit Farben und einem Blitz, denn nur hier kannst du Persönlichkeit zei­gen und dei­ne Marke eta­blie­ren. Und dich von den ande­ren abhe­ben.

Der Trend im Webdesign geht eben­falls zu mehr Einfachheit.

Fazit

Ein neu­er Stern am Himmel des mobi­len Designs ist gebo­ren. Die Reduzierung der Komplexität redu­ziert jedoch auch jeden Individualismus und die Persönlichkeit, die ansons­ten in den Apps wohn­te. Alles wird wahr­schein­lich bald gleich aus­se­hen und sich gleich anfüh­len. Das wirft die Frage auf, ob wir – die User – durch die­sen neu­en Trend zu Gewinnern oder Verlierern wer­den. Was ist dei­ne Meinung zum Thema?

Quelle und Grafiken: SWARM

Andreas Hecht

Andreas Hecht

entwickelt WordPress-Websites und bietet dir einen Website Sicherheit Service und einen Performance Service für deine Website. Außerdem ist er Spezialist für Onpage SEO und bringt Deine Website in die Top-Suchergebnisse von Google. Auf seinem Blog schreibt er über WordPress, SEO und Content SEO.

3 Kommentare

  1. Was sind die wirk­li­chen Gründe, wenn visu­el­le Individualität von Mobil-Design for­ciert redu­ziert wer­den? Sind es rei­ne mone­tä­re Gründe oder sind es die Erkenntnisse dass der User ver­gleich­ba­re oder aus­tausch­ba­re Apps bevor­zugt? Bin der Meinung, dass rein ver­ba­le Informationen nur mit Text ohne Design dem “indi­vi­du­el­len” User nicht gerecht wird. Nicht umsonst bedeu­tet das die Definition Design “Funktion in sei­ner schöns­ten Form” sei­ne Aufgabe hat. Schon allei­ne bei der Flut der Informationen im Internet wäre ein indi­vi­du­el­les Design ein Merkmal und Hilfe für User, die heu­te bei dem über­wäl­ti­gen­den Angebot selek­tie­ren müs­sen. Dieser Trend wird sicher­lich die Webseiten nicht nur kom­ple­xi­tiv ein­fa­cher son­dern auch lang­wei­li­ger erschei­nen las­sen. Sehr scha­de wenn Image und Individualität den eher mone­tä­ren Fakten wei­chen muss. Ein Grundbedürfnis von uns allen, sich indi­vi­du­ell an schö­nen Design’s zu erfreu­en. Die Herausforderung ist ein Webdesign, dass in sei­ner Ausführung ein eige­nes Image und effi­zi­en­te Aufnahme der Informationen bie­tet. Freuen wir uns auf eine visu­el­le und ver­ba­len Kommunikation die auch schön anzu­se­hen ist.

  2. Hmm, ich ver­ste­he nicht so ganz, wie­so bei den Screenshots von alt und neu immer ver­schie­de­ne Bereiche der App ange­wählt wur­den, um einen direk­ten Vergleich und die redu­zier­te Komplexität auf­zu­zei­gen. Insbesondere das Beispiel Instagram. Da ist die Profilansicht in der 2016er Version so gese­hen gleich bis auf die Farben. Aber ja, das steht dann ja auch im Fazit. Dass man ein­fach die Farben raus­kickt.
    Und bei airb­nb sind trotz­dem noch Städtebilder zu sehen.

    • Hi Katha,

      ich muss­te auf Archivbilder zurück­grei­fen, da ich kein iPhone besit­ze und die ver­schie­de­nen Stadien der Apps nicht abbil­den konn­te. Auf Android sehen die Apps zumeist ja total anders aus, weil dort Material-Design vor­ge­schrie­ben wird. Doch ein abso­lut direk­ter Vergleich ist auch nicht wich­tig, denn auch die­se Bilder illus­trie­ren sehr schön die Veränderungen, die das Layout die­ser Apps erfah­ren hat. Weg mit der Farbe, Überschriften Schwarz und Fett usw.

      Danke für die Ergänzung zu airb­nb, es wäre schon sehr trau­rig gewe­sen ohne Bilder.

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