Spaces. Smartes Cloud Hosting für anspruchsvolle Webprojekte. Loslegen und Spaces testen. Von Mittwald.
Dieter Petereit 4. Mai 2018

Kinsta: Dediziertes WordPress-Hosting in der Google Cloud

Dediziertes WordPress-Hosting ist seit eini­gen Jahren schwer im Kommen. Den inter­es­san­tes­ten Ansatz dürf­te dabei Kinsta ver­fol­gen. Denn Kinsta unter­schei­det sich in nahe­zu jedem Punkt vom rest­li­chen Wettbewerb.

Kinsta: Senkrechtstarter auf der Google Cloud Plattform

Kinsta wur­de 2013 als Unternehmen des WordPress-Entwicklers Mark Gavalda gegrün­det und hat sei­nen Hauptsitz in London mit Büros in Los Angeles und Budapest. Gavalda legt Wert auf die Feststellung, dass alle sei­ner Mitarbeiter abso­lu­te WordPress-Profis sind und sich sogar aktiv an der Fortentwicklung der Plattform, sei es durch Core-Kontributionen, Plugins oder Themes, betei­li­gen. Klar, dass Kinsta sich auf rei­nes WordPress-Hosting spe­zia­li­siert hat.

Kinsta: Landing Page. (Screenshot: D. Petereit)

Relativ unbe­merkt vom Wettbewerb konn­te sich der rela­tiv klei­ne Anbieter einen Namen machen und steht heu­te inter­na­tio­nal selbst­be­wusst neben den Schwergewichten der Branche. Wichtigstes Alleinstellungsmerkmal neben der hohen Expertise: die Google Cloud-Plattform als Serverfarm.

Die Google Cloud ist eine der welt­weit größ­ten und leis­tungs­stärks­ten Server-Infrastrukturen. Neben Akamai, Amazon Web Services und Microsofts Azure braucht sich die Google Cloud nicht zu ver­ste­cken.

Kinsta: Disruption des traditionellen Provider-Geschäfts

Während das typi­sche Providergeschäft in der Vergangenheit dar­in bestand, eige­ne Serverfarmen auf­zu­bau­en oder sich im Wege des Housing bei Datacentern ein­zu­kau­fen, erlau­ben moder­ne Cloud-Plattformen, wie eben jene aus Mountain View, den Einstieg in das Provider-Business ohne gra­vie­ren­de Investitionen.

Das gefällt den tra­di­tio­nel­len Hosting-Anbietern natür­lich nicht unbe­dingt. Zudem die­se es schwer haben, sich gegen den neu ent­ste­hen­den Wettbewerb durch­zu­set­zen. Die getä­tig­ten Investitionen las­ten schwer auf der Bilanz. Die erfor­der­li­che Flexibilität, den Kurs zu ändern, ist viel­fach schon gedank­lich, min­des­tens aber mone­tär nicht vor­han­den.

Der Preis ist nicht das Angriffsziel der neuen Anbieter

So tre­ten klei­ne­re Unternehmen, wie Kinsta an, den gro­ßen Hosting-Anbietern das Fürchten zu leh­ren. Die Branche der Provider steht vor einer – wenn auch – schlei­chen­den Disruption. Anders als bei ande­ren Disruptionen bestehen­der Geschäftsmodelle, geht es im Falle des Umstiegs auf Cloud-Strukturen weni­ger um Geld als mehr um tech­ni­sche Aspekte.

Wenn du dich mit Hosting-Angeboten aus­ein­an­der­setzt, die auf Cloud-Plattformen auf­set­zen, wirst du recht schnell erken­nen, dass finan­zi­el­le Ersparnisse nicht der Grund sein kön­nen, dich von den neu­en Anbietern zu über­zeu­gen. Denn bil­li­ger ist die­se Art des Hosting nicht per se. Erst, wenn dei­ne Leistungsbedarfe so hoch wer­den, dass die Kosten des Hostings ohne­hin nicht mehr der bestim­men­de Faktor dei­ner Überlegungen sind, zei­gen Cloud-Angebote auch preis­li­che Vorteile.

Egal, wie du dei­ne Serverfarm anlegst. So groß wie die Cloud wird sie nicht. (Bild: Depositphotos)

Cloud und WordPress liegen im Trend

Im Herbst 2017 stell­te ich zwei maß­geb­li­che Trends zu WordPress fest. Zum einen das stei­gen­de Angebot an Cloud-Services und zum ande­ren das stei­gen­de Angebot an dedi­zier­ten WordPress-Hostern. Mein Fazit fiel ziem­lich ein­deu­tig aus.

Trends indes kann ich im Alleingang nicht auf­hal­ten. Der Markt ist ganz offen­sicht­lich da. Kinsta ver­eint sogar bei­de Trends gekonnt und surft damit voll auf der größ­ten Welle. Da will ich nicht als Spielverderber gel­ten und schaue mir den Dienst durch­aus aus der Nähe an.

Kinsta: Die Technik dahinter

Kinsta kannst du mit nichts ver­glei­chen, das du tra­di­tio­nell bereits kennst. Wenn du eine unge­fäh­re Vorstellung brauchst, dann den­ke am ehes­ten an vir­tu­el­le Maschinen. Kinsta arbei­tet mit LXD/LXC, also Linux-Containern, die jeweils voll­stän­di­ge Systemumgebungen bie­ten. Das ist ansatz­wei­se ähn­lich den kon­ven­tio­nel­len vir­tu­el­len Maschinen, nur wesent­lich ver­kap­sel­ter und wesent­lich schnel­ler, sowie ska­lier­bar.

Jede WordPress-Site läuft in ihrem eige­nen Container. Die Container tei­len unter­ein­an­der nichts. Es ist, als hät­test du dei­nen voll­kom­men eige­nen phy­si­ka­li­schen Server, der aber wie­der­um frei ska­lier­bar ist. Betreibst du meh­re­re WordPress-Sites, lau­fen auch die­se jeweils in ihren eige­nen Containern.

Da dei­ne WordPress-Seite nun qua­si ein eige­ner Server ist, kann das Caching auch auf der System-Ebene statt­fin­den. Du brauchst dich hier­für nicht mehr auf die übli­chen Verdächtigen zu ver­las­sen. Kinsta sorgt dafür, dass dei­ne Seiten schnellst­mög­lich aus­ge­lie­fert wer­den.

Um dei­ne klei­ne Festung sicher zu hal­ten, bie­tet Kinsta mit dem „Free Hack Fix” den kos­ten­lo­sen Fix im Falle eines Hacker-Angriffs an. Sie wer­den also schon aus Eigeninteresse alles dar­an set­zen, das Sicherheits-Level hoch zu hal­ten.

CDN, SSL, Staging – alles direkt vorhanden

Fest in den Leistungsumfang inte­griert ist das CDN des schwei­ze­ri­schen Dienstleisters KeyCDN, das wir dir hier auch schon mehr­fach vor­ge­stellt haben. Die CDN-Nutzung ist in die Kinsta-Tarife bereits ein­ge­preist. Für WooCommerce und Easy Digital Downloads ste­hen eben­falls ser­ver­sei­ti­ge Optimierungen bereit.

Lass mich noch kurz eines zum Thema CDN sagen. Solltest du bereits bis­her mit einem ande­ren CDN arbei­ten, so kannst du das unter Kinsta eben­falls nut­zen. KeyCDN wird dir nicht etwa auf­ge­zwun­gen.

Content Delivery pro­fi­tiert stets von räum­li­cher Nähe. (Foto: Depositphotos)

Die Architektur des Angebots ermög­licht eben ganz gene­rell die Implementation vie­ler vita­ler Funktionen auf der System-Ebene. Genau auf die­ser Ebene grei­fen sie am effek­tivs­ten, aber auf genau die­ser Ebene kannst du im tra­di­tio­nel­len Hosting nicht arbei­ten.

Durch die Zusammenarbeit mit Let’s Encrypt hast du dei­ner WordPress-Site schnell SSL bei­gebracht. Der Vorgang ist unkom­pli­ziert und schnell und hat mit dem umständ­li­chen Zertifizierungsvorgang, den du mög­li­cher­wei­se von dei­nem bis­he­ri­gen Hoster kennst, nichts zu tun.

Auch um das Thema Backup musst du dich bei Kinsta nicht sepa­rat küm­mern. Automatische Backups, jeweils nachts durch­ge­führt, sind Teil dei­nes Tarifs. Zudem kannst du jeder­zeit manu­el­le Backups ansto­ßen, etwa, wenn du kurz vor einer umwäl­zen­den Änderung stehst. Das Rückspielen von Backups ist aller­dings eine Alles-oder-nichts-Entscheidung. Die Möglichkeit, ledig­lich die Dateien oder nur die Datenbank ein­zu­spie­len besteht nicht.

Wo wir gera­de von gra­vie­ren­den Änderungen spre­chen. Du weißt genau­so gut wie ich, dass wir nicht an der Live-Website rum­dok­tern sol­len. Deswegen ver­wen­den wir ent­we­der einen Entwicklungs-Server oder wenigs­tens eine Staging-Lösung, die es uns erlaubt, Änderungen an unse­ren Konfigurationen zunächst gefahr­los in einer Testumgebung aus­zu­pro­bie­ren, bevor wir sel­bi­ge live schal­ten.

Das ange­spro­che­ne Staging ist bei Kinsta im Lieferumfang. Du brauchst dir kei­ne Gedanken um Alternativen, wie etwa das vor kur­zem bei uns vor­ge­stell­te WP-Staging-Plugin, zu machen.

Kinsta macht noch ein paar andere Dinge anders als üblich

Um die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung wei­ter zu stei­gern, unter­stützt Kinsta auch die ursprüng­lich von Facebook ent­wi­ckel­ten HHVM, mit deren Hilfe sich die Ausführung von PHP-Code deut­lich beschleu­ni­gen lässt. Hierzu wird PHP-Code zur Laufzeit in aus­führ­ba­ren Code kom­pi­liert. Sicherlich kennst du das frü­her gän­gi­ge ZEND für die­sen Zweck. HHVM wird aller­dings eine unge­fähr zehn­fach höhe­re Arbeitsgeschwindigkeit beschei­nigt.

Zusätzlich erlaubt dir Kinsta die nahe­zu freie Wahl zwi­schen allen aktu­el­len PHP-Versionen. Aus der Kundschaft des Providers ist zu hören, dass die Verfügbarkeit neu­er PHP-Versionen bei Kinsta stets schon nach weni­gen Wochen und nicht erst nach Monaten, wie bei tra­di­tio­nel­len Anbietern üblich, gege­ben ist. Kinsta setzt übri­gens auf Nginx, nicht auf Apache.

Da der Umstieg von kon­ven­tio­nel­lem Hosting zu Kinstas Cloud-Lösung doch nicht all­täg­lich ist, bie­tet der Provider in den meis­ten Tarifen die kos­ten­lo­se Migration dei­ner Seite mit an.

Kinstas Dashboard benutzt man ger­ne. (Screenshot: D. Petereit)

Das Dashboard des Dienstes ist nicht das ver­gleichs­wei­se unkom­for­ta­ble, jeden­falls aber über­aus betag­te cPanel. Kinsta hat hier viel­mehr eine eige­ne Lösung namens MyKinsta zu bie­ten, die schnell, kom­for­ta­bel und ein­fach ist. Von hier aus ver­wal­test du dei­ne WordPress-Container umfäng­lich. Dabei ist Kinstas Dashboard für jene erdacht, die täg­lich damit arbei­ten. Der Fokus der Benutzeroberfläche liegt daher stark auf Alltagsaufgaben und nicht so sehr dem Verwalten eines Servers im Allgemeinen.

Auch der Zugriff auf dei­ne diver­sen Logs ist von hier aus unpro­ble­ma­tisch mög­lich. Eine eige­ne Statistikfunktion ergänzt dei­ne GA-Berichte um die Daten, die du schnell mal eben haben musst. Ebenso behältst du von hier die wich­ti­gen Performance-Werte im Blick. Solltest du mal schnell an dei­ne MySQL-Datenbank müs­sen, star­tet ein ent­spre­chen­der Klick aus dem Dashboard eine Instanz von PhpMyAdmin.

Bei tra­di­tio­nel­len Providern weißt du zumeist, wo sich der Serverstandort befin­det. Bei Kinsta kannst du ihn dir aus fünf­zehn Lokationen welt­weit aus­su­chen. Deutschland ist mit Frankfurt ver­tre­ten und du darfst davon aus­ge­hen, dass die Google-Cloud-Anbindung an den DE-CIX mit zum dicks­ten gehört, was es in Deutschland geben kann.

So ist es kein Wunder, dass in den vie­len Kundenberichten, die du im Netz zu Kinsta fin­den kannst, stets der Punkt Performance ganz beson­ders her­vor­ge­ho­ben wird. Dabei liest du etwa von Seitenladezeiten, die sich als unmit­tel­ba­re Folge des Serverumzugs zu Kinsta, ohne wei­te­re Optimierungsmaßnahmen, hal­biert haben.

Unsere Kollegen von „Code in WP”, die vor eini­gen Monaten auf Kinsta umge­stie­gen sind, wei­sen zusätz­lich auf eine hal­bier­te TTFB (Time to First Byte), also die Zeit zwi­schen dem abge­setz­ten Request und dem Empfang des ers­ten Bytes durch den Besucher-Browser, hin.

Ein wei­te­rer Punkt, den du den vie­len posi­ti­ven Kundenaussagen ent­neh­men kannst, betrifft die Qualität und Ansprechbarkeit des Supports. Danach ist rund um die Uhr und an sie­ben Tagen in der Woche immer ein Experte ansprech­bar. Und es scheint sich wohl tat­säch­lich stets um Experten zu han­deln, die sich noch dazu wirk­lich um Lösungen bemü­hen. Klingt nach Utopia? Tja, irgend­wie schon.

Kinsta und die Kosten

Ich deu­te­te es wei­ter oben bereits an. Zu Kinsta wech­selst du nicht etwa, weil es da beson­ders güns­tig ist. Hier muss ganz klar die Funktionalität kauf­ent­schei­dend sein. Du musst das ange­bo­te­ne Featureset nicht nur ganz attrak­tiv fin­den, son­dern tat­säch­lich brau­chen müs­sen.

So könn­test du zwar für 30 USD im Monat in die Welt der Kinsta-Cloud ein­tau­chen, hät­test damit aber nur 20.000 Visits auf einer Domain frei. Mit 60 USD könn­test du schon zwei Domains betrei­ben, kämest aber bei in Summe 40.000 Visits auch schnel­ler an die Grenzen.

Kinsta: Die Preise vari­ie­ren deut­lich. (Screenshot: D. Petereit)

Wenn du also dei­ne Websites nicht bloß zum Spaß betreibst, brauchst du mehr Reserven. Für 100 Dollar sind 100k Visits drin, für 200 kannst du 250k Besucher vir­tu­ell bewir­ten und für 300 USD dür­fen es dann 400.000 sein. Die Details zum Preismodell ver­gleichst du direkt auf die­ser Seite.

Würden wir Dr. Web auf Kinsta umstel­len, müss­ten wir über­le­gen, ob wir den 300- oder den 400-Dollar-Tarif wäh­len. Unser jet­zi­ger Server kos­tet uns knap­pe 1.500 Euro im Jahr. Mehr als eine Verdoppelung der Hosting-Kosten wür­de das auf jeden Fall bedeu­ten. Damit will ich nicht andeu­ten, dass es den Mehraufwand even­tu­ell nicht wert wäre, zumal ja bis­he­ri­ge Premium-Leistungen, die wir dar­über hin­aus bezah­len, künf­tig im Tarif ent­hal­ten wären.

Kinsta arbei­tet gera­de an einer Expansion in die deutsch­spra­chi­ge Hosting-Landschaft. Spätestens, wenn Kinsta kom­plett in deut­scher Sprache anbie­tet, wer­den wir uns wohl mal ernst­haft mit dem Provider und den Perspektiven eines Umstiegs befas­sen.

(Bildnachweis Artikelbild: Quelle Depositphotos, Bearbeitung Crello)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

2 Kommentare

  1. Ein klei­ner Tippfehler *Angabeot*

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