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Die Wahrheit über CDN: KeyCDN im Praxistest

Wie du vielleicht mitbekommen hast, bin ich ein absoluter Geschwindigkeits-Fanatiker, was die Ladezeiten meiner Websites angeht. Ich strebe stets für jede meiner Websites einen Speed von unter einer Sekunde an und halte eine Ladezeit von circa 500 – 600 Millisekunden für angemessen. Aus Spaß an der Freude habe ich nun ein CDN (KeyCDN) getestet, weil ich wissen wollte, ob überhaupt und wenn ja, wieviel es wirklich bringt.

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Die Wahrheit: Der KeyCDN-Erfahrungsbericht - richtig viel Speed?

Wie viel bringt ein CDN wirklich – lohnt es sich?

Genau das war die Frage, die sich mir stellte. Wie viel bringt ein CDN für eine normale, sehr extrem auf Speed optimierte Website, die nur Zugriffe aus dem deutschsprachigen Raum bekommt? Den Anbieter habe ich mir reiflich überlegt und ausgesucht.

Der CDN Anbieter KeyCDN

KeyCDN.com
KeyCDN habe ich aus mehreren Gründen gewählt. Erstens gilt der Anbieter als wirklich schnell, zweitens läßt sich das CDN (Content Delivery Network) durch ein Plugin sehr leicht in WordPress-Websites integrieren – ohne lästige Code-Arbeiten. Drittens kann man die Dienstleistung 30 Tage kostenfrei testen.

Kurz erklärt: Das ist ein CDN und das soll es bewirken:

Ein Content Delivery Network (auch bekannt als Content Distribution Network) ist ein System von geografisch verteilten Servern rund um den Globus. Die Server verwalten jeweils eine Kopie der Daten. Primär geht es bei einem Content Delivery Network um Geschwindigkeit, Page Speed und Hochverfügbarkeit, jedoch bringt ein CDN noch eine ganze Reihe von weiteren Vorteilen.

Lange Ladezeiten sind ein No-Go für moderne Webseiten. Ein Content Distribution Network reduziert die Ladezeit einer Webseite signifikant. Die Inhalte werden immer vom nächstgelegenen Standort geliefert, so kann eine tiefe Latenz und minimaler Paketverlust sichergestellt werden. Eine tiefere Latenz hat auch eine schnellere Ladezeit zur Folge. Quelle: KeyCDN
Diese Vorteile hören sich natürlich sehr gut an. Allgemein wird zudem angenommen, dass ein CDN die Ladezeit einer Website durchaus auch halbieren kann. Heute beschäftigen wir uns jedoch nicht mit schönen Werbeversprechen, sondern mit der harten Realität und schauen genau hin, was ein CDN in der Realität bringt.

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KeyCDN – Anmelden und Einrichten

Der CDN-Dienst von KeyCDN kann 30 Tage kostenlos getestet werden. Es müssen keinerlei Zahlungsdaten angegeben werden. Der Testzeitraum läuft automatisch aus, ohne sich zu verlängern. Wer den Dienst weiter nutzen möchte, muss seine Kreditkartendetails in das persönliche Profil eingeben.

Die Anmeldung

Klicke den »Try for free« Button auf der Startseite von KeyCDN und gebe deine Daten ein. Spätestens 15 Minuten danach bekommst du die Bestätigungsmail und kannst dich dann einloggen. Es kann durchaus sein, dass du keine Erfolgsbestätigung nach dem Ausfüllen und Absenden des »Start your free Trial«-Formulars bekommst.

Keine Panik, es funktioniert trotzdem.

Die Einrichtung einer Pull-Zone in der KeyCDN-Oberfläche

Ich habe eine Pull-Zone gewählt, weil die Einrichtung wesentlich schneller geht. Der Unterschied zu einer Push-Zone ist der, dass du keine Dateien auf den Server von KeyCDN hochladen musst. Der Anbieter holt sich die nötigen Dateien und Bilder von deiner Website selbsttätig. Das funktioniert hervorragend und schnell. Ich rate dir also dazu, eine Pull-Zone einzurichten.

Pull-Zone einrichten

Klicke in der linken Navigation auf »Zones« und danach auf »New Zone«.

new-zone
Neue Zone in KeyCDN erstellen.

Hier sind die Einstellungen, die ich getätigt habe. Da meine Website mit einem SSL-Zertifikat ausgeliefert wird, habe ich zudem die Einstellungen SSL auf Shared und Force SSL auf enabled gesetzt. Der Screenshot verdeutlicht meine Einstellungen. Für die erweiterten Einstellungen bitte den Haken bei »Show Advanced Features« setzen.

Ein Klick öffnet die vollständige Grafik.
Die Zonen-Einstellungen
Ein Klick auf »Safe« speichert die Einstellungen und erstellt die neue Zone. Das kann je nach Größe des Blogs einige Minuten dauern. Ein grüner Balken zeigt den Fortschritt der Aktion an.

Die neue Zone wird erstellt. Das kann einige Zeit dauern.
Die neue Zone wird erstellt. Das kann einige Zeit dauern.

Eine Besonderheit: Nachdem die Zone erstellt ist – der grüne Balken steht auf 100 Prozent – aktualisiert sich das Fenster nicht. Der Status »deploying« bleibt stehen. Ein Reload der Website zeigt den neuen Status dann korrekt an.

Die CMS Integration Guides von KeyCDN
Das CDN läßt sich mehr oder weniger einfach in wirklich jedes Content Management System oder eine beliebige Shop-Software integrieren. Du bekommst eingehende Tutorials für jede Plattform.

KeyCDN Integration in WordPress

Leichter kann es nun wirklich nicht gehen. Du benötigst dazu das kostenlose Plugin »CDN Enabler« von KeyCDN. Das kannst du dir von WordPress.org herunterladen und installieren.

CDN Enabler Plugin

Die Einstellungen des CDN Enabler Plugins

Die wenigen Einstellungen des Plugins sind schnell getätigt. Den markierten Punkt musst du nur ausfüllen, wenn deine Website über HTTPS ausgeliefert wird.

Die wenigen Einstellungen des CDN Enabler Plugins für WordPress.
Die wenigen Einstellungen des CDN Enabler Plugins für WordPress.

Ein Klick auf »Änderungen übernehmen« aktiviert das CDN. Solltest du ein Caching-Plugin benutzen, müssen auch dort Einstellungen getroffen werden. Ich nutze Cachify in Verbindung mit Autoptimize. Cachify cacht die Website und Autoptimize kombiniert und cacht mein JavaScript.

Einstellungen für das Autoptimize Plugin

In den Einstellungen von Autoptimize müssen die erweiterten Einstellungen aktiviert werden. Danach ist die CDN-URL in das Feld »CDN Basis URL« einzutragen.

Autoptimize-Optionen
Fertig! Jetzt läuft das CDN bereits und lädt die statischen Dateien von den CDN-Servern.

cdn-funktioniert
Ein Klick öffnet eine größere Auflösung.

Was mir gut gefällt

KeyCDN holt sich wirklich jede Datei, um sie von den CDN-Servern ausliefern zu können. Auch die direkt in den Theme-Dateien hardgecodeten Links. Da ich meine CSS-Dateien mit einem Versionierungs-System versehen habe, um sie einwandfrei vom Browser cachen zu lassen, habe ich sie direkt in die Theme-Dateien header.php und footer.php geschrieben, wie im vierten Teil unserer Serie über WordPress Highspeed beschrieben.

Selbst diese Dateien werden nun von KeyCDN ausgeliefert und die Versionierung der Dateien funktioniert immer noch reibungslos. Respekt!

Der Kostenfaktor

KeyCDN möchte 0,04 US-Dollar pro Gigabyte haben. Mindestens 29 USD muss man per Kreditkarte oder PayPal auf sein Konto laden. Dabei gilt folgendes: 1 Credit = 1 USD. Für welche Aktion sich die Credits wie verbrauchen, ließ sich für mich nicht ermitteln.

Die Wahrheit über ein CDN – die Ergebnisse

Einen Tag vor der Umstellung auf ein CDN habe ich einen Speedtest mit den Pingdom Tools durchgeführt und kam zu einem wirklich guten Ergebnis. Jede Arbeit an meiner Website Techbrain.de hat sich gelohnt, sie ist ohne CDN rasend schnell:

Vorher, ohne CDN:

Die Testergebnisse vom 05.07.2016. Erster Abruf unter 500 Millisekunden.
Die Testergebnisse vom 05.07.2016. Erster Abruf bereits unter 500 Millisekunden.

478 Millisekunden Ladezeit ist ein echter Ritterschlag, ich war mehr als zufrieden.

Nachher, mit CDN:
Der erste Aufruf meiner Website nach der Implementierung des CDNs hat 1,2 Sekunden Ladezeit gezeigt. Leider habe ich davon keinen Screenshot mehr. Nach etlichen weiteren Versuchen ist folgendes dabei herausgekommen:

Der Speed-Test vom 11.07.2016. Etwas schneller nach etlichen Aufrufen.
Der Speed-Test vom 11.07.2016. Etwas schneller nach etlichen Aufrufen.

Ich hatte ein Widget in die Sidebar gezogen, deshalb 29 anstatt 27 Requests.

Das Endergebnis – lohnt sich ein Content Delivery Network?

Meine Website lädt – nach einigen Aufrufen – durchaus schneller. Ganze 106 Millisekunden. Da hatte ich mir wirklich mehr erwartet. Der Unterschied zwischen 478 und 372 Millisekunden ist mit dem Auge nicht mehr wahrnehmbar. Zudem sind 478 Millisekunden bereits richtig – wirklich richtig – schnell.

Im Grunde genommen habe ich dieses Ergebnis durchaus erwartet. Wenn auf einem wirklich guten Server gehostet wird, der PHP7 und HTTP/2 unterstützt, und SSD anstatt einer HDD anbietet, dann kann man mit einigem Aufwand auch ganz normale Websites mit vielen Grafiken auf der Startseite das Rasen beibringen. Du möchtest dafür eine Anleitung haben?

Hier ist meine Artikel-Serie dazu:

Mein Fazit

Wenn du mich fragst, ob sich ein CDN lohnt, muss ich eindeutig sagen, dass es sich nur lohnt, wenn du einen englischsprachigen Blog besitzt. Dann kommt Traffic aus der ganzen Welt auf deine Website, die dann wirklich von einem CDN profitieren könnte. Eine deutschsprachige Website sollte zuerst alle anderen Maßnahmen umsetzen. Schon das bringt unglaublich viel Einsparung und lässt den Blog extrem schnell werden.

KeyCDN – eine berechtigte Kritik

Nirgendwo auf der Website ist der Test-Account, zu dem man sich anmelden kann, korrekt beschrieben. Es wird nur von einem 30-tägigen Testzeitraum gesprochen. Angeblich 30-tägig. Leider ist dem nicht so. Anscheinend funktioniert der Test-Account nach einem »Credit-System«. Ich erhielt einige Minuten nachdem ich die Screenshots für diesen Beitrag angefertigt hatte, folgende E-Mail:

Die E-Mail vom KeyCDN-Support
Sind die Credits aufgebraucht, wird sofort der Service eingestellt. Folgendes passiert dann:

KeyCDN: Verbrauchte Credits und die Folgen.
KeyCDN: Verbrauchte Credits und die Folgen.

Das ist natürlich suboptimal, besonders, weil man ja nicht ständig am Rechner sitzt und die Auswirkungen der verbrauchten Credits wieder beheben kann. Ich hatte somit nur vier Tage die Möglichkeit, den Dienst zu testen.

Problembehebung:
Um die Darstellung der Website zu normalisieren, muss nur das CDN Enabler Plugin deaktiviert werden und die CDN-URL aus Autoptimize entfernt werden. Danach wird alles wieder korrekt angezeigt.

Trotzdem, das geht so gar nicht! Der Dienst sollte schon einige Stunden aufrechterhalten werden, damit man seine Website ohne dieses Problem wieder umstellen kann und die Besucher keine völlig zerschossene Website zu Gesicht bekommen.

Meine Website läuft jetzt wieder ohne CDN und ist immer noch schnell genug, wie der erneute Test bestätigt, den ich eben gerade durchlaufen ließ.

Speed Test ohne CDN vom 11.07.2016
Speed Test ohne CDN vom 11.07.2016.

Und, welche Erfahrungen hast du mit einem CDN gemacht?

6 Kommentare zu “Die Wahrheit über CDN: KeyCDN im Praxistest”

Hallo Andreas!
“Meine Website lädt – nach einigen Aufrufen – durchaus schneller. Ganze 106 Millisekunden. Da hatte ich mir wirklich mehr erwartet.”
Du hast schon eine sehr schnelle Seite, so viel mehr kann das CDN nicht bringen. Irgendwie müssen die Daten, die auf deiner Seite vorhanden sind, letztendlich doch übertragen werden.
Wenn du das Ergebnis näher betrachtest, ist der Zugewinn trotzdem nicht schlecht. Bei deiner optimierten Seite, was sicherlich nicht bei vielen Webseiten so penibel ausgearbeitet ist, gibt es 25% weniger Ladezeit!
Ich finde das schon bemerkenswert. Ich hätte nicht so viel erwartet. Man muss allerdings auf jeden Fall abwägen, ob sich die Kosten dafür lohnen.
Ein anderer Ansatz wäre, die Kosten für gute Serverhardware zu sparen und dafür ein CDN zu nutzen. Das muss aber jeder selber durchrechnen.
Generell finde ich auch, dass sich ein CDN am meisten lohnt, wenn man eine weltweit anzutreffende Zielgruppe hat.
Viele Grüße
Heiko Mitschke

Ein anderer Ansatz wäre, die Kosten für gute Serverhardware zu sparen

Ja? Eher nicht. Du willst 15 Euro im Monat sparen? Denn genau das kostet ein hervorragender Server bei hostNET, der auch 300.000 Besucher im Monat ganz entspannt und locker wegsteckt.

Für die 15 Euro bekommst du nach den Angaben oben 412,5 GB Datenverkehr von KeyCDN im Monat. Bei deiner Seite techbrain, die 526 kB groß ist (siehe oben) wären das also ungefähr 784.200 Besucher im Monat, was dann mehr als 300.000 ist.
Für 15 Euro bekommt man bei hostNET den günstigsten Server. Dass der 300.000 Besucher wegsteckt, kann ich nicht überprüfen, fände ich aber gut.
Persönlich würde ich immer zu einem eigenen Server tendieren, da man diesen ändern kann, wie es gerade benötigt wird. Das CDN anzupassen, dürfte schwierig werden.
Trotzdem sollte das meiner Meinung jeder für sich durchrechnen, abwägen und entscheiden.

Hallo Andreas, deine Ergebnisse kann ich nur bestätigen. Wenn der Webspace passt, die Webseite optimiert ist und die Seite deutschsprachig ist, dann lohnt sich eine CDN nicht wirklich. Neben KeyCDN habe ich auch MaxCDN gestestet.

Ein CDN ist ja hier auch nicht unbedingt dafür, Geschwindigkeit im “eigenen” Land rauszuholen, sondern vielmehr dafür eine weltweit agierende Webseite schneller ausliefern zu können.
Ansonsten lohnt sich ein CDN einfach nicht – Evtl. würde er einen recht schwachen Server noch etwas entlasten, da dieser nicht mehr allzu viele statische Dateien laden muss.
Aber der Grundgedanke ist ja hier mehr, dass wenn ich eine Webseite in Deutschland auf einem Server habe und ein Besucher greift auf die Seite zu aus Australien, kommt das CDN zum Einsatz und stellt dem Besucher aus Australien die statischen Dateien direkt von einem Server aus Australien zur Verfügung, sodass die Daten nicht einmal um die halbe Welt transferiert werden müssen.
Außerdem lohnt sich ein CDN meiner Meinung nach auch nur bei wirklichen High Traffic Webseiten.

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