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Lukas Schlömer 12. April 2010

Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibungen: So steuern Sie Ihre Steuerbelastung

Auch Freelancer und kleine Unternehmen dürfen Rücklagen für künftige Anschaffungen bilden. Durch den 40-prozentigen Investitionsabzugsbetrag sinkt der Gewinn und damit die Steuerbelastung. Zusammen mit Sonderabschreibungen und planmäßigen Abschreibungen lassen sich damit im Jahr der Anschaffung bis zu 72 Prozent der Anschaffungskosten als Betriebsausgaben buchen! Wir erläutern die ebenso einfachen wie legalen Luftbuchungen.

Normalerweise mindern Ausgaben für betriebliche Anschaffungen erst dann den zu versteuernden Gewinn, wenn das Geld bereits geflossen ist. Schlimmer noch: Die Anschaffungskosten von dauerhaft genutzten Maschinen, Anlagen und Einrichtungsgegenständen dürfen erst nach und nach von der Steuer abgesetzt werden.

Praxistipp: Falls das Thema Abschreibungen für Sie noch ein Buch mit 7 Siegeln ist, finden Sie mithilfe des Beitrags „Abschreibungen: Zumutung oder Segen?“ bestimmt Zugang zur Materie.

Investitionsabzugsbetrag ersetzt Ansparabschreibung

Um Investitionsanreize zu schaffen, hatte der Gesetzgeber das Prinzip der Abschreibungen bereits vor einigen Jahren umgekehrt: Die bis einschließlich 2007 zulässige Ansparabschreibung bot nicht nur die Möglichkeit, Rücklagen für geplante Anschaffungen zu bilden: Ihr ganz besonderer Vorzug lag darin, dass Selbstständige und Unternehmer Rücklagen während der ersten fünf Jahre ihrer Geschäftstätigkeit ganz nach Belieben bilden und nach bis zu sechs Jahren wieder auflösen durften. Ein Investitionsverzicht hatte noch nicht einmal Strafzinsen zur Folge: Ein flexibleres Instrument der Gewinnkosmetik ist kaum vorstellbar.

Diese Möglichkeit ist beim Investitionsabzugsbetrag, seit 2008 an die Stelle der Ansparabschreibung getreten ist, nicht mehr gegeben. Dafür hat der neue Investitionsanreiz aber einen anderen großen Vorteil: Er darf auch für gebrauchte Anschaffungen in Anspruch genommen werden! Außerdem wurde die Rücklagedauer verlängert und die zulässige Gesamtrücklage erhöht.

Die Voraussetzungen im Überblick

Die detaillierten Vorschriften zur Investitionsrücklage finden sich in § 7g Einkommensteuergesetz (EStG). Die wichtigsten Voraussetzungen im Überblick:

  • Anspruchsberechtigt sind „kleine und mittlere Betriebe“: Wer seinen Gewinn per Einnahmenüberschussrechnung ermittelt, erfüllt diese Voraussetzung, solange der jährliche Gewinn (vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags) 200.000 Euro nicht überschreitet (ab 2011 wieder 100.000 Euro). Bei bilanzierenden Unternehmen kommt es auf das Betriebsvermögen an: Ein Investitionsabzugsbetrag darf bis zu einem Betriebsvermögen von 335.000 Euro gebildet werden (ab 2011 wieder 235.000 Euro).
  • Sind die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt, dürfen die Steuerpflichtigen bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsguts des Anlagevermögens als Betriebsausgabe geltend machen.
  • Die maximale Summe sämtlicher Investitionsabzugsbeträge für alle geplanten Anschaffungen eines Betriebes zusammen liegt bei 200.000 Euro.
  • Ein Investitionsabzugsbetrag darf selbst dann gebildet werden, wenn dadurch ein Verlust entsteht.
  • Wie Sie die Rücklage bis zum Zeitpunkt der Investition verwenden, bleibt Ihnen überlassen: Sie brauchen das Geld also nicht etwa als auf einem separaten Konto zu sparen!
  • Spätestens am Ende des dritten Jahres nach dem Wirtschaftsjahr, in dem die Rücklage gebildet worden ist, muss sie wieder aufgelöst worden sein.
  • Anschaffungen, für die ein Investitionsabzugsbetrag in Anspruch genommen wurde, dürfen „ausschließlich oder fast ausschließlich“ betrieblich genutzt werden: Ein möglicher privater Nutzungsanteil darf demnach nicht größer als 10 Prozent sein.
  • Die Anschaffungen müssen außerdem mindestens ein Jahr lang im Betrieb bleiben.

Wichtig: Wenn Sie sich für die Rücklage entscheiden, genügt die Angabe der geplanten Funktion des anzuschaffenden Wirtschaftsguts sowie der voraussichtlichen Anschaffungskosten. Kostenvoranschläge oder konkrete Lieferantenangebote brauchen Sie nicht vorzulegen. Auch Angaben über den genauen Zeitpunkt der Anschaffung oder gar den Gerätetyp sind nicht erforderlich.

Folgen eines Investitionsverzichts

Sollten Sie im Laufe der Zeit Ihre Meinung ändern und letztlich doch auf eine Anschaffung verzichten, ändert das Finanzamt nachträglich den Steuerbescheid für das Jahr, in dem Sie den Investitionsabzugsbetrag in Anspruch genommen haben. Auf diese Weise erhöht sich nachträglich Ihr Gewinn und Sie müssen für das betreffende Jahr Steuern nachzahlen. Simple Gewinnverlagerungen in ein Jahr mit absehbar geringeren Einkünften und einer daher entsprechend niedrigeren individuellen Steuerbelastung sind auf diesem Weg also nicht möglich.

Außerdem verlangt das Finanzamt pro Jahr Strafzinsen von 6 Prozent. Dabei beginnt die Verzinsung allerdings frühestens 15 Monate nach Ende des Jahres, in dem die Rücklage gebildet worden ist.

Gute Gründe für Rücklagen

Wenn Sie einen Investitionsabzugsbetrag in Anspruch nehmen, brauchen Sie kaum bürokratische Hürden zu überwinden. Anträge und Genehmigungen sind nicht erforderlich. Verglichen damit sind die Vorteile im Einzelfall beträchtlich. Zwar gibt es generell wenig Hoffnung auf spürbar niedrigere Steuersätze in der Zukunft. Mögliche Anlässe für eine vorübergehende Gewinnkorrektur gibt es trotzdem mehr als genug …

  • Sie möchten aus der Steuerersparnis kurzfristig private Vorhaben finanzieren. Die spätere Investition (oder Steuernachzahlung) ist z. B. aufgrund einer absehbar günstigeren Auftragslage, einer Erbschaft oder einer aus sonstigen Gründen verbesserten Finanzlage gesichert.
  • Sie wollen ihre künftigen Sozialversicherungsbeiträge gezielt senken: Immerhin ist der Gewinn laut Einkommensteuerbescheid für viele Selbstständige zugleich der Einkommensnachweis für die Berechnung ihrer Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung (etwa im Rahmen der Künstlersozialversicherung).
  • Sie streben aus anderen Gründen kurzfristig ein niedrigeres Einkommen an (z. B. Unterhaltszahlungen, Anspruchsberechtigung für staatliche Zuschüsse oder sonstige einkommensabhängige Vergünstigungen etc.).

So bilden Sie die Rücklage

Ein einfaches Rechenexempel: Angenommen, Sie haben im Jahr 2009 einen vorläufigen Gewinn von gut 60.000 Euro erzielt und suchen nach einer Möglichkeit, ihn ein wenig zu „drücken“. Da Sie ohnehin vorhaben, sich im Laufe der nächsten Jahre einen neuen Geschäftswagen zu kaufen, dürfen Sie dafür einen Investitionsabzugsbetrag auf die Anschaffungskosten des Fahrzeugs (von zum Beispiel 25.000 Euro) bilden:

40 % von 25.000 Euro ergeben eine Rücklage von 10.000 Euro. Die erforderlichen Angaben machen Sie in den Zeilen 65/66 sowie 74/77 des EÜR-Formulars für das Jahr 2009:

So tragen Sie den Investitionsabzugsbetrag ins EÜR-Formular ein.

So tragen Sie den Investitionsabzugsbetrag ins EÜR-Formular ein.

Dadurch sinkt der zu versteuernde Gewinn des Jahres 2009 „wie von Geisterhand“ auf nur noch gut 50.000 Euro.

Auflösung und Abschreibung im Anschaffungsjahr

Wenn Sie das Fahrzeug dann im Jahr 2012 kaufen, lösen Sie den Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 10.000 Euro auf. Dadurch erhöht sich Ihr Gewinn zunächst einmal um diesen Betrag. Im Gegenzug kürzen Sie die Anschaffungskosten um die Höhe des Investitionsabzugsbetrags und erhöhen damit zugleich die Betriebsausgaben. Die entsprechenden Angaben machen Sie im Zuge der Gewinnermittlung für das Jahr 2012 ebenfalls im EÜR-Formular. Derzeit sind das die Zeilen 62 sowie 78 bis 81.

Bitte beachten Sie: Neben der Sofortauflösung des Investitionsabzugsbetrags (mit Herabsetzung der Anschaffungskosten) können Sie auch eine Abschreibungsvariante ohne Herabsetzung der Anschaffungskosten wählen. Dadurch verschiebt sich die Anrechnung der Rücklage in die Zukunft. Wann welches Verfahren im Einzelfall günstiger ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater.

Zusatzbonus: Die 20-prozentige Sonderabschreibung

Mit der Auflösung des Investitionsabzugsbetrags und gleichzeitiger Inanspruchnahme der 40-prozentigen Abschreibung ist es im Jahr der Anschaffung aber noch nicht getan: Denn laut § 7g EStG dürfen kleine und mittlere Betriebe außerdem eine 20-prozentige Sonderabschreibung in Anspruch nehmen. Sie wird folgendermaßen berechnet:

Angenommen, die Anschaffungskosten betragen wie erwartet 25.000 Euro. Dann verbleiben nach Abzug des Investitionsabzugsbetrags von 10.000 Euro Anschaffungskosten von 15.000 Euro. Davon 20 % ergibt eine Sonderabschreibung von 3.000 Euro, die in Zeile 30 auf Seite 2 des amtlichen EÜR-Formulars als Betriebsausgabe eingetragen wird.

Wichtig: Die attraktive Sonderabschreibung dürfen Sie auch dann in Anspruch nehmen, wenn Sie in den Vorjahren keinen Investitionsabzugsbetrag für das betreffende Wirtschaftsgut gebildet haben.

Nicht vergessen: Die planmäßige Abschreibung

Der Investitionsabzugsbetrag und die Sonderabschreibung sind noch immer nicht das letzte Wort in Sachen Abschreibung: Darüber hinaus dürfen Sie die planmäßige Abschreibung als Betriebsausgabe geltend machen. Sie wird zusammen mit allen anderen laufenden Abschreibungen des Anschaffungsjahres in Zeile 26 (unten auf Seite 1 des EÜR-Formulars) eingetragen.

Bei verbliebenen Anschaffungskosten von 15.000 Euro und einer betriebsgewöhnlichen Pkw-Nutzungsdauer von sechs Jahren beträgt die lineare AfA in diesem Fall 2.500 Euro (= 1/6 von 15.000 Euro). Sollte im Jahr 2012 die degressive Abschreibung (noch bzw. wieder) zulässig sein, dann ergäbe sich unter den derzeitigen Bedingungen sogar eine planmäßige Abschreibung von 3.750 Euro (= 25 % auf 15.000 Euro).

Bitte beachten Sie: Die Berechnung der laufenden Jahres-AfA geht genau genommen davon aus, dass die Anschaffung im Januar 2012 stattfindet. Da das Finanzamt eine monatsgenaue Ermittlung für das Jahr der Anschaffung vorschreibt, verringert sich die Abschreibung ansonsten um 1/12 pro Monat. Beim Investitionsabzugsbetrag und bei der Sonderabschreibung spielt der Monat der Anschaffung hingegen keine Rolle: Selbst wenn Sie die Investition erst im Dezember vornehmen, sind diese Abschreibungen in voller Höhe zulässig.

Gesamtentlastung auf einen Blick

Bei Gesamtkosten von 25.000 Euro könnten in diesem Fall im Jahr der Anschaffung die folgenden Betriebsausgaben geltend gemacht werden:

  • 40 % Investitionsabzugsbetrag auf 25.000 Euro = 10.000 Euro
  • 20 % Sonderabschreibung auf 15.000 Euro = 3.000 Euro
  • bis zu 25 % planmäßige Abschreibung auf 15.000 Euro = 3.750 Euro.

Damit sind bereits im ersten Jahr insgesamt 16.750 Euro abgeschrieben, das sind rund zwei Drittel der Anschaffungskosten von insgesamt 25.000 Euro abgeschrieben!

Maximal 72 % Gesamt-Abschreibung

Bei Wirtschaftsgütern mit besonders kurzer Nutzungsdauer (wie z. B. Computer und ähnliche IT-Anlagen, die standardmäßig binnen drei Jahren abgeschrieben werden dürfen), liegt der Abschreibungsanteil im Anschaffungsjahr sogar bei bis zu 72 Prozent. Rechnen Sie nach:

  • Computer-Workstation: Anschaffungskosten 2.500 Euro
  • 40 % Investitionsabzugsbetrag auf 2.500 Euro = 1.000 Euro
  • plus 20 % Sonderabschreibung auf 1.500 Euro = 300 Euro
  • plus 33 % planmäßige Abschreibung auf 1.500 Euro = 500 Euro (bei Anschaffung im Januar, sonst anteilig weniger).

Als Summe der Betriebsausgaben ergibt sich damit im ersten Jahr maximal 1.800 Euro. Bezogen auf die Anschaffungskosten von 2.500 Euro sind das genau 72 Prozent!

Fazit

Der Investitionsabzugsbetrag und die Sonderabschreibungen verbessern die Liquidität kleiner und mittlerer Unternehmen spürbar. Darüber hinaus sind sie immer dann besonders nützlich, wenn es darum geht, das steuerpflichtige Einkommen kurzfristig gezielt zu beeinflussen. Das kann im Einzelfall selbst dann sinnvoll sein, wenn eine Investition zwar ernsthaft beabsichtigt ist, letztlich aber dann doch unterbleibt.

Links zum Beitrag:

  • O-Ton Gesetzgeber: Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibungen in § 7g Einkommensteuergesetz
  • Antworten auf Zweifelsfragen: BMF-Schreiben v. 8.5. 2009 (PDF, 122 KB).
  • Grundlageninformationen zum Thema Abschreibung bei Dr.Web: Abschreibungen: Zumutung oder Segen?

(mm),

Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

2 Kommentare

  1. Sehr informativer Beitrag. Was mir fehlt sind Beispiele wie weit z.B. bewegliche Wirtschaftsgüter gefasst werden. Konkret geht es um die Anschaffung einer Photovoltaikanlage (Dach). Ist eine solche Investition als bewegliches Wirtschaftsgut zu betrachten?

    Vielen Dank
    E.Purps

  2. Vielen Dank für die informative Darstellung. Habe hierzu noch die Frage, welche Auswirkungen der Investitionsabzugsbetrag hat und wie die Abschreibung erfolgt, wenn das Wirtschaftsgut – wie z.B. PkW – bei einem Finanzierungskauf vor Ablauf des linearen Abschreibungszeitraumes (hier 6 Jahre) dem Finanzierungsgeber zurückgegeben wird anstelle per Einmalzahlung (Restschuld)übernommen wird.

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