Online Games: Das müssen die Amerikaner noch lernen – Interview mit Heiko Hubertz

Frank Puscher

Autor der Fachbücher “Leitfaden Web-Usability”, “Flash MX-Das Kochbuch” und “Die Tricks der...

Die Firma BigPoint gilt weltweit als starker Player im Markt für kommerzielle Online-Spiele. Gründer und Geschäftsführer Heiko Hubertz erwartet in den nächsten Jahren einen signifikanten Schub für die Werbung in und mit Online-Games. Frank Puscher hat ihn dazu befragt.

Herr Hubertz: Sie kommen gerade aus Leipzig und gehen nächste Woche auf die GamesCom nach Köln. Wieso beides?

Heiko Hubertz: Wir haben uns strategisch dieses Jahr ganz klar für beide Messen entschieden. Sie sind ja eigentlich beide neu. Die Games Convention konzentriert sich verstärkt auf online – nicht ganz freiwillig – das kommt uns natürlich sehr entgegen. In Köln hingegen nehmen wir Kontakt auf zu den großen internationalen Spieleentwicklern und Konsolenherstellern.

Wie war es denn in Leipzig?

Hubertz: Wir sind sehr zufrieden und rechnen sogar damit, dass sich unsere Messekosten direkt über das Folgegeschäft wieder einspielen. Tatsächlich haben wir uns jetzt schon dazu entschieden, im nächsten Jahr wieder nach Leipzig zu gehen. Die Messe ist zwar noch klein, die Termine jagen sich nicht im 15-Minuten-Takt, aber dafür hat man Zeit, sich entspannt und intensiv mit Vermarktern, Entwicklern und anderen Messeteilnehmern auseinander zu setzen.

Von Krise keine Spur?

Hubertz: Nein. Gerade unser Segment Online-Games zeigt tolle Wachstumsraten. Wir haben in diesem Jahr noch 115 offene Stellen zu besetzen. Das werden wir vermutlich gar nicht schaffen. Über die nächsten Jahre wird sich bis zu 90 Prozent des Spielemarktes auf Online-Spiele verlegen.

Woran liegt das? Jahrelang fochten die Konsolen den Streit um die bessere Hardware aus, die ein authentischeres Spielerlebnis ermöglichte und seit dem Erscheinen der Wii mit Klötzchengrafik ist das alles wieder vorbei?

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Hubertz: Ich rede ja nicht davon, dass die Konsolen aussterben. Aber das Geschäftsmodell CD-Verkauf wird schwieriger. Bei uns können die User rund um die Uhr neue Spiele probieren und dank des Freemium-Modells bezahlen sie nur, wenn sie das wollen. Selbst das Abo-Modell von World of Warcraft bedeutet ja, dass der Nutzer auch bezahlt, wenn er gerade im Treckingurlaub ist. Für die Spieler ist Freemium das fairste Abrechnungsmodell und für die Entwickler ist Online die günstigste Vertriebsplattform.

Und die Technik?

Hubertz: Vieles davon wird inzwischen von Renderfarmen oder Compute Clouds erledigt. Wir versuchen ja die verfügbare Bandbreite optimal zu nutzen und das sorgt auch dafür, dass die Nutzer auch mit älterer Hardware ein tolles Spielerlebnis haben können. Ein weiterer wichtiger Vorteil der Onlinegames.

Warum sind hier gerade die deutschen Entwickler so gut aufgestellt?

Hubertz: Das ist im Grunde ein Zufall. Da vor zehn Jahren keine Bandbreite für hochperformante Actionspiele da war, haben wir das entwickelt, was mit weniger Ressourcen auskommt und das sind Strategiespiele. Und die Deutschen lieben Strategiespiele. So kamen wir schnell an eine breite Nutzerbasis, mit deren Hilfe wir viel lernen konnten. Heute haben wir einen echten Marktvorsprung. Wir wissen, wofür die Online-Spieler Geld ausgeben.

Die Asiaten haben doch gerade beim Thema virtuelle Güter eine noch höhere Affinität.

Hubertz: Das stimmt. Bei uns muss ein Item stets einen Nutzen bringen, dort reicht es vielleicht auch, wenn es einfach schrill und bunt ist. Aber gerade wegen der besonderen Kultur sind die Spiele aus Japan oder Korea kaum auf Europa übertragbar. Und die Amerikaner, die traditionell im Konsolengeschäft sehr stark sind, haben das komplett verpasst. Big Player wie Electronic Arts fangen gerade erst an zu lernen, wie Online-Games funktionieren.

Gibt es neben Spielgebühren und käuflichen Items auch ein werblich-fundiertes Geschäftsmodell?

Hubertz: Natürlich, aber es steckt noch in den Kinderschuhen. Im Vergleich zu TV, Radio oder Print setzt sich ein Spieler mit einem Werbemittel viel intensiver auseinander, wenn es klug in das Spielgeschehen eingebaut ist. Diese intensiven Kontakte und Reichweiten, die bei uns weit in den zweistelligen Millionenbereich vordringen, werden die Werber auf den Plan rufen.


Im Onlinespiel World of Golf verkaufen die Markenhersteller die gleichen Schläger wie real. Die Spiel-Golfer schlagen damit weiter und genauer.

Aber natürlich müssen wir auch unsere Hausaufgaben machen. Wir müssen den Prozess der Werbeschaltung vereinfachen, wir müssen Metriken anbieten um die Werbewirkung zu messen und es fehlt eine Freiwillige Selbstkontrolle. Daran arbeiten derzeit alle Verbände.

Auf der anderen Seite müssen die Agenturen kreative Konzepte entwickeln. Das beschränkt sich aus meiner Sicht längst nicht auf Werber, deren Produkte tatsächlich im direkten Umfeld eines Spiels zu finden sind, wie ein schneller Nike-Laufschuh in einem Sportspiel. Wir haben in unserem neuen Spiel Poisonville einiges bereits vorbereitet.

Durch Casual Games erreichen Sie ja heute schon viel breitere Zielgruppen als den klassischen Gamer. Wird es demnächst auch Manager-Spiele auf XING geben?

Hubertz: Ich glaube nicht. Social Network Gaming erzielt in den USA bereits sehr hohe Reichweiten, aber ich bin mir nicht sicher, ob das monetär funktioniert. Auf Freizeit-Plattformen wie Facebook vielleicht, auf Business-Plattformen wie XING vermutlich nicht. Meine Idee ist eher, berufliches und Freizeit, sprich Gaming, getrennt zu halten. Alles hat seine Zeit.

Herr Hubertz, vielen Dank für dieses Gespräch.

Frank Puscher

Autor der Fachbücher “Leitfaden Web-Usability”, “Flash MX-Das Kochbuch” und “Die Tricks der Internet Künstler”. Frank Puscher ist nicht nur ein angesehener Autor, der für zahlreiche Fachzeitschriften tätig ist, er ist auch als Schulungsleiter und Berater erfolgreich.

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5 Kommentare auf "Online Games: Das müssen die Amerikaner noch lernen – Interview mit Heiko Hubertz"

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jessy
Gast

geld scheffeln kann dieser hubertz!aber sich um seine kunden kümmern??keine spur!ich als ehrfahrener und zahlender kunde und spieler bin sehr verärgert über BP und den Hubertz schlaffi!
der ist nichtmal in der lage vernünftige programierer oder cm`s zu organisieren!man wird im stich gelassen aber zahlen soll man ständig!wo ist die kundefreunlichkeit geblieben???Herr Hubertz , nehmen sie endlich mal den finger aus dem popo und sehen sie zu das sie spiele wie seafight wieder vernünftig zum laufen bringen ansonsten werden die spieler von den ganzen ländermaps streiken und dann ist schluss mit lustig!scheiß verarsche……

Gabriele
Gast

Schließe mich Jessy aus vollstem Herzen an. Inzwischen ist Oktober und BP schafft es nicht seine Spiele sauber zum Laufen zu bringen.

In Farmerama sind inzwischen die Downtimes schon fast länger als die Spielzeiten – aber fleißig Werbung machen und wenn man dann spielen will geht nichts außer “Wartungsarbeiten”

Vlado_BA_SK
Gast

My experience with Dark Orbit and Bigpoint is very bad. I paid to Bigpoint, but my game account is blocked today. Only thing I meet today from side of Bigpoint “support” and (especially local CZ/SK) admins, is arrogance and ignorance. I’m still more and more suspicious, Bigpoint runs a large internet fraud. Now, it’s time up to cash the gains and vanish out from eyes of angry clients. I put my personal experience with DO and Bigpoint at my web page.

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